Liebe und Beziehung

Klassische und sehr unklassische Liebesgedichte.

Zwei, hauend & das zweitausendste Gedicht

Statue im Münchner Rosengarten

Zwei Taue

Zwei Taue send ich dir

Das eine, dich an mich zu binden
Und auswegslos den Weg zu finden,
Das andre form zu einer Schlinge!
Dass ich mich auch nach oben zwinge,
Bevor das Rückgrat mir zerbricht.

Ich weiß, die Taue sieht man nicht -
Und nennt sie trotzdem vorschnell hässlich.
Doch sind als Halt sie halt verlässlich
Und schon taut's endlich im Winterquartier.

Zwei Taue send ich, dichtend, dir

Außerirdische & das eintausendneunhundertfünfundsiebzigste Gedicht

Elefanten vor der Hochhausnachbarschaft vom Zoo Berlin

Man on Mars

Die Kühle flüstert mir zu,
Ich sei der Erste auf dem Mars.
Minus 63 Grad und du
Sprachst: "Guten Flug, monsieur - das war's!"

Noch verspricht ein Schwerkraftgruß:
"Du wirst dich leichter fühlen!".
Doch am Olympus Monsens Fuß
Wird sich jed Hoffnung verkühlen.

Die Berge werden immer fremder,
Kälter, höher, steiler.
Wer glaubt da an östliches Morgengedämm? Er
Setze mich auf den Verteiler!

Ich errechne noch, wie lang die Jahre nun sind,
Aber mag das Ergebnis nicht seh'n.
Es war ja der Plan, dass ich tunlichst verschwind,
Und nicht, den Planeten,
Den frostwindumwehten,
Mit Forscherelan zu versteh'n.

Bienenfresser & das eintausendneunhundertachtundsechzigste Gedicht

Bienenfresser in der "Welt der Vögel"-Vogelhaus im Zoo Berlin

Der Minnesang

Es ist ja grad die Hohe Minne
Im Tiefen zu erspür'nden Sinne
Ohne Maß.

Das immergleiche Leid als Suhlgrund
Empfand man einst als megacool und
Man blieb dem Trip der Agonie fromm,
Dem Liebesrausch, obschon man nie vom
Mohne aß.

Jardin Majorelle & das eintausendneunhundertneunundfünfzigste Gedicht

Im Jardin Majorelle in Marrakesch

Nachthand

Sie zog die Hand so plötzlich fort
(Und sie wäre zu halten gewesen).

Zu schuldig am leicht zu verhindernden Mord
Gelobten wir, bald zu genesen.
Doch der Mond, der uns in jener Nacht sacht’ beschien -
Er wächst nicht mehr zu ganzer Fülle,
Kreuzt den Nachthimmel nach unverrückbarer DIN
Und die Taglast belärmt ein Gebrülle
Aus „Wieso?“ und „Warum?“ und „Liebst du mich noch?“
Als drei der dich suchenden Finger
Vorm bleich übers Laken sich spannendem Loch.

Und käsig thront
Über all dem der Mond -
Ein Hüter, doch auch ein Bezwinger.

Stranddisco & das eintausendneunhundertfünfundfünfzigste Gedicht

Im Ausgehviertel von Essaouira

Diffizile Musendomizile

Weil ich hier auf Usedom
Nie so recht zum Schmusen komm',
Hab' ich meine Muse vom

Dienst suspendiert.

Fezfalter & das eintausendneunhundertdreiundfünfzigste Gedicht

Schmetterling im Jnan Sbil Park nahe der Medina von Fez

Traumwandler

Sie sagte, es sei ja nur
Ein schlechter Traum, nicht mehr.
Ich widersprach ihr, litt noch stur
Und ward der Lage Herr,
Nun erkennend: Nichts war den Ärger wert.

Nun trennt uns, dass sie unbeschwert
Den Weg, den sie erkannt', auch ging
Und nicht am oft Genannten hing.

Ich denke oft, jetzt wach zu sein.

Ob ich sie vermiss, magst du wissen? Ach, nein -
Ich erinner ihrer ja kaum.
Doch hatte sie recht,
Nichts zählt hier in echt.
Auch sie ist schon nur noch ein Traum.

Madonna Verona & das eintausendneunhundertachtundvierzigste Gedicht

Brunnen der Madonna von Verona auf der Piazza Delle Erbe

Die Minnelichen

Du bist mîn, ih bin dîn -
Es rettet uns das Immerhin
Und geht doch keinen etwas an,
Wies under uns zwein ist getân!

Ponte Pietra & das eintausendneunhundertneununddreißigste Gedicht

Die Ponte Pietra über die Etsch in Verona

Busserl

Ne Tussi, die mit Bussen reist,
Doch dort sofort nen Russen beisst,
Sucht Schluss und endlich - wenngleich dreist
Wie eigentümlich - Anschluss meist.

Überragendes & das eintausendneunhundertdreizehnte Gedicht

Moschee von Cassablanca

Spätausläufer der Romantik

Es tippelt grad die Schäferdichtung
Für jenes Stündchen ein
Und lenkt per Zippelei‘n
Dein Schnürrchen gen my Schläfenrichtung.

Zu gern bemüht man Willensschwäche
Als Opfer der romance,
Verbittet sich comments
Und senkt sich auf die Chilloutfläche.

Medinagasse & das eintausendneunhundertdritte Gedicht

in den Gassen der Medina von Fez

Aufgebrochen in die Weite

Aufgebrochen in die Weite,
Haben wir unsern Weg doch gefunden.
Jeder an des andren Seite -
Im Gleichschritt, doch nicht dran gebunden.

Ich weiß nicht, wie oft du nach hinten noch schaust,
Wie sehr du auf unsern Zusammenschluss baust -
Doch wisse, du solltest nicht warten!

Hab unsern Weg nicht aufgegeben,
Doch schaffte unsre Nähe eben
Zu enge Gassen für Taten.

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