Liebe und Beziehung

Klassische und sehr unklassische Liebesgedichte.

Heimweg & das eintausenddreihundertsechsundfünfzigste Gedicht

Beim Hotel Järvisydän an den Saimaaseen

Atmung im Winter

Nichts als kalte Luft im Schädel,
Die die wärmeren Gedanken
Harsch in ihre Schranken
Weist.

Weh, darinnen friert mein Mädel,
Die als längster Wunsch von allen,
Nun bedrängt von Eiskristallen,
Langsam zur Idee vereist.

So entschwindet mir das Mädel -
Nichts als kalte Luft im Schädel.

Valamo & das eintausenddreihundertdreiundfünfzigste Gedicht

Kloster Valamo

Die Erweckung

Ach, jeden Tag verdöste ich
So reiz- und rauschlos klösterlich -
Ich konnte mich zu nichts erheben,
Trudelte nur so durchs Leben
Und vertändelte die Zeit
Mürrisch mit Enthaltsamkeit.

Dein Esprit erlöste mich,
Denn mit dir entblößte sich
Mir eine Arche voll Erstreben.
Der sei mein verschnarchtes Leben
Fortan vollkommen wie vollends geweiht
Mit Hingabe und Frömmigkeit.

Olymp 7 & das eintausenddreihundertdreiundzwanzigste Gedicht

Häuserfront Olympisches Dorf in München

Windiger Vorschlag

Der Wind selber ist gar nicht zu sehen,
Nur durch die, die sein Dasein bewegt.

Keine Fahne gelangt je zum Wehen,
Wenn kein Lüftchen durch Sichtfelder fegt.

So mag beides ja durchaus bestehen,
Aber niemand wird ihrer gewahr.

Und von daher mein Vorschlag: Wir gehen
Durch das Leben fortan als ein Paar.

Herbstzeitenglischer & das eintausenddreihundertste Gedicht

Englischer Garten

Ripostegedicht auf Hermann Hesses "Im Nebel".

Mer Han Nässe: Im Regen

Balsam, im Regen zu wandern!

Gemeinsam vom Schirme behütet,

Wird durch die Hauchnäh' des jeweilig andern,

Das furchtbare Wetter vergütet.

Wenn's turtelt unterm Prasseldach,

So legt auch dies Gedicht nah,

Legt jeder noch in Nähe nach

Und scheint zu mehr verpflichtbar ...

Wahrlich, im Regen zu gehen,

Macht nur den Verwegenen Spaß,

Die überall Sinnenglück sehen;

Normale Leut' werden nur nass.

Balsam, im Regen zu wandern!

's würd feucht, tät man sich jetzt entzwei'n.

Man rückt lieber ran an den andern,

Mit Schirm entsteht Charme von allein.

Mendebrunnen & das eintausendzweihundertneunundachtzigste Gedicht

Der Mendebrunnen am Augustusplatz in Leipzig

Die Überwältigende

Hier übersteigt das Sein die Minne
Und hält der Held vorm Sprachlos inne -
Will nur noch um und in sie denken,
In Deinseinstiefe sich versenken,

So ortsverloren ihr Befinden
Mit aller Demuts Grund verbinden.

Trinkfestigkeit & das eintausendzweihundertachtzigste Gedicht

Bayerntower auf dem Oktoberfest München 2019

Britta frei'n & Ritter sein (Reprise auf "Ritter sein", Gedicht Nr. 116)

Ach, litte ich am schweren Sein,
So tränke ich zwei Liter Wein
Bloß um im nächsten Schritt zu schrei'n:
"Hier passt auch noch ein dritter rein!"
Würd dann - um wieder fit zu sein -
Kurz in den Pool von Britta spei'n.

Auf meine Bitt' dies zu verzeih'n,
Guckt' Britta leicht verbittert drein.
"Mir muss da was entglitten sein!
So'n Shit ist nicht der Sitte mein!
Hab schließlich stets getwittert, ein
Ganz großer Fan von Britt' zu sein!"

So leicht lässt sich ein It-Girl frei'n:
Geschmeichelt lud mich Brittalein
Zum Ritt in ihre Mitte ein -
Da darf man auch mal Durchschnitt sein!

Heut' braucht es für des Ritters Weih'n:
Den Mut zur dritten Pulle Wein,
'nen Tweet im Zwitscherei-Verein
Und einen Pool um reinzuspei'n.

Nun ruft ein Witzbold mittendrein:
"Ich fänd's für meine Eintritt fein -
Und denk, im Vers mit Brittalein
Passt gut ein Reim mit Titten rein!"

Das möcht' ich mir verbitten, nein.

Rummel & das eintausendzweihundertachtundsiebzigste Gedicht

Oktoberfest München 2019

Zu spät, aber nicht zuu spät

Fürs Wannenbad war's schon zu spät -
So würzt denn dann mein Tête-à-Tête
Bei jenem Date mit Annegret
Ein aus dem Achselnass geweht-
Er, angeregter Moschusduft
(mein ungepflegter Modus Schuft),
Der untentwegt die Luft durchfegt,
Was Annegret dazu bewegt,
Dass sie mich zu 'nem Bad einlädt,
Sich zu mir in die Wanne legt
Und dann im Ineinander rät:

"Vereinigung und Reinigung
Vereint man gern in einem Schwung!"

Eibseeinseln & das eintausendzweihundertsechsundsechzigste Gedicht

Blick von der Zugspitze auf den Eibsee

Hochzeitsgedicht (Reprise)

Harmonie ist ein sehr langer Weg -
Den startet man nicht gern aufs Neue.
Ich genieß unsre Aussicht und pfleg
Das bislang Erreichte mit Treue.

Schliersee & das eintausendzweihunderteinundsechzigste Gedicht

Schliersee Ufer

An der anderen Mole (zum Platzieren von Nostalgie)

Da ich hier nun am Pier steh
Anstatt mit dir am Schliersee,
Scheint alles so verfahren.

Doch hilft es zu vermeiden, Kind,
Die Feststellung: Wir beide sind
Nicht das, was wir mal waren.

Krumau & das eintausendzweihundertzweiundvierzigste Gedicht

Blick auf Krumau an der Moldau

Reim & Insta

Ich glaube, du könntest auf Insta sehr schön sein!
Es gibt dort entsprechende Filter,
Dass all die ergriffenen Follower stöhn'n ein:
"So sweet, escht! Sin' vollschöne Bilter!"

Die reale Welt bietet nur Ungünstigkeit
Von Winkeln, Momenten und Licht.
Sie zerrt deine Aura zur Unkenntlichkeit -
Ein prosagedrucktes Gedicht.

Aber kundig posiert vor der Linse vom Smartphone
Verwäscht sich die Unförmigkeit der Figur -
Dank Portraitautomatik beglänzet dir zart schon
Feinster Glamsternenstaub deine Hilflosfrisur.

Und glaub' mir, du ließest dich sehr schön bereimen!
Denn gleich Filtern obliegt's mir als Dichter,
Die Grobporigkeit deiner Haut zu entkeimen,
Weichschönend als Wirklichkeitsrichter.

Du siehst, man hat dich falsch geboren -
Du bist zur Schönheit auserkoren!

(Gleichwohl entwertet bald das Bild,
Dass dieses halt für alle gilt.)

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