Pflanzen & Natur

Gedichte vom Wandeln in Natur und Wald sowie Gedichte, in denen andere Pflanzen die Hauptrolle spielen.

Yalla & das eintausendneunundsiebzigste Gedicht

Leopard im Yalla Nationalpark

Leopards

Durchs Gestrüpp huscht ein Schatten gefährliches Sein
Als ein mahnendes Ahnen: Du bist nicht allein
Und durch Reißzähne zischeln sich düstre Geschichten

Hier horten sich Handstreiche, dich zu vernichten

Du kannst hier nur zurück und vor
In deinem schmalen Korridor
Und beiderseits entleert sich Wald

Und jederherz schweigt sehr sehr bald

Eisbachufer & das eintausendachtundvierzigste Gedicht

Am Eisbachufer im Herbst

Im Verlauben

Auf laubbedecktem Rasen liegen
Derweil die weit'ren Blätter fliegen ...
Zu sagen: "Baum, bei bess'ren Wettern
Würd' ich mich hier auch entblättern!"

Buchs & das eintausendsechsundvierzigste Gedicht

Im Schlosspark Nordkirchen

Die zwei Jahreszeiten

Die Sonne schwalbt durchs Schattgeäst
Und Laub wie Laub krönt Welten farben
Wie wallt sich auf zum Schatz der Rest!

Als würde noch geheim: Es starben
Die Prachten solcher Königtümer
Im angestammten Jahrestakt
Und üblich reisst's von ungestümer
Glorie Herzhaut, falben nackt

Für dich regt sich schon Auferstehung
Mit mir schimpft Herr St. Nimmerlein
Schwenkt längstens in die Unumgehung
Des baldigst Ganz-Gewesens ein

Grenswerk & das eintausenddreiunddreißigste Gedicht

Venlo Grenswerk in der Peperstraat

Sonnenkrieger

Und wieder rinnt die Wirklichkeit
Durch meine tauben Finger
Als sei ihre Zeit nun endgültig vorbei
Als gäb' es längst heißere Dinger

Doch schwör' ich nicht der Frischluft ab
Für eigene vier Wände
Reich' unberechenbarer Kraft
Die frisch geleerten Hände

Wo Wurzelwerk mein Salz aussaugt
Und mich Sturzbäche Regen begießen
Werd' ich, wenn sich die Welt abschafft
Die Restspur des Sommers genießen

Spurenelemente & das eintausendzwölfte Gedicht

Im Giardino Giusti

Im Giardino Giusti

Im Wuchs
Der Buchs-
Baumhecken
Entdecken sich, verstecken-
Derweise,
Sehr, sehr leise -:
Zwei ungemischte Paare,
Die je das Andere finden
Zum zärtlich sich Verbinden
(Man weiß nun: nicht auf Jahre)

In mancher Gärten Lauschigkeit
Verzehrt's uns nach dem Rausch zu zweit

Und vieles wird zu Spuren
Von abgelauf'nen Uhren

Oryx & das neunhundertsechsundfünfzigste Gedicht

Oryx im Etosha Nationalpark

In Afrika

Im gelbenen Güld
Auf erdlichtem Röten
Sind allsam befüllt
Das mäandernde Flöten
Und Zirpen eines Kontinents

Ist paradiesnahtig
Der Überfluss fremd

Doch nabelschnurartig
Und ahnungsenthemmt
Verzock' ich den Resthauch von Abers und Wenns

Chobe NP & das neunhundertfünfunddreißigste Gedicht

Giraffenriss im Chobe Nationalpark

Steppe

Steppe besteht
Solang's sie nicht kümmert
Wie's mir ergeht
Und was mich zertrümmert

Steppe befiehlt
Mir, die Ruhe zu lieben
Die Füße gezielt
In die Schuhe zu schieben

Rhododendron & das neunhundertzehnte Gedicht

Rhododendron im Französischen Garten Celle

How to droh the Rhododendron

Da der Dodo (oder die Dronte)
Den Rhododendron nicht roden konnte
Rode du den Rhododendron!

Oder droh' ihn mit Rodung im rohen Ton!
Dann dröhnt bald jeder Drohnenrotor
Wie 'ne rhododendronische Todesschwadron

Hinterbrühler See & das siebenhundertfünfundneunzigste Gedicht

Hinterbrühler See im Winter

Vorbei in tiefer Nacht

Ich lehnte mich zum Wundenlecken
An einer Linde kühles Moos
Gewärmt von ersten Lichterflecken
Gewahr. Und doch bedeutungslos

Ihr Stamm gönnt mir das Abschiednehmen
Von unentwegt gezähmter Wut
Für immerdar könnt mich beschämen
Wie friedensreich ich hier geruht

Ich wusst' ja, dass ich Ruhe fände
An jenem versumrosten Ort
Doch lüfte jetzt erst die Verbände
So sterbensrein, umkost vom Wort

Gendarmenmarkt & das siebenhundertdreiundachtzigste Gedicht

Die Kugelahorne vom Gendarmenmarkt

Die Kugelahorne vom Gendarmenmarkt

Wenn Kugelahornfälldebatten
manch kluges Naturell beschatten
Wenn Niedrigäst und Blätternest
versag'n im Platzverwertungstest
Wenn Häuptlinge vom Stamme Nimm
den Stämmen drohen, ist das: schlimm

Sind Zweigstellen mit Kindchenschema
wirklich kein Touristenthema?

Ist das gernegroß-ulkige "Ick bin zufrie'n ..."
nicht sinnbildlich baumelnd für "Ditt is Balin!"?

Wohlan, ihr Stadtentwicklungstucken
es gilt in Reue sich zu ducken!
Ihr sollt bei jedem "be Berlin"
den Kugelahorn einbezieh'n!
Und lehrt es auch noch eure Blagen:
Wer A sägt, muss als B versagen!

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