Pflanzen & Natur

Gedichte vom Wandeln in Natur und Wald sowie Gedichte, in denen andere Pflanzen die Hauptrolle spielen.

Weitsee & das zweitausendneunzigste Gedicht

Am Weitsee zwischen Reit im Winkl und Ruhpolding

Was Paradiesvögel singen

In den Randbezirken von Paradiesen
Läuft man barfüßig über den Schnee,
Man kikerikit reine Lautexpertisen
Und tränkt mit Daiquiri den Klee.

Ich weiß, Spatz, du wirst dies als gestrig schelten -
Du schätzt Freiheit alleine aus Not.
Hier schält sich die Regel vom Zwang frei, zu gelten -
Und du hast hier Redeverbot!

Leberwurstbaum & das zweitausendfünfundachtzigste Gedicht

Leberwurstbaum im Jardín Botánico de Cienfuegos

Traumtod

Es erschlage mit Wucht - so mein Lebenstraum -
Eines Tages die Frucht mich vom Leberwurstbaum!
Drauf Schock-Informierte in Lexikahorten
Mein scheel auf dem Sack schiel'ndes Schicksal verorten,
Dass derart vererbt cruist ein Wissen durchs Land:
"Leberwurstbaum?! Klaro, ist mir bekannt!"

Tabakernte & das zweitausendvierundsechzigste Gedicht

Tabakfeld und Trockenscheune bei Viñales mit Mogotes Bergen

Garten und Feld

Kein Feld vermag die Blütenmacht
Der Vorgärten zu brechen.
Und ebenso kann kein Ertrag
Der Anmut widersprechen.

Nur du verlangst die Relevanz
Allüberall zu ähren,
Zertrampelst stur wie ignorant
Die Geltung andrer Sphären.

Kloster Weltenburg & das zweitausendsechsundfünfzigste Gedicht

Kloster Weltenburg

Waldschluchtrausch (Unter Seinesgleichen)

Und es säumen Majestäten
Wie im Beilauf die Natur,
Ragen, ragen im gesäten
Atemraubapplausparcours.

Imposanz pflanzt zu erdrücken
Mein bloß staubkorngroßes Ich.
Rasch entwunden durchs Entrücken,
Fühle ich mich königlich!

Spiezer Wein & das zweitausendsiebenunddreißigste Gedicht

Auf dem Erlebnispfad Spiezer Rebberg

Das rote Kornfeld

Diesem Feld entwächst seit Generationen
Und immer rotes Korn.
Derweil haben wir, die es rührig umwohnen
Unsre Leben und Kriege verlor'n.

Ach, könnten wir doch mit dem Sonnenlicht späh'n,
Wenn's die schwankenden Halme durchdringt!
Uns bleibt nur, sie alljährlich niederzumäh'n -
Im Wahn, der nichts wirklich bezwingt.

Es wellen die Blätter im Sturmwind dahin,
Ganz ohne Arg und Zorn.
Es ruht die Gewissheit vom Wiederbeginn
Im frisch aufgerichteten Korn.

Kakteenschwemme & das eintausendneunhunderteinundsechzigste Gedicht

Kakteen im Jardin Majorelle

Nach der Eiszeit II

Die Statuen im Wasser sind Zeugnisse einer nicht überlieferten Eiszeit,
Da längst Elefanten an den Ufern grasen
In unerreichter Weisheit.
Grasen,
Obwohl sie einst Bäume zerplückten -
Doch den Voreiszeitdrang sodann unterdrückten,
Als die Sockel nach neuen Helden riefen,
Da die Welt so durchplumpst war von schweigenden Tiefen.
Und man fügte sich ganz ohne Arg einer Ruhe,
Verschluckte das einst so bewährte Getue.
„Gras“, raunt ein Stein, dessen Stahlgestreb rostet.
„Vom Wertlosen habe ich niemals gekostet.“

Oberbaum & das eintausendneunhundertsechsundfünfzigste Gedicht

U-Bahn auf der Oberbaumbrücke vorm Eierspeicher Universal Gebäude

Dem tapferen Baum an der Warschauer Brücke

Auferstanden aus Ruinen
Und aus Rinden, winterstarr
Zwischen Tram- und S-Bahnschienen
Blühst du auf! Wie jedes Jahr.

Unbeugsame Flowerpower
Trotzt dem eitlen Gammel-Look
Spammt dich auch ein noch so rauer
Degentrifizierungsdruck
Du sagst durch die Blume, unbeirrt
Es freue dich, dass Frühling wird!

Umströmt vom Party-People-Muff
Versumpfter Twens nach Billigsuff
Schluckst du den Touripöbelpiss
Nebst Pennerwein und Tölenschiss
Wirst regelmäßig vollgestrullt
Und unaufhörlich eingelullt
Vom Atzen-Sang von Kevins Miss
Von Studi-Talk und Bullen-Diss
Doch du blühst weiter, unbeirrt
Freust dich halt, dass Frühling wird!

Du konterst mit dem Blütenkleid
Der allgemeinen Hässlichkeit:
"Ich zieh mir heut wat Schicket an
Und frische auf, so gut ich kann!
Ein Frühlingserwachen in ewiger Dreckzeit
Und vielleicht halt' ich durch, bis dass ihr alle weg seid!"

Muss Schönheit auch vergänglich sein -
Ich zähl auf dich, Baum, häng dich rein!

In zwei Wochen ist all dein Zauber verblüht -
So lang sei Oase dem edlen Gemüt!

Indigo & das eintausendneunhundertachtzehnte Gedicht

In der Medina von Chefchaouen

Indigo

Blau ist eine stille Farbe,
wie ein klarer Höhlensee.
Violett ihr zarter Knabe,
Doch voll Ungestüm in spe.

Indigo will im Vermitteln
Weiter in die Tiefe geh'n -
Mit der Kraft von je zwei Dritteln
Sich ins letzte endlos dehn'.

Ausbeute III & das eintausendachthundertvierunddreißigste Gedicht

Mein Geburtstagsblumenstrauß 2

Rittersporn

Für den Rest unsrer Zeit wird der Ritterbedarf
In der Welt Überschaubarkeit melden:
Es festigt sich ein lose Sitten entlarv-
Endes Zero-Int'resse an Helden.

Nichts rettet uns vom Tugendschwinden. -
Doch kriegt die Rotte etwas Sporn:
Muss Jugend nicht komplett erblinden,
Wird Don Quichotte neu gebor'n!

Sommerjasmin & das eintausendsiebenhundertachtundachtzigste Gedicht

Sommerjasmin

Die Wucht der Zucht (Die Sommerblüher)

Ein Jahr hast du geblumt - nun brülle,
Flut die Flur mit Blütenfülle,
Oppulent wie üppig glühend,
Knülle Farbenprachten blühend,
Die vereint in Übertreibung
Flieh'n den Zügeln der Beschreibung,
Trachtend danach im geballten
Sinnenspiel sich zu entfalten.

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