Chinesischer Pavillon & das eintausendzweihundertdreiundsechzigste Gedicht

Chinesischer Pavillon im Park Sanssouci

Neocollognia (da simmer dabei, dat is prima)

Du Fritte im Gourmet-Verdauen
Du "Gib die Handy, sonst verhauen!"
Du G-Rap-Deppen-Resterampe
Du Speckgurt einer Dönerwampe
Von Billigshops durchsetzte Pampe
Mit alles Mütter, außer Schlampe
Da simmer dabei, dat is Prima-tenniveau
Doch alles nur Tarnung, hey, alles nur Show!
Wir lümmeln uns im Off so gerne
Mit offensivster Bildungsferne
Dass keine Zitty-Tip(p)sen schreiben
"Trendkiez Neukölln – die komm'n um zu bleiben."
Fürs Parabolier-Paradies
Schein'n selbst Studenten sich zu fies
So'n Sonn'nallee-Flat – na, das will doch keiner?
Mein So'n, Allah schuf auch den Mediendesigner!

Keine Grenzallee stoppt Galeristen
Trotz Allahgien sich einzunisten
Und wer vermiest den Werbe-Miezen
Ihr Siedeln in den Sudelkiezen?
Die fallen via Kreuzberg ein
Als besserzahl'nde Mietpartei'n
Spür wie der Mond ins Ghetto kracht
Wenn John uns hier Ristretto macht!

Zwischen Volcan und Volkern, zwischen Alis und Marlies
Un' selbs' die Tourischte han letztens ers' da gwis
"Na, sag ma', von wo kommscht denn du her, mein Schatz?"
"Was fragst du komm' ich her, Mann?! Platz
Ej, ich bin noch alte Assi-Garde!"

Die werd'n jetzt selten.
Jammerschade.

Westufer & das eintausendzweihundertzweiundsechzigste Gedicht

Schliersee Westufer

Zwischen den Frieden

Zum Gelingen des Lebens fehlt dir jeder Einwand
Meinen Wunschzettel scheltest du Gier
Weil den förmlichen Frieden ich etwas zu klein fand
Für die Partyausstattung vom Hier

All der Streit ward mir nicht in die Wiege gelegt
Ich nannte mich einstmals bescheiden
Was des Ärgers nicht würdig, hat mich nie zerregt
Was sollte man unnötig leiden

Dein Gezwäng aber spitzt sich aufs Kommende zu
Das mag ich dir nicht überlassen
In dem Bannkreis vom allüberstrahlenden Du
Will ich nicht noch weiter erblassen

Man muss sich nicht auf anderer Kosten verstärken
Doch hier geht es schlussendlich um Stil
Den Triumph werd' vermutlich ich nicht mal bemerken
Nur es scheint, er bedeute noch viel

Schliersee & das eintausendzweihunderteinundsechzigste Gedicht

Schliersee Ufer

An der anderen Mole (zum Platzieren von Nostalgie)

Da ich hier nun am Pier steh
Anstatt mit dir am Schliersee,
Scheint alles so verfahren.

Doch hilft es zu vermeiden, Kind,
Die Feststellung: Wir beide sind
Nicht das, was wir mal waren.

KMA & das eintausendzweihundertsechzigste Gedicht

Wohnhaus an der Karl Marx Allee

Ripostegedicht zu "Im Anfang" von Else Lasker-Schüler, das aus Worten besteht, deren Anfangsbuchstaben viermal den Namen "Else Lasker-Schüler" ergeben.

Else Lasker-Schüler: Ends Los

Als Satans Küsse Else rammten,
Sich chancenlos hart über Lippen erbrachen,
Raunte ein Lobgesangsrequiem samten
Endlose Lehnwörter anderer Sprachen.

Kein Ende rühmt sich christusgleich!
Hundert Übel lebt eine Ruine!
Entsprechend löst sich Elses Leich'
Als korrekt etablierte Routine.

Statt chorgesängig hinzufahren
Übt lieber ein recht eckig' Leben!
So erlebt Lust als Kür eines raren,
- statt cash - hier üblichen Lohns ew'ger Reben!

Fremdling & das eintausendzweihundertneunundfünfzigste Gedicht

Katta im Zoo Hellabrunn

Schwermütigkeit

Ich benötige rasch etwas Körper in mir,
Meine Haut ist vom Leiden so leer.
Und nun drängle ich quengelnd durchs Gästequartier,
Als gäb' es die Hausbank nicht mehr.
Hier gehören doch andere Lösungen hin,
Wenn der Alltag sich so übernimmt,
Dass sein ganzes Gehöft sich entledigt vom Sinn
Und nichts mehr im Blutkreislauf stimmt!

Bin wohl längst nicht mehr bei mir, finde auch nicht zum Du -
Gewiss ist alleine die Störung.

In die Ferne rückt frühere Sehnsucht nach Ruh -
Alles zerdrückt von Empörung.

Rottenchef & das eintausendzweihundertachtundfünfzigste Gedicht

Pavianmännchen im Zoo Hellabrunn

Selbstkritik am FKK

Ich bin der größte Affe,
Entblöße mich und gaffe
Auf andere Entblößte.

Gut, bin nicht ganz der Größte ...

Schneeeule & das eintausendzweihundertsiebenundfünfzigste Gedicht

Schneeeule im Zoo Hellabrunn

Meine Söhne

Meine Söhne pflügen durch dies Weltlein
In ungeklärten Farben.
Es stand vor ihrem kleinen Heldsein
Kein Leben, eh sie starben.

Doch es tuscheln die meisten vom Geist Invaliden:
Ihnen ward so ein besseres Schicksal beschieden!

Zoolöwe & das eintausendzweihundertsechsundfünfzigste Gedicht

Löwenmännchen im Zoo Hellabrunn

Löwegeld (Der Erpreffungsfverwuch)

"Fahlen Wie daf Löwegeld
In abgegriffnen Feinen!" -
Erpressung in der Lisplerwelt
Ist manchmal schon zum Weinen.

Hofnachbau & das eintausendzweihundertfünfundfünfzigste Gedicht

Höfe im Freilichtmuseum Glentleiten

Next Stop Start-Up

Handwerk spendet bändeweise
Sachverstand. Und ended leise.

Glentleiten & das eintausendzweihundertvierundfünfzigste Gedicht

Schlafzimmereinrichtung im Freilichtmuseum Glentleiten

In den finsteren Häusern

In den finsteren Häusern sind nur Leichen zu Gast,
Dunkler Dunst schwärzt das Herz der Laterne.
Ich habe die Chance zum Absprung verpasst,
Aber dir, Spatz, viel Fun in der Ferne!

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