Deux Frères & das fünfhundertneunundsechzigste Gedicht

Aussichtspunkt bei Deux Freres

Melasse

Pesend durchs Spalier dichter Zuckerrohrfelder
Herrscht neben der Spur diese Ödnis der Gleichheit
Es nähern sich Ziele von bald auf ein Bälder
Man hofft, dass kein Blödian nach 'nem Vergleich schreit

Gris Gris & das fünfhundertachtundsechzigste Gedicht

Gris Gris Küste

Des morgens im Ferienort

Der Frieden im Fell der streunenden Hunde
Ist noch beugsam wie langsames Licht
Nur ich dreh 'ne weniger ziellose Runde
Durch all das Gebiet, das noch Alles verspricht

Mein "Good Price!"-Kumpan macht noch gar keine Anstalt -
Ein Solarenergie-unbetanktes Reptil
An dem noch der Druck eines Tages-Solls abprallt
Noch kennt seine Jagd nach Int'resse kein Ziel

Die Straße, entschleunigt vom zähen Erwachen
Die Sonne brennt zärtliches Huschen in mild
Zwei Kunstpausen später verkrampft sich das Bild
Und vor uns: des Tages geöffneter Rachen

Grand Bassin & das fünfhundertsiebenundsechzigste Gedicht

Am Grand Bassin

Och, Herr!

Och, Herr, schenk den Reichen ein langes Leben!
Die Armen sind einfach nicht so schön
Drum darf es sie gern etwas kürzer nur geben
Es lässt sich an Reiche viel besser gewöhn'n!

Schenk denen, die nach Stil nicht streben:
Ein Jahr McDonald's-Sparmenü!
Und lass die Reichen länger leben

Die Armut ist per se perdu!

Tamarin & das fünfhundertsechsundsechzigste Gedicht

Sunset at Tamarin Beach

Rückkehr auf die Insel

Nach einem sechzehnundeinviertel Jahr
Wach ich auf am Morgen
Werde, was dazwischen war
Wie 'nen Traum entsorgen

Antizyklonnachwehen & das fünfhundertfünfundsechzigste Gedicht

Tu es wie die Vögel, die

Tu es wie die Vögel, die
Tirälüren klammheimst in Geböschen
Und aus der jahrendigen Bilanzerie
Des Regens ZuSchauerZahl löschen

In einem von Vögeln versungenen Leben
Wird's niemiemals Regenerhebungen geben

Mauritius blau & das fünfhundertvierundsechzigste Gedicht

Gabriel Island

Du Blau

Es hat, seitdem mir deine Blauheit erblaut'
Sie - rückwirkend geltend für immer -
Die Reichweite ihrer Bedeutung versaut ...
Ich hatte vom Blau keinen Schimmer!

Du halfst mir durchs Weiter-bewandert-zu-Sein
Mich für das Zu-Nichts-zu-Gebrauchen
Vom Würgegriff grässlichsten Standards zu frei'n
Und lässig in Blau einzutauchen

Auszeit & das fünfhundertdreiundsechzigste Gedicht

Dusche nach drei Tagen

Befreie mich vom Drachenblut
Ich sehn' mich nach der Wunde
Verpfände altes Hab und Gut
Und schmeiß die nächste Runde

Löwe & das fünfhundertzweiundsechzigste Gedicht

Erlangen Löwe

Bayern und Preußen

Weiß-Blau weiß genau
Was feist ist, was mau
Wohingegen der Blau-Weiße
Denkt sich: "Wow! is' trotzdem scheiße ..."

Rabatten & das fünfhunderteinundsechzigste Gedicht

Schlossgarten in Erlangen

Die Symmetrischen

Die Doktrin der Symmetrie versagt
Uns zwein zueinander zu finden
Auch wenn wir beide unverzagt
An Geistesverwandtschaft uns binden

Doch wie sehr du mir gleichst
Bleibt's ein Team ohne Zweck
Denn, wo du was erreichst
Schieße ich drüber weg

Farben & das fünfhundertsechzigste Gedicht

Baumblüte am Japanischen Teehaus im Englischen Garten

Kalter Frühling

Ob der letzten Ahnung von Farben
Habe ich dir alle Ganglien gebrochen
Wir schwebten mit Krähen oder Raben
Und alles hat durchgehend seltsam gerochen

So lebten wir unsere Winter im Mai
Dass ich's war, der nicht so lang durchhielt - verzeih!

Seiten

Frank Klötgen - Post Poetry Slam RSS abonnieren