Campen & das dreihundertfünfzigste Gedicht

Zeltaufbau am Tsiribihina-River.

Okay, dreihundertfünfzig ist eine Hausnummer. Aber in diesem Jahr nur eine Zwischenstation der Tour-Dichtung. Unser Camp am Fluss.

Reisefieber

Das singende Ritschen der Zeltreissverschlüsse
Öffnet Momenten der Kindheit die Pforten
Da ich campend an Ufern französischer Flüsse
Nichts ahnend von späteren Heimsuchungsorten
Den sorgenden Eltern am Rockzipfel hing
Und die Aufbruchsbereitschaft als Hostie empfing
Ließ den Staub und Gebrauch von gut vier Dutzend Ländern
Meinen Glauben und some Chromosome verändern

Doch führt uns im Fremden empfundenes Glück
An früher genossene Orte zurück
Und das singende Ritschen der Zeltreissverschlüsse
Bleibt ewig den Ufern französischer Flüsse

Krokodil & das dreihundertneunundvierzigste Gedicht

Krokodil Madagaskar auf dem Tsiribihina.

Wir hatten die Garantie, dass diese Tiere unser Zelt am Flussufer nicht angreifen würden, weil sie viel zu viel Angst hätten. Wir haben das mal geglaubt. Es hätte eh nicht ins Zelt gepasst.

Das Krokodil

Das Krokodil liegt einfach da
Die Schreckensschnauze auf halb acht
So ruht mit ihm auch die Gefahr
Die uns so sorgsam beigebracht

Was grad aber nun unsere Neugierde weckt
An dem Monstrum, das so sanft hier niedergestreckt
Und blass einlädt zur näheren Inspektion
Und zum Test, ob allmählich sich langsam nicht schon
Erübrigt der vordem verbreitete Schrecken
Doch abermals gibt's für uns nur zu entdecken:
Von Schnellkraft und Bisswut und Grauen ermächtigt
War'n all jene Warnungen durchaus berechtigt!

Das Krokodil liegt einfach da
Und in ihm drin - ein weit'rer Narr

Great Tsingys & das dreihundertachtundvierzigste Gedicht

Great Tsingys of Bemaraha

Weltnaturerbe Tsingys. Gefährlicher Ort. "Vasa!" wird in den Dörfern jedem Weißen fröhlich hinterher gerufen und bedeutet so viel wie "Fremder!".

ResErwartet

Was ich ihr in den Gin gieß
Hoch oben in den Tsingys
Weiß einzig jener Papagei
Der warnend rief: "Geh heim, Miss!"

Es war ja kein Geheimnis
Dass jener Vasa Gin eingieß
Und manche von den Tsingys stieß

Und heut war sie halt an der Reih'!

Tsingys of Bemaraha & das dreihundertsiebenundvierzigste Gedicht

Weltnaturerbe Tsingys. Scharf und hoch. Foto wird nachgereicht.

Son of the Earth

Wir wandern durchs Korallenriff
Als eines Seesterns letzte Erben
So ließ uns jetzt der Plattenschliff
Nur einen finst'ren Berg aus Scherben

Afrikanische Fähre & das dreihundertsechsundvierzigste Gedicht

Der Weg zum Weltnaturerbe Tsingys. Zwei Boote, Brett drüber, Autofähre fertig! Foto wird nachgereicht.

Don't pay the Ferry, man!

Autofähre, Autofähre
Wenn das mal so einfach wäre
Doch nur durch Rüber-und-Zurück
Verändert sich die Welt kein Stück

Zweimal Rüberzufahren - als erste Lektion
(Ohne Zwischenzurück!) überfordert dich schon
Und gleich "Das geht nicht!" rumzuschrei'n!
Ich frag mich, wie dumm kann man sein?!
"Bla, bla, erst rüber, dann zurück...!"
Du bist ein derart blödes Stück ...

Als wenn das eine Lösung wäre
Autofähre, Autofähre

Real bad road II & das dreihundertfünfundvierzigste Gedicht

Der Weg zum Weltnaturerbe Tsingys. Auf die Frage, ob das der schlimmste Teil der Strecke ist, bricht der Fahrer in schallendes Gelächter aus.

Nach 70 Kilometern unbefestigter Piste

Ich möchte die Person nicht kennen
Die unter dieser Dreckschicht steckt
Obschon man nach dem Restmüll-Trennen
Darunter nur sich selbst entdeckt

Real bad road & das dreihundertvierundvierzigste Gedicht

Der Weg zum Weltnaturerbe Tsingys. Auf die Frage, ob man diese Straße auch zur Regenzeit befahren kann, bricht der Fahrer in schallendes Gelächter aus.

Moment der Besinnung vorm Betätigen der Fensteröffnerkurbel

Was ist leichter zu ertragen:
Hitze oder Staub im Wagen?

Lakana Be III & das dreihundertdreiundvierzigste Gedicht

Für zweieinhalb Tage auf dem Tsiribihina. Passendes Foto wird nachgereicht.

Two and a half day on da Lakana Be

Two and a half day
On da Lakana Be
There are people hard working - their number is: eight
And there's two on the top - who are just gaining some weight

The water's so shallow - and it's not getting better
If the tourists on board become fatter and fatter
But the cooks both made really excellent jobs
And their singing and dancing was Top of the Pops
And so was the work of the rest of the crew
While we just lay down and had nothing to do

The captain did slalom and some marvellous u-turns
And we just laid down and were getting some sunburns
And tried hard to keep all the memories in our head
While the whole crew was eager to rescue a hat
Jonny explained us nearly whole Madagascar
And in the distribution of pencils - he's really a master
And there's so much to mention that you did for us:
Building up tents, collect wood, play guitars
So it feels like a week what was twoanhalfday
That we were your guests on the Lakana Be

We'll keep this in mind and especially
When we are back in Germany
Back in our jobs and in cold winter's shiver
We'll remember the lazy days on Tsiribihina river
Thank you so much
For giving us such
A great time: twoanhalfday
On the Lakana Be

Sonnenstich & das dreihundertzweiundvierzigste Gedicht

Schwarz-weißer Variante

Zur Abwechslung mal wieder ein Lemurenfoto.

Madagasgar

Macker Oskar
Mag das Gas-Car
That was made auf
Madagaskar
Aber, glasklar
Dass Frau Mama
Gar kein Car
Für Oskar
Vorsah
Und schon ma gar kein
Das schon damals
Tadelsgare
Mackendarb'nde
Unbrauchbare
Makel-Gas-Car
That was made auf
Madagaskar

Touristendeck & das dreihunderteinundvierzigste Gedicht

Für zweieinhalb Tage auf dem Tsiribihina. Eine Chaiselongue nebst Zelt als Sonnenschutz auf das Dach eines Bootes zu bauen, ist ein schöne Idee. Dort zu liegen, weckt seltsame Gedanken.

King of Africa

Ich bin der King of Afrikanu
Und lächle meiner Zukunft zu
Grins' schaisselonget vom Sonnendeck
Und praktizier' den Wonnencheck

Lass mir ein schmackhaft Hühnchen köpfen
Ein Schalentier vom Flussbett schöpfen
Derweil die Sonne maßvoll brennt
Und mich als Herrscher anerkennt

Ich nuschle straff mein "Salam'!" und "Veloma!"
Ich, King of Durchfahrt - und jetzt herrsch' du ma!

Das madagassische "o" wie in dem dem deutschen "Tschüss!" entsprechenden "Veloma!" wird wie ein "u" ausgesprochen.

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