Zweites Ende & das eintausendfünfhundertsiebenundvierzigste Gedicht

Regenbogen über Venedig

Auf Stippvisite

Denke dir jede Minute als heilig,
Füll sie mit Eindrücken voll bis zum Rand!
Selten Beteiligte haben es eilig,
Heut nicht Geseh'nes wird niemals bekannt.

Es gilt, diesen Augenblick gründlich zu schröpfen,
Es türmt sich bedenklich das Wissen.
Mag sein, unser Alter wird uns heut noch köpfen:

Ich werde das Reisen vermissen.

Traufe di Venezia & das eintausendfünfhundertsechsundvierzigste Gedicht

Auf dem Markusplatz - Blick nach oben

Eine Stilfrage (zur Abwägung der Tatschwere)

Stand vor dem Mord der Lorelei
Ein leiser "I adore you!"-Schrei
Or "More Amore!"-Forderei
Voll forscher Ohr-TorTurtelei?

Touristmenu & das eintausendfünfhundertfünfundvierzigste Gedicht

In den Abseitskanälen von Venedig

In der Touri-Falle (Zur Lust am Nepp)

Uns eint ein Gefühl, das sich selber genießt -
Es würzt uns das unschönste Essen.
Und schmeckt dieser Wein auch nach bissigem Biest,
Verwöhnt uns sein Anblick stattdessen.

Nachtfahrt & das eintausendfünfhundertvierundvierzigste Gedicht

Venedig bei Nacht

Den Verfinsterten

Als Schwarzes Loch wäre der Blaue Planet
Auf 1,8 Zentimeter gepresst.

Ich hab keine Ahnung, wie so etwas geht,
Verlang keinen dieses belegenden Test,
Doch was mir an solcher Behauptung gefällt:

Die sichtbare Größe verschweigt dein Gewicht.
Auch darf es egal sein, wie klein man dich hält -
Im Innern verbleibt, unentfliehbar, das Licht.

Grandezza & das eintausendfünfhundertdreiundvierzigste Gedicht

Häuserfassaden in Venedig

Ohne lange Worte (Ein Kompliment)

Vermiss die Komplimente nicht!
Sie wär'n zu selbstverständlich.

Du weißt, dein Schein verbrennt selbst Licht!
Doch Redezeit ist endlich.

Dorsoduro & das eintausendfünfhunderzweiundvierzigste Gedicht

Im Dorsoduro von Venedig

Rindsrouladen

Den Zauber der Beständigkeit
Werd ich alsbald vermissen,
Da in seinen Prämissen sich
Schon erste Fasern trennen.

Schon schmilzt ein Gletscher aus der Zeit,
Der wird sich nicht erneuern.
Mag Fortschritt sich beteuern - mich
Reu‘n die, die dich nicht kennen.

Accademia & das eintausendfünfhunderteinundvierzigste Gedicht

Nachtansicht von der Academia-Brücke in Venedig

Vollmondromantik

Vollmondlichtumrandet
Wolkt‘s im himmlischen Gefilde -
So pompös gewandet
Wandelt Nacht sich zu 'nem Bilde,
Das ein Träumer unbeirrt
In den Weltraum projiziert.

Venezia & das eintausendfünfhundertvierzigste Gedicht

Regenbogen und Sonnenuntergang über Venedig

Trump

Deine Breitbeinigkeit umrahmt eine Leere,
Die sich nur über Stillstand bewährt,
Umbaumelt vom Popanz gemächtiger Schwere,
Wo wilde Verlässlichkeit gärt.
Verjährt ist der Hoffnungsstoß für die Verprellten -
Doch die Lautstärke bleibt unvergessen!

So wird auch der Ton für die kommenden Welten
An Breitbeinigkeiten gemessen.

Punta della Dogana & das eintausendfünfhundertneununddreißigste Gedicht

Die Punta della Dogana in Venedig

Wie schön, das letzte Wochenende noch einmal für den zweiten Venedig-Ausflug in diesem Jahr genutzt zu haben ...

Die Ausstellung

Hier wird ein kleiner Teil der Welt
Mir auszugsweise vorgestellt ...

Doch ob das, was als Bild ich ja durchaus versteh',
Auch gilt, wenn ich's da draußen seh'?

Saisonabschluss & das eintausendfünfhundertachtunddreißigste Gedicht

Maximillianstraße mit Merkurbrunnen in Augsburg

Publikum und Akteure haben lange durchgehalten, das Open-Air-Vergnügen in Zeiten der Indoor-Verbote aufrechtzuerhalten, aber nun müssen wir die Bühne im Garten der Seidlvilla wieder abbauen. Um sie möglichst bald wieder zu reaktivieren.

Spätsommersoirèenausklang

Nicht nur die Harten komm'n in'n Garten,
Auch die Zarten wie Aparten,
Selbst Spaten-Bier-Trinker sind uns willkommen
(Ganz arge Stinker ausgenommen)!

Kommt herbei, Euch vollzusaugen
Über Hahn- und Hühneraugen,
Um der Hirne heit're Stumpen
Zum Finale vollzupumpen,
Abstandswahrend, halb verloren,
Wird der Spaß dann eingefroren!

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Frank Klötgen - Post Poetry Slam - immer frische Gedichte & Fotos RSS abonnieren