Erste Wehen & das fünfhundertsiebenunddreißigste Gedicht

Klostersee Ebersberg

Frühlingsversprechen

In frischer Lüfte Lüste schwingen
Die Ahnungen von dich bejahenden Dingen
Naht nun der Soll-Rausch - meine Güte?!
Stehst bald auch du in voller Blüte?
Du bist's - dem der Frühling Entfaltung verspricht!

Doch dein Los lautet weiterhin, ach: "Leider nicht"
"Dieser Schurke hat so oft sein Wort schon gebrochen!"

Er hat gar nichts dir, sondern sich nur versprochen ...

Hütte 2 & das fünfhundertsechsunddreißigste Gedicht

Hütte am Isarufer

Der formale Zwilling zum gestrigen Text.

Im Haus der Frommen

Oh, nimm dein stets brütendes Herz in die Hand
Gesandter des Lächelns und Melkknecht von Resten!
Das Beste an uns ist das einende Band
Der Sand im Gemäuer der frommen Leuts Festen

Verbannte, die jenseits der Mauern verrohten
Uns testeten, festigten, ständig bedrohten
Veränderten nichts auf dem irdischen Scheibchen
Belasteten nur unsre fleischlichen Leibchen

Hütte 1 & das fünfhundertfünfunddreißigste Gedicht

Im Wald von Ludwigshöhe bei Ebersberg

Im Haus der Sünder

Oh, reiß dir das kalbende Herz aus der Brust!
Dann huste die Blutleere rosig und plünder'
Gesünderen Seelen entflohene Lust
Aus Musterregalen im Hüttchen der Sünder

Dort, prustend vor höhnischem Lachen, erspähten
Wir mündervereinigend Kalamitäten
Gleich von uns angepüstelten Sahnehäubchen
Und schlürften vom Boden verendete Täubchen

Ebersberg & das fünfhundertvierunddreißigste Gedicht

Egglbureger See bei Ebersberg

Danke, Mama!

Von Ferkeleien hochgesaut
Hat Ebersberg sich selbst erbaut

Bringschuld & das fünfhundertdreiunddreißigste Gedicht

Hohenschäftlarn

Huch, diese Woche war ich wirklich sehr unzuverlässig mit den Gedichtelieferungen - verzeiht!

Zur Erklärung

Muss gestehen, meine Liebe:
Kann nicht wirklich lange bleiben
Habe grad ein Buch zu schreiben
Auch wenn's heißt, wer schreibt, der bliebe

Nachtschattengewächse & das fünfhundertzweiunddreißigste Gedicht

Saatkrähe an der Isar

Die im Dunkeln

Düsternis an hellen Tagen
Mahnt euch, nicht zu viel zu wagen
Warnt vor nahendem Versagen
Lasten, die alsbald zu tragen ...

Mein Gemüt beizt längst der Saft
Einer düstern' Brüderschaft
Den berauscht schon volle Kraft
Wenn man kurz die Rollos rafft

So sind aufs Dunkeln dieser Welt
Die Unken besser eingestellt

Simpel & das fünfhunderteinunddreißigste Gedicht

Thalkirchen, Isarauen

3Satzrechnung

Die Idylle vor der Türe
Knüllesein vom neunten Biere
Sattgeküsst im Sonnenschein ...

Manchmal kann's so einfach sein!

Moohr & das fünfhundertdreißigste Gedicht

Algen in Venedigs Lagune

Wieder einmal beginne ich die Gedicht-Woche mit einem Ripostegedicht, das sich die Zuschauer meiner Lesebühne Poetry & Parade gewünscht haben. Diesmal eine erotischer Remix von Annette von Droste-Hülshoffs "Der Knabe im Moor".

Das Knabbern am Ohr

O kau ich dir am Ohr, ist's schön,
Wenn es knistert im Speichelschaume,
Schlucklaute über dein Trommelfell dröh'n
Und die Zunge entspringt ihrem Zaume,
Unter jedem Schleck ein Quellchen springt,
Wenn's rund um dein Ohrläppchen zischt und singt,
O kau ich dir am Ohr, ist's schön,
Wenn ein Röhren flüstert vom Gaume'!

Fast hold vor Liebe, erzittert das Kind;
Nun trennt es vom reinen Behage
Die Frage, wie ehrlich die Absichten sind -
Hat das Schleckermaul nicht eine Raubtiervisage?
Hat denn jemals gebändigt das Menschengeschlecht
Jenen Trieb, für den meistens ein Beutetier blecht?
"Duhu ...bist sicher nicht bissreflexblind?!
Nicht schlucken! Nur knabbern und nagen!"

Vom Kiefer starret Gestumpf hervor,
Das heimlich giert nach Gehöre,
Als Knabberei verschwand manch Ohr
Durch Riesenhungers Begehre;
Und wie fies es tief im Rachen spricht:
"Ohrmuscheln sind mein Leibgericht!"
Da bleckt der Backenzähnechor,
Da späht die Speiseröhre!

"Ohr dran, Ohr dran!" so wimmert es laut,
"Ohr dran - ach, ich will doch noch hören!
Mit wenig Genuss wird solch Knorpel verdaut,
Sein Fleisch will kein Mund gern verzehren!"
Erst lippengebändigt, hebt sich das Visier;
Da blitzt des Schneidezahns Ungetier,
Das in diebischer Absicht den Ohrrand bekaut -
Der will noch Papillen betören!

Da birst's im Ohr, den Löffel zerrt's
Herein in die klaffende Höhle;
Schon rutscht's vom Zahndamm magenwärts:
"Ho, ho, hinein in die Kehle!"
Der Knabberer schlingt wie im rohen Wahn;
Wehrhaft trutzt das Kind dem nahen Zahn,
So befreit es die Kraft des sich sperrenden Pferds
Und gewährt, dass kein Ohr an ihm fehle.

Da endlich Grunz-Erotik wich
Der bübischen Zärtlichkeits Weide,
Die Leidenschaft stimmt heimelig,
Der Knabberer steckt in der Scheide.
Tief atmet er auf, zum Ohr zurück
Doch dorthin zieht's ihn echt kein Stück:
Denn am Gehör schmeckt's fürchterlich,
Und schaurig war's für sie beide!!

Mitte & das fünfhundertneunundzwanzigste Gedicht

synagoge oranienburger straße

In dieser Stadt

Ich hab ja Berlin noch nie fotografiert
Weil Berlin kommt eh immer zurück
Die Schönheit hat mich dort auch nicht int'ressiert
Berlin ist mal Pech, ist mal Glück
Und was man grad als schön empfunden
Wird nur mit Stöhnen überwunden

Mit dem Abstand geh ich jetzt befreit durch die Stadt
Und erfreu' mich dran, wie viel' Reserven sie hat

Im Stammrestaurant zu F'hain & das fünfhundertachtundzwanzigste Gedicht

Kültürzeit in der Simon-Dach-Straße

(Über-)Kreuzreim? Paarreim? Weder noch?

Friedrichshain in Berlin

Ersma wollten alle herzieh'n
Nu woll'n alle drüber herzieh'n ...?
Hab dein Toll-Sein dir verzieh'n
Soll'n die ander'n sich verzieh'n!

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