Helgolandfähre & das dreihundertunddreizehnte Gedicht

Hafenausfahrt Hamburg

In Spuckweite der Versöhnung ...

Das Streitgespräch

Ich werde dir ins Gesicht kacken
Denn mir fehlt grad die Zeit für mehr Feinsinnigkeit
Ich will dir ein teigiges Stinkbrikett backen
Bin's Argumentieren erniedrigend leid
Mich drängt nichts danach, deinen Weg zu versteh'n
Ich mag dich schlicht nicht länger unbekackt seh'n
Ich warn' mich schon selbst: "Halt jetzt bloß deinen Mund
... und öffne deinen Hosenbund!"

Alter Nordfriedhof & das dreihundertundzwölfte Gedicht

Alter Nordfriedhof Maxvorstadt

Wie soll das alles enden?

Das Weitere und die Endzeit

Diese Zeile hat noch gar keinen Dunst, wo sie endet
Und auch dieser hier werde ich das nicht verraten
Diese glaubt, dass sich durch ihr Dazutun was wendet
Und nun steh'n sie zu viert hier geschrieben - und warten

Sich im Ist einzurichten, klingt manchmal gescheiter
Denn oft geht's im Leben ja gar nicht groß weiter

Sommerfrischen & das dreihundertundelfte Gedicht

Tegernsee

Aufziehende Gewitter.

Talkessel

Das von Bergkettenbändern gebändigte Land
Hechelt am Knebel der glänzenden Seen
Und ständig fließt irgendwas über den Rand
Und Ängstlichkeit reift längst zum bangen Versteh'n:
"Vorm Deifi sind wir hier im Tal niemals sicher!"
Und höhnisch erklingt auf den Höh'n ein Gekicher
Rauscht eisekalt brausend als Windstoß hinab!

Vom See schweigt Kühle wie ein Grab

Es fröstelt tief in allen Seelen
Die hier fromm ihr Leben fristen
Und oft sich mit der Frage quälen:
"Weshalb kommen die Touristen?"

Kloster Tegernsee & das dreihundertundzehnte Gedicht

Kloster Tegernsee

Auf der Suche nach kindischem Beistand im Kloster Tegernsee.

Lindernde Bindungen

Kinder,
Bin der
Minne leid:
Findet mir
'Ne Tinder-Maid!
Ab Beginn der
Winterzeit
Sind die unbepaarten Barden
Hilflos
In der
Minderheit

Kurzurlaub & das dreihundertundneunte Gedicht

Tegernsee

Für einige Unterkategorien dieses Blogs braucht es ein paar Blogunterkategorieerklärungsgedichte. Hier zum Begriffs Kurzzeiler.

Auf die Länge kommt's an

Angesichts 'ner
Langen Zeile
Bange ich vor
Langeweile

Tegernsee revisited & das dreihundertundachte Gedicht

Tegernsee

Ripostegedicht zu "Überlass es der Zeit" von Theodor Fontane.

Übernimm es mal selbst

Ja, doch die Zeit ist auch irgendwann rum!
Dann stehste da, Theo, und denkst dir: "Tja, dumm ...

Hätt' ich beizeiten mal etwas gedrängt
Mich durch all die andern nach vorne gezwängt

So wäre auch ich mal zum Zuge gekommen!"
So haben sich alles die andern genommen

Denn leider hat all deine Zeit-vergeht!-Thesen
Von denen, scheint's, irgendwie keiner gelesen

Und kommt dir das Glück all der andern zu Ohren
Erscheint dir Entgang'nes gleich doppelt verloren

Isarschilf & das dreihundertundsiebte Gedicht

Isarschilf

Ein Gedicht zu einem der vom Aussterben bedrohten Worte.

Die Grisette

Der Hausmeister grüßt dich oft offensiv freundlich
Die Zugehfrau mustert dich weniger nett
Die komplette Studentenschaft würde nicht scheu'n, dich
Zum Tanz zu geleiten - doch leider, Grisette
Bleibst du heute Nacht wohl allein auf dem Zimmer
Dessen Miete du selbst begleichst, monatlich, immer!
Wer könnte von all den dich scheltenden Damen
Behaupten, für ihr Leben selbst zu bezahlen?
Es nährt sich ihr Stolz an des Ehemanns Samen!
So soll'n sie mit schäumenden Leumunde prahlen
Und sich drei Moralstufen höher einrichten -
Über keine von den'n würd' ich je ein Wort dichten!

Doch man lädt mich jetzt oft zu Gesellschaften ein
Die sind sich für deine Gesellschaft zu fein ...

Dass niemand mehr bleibt, um mit dir heut zu tanzen
Erfüllt dich mit Wehmut im Großen und Ganzen
Doch kennst ja die Maschen von jederMann:
Sie schell'n gleich morgen wieder an!

Drum gräm dich nicht weiter und leg dich ins Bett -
Denn das gehört dir ganz alleine, Grisette!

Holz ohne die 7 Todsünden & das dreihundertundsechste Gedicht

Holz ohne die 7 Todsünden

Für die Unterkategorien dieses Blogs braucht es ein paar Blogunterkategorieerklärungsgedichte. Hier das erste - zur Erläuterung des Begriffs Zweizeiler.

Zweikampf

Zwei Pfeile feil' ich, voller Gift
Und coach' sie mit 'ner Überschrift

Englischer Garten & das dreihundertundfünfte Gedicht

Englischer Garten

Schlechtwetterblues im Englischen Garten.

Der Messias

Es runzeln die bewölkten Tage
Mit altersschwachem Esprit in die Welt ...
Erfreu uns am Tran dieser gräulichen Lage
Inszenier dich in Dunstschwaden, strahlender Held!

Denn wie fahl und apathisch, wie schleierumgarnt
Die Himmelslast nieder wälzt - jeder hier ahnt:
Auch größere Düsternis ist schon verflogen!

Falls nicht, ward man doch mit Behagen betrogen

Kreuzberg & das dreihundertundvierte Gedicht

GSW-Hochhaus in der Rudi-Dutschke-Straße

Ripostegedicht auf Der römische Brunnen von Conrad Ferdinand Meyer.

Der römischere Brunnen

Es prasselt, es pläddert und plätschert und spritzt
Und sammelt sich erst auf der untersten Stufe
Sind Stile der Wasser kreativ bis gewitzt
Sprudelt es über und drüber! Ich rufe:
Ey, kennt keiner den Herrn Meyer mehr?!
Den Becken-Eins-bis-Drei-Verkehr?
Was soll sich hier an Sinn entfalten
Wenn keine Wasser innehalten
Und nicht ihr Fluss zur kurzen Rast
Von Marmorschalen wird gefasst?
Wenn alles nur strömt und gar nichts mehr ruht
Ist das für das Image des Brunnens nicht gut!
Dies hat sich seit Jahr'n als Metapher bewährt ...
Wie schon der Herr Meyer höchst trefflich erklärt

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