Neuaufbau Altpotsdam & das eintausenddreihundertvierzehnte Gedicht

Potsdam neuer Alter Markt

Letzte Runde

In der Stammkneipe werde ich plötzlich gesiezt
Und die Gläser werd'n auch immer kleiner.
Ich hab längst vergessen, wozu du mir rietst,
Bin nun überall nur irgendeiner.

Hätte ich mich dereinst etwas stärker gereckt,
Wäre mehr zu erreichen gewesen?
Im Glauben, mich hätte ein Kellner entdeckt,
Trink ich mich in weitere Thesen ...

Doch zum ersten Mal seh ich, wie hässlich ich bin,
Vom Zersetzungsprozess überrannt.
Vorm Kloeingang twittert die Inhaberin,
Sie sei mit dem Wirt jetzt verwandt.

Nie war mir so fern, dass wir tranken,
Und ich denke, wir hab'n es getan.
Ich verstau meine letzten Gedanken
Und zahl dann mit Großvaters Zahn.

Die Kämmende & das eintausenddreihundertdreizehnte Gedicht

Die Kämmende Skulptur auf der Freundschaftsinsel Potsdam

Durchkämmen

Die Zinken ziepen an den Haaren,
Durch die sie haarspaltreihig fahren.

Bei Spliss und Filz ist Kämmen
Gewisslich nix für Memmen.

Freundschaftsinsel & das eintausenddreihundertzwölfte Gedicht

Skulptur im Park auf der Freundschaftsinsel Potsdam

Bei Birkenwerder

Heut wurden wir bei Birkenwerder
dutzendfache Tierkenmörder

Mal glückt ein Schlag und "Mücke tot!"
Mal schmückt hernach dich Pustelrot

Stillleben & das eintausenddreihundertelfte Gedicht

Stillleben von Van Gogh in Potsdam

Im Pinselstrich

Und wirklich hält Farbe das Leben
Vom steten Vergehen zurück.
Sie gefriert vom verwitterten Streben
Ein spürbar erinnerndes Stück.

Nepomuk & das eintausenddreihundertzehnte Gedicht

Nepomuk Denkmal vor der Festung und altstadt von Kufstein

Meine Velozipedität

Ist's mir erlaubt, hier mein Hochrad zu parken?
Ich weiß, es beschämt Ihren flotten Jargon,
Der unlängst zerrammte einst geltende Marken -
Auch arglos scheint Höhe une provocation.

Doch hält jede Speiche hier für Demokraten -
Die Lust an der Höhe ist gar kein Affront!
Es bleibt Ihn'n der Platz, den Sie barsch sich erbaten
Als Aschenplatztestfeld fürs Testosteron.

Dies ist nur ein Hochrad, ich tät's gern parkieren!
Es pflegt mit der Gegend hier koa Liaison,
Es steht auf das Sich-für-sich-selbst-Int'ressieren
Und wenn es sich dreht, fährt es auch schon davon ...

Alte Eisen & das eintausenddreihundertneunte Gedicht

Alte Eisenbahnbrücke an der Ruhr Essen Horst /  Bochum Dahlhausen

Wider die Doktrin

Lass Leben doch mehr als ein Standpunkt sein,
Bleib stetig vom Winde verweht,
Wirf alles in die Brandung rein,
Prüf jeglichen Weg, der noch geht!

Sicher, es endet dein Tag zu erschöpft
Und du wirst als Verirrter vom Blockwart geköpft,

Man kann jedoch das Lagerdenken
Nicht schnell genug im Sarg versenken!

Vogelsang & das eintausenddreihundertachte Gedicht

Zeche Vogelsang in Essen Horst

Der Umsturz

Wir zerstörten viel mehr als zerstörenswert war,
Mein Triumph liegt mir unendlich fern.
Unwiederbringliches ist nicht mehr da,
Es rumpelt die Zeit ins Entbehr'n ...

Der Eifer von einst reckt gemahnend die Hand,
Nun würde die Welt erst gerecht!
Das Alternde schlurft ohne Zorn an die Wand
Und ein Schuss weckt die Frage auf: Echt?

Südfriedhof & das eintausenddreihundertsiebte Gedicht

Herbst am Südfriedhof Essen

Die Gemütlichkeit der Hingabe

Dräng' ich in die Verlorenheit
Auf wortumschmückten Spuren,
Pflückt' ausdrücklich Bedeutsamkeit
Ich über Lautgravuren,
Geläng's mit Dürers Akribie
Profanstem zu entlocken
Die angeborene Magie,
Sie kühn an Erkenntnis zu docken,
Um doch im akkuraten Schreiben
Ganz eingetaucht nur Schelm zu bleiben,
Das wär' ein ernstes Viel

Und fast schon wie ein Ziel.

Rathaus Kempten & das eintausenddreihundertsechste Gedicht

Rathaus Kempten

Meine p-Brominenz

Bin wie das p in Kempten,
Ganz kurz zu seh'n und kaum zu hör'n,
Aus Rücksicht auf den ungehemmten
Willen, hier nicht groß zu stör'n.

Bin auch das p in Jena,
In Köln hört man mich tonlos tön'n,

Denn irgendwo klatscht immer eena
Und ich nick' stumm mein "Bitteschön!".

Kemptenblau & das eintausenddreihundertfünfte Gedicht

Brunnen an der Basilika St._Lorenz in Kempten

Zur Kostbarkeit

Das Blau der Pfauen berühmt die Natur,
Auch Himmel und Meer zu beleben.
So wie's auch Salbei und Kornblum' tun, nur
Zu viel darf es nicht davon geben!

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