Geld und Karriere

Gedichte zu den Themen Geld, Karriere und Reichtum.

Seeshauptufer & das eintausendsechshunderteinundsiebzigste Gedicht

Verschneites Ufer bei Seeshaupt am Starnberger See

Vierte Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Angst vor dem weißen Blatt, Discounter, Kratzbäume, Joggende, Porzellanservices und atomare Endlagerung.

Discounter & Mängel

Du magst sie miesgelaunt gern dissen,
Doch ich würd die Discounter missen,
Durch die manch Kontoeingangsflaute
Ich umstandslos wie satt verdaute.

Mich labten Sonderangebote
Ganz ohne ne besondre Note.
Nur

In die Mangel, der'n "der"-Pendant ich so entkommen,
Werden reziprok die Lieferanten genommen.
Drum nährt sich der Plan, nochmals umzuentscheiden,
Eröffnen sich mir wieder weitere Weiden.

2in1 & das eintausendsechshundertfünfundfünfzigste Gedicht

Waschmittel/Drogen-Geschäftsfassade in der Füssener Altstadt

Dritte Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Steuererklärung, die Abstammung vom Affen, Wim Thoelke, das Grend Kulturzentrum, Rot-Weiss Essen, Bierbrauen, Steingärten, Mütter und Tanz/Gymnastik.

Steuererklärung 2020

Meine Herren und Damen vom Münchner Finanzamt,
Ich wünsch Ihn'n von Herzen ein Dasein in Glanzsamt.

Nun, da Christi Geburt ist verzweitausendzwanzigt
(ein Jahr, durchweg mistig und fast ohne Glanzlicht),
Schreib ich Ihn'n dieses Tagebuch,
Das sich beinahe liest wie ein Gnadengesuch.

Es ist einnahmemäßig, wie leicht zu ersehen,
Seit März(Strich)April herzlich wenig geschehen.
Hierzu, chronologisch, diverse Belege,
Dass ich mich im chronischen Minus bewege.

Nach recht harten Monaten fieser Verschattung
Erwart ich dies Jahr eine Riesenerstattung -
Mein Soll freut sich heute schon auf diese Taler!

Hochachtungsvoll,
Ihr Steuerzahler

Brotbrunnen & das eintausendsechshundertdreiundfünfzigste Gedicht

Brotbrunnen in der Füssener Altstadt

Corona-Umschulung

Ich würde mich gern durch Prozessakten quälen,
Doch ich, ich muss Kartoffeln schälen.
Ich könnte von Stadtteilentwicklung erzählen,
Doch ich, ich muss Kartoffeln schälen.
Ich soll eine Lockdown-Lektüre empfehlen?
Na ja, es lässt sich nicht verhehlen:
In der letzten Zeit hab ich nicht sehr viel gelesen,
Bin vorrangig küchenbeschäftigt gewesen.
Den Termin für die Knie-OP hab'n Sie notiert?
Ab September hätt' ich an der Burg inszeniert
Und die Models vorm Gang auf den Laufsteg frisiert,
Mit der UNO an Brennpunkten interveniert
Und brilliert vor schier berstenden Opernhaussälen.
Mit was? Vielleicht Kartoffelschälen.

Bernriedview & das eintausendsechshundertsiebenunddreißigste Gedicht

Blick von Bernried gen Neusee

Zweite Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Heinzelmännchen, Zustand zwischen Schlaf und Wachsein, Carmina Burana, Glückspilze, Vampire, Energetische Gebäudesanierung, Gewissheit des Todes, Gutes Reimen, Frischluft, Griechenland und Vernichtung der Menschheit.

Glückspilz

Ich fürchte schon, anderen Unglück zu bringen -
Verbrauch ich doch selbst zu viel Glück.
Ich scheine den Most aus dem Osten zu wringen,
Wenn ich mich gen Westen nur bück.
Ich sah ja die Besten der Nachbarn verderben -
Zuhauf konnte ich ihre Hoffnungen erben.

Und Stück für Stück drücken sich meine Lamellen
Ins Glück all der Doppelhaushälftenparzellen.

Ich werde mich flechtenhaft weiter verbreiten,
Bis dass die Böden ausgelaugt.
Auch fortan wird mich Miss Fortuna begleiten,
Von meinem Myzel angesaugt.
Ist erst der ermüdende Süden verlassen,
Zieh ich aus dem Norden mir Orden in Massen.

Ein Stückchen vom Glück willst auch du erfleh'n? Wehe,
Es ist dies Pilz' Sporenflor in deiner Nähe!

Moorwegdeko & das eintausendsechshundertvierunddreißigste Gedicht

Auf dem verschneiten Moorweg 1 in Benediktbeuern

Zweite Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Heinzelmännchen, Zustand zwischen Schlaf und Wachsein, Carmina Burana, Glückspilze, Vampire, Energetische Gebäudesanierung, Gewissheit des Todes, Gutes Reimen, Frischluft, Griechenland und Vernichtung der Menschheit.

Heinzelmännchen

Wie war zu Köln es doch vordem
Mit Heinzelmännchen so bequem!
Doch ohne wusst' man fast nicht weiter -
Da holte man den Gastarbeiter!

Zweigleisig & das eintausendsechshundertfünfundzwanzigste Gedicht

Auf dem verschneiten Moorweg 1 in Benediktbeuern

Erste Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Yoga, Serienbingen, Netflix, Geschwurbele, E-Mobilität, Marilyn's Army, Hochzeitsfotografen und Fanfiction.

Der Hochzeitsfotograf

Sein schwarzer Quader ist Pilgerstätte
Der schönsten Tage des Lebens.
Frömmelnd strömen sie selig ihm zu, so als hätte
Die Akklamation des Entschwebens
In seinem Fokus ihren Platz.
"Du schaust bezaubernd aus, mein Schatz!"

Das schönste Paar der Welt zu erschaffen
Bei gegebener Kalamität?!
Sind Belichtung und Photoshop hinreichend Waffen?
Hält der Schutzmantel der Pietät,
Um für Jahrzehnte zu verklär'n?
"Ich konnt' mich damals gar nicht wehr'n!"

Eisern hält der Dompteur aller Blenden
Die Kaaba zum Abschuss bereit,
Um der Euphorie Glanz als Motiv zu vollenden.
"Du hattest ein so schönes Kleid!"
So schreitet stracks ins Immerdar,
Was einen Tag lang Wahrheit war.

Und was
Beseelt solchen Zeugen von nur Schönsten Tagen?
Nun, das muss man ihn bei Gelegenheit fragen ...

Vom Traum, alles & das eintausendsechshundertvierzehnte Gedicht

Die Skulptur "Vom Traum, alles hinter sich zu lassen" von Andreas Kuhnlein  in der St. Josephskirche in der Maxvorstadt

Erfolg

Bislang hat dir alleine der Raum zugeschaut,
Man ist an dir vorüber gehypt
Und das Publikum hat eine Mauer gebaut,
Die unüberwindbar verbleibt.

Dessen Ignoranz feiert im Graben ein Fest,
Bei dem man beherzt für sich selbst applaudiert.
Man zeigt sich erkenntlich und denkt sich den Rest,
Sitzt da und toleriert.

1972 & das eintausendsechshundertzehnte Gedicht

Olympia Regattanturm bei Feldmoching/Oberschleißheim

Eigen Heime

Am Stadtrand formiert sich das Kleine Glück,
Erschwing- wird zur Gemütlichkeit.
Der Stillosmix probiert ein Stück,
Das nicht nach Rezensionen schreit.

Die City rümpft pikiert die Nase
Und wiegt sich in der Meinungsblase.

Eh man ins Drive-Now-Auto steigt,
Die Händchen "Schön war's, danke!" fächeln,
Noch bis zum Ring die Fassung schweigt,
Erlöst vom süffisanten Lächeln.

Regattaanlage & das eintausendsechshundertneunte Gedicht

Olympia Regattanlage bei Feldmoching

Das Scheit

... ist erkennbar nur Teil,
Aber dennoch massiv,
War mal Pascha in einem Verband,
Dankt die Trennung dem Beil,
Floh dem Co-Daseinsmief -
Umso rascher wird es nun verbrannt.

Kultiviertes Wohnen & das eintausendfünfhundertachtundsechzigste Gedicht

Seiteneingang zur Borstei München

Der Wohltäter (aus "Aufgestaut")

Ich ermittle, vermittle citynahe Objekte
Für ein altengerechtes Wohnen -
Sprich: Ich platziere Noch-nicht-von-der-Erde-Bedeckte
In unsere Fußgängerzonen.
Denn denen ist die Ebenerdigkeit
Wie ein Beet im Garten Eden!
Denen blüht die Zweite-Frühlingszeit
In unrentablen Läden,
Deren "Sorry, wir schließen!"-Schild wir gern verschmerzen
Für barrierefrei-glückliche Best-Ager-Herzen!

Doch noch stellt sich gegen den Einzug der Alten:
Die sinnlose Masse der Kleinkrämerläden!
Wo jeder sich fragt: "Wie könn'n die sich da halten!?" -
Die macht Tradition egoistisch und zäh, denn
Ej, was legitimiert hier bei strenger Betrachtung
Die Meisterhandwürste aus eigener Schlachtung?!
"Da werde ich immer mit Namen begrüßt!" -
Und mit Charme wird die arg kleine Auswahl versüßt.
Nur: Der Shop um die Ecke ersetzt dort kein Bett -
Und wozu gibt's eig’ntlich das Internet?!
So sperrt sich stur der Einzelhandel
Gegen der Gemeinschaft Wandel!

Doch nie sammeln sich Wartende vor einem Laden -
Nur vorm Postamt, die Online-Retouren-Nomaden,
Die reihen sich täglich, Paket an Paket,
Als sichtbarer Trend, der auch künftig besteht!
Mir als Kaufmann gebührt es nicht, das zu verdammen -
Ich zähle da nur eins und eins mir zusammen
Und gelange recht schnell an die erste Million!
(Wohl zum ersten Mal, dass diese Läden sich loh'n.)
Statt Buchhändler, Feinkost- und Weinmost-Anbieter
Verdien'n unsre Straßen solventere Mieter!

Noch räkeln sich dort Bussi-Bussi-Boutiquen,
Doch muss man nicht erst deren Kontostand leaken,
Um als Fazit zu ziehen: Das geht sich nicht aus!
Wenn ein Gläubiger anklopft, muss eh alles raus!
Denen hängt schon die Schuldenlast modrig im Nacken -
Von mir kommt das Angebot, schneller zu packen!

Ich mein’, es gibt Dinge, die ich für gemein halt' und schlecht -
Doch dies ist nur ungemein altengerecht!?

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