Verse für die Melancholiker, denen man Erde, Herbst, Abend, Erwachsenenalter zuordnet.
Die besinnlichen und leisen Gedichte.
Von Aphorismen bis zur Vanitasdichtung.
Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!
Der Blumengeschäftduft erinnert mich
An nah’nden Kaffee plus Torte,
An trauerkranzbindende Hilflosigkeit,
Ans Finden mauer Worte.
Der Blumengeschäftduft erinnert mich
An Dunst überm Aquarium
Im Mischmasch wunder Blüten,
An „Denk bitte jetzt nicht ans Geld, Kerl!“-Konsum,
Den Anlass zu vergüten.
Der Duft im Blumenladen wollt‘
Stets Auftakt sein zum Feste.
Ob heit’ren Sinns, ob scharf durchmollt –
Wir wurden mit ihm Gäste.
Und aromatisch schält sich aus:
Der Anlass für den Blumenstrauß.
Mir bleibt’s eine besond’re Luft –
Der Blumenläden eigne Duft.
Heut werd ich ohne Sonnenblenden
Der tiefsteh’nden Sonne entgegenspazieren.
Ich zwing sie, des Resttages Wärme zu spenden –
Sie end-gleißt, mich zu illuminieren.
Mein Jederschritt schlenzt gringohaft
Mit Desperado-Qualität!
Woher solch Überschuss an Kraft?
So deplatziert, so sinnlos spät …
Vielleicht ist das Leben eine Scheibe
Und man fällt übern Rand in das Nichts.
Ich streb geblendet, blind, und treibe
Mit glühender Stirn in den Wirr-Sog des Lichts.
Über manchen Straßennamen
Steigt ein ganzer Himmel auf:
Windiger Legenden Rahmen,
Welt für manch Gedichtverlauf,
Pflaster längst verwundner Wunden,
Mein Triumphpfad für Sekunden.
Namen, Straße, Häuser auch –
Alles war mal Schall und Rauch.
Tattoos auf der Demenzstation –
Etwas, was mich als Baby verwirrte.
Doch kurz darauf begann’s auch schon:
In allen Hospizen – nur noch Tätowierte!
Glaub mir, mein Junge, schon bald werd’n die Alten
Nur Tattoos an sich und von früher behalten
Und nicht drauf komm’n: „Was galt mir einst
Das Bildmotiv, der Spruch, die Zahl?“
Bald merkt sweet Lynn, wie sie karl-heinzt –
Gezeichnet vom Ich war einmal.
Ich sehe nichts Ersichtliches
Und müsst mich interessieren.
Das Starr’n aufs Unbild neckt mich, es
Mag anti-konvenieren.
Ich will das Provozier’n kapier’n,
Doch müsst dafür viel lesen.
Die Leichtigkeit schanzt sich ums Hirn,
Singt viel zu simple Thesen.
Ich seh der Bilder wilden Wahn
Und muss mich ihm verweigern.
Nehm ich mich der Motive an,
Drängt’s mich hineinzusteigern …
Für mich verbleibt der Vordergrund
Finale Perspektive.
Mein Blick huscht Richtung Ausgang und
Entdeckt nicht mehr an Tiefe.
Bezahlt den Maler meiner Gemälde besser als den letzten!
Weil mir die jüngsten Jahre manches gute Mal zerfetzten.
Die Umstände erfrechten sich, mein Ruhen kraus zu streichen –
Im fast entleerten Wartesaal sitzt nur noch mein Erbleichen.
Ich richte meine Zukunft ein
Als Farbstrich von Gemälden
Vom armen Pinselborstenschwein –
Vermächtnis eines Helden.
Der Wind vom Meer kommt kühl daher
Doch die Sonne gibt sich schon verbindlich.
Mag sein, diesen Umschwung erwünsch ich zu sehr –
Ja, bin fürs Konträre zu blind ich?
Im früh gewählten T-Shirt darf man sich durchaus erkälten
Und mit jenen im Einklang dann husten und schnupfen,
Die ähnlich frisch sich aus dem Haus heut gesellten,
Um mutig und frohen Muts aufzumupfen.
Und versuch ich auch forsch voranzuschreiten,
Ein erster Blick wendet schon um …
Das Verdrängen muss sich ein Vergessen erfighten!
Das klappt bereits jetzt nicht mehr. Dumm.