Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Feuer

Verse für die Choleriker, denen man Feuer, Sommer, Mittag und die Adoleszenz zuordnet.
Die appellativen und derben Gedichte.
Vom Schmägedicht bis zur Gossenlyrik. Auch mit einem Gedicht von Julia Engelmann, von mir selbst geschrieben.

Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Wasser entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!


  • Tonreste & das zweitausendachthundertsechsundachtzigste Gedicht

    In der Gmundner Keramikfabrik

    Besser wird’s nicht!

    Du musst das Unerträgliche
    Als Status Quo begrüßen!
    So wird dir das Beklägliche
    Den Morgenschiss versüßen!


  • Kampenwandkreuz & das zweitausendachthundertdreiundachtzigste Gedicht

    Kampenwand-Gipfelkreuz

    Den Gefallenen zum Aufstand gereichend

    Man redet von Gefallenen
    Doch die vom Tod Verschluckten
    Werd’n drauf die Fäuste ballen, denn
    Die von solch Wort verspuckten
    Annahmen sind pure Lügen.

    Wir woll’n der Wahrheit nun genügen:
    Hier ruhen die Verratenen
    Gestoßen, nicht gefallen.
    Es starb’n die hier Verbratenen
    Den dümmsten Tod von allen.
    Ihr letzter Gott war ein Befehl
    Nebst Zwang, an ihn zu glauben.
    Ne uniform-umhüllte Seel
    Darf höh’rer Dienstgrad rauben.

    Euch mordeten die Feinde nicht –
    Nur die, die euch entmündigt!
    Mit Schmu von Tapferkeit und Pflicht …
    Im höchsten Grad: versündigt.


  • Stadtschlossdach & das zweitausendachthundertneunundsiebzigste Gedicht

    Humboldt Forum-Stadtschlossdach

    Land of the Free

    Irrlichternd im Ultimatenrausch.
    Vernichtungsschläge-Aufgebausch
    Gart wortverrohtes Drohen.

    Die Freiheit frisst sich selber auf
    Mit größtbuchstäblichem Haudrauf …

    Der Anstand ist entflohen.


  • Strip & das zweitausendachthundertsiebenundsiebzigste Gedicht

    Ausschnitt aus Gerhard Richter. 100 Werke für Berlin. Neue Nationalgalerie

    Den Nachrückenden

    Jeder Änderungswunsch wird mich nicht mehr betreffen.
    Du schreist: Es wird Zeit für die Jungen!
    Ich bin für dein Scheitern, mich nachzuäffen,
    Doch zeitig zur Seite gesprungen?!
    Wollte alles mit Unaufgeregtheit beseh’n –
    In Hoffnung auf halbwegs vererbtes Versteh’n.

    Nun ist der neue Abstand dir noch nicht genug.
    Du schreist: Es braucht Platz für die Jungen!
    Man schießt längst gestrandeten Schiffen vors Bug –
    Das alles wirkt sehr sehr gezwungen.
    Willst du’s nicht mal weniger aufgeregt seh’n
    Auf ein Stündchen Lektüre Geerbtes Verstehn?

    Ich wünsch nach dem Nachäffen weitere Schritte:
    Zeit wird’s für’s Erschaffen von eigenem Platz!
    Ja, einen der mich wirklich altfühl’n lässt, bitte –
    Ich warte auf originären Rabatz!
    Deine Kühnheit bewahr fürs Kreieren statt Erben!
    Für solch einen Move, hey, da könnt ich glatt sterben!


  • Soinsee & das zweitausendachthundertdreiundsiebzigste Gedicht

    Soinsee im Winter

    Rotwandwanderung, Mitte April

    Wieso ist bei dir eig’ntlich immer noch Winter?
    Ich komm dir jetzt hoch und dann komm ich dahinter!

    Nun bis zur Hüfte einzusacken,
    Kann inn’rer Frühling kaum verpacken …

    Heut werde ich in nassen Schuhen
    Voll Winterhass den Berg ausbuhen.


  • Sommer in Lauerstellung & das zweitausendachthundertsiebzigste Gedicht

    Am Strand von Pietra Ligure

    Es brüllt der Frühling:

    „Wachstum schaffen, raus die Säfte –
    Ungebremst und unbeschränkt!“

    Selten geht’s um Wirtschaftskräfte,
    Wenn man an die Lenz-Zeit denkt.
    Doch hat Dichterei-Romantik
    Mit ihr einen Promotiondeal
    Und das Image quer durchs Land zig
    Samenlose mit zum Ziel.
    Dass selbst linke Hänger werd’n des
    Kapitalismuses Anhängerschaft.
    Und man brüllt ein selbst entleer’ndes:

    „Wachstum, Wachstum – volle Kraft!“


  • Top of Eze & das zweitausendachthundertachtundsechzigste Gedicht

    Blick vom Botanischen Garten in Éze

    Die Miete
    Mein viertes – und letztes – Ripostegedicht auf „Die Made“

    Hinterrücks trifft dich die Kunde
    Einer Mieterhöhungsrunde.

    Nun, steigt die Miete übern Lohn, da
    Wird’s Zeit für ’nen Mitbewohner!
    Ein winziges möbliertes Zimmer
    Zieht in Cityvierteln immer.
    Im Prinzip nicht diffizil, irgendwen zu finden –
    Impliziert nur inklusiv, sich an ihn zu binden.
    Richtigliegen ist schier Pflicht!
    Hier bewirbt sich im Gedicht:
    Dimitri aus Merkantilien,
    Macht in Imbiss-Immobilien –
    Was vom Spirit irritiert,
    Doch dir sichtlich imponiert.
    Denn Liquidität und Business-Stil
    Sind mithin wichtig – easy Deal!

    Schwindlig fix ist man sich quitt,
    Dimitri wohnt fortan mit,
    Verspricht dir gar Beginner-Tipps
    Fürs Mitspiel’n bei den Winner-VIPs!

    Doch was hier blindlings eingestielt,
    Ad infinitum abgezielt
    Mit finanziell’m Win-Win-Motiv
    Lief zwischenzeitlich kritisch schief.
    Denn schien’s dir irgndwie, Dimitri
    Investiert in Miete nie.
    Und im dritten Monat auf Kredit
    Ziert’s dich nicht mehr vor der Bitt‘,
    Weil’s dir ziemlich dringlich ist –
    Schließlich gilt die Mietzinsfrist,
    Und irre misslich ist sein Zieren,
    Hierin sich zu involvieren.

    Doch dein triftig Insistieren
    Wird er giftig kommentieren:
    „Bitte wie – wat soll denn ditte?
    Nix mit Investier’n in Miete!
    Linkische No-Limit-Ritte
    Und von Gier gezielte Tritte
    Sind in meinem Business Sitte!“ Schitte.

    Dies ist nur witzig und fiktiv,
    Doch denk im Still’n ich instinktiv:
    Gib Parteien nur dein Like, wenn
    Diese Miethaie enteignen!
    Bislang zieht man nur kleinen Fischen die Gräten,
    Und das nimmt weiter zu – trotz mehr Diäten!

    Kein Wunder, dass Mieter, Model, Marder und Erhardts Made mit Kind
    Der Weltenmakel müde sind


  • Jardin exotique d’Eze & das zweitausendachthundertsechsundsechzigste Gedicht

    Im Jardin exotique d'Eze

    Selfie in Monte Carlo

    Bitte alle mal kurz Halt! Grace Kelly will ein Selfie schießen.
    Es muss ’ne Instagram-Gestalt stets ihr Profil profund begießen.

    Man könnt‘ generös-gnädig überplanieren,
    Jede Zeit habe ihre „Beachtet mich!“-Tricks –
    Oder Stilmangel einfach in Grace definieren
    Als Abstandsmaß zur Influencerin X.


  • Casino Municipale & das zweitausendachthunderteinundsechzigste Gedicht

    Casino Municipale von San Remo

    Seealpen

    Niedersachsen fragen Seealpenleute:
    „Ciao, sachtma, wie war denn dat Wetter so heute?“
    „Schön zum Skifahren war’s und auch zum Baden!
    Ja, wir war’n noch am Strand nach’m Sessellift –
    Und vergaßen glatt, Euch einzuladen …
    Sowas merkt man ja erst, wenn man sich später trifft,
    Auch, wie schnell man gewöhnt sich ans Hochgefühl,
    Dass man nicht täglich stöhnt: ‚Heute wird’s wieder kühl‘.“

    Nun, dafür können Niedersachsen
    Weil am Tiefpunkt, nur noch wachsen.


  • Ponte Vecchio di Dolceacqua & das zweitausendachthundertneunundfünfzigste Gedicht

    Ponte Vecchio di Dolceacqua

    Spontan begeistert (aber Minderheitsmeinung)

    Es gilt, über die Brüstung mein Glück rauszuposten,
    Und chillig des Shitstorms Entrüstung zu hosten.


Die 272 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)


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