Wasser

Verse für die Phlegmatiker, denen man Wasser, Winter, Nacht, Baby- und Greisenalter zuordnet.
Die beschreibenden und erzählenden Gedichte.
Von der Naturlyrik bis zu allen Längenvarianten der Ballade.

Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!

Turiner Bergkulisse & das zweitausendvierunddreißigste Gedicht

Blick vom Mole Antonelliana, dem Wahrzeichen von Turin

In Italien

In Italien ist Stadt-zu-Sein spürbar viel größer
Und der Boden aus feinerem Stein.
Jahrhundertgesotten als Einflusseinflößer
Entmüht sich das süßere Sein,
Ist jed Geräsuch Teil einer Kleinmelodie -
Und sinnenversonnen erlauschen wir sie.

Die volle Gattung Mensch, sie schwelgt im Bann vergangner Zeit.
Und der Stolz der Gehwegplatten türmt sich zu Erhabenheit.

Spiezer Seekulisse & das zweitausenddreiunddreißigste Gedicht

Am Hafen von Spiez

Nachts@HotelRiviera

Das singende Klimpern im Fahnenmastwald
Umspielt ein verdümpelndes Bootsbauchgeschwapp ...
Und Einsatzbereitschaft scheint in sie gekrallt -
Die wellt auch im nachten Schwall niemals ganz ab.

Seeleingelullt, wird's mir dann schließlich zu kalt -
So schließ ich das Fenster zum Fahnenmastwald.

Abfahrten & das zweitausendfünfundzwanzigste Gedicht

Im Ski-Gebiet von Zinal

Waldabfahrt

Das hämmernde Schienbein, das stechende Knie
Besänftigen sich auf dem schnurrenden Ski,
Der nun nichts mehr fordernd den Waldweg begleitet -
Was keinerlei Anstrengungsgrade bereitet:
Hier greift Kontemplation
In die Meditation.

Sonor klingt der Tag aus in mäßiger Fahrt,
Bis kurz in der Kehre der Schneeteppich scharrt.
Ohne Anschub läuft's fort, nun in anderer Richtung,
Zur nah'nden, vom Dorfeingang kündenden Lichtung,

Eh man, vom Tage angestrengt,
In eine kurze Abfahrt lenkt,
Sich ächzend von den Brettern schnallt.

Hab Dank für diesen Abschluss, Wald!

Forêt-Waldabfahrt Grimentz & das zweitausendzwanzigste Gedicht

Einstieg zur Forêt-Waldabfahrt in Grimentz

Aber gut

Die Sonne gleißt vom Firnschneemeer,
Wo Frische, Wärme, Licht sich mischen -
Ob solch vereister Schönheit Herr
Will Gott sich selbst ein Loblied zischen,
Mit dem er seine Güte preist
(er ist - wie wir - betrunken meist).

Diese Pracht über tödliche Zonen zu weiten,
Anstatt in von Menschen bewohnbaren Breiten,
Zeigt: Er liebt uns nicht wirklich - er lockt uns ins Eis,
Sind wir auf die Wunder der Firnschneewelt heiß!

Am Zenit unsrer Treu zollen wir dann Tribut,
Grollen: "Gott hat's echt drauf - voll brutal, aber gut!"

Dreigestirn & das zweitausendfünfzehnte Gedicht

Marienplatz im München, Skyline

Flaute

Für die paar Zentimeter, die wir uns bewegen,
Ist noch keine Entfernung vorhanden.
Wir veratmen die Lüftchen, sobald sie sich regen,
Ohne Aussicht, an Ufer zu landen.
Ob Sonne, ob Wind unsre Körper auslaugt -
Für uns fühlt sich's an, als sei's gleich.
Nun haben wir so lang die Nautik gepaukt,
Doch leben wie einst hinterm Deich.

Hoffnungsschimmer & das zweitausendvierzehnte Gedicht

Himmel überm Flaucher

Schwalben

Ihre Küsse sind von fauler Süße -
Die sind auf den Straßen gegärt.
Ein schrilles Parfüm sendet günstige Grüße -
Da Billigkeit langsam verjährt.
Doch so viel Erfahrung,
So oft Offenbarung -
Daraus muss doch die Welt etwas lernen
Vom Rand unsrer Mitte!
Eh tippelnde Schritte
Sich weitersfort von uns entfernen ...

Unter Kurt-Schumacher & das zweitausendachte Gedicht

Tauben unter der Kurt-Schumacher-Brücke von Steele nach Überruhr

Zwischen den Jahren

Die letzte Weihnachtspost trudelt jetzt ein,
Es lässt selbst "Last Christmas" das Dudeln sein,
Geschenke werd'n in die Regale geschoben
Und mit den Kulissen des Alltags verwoben,
Man frisst, etwas hastig, zu viel Schokolade -
Und findet, dass es nun vorbei ist, schon schade ...

Tiergehege Wichteltal & das zweitausenddritte Gedicht

Bewohner vom Tiergehege Wichteltal

Im Überruhrer Wichteltal

Und wieder fällt des Dichters Wahl
Aufs Überruhrer Wichteltal.
Dort wird er von Erinnerungen
Wie wortwortwörtlich angesprungen,
Verbindlich beim Spazierengehen
Mit Findlingen aus Vers versehen,
Dort rührt ihn Ruh und sinnt Kontur -
Am Treidelpfad zu Überruhr!

Neuschwanstein? & das eintausendneunhundertachtundneunzigste Gedicht

Der Archiconvent der Templer in München

Reisevorbereitungen 1: Das Körperpacken

Beim Beinhalten sei mir mein Koffer ein Fuß.

Der Arme erbarmt sich zum hoffenden Gruß
An großkopfertpropfenden Reinstopfinhalt -
Als Krüppel entrückt alle Koffergestalt.

Mit Wut und Blutdruck zugeklappt,
Verkörpert er die pure Pein.
Hat erst das Schlosswort zugeschnappt,
Beknie ich schon das zweite Bein.

Zugvogel? & das eintausendneunhundertsechsundneunzigste Gedicht

Überwinternde Gans am Flauchersteg

Pure Chance (Die Überwinterer)

Wenn ihr die
Hiesigen Breitengrade
Grad Unbehagen bereiten
Und ihr der Biss des Winters stinkt,
Tragen sie alsbald die Weiten
Ihrer Flügel und beschwingt
Gleitet sie gen Afrika
Für ein gutes Vierteljahr.

Dort gilt's bloß, Hyänenzähnen
Forsch die Stinkefeder zeigen!
Und beim Anblick größ'rer Mähnen
Hoch in heiße Höh'n zu steigen,
Um auf flirr'nder Luft zu segeln
Und der Rest wird sich schon regeln
Im besagten Vierteljahr.

Heute klagt man: Afrika
Sei noch so ein Sinnbild vom Voll-Übertreiben -
Man müsse doch gar nicht so weit!
Denn die, die im Froste vor Orte hier bleiben
Wärmt Flucht als pure Möglichkeit.

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