Körperteile

Jedem Körperteil sein Gedicht ...

Inselverkehr & das eintausendvierhundertdreiundzwanzigste Gedicht

Straße auf Mahe

Betanleitung

Mit den Füßen kann man nicht beten -
Da lohnt nicht einmal der Versuch!
Man kann sie zwei Stunden bekneten -
Dann mault jeder Gott: "Is' genug!"

Nein, zum Beten nimm lieber die Hände
(der Dürer zeigt anschaulich wie)!
Dann spricht Gottes Wohlgefall'n Bände:
"Gelobt sei die Anatomie!"

Ponte dell' Accademia & das eintausenddreihundertneunzigste Gedicht

Möwe vor der Ponte dell' Accademia

Ein Rumoren

Mir geht so ein Rumoren
Grad rum in meinen Ohren.
Das wummert zwar vom fernen Rand,
Doch hör ich keine Zwischenwand!
Und höhnt's nicht hoch vom Rachen:
Bald wird's hier richtig krachen! - ?

Das macht zum Glück und Schutz mich
Stückchenweise stutzig.

Fichten & das eintausenddreihundertsechsundvierzigste Gedicht

Fichten am Saimaasee

Dudu (Zum Borgen von Därmen)

Ich versenke meinen Arm
Manchmal tief in meinem Darm.
Dort hat er es mollig warm,

Doch gilt dies nur für einen!

Darum leih
Für Nummer Zwei
Dudu mir doch den deinen!

Blickfang & das eintausenddreihundertneunundzwanzigste Gedicht

Weihnachtsschmuck im KaDeWe Berlin

Danke für das Knie

Dies' wie noch nicht entschiedene Werden
Zwischen Vollzeitstudentin und Frau,
Es pflügt sich entspannt in ihr frommes Gebärden -
Man stellt sich gern ungern zur Schau.

Nun, Schönheit wurd' hier nicht echt üppig gesät,
Doch sie blüht ihr Gerade Soviel,
Nach dem mein verschlagener Blickgenuss späht
(Er ist nicht auf Suche nach Stil).

Was kümmern mich Moden, die ich nicht verstehe?
Dieser Hosenrock müffelt nach langer Entscheidung.
Und doch ist's Betrübnis, die ich in ihm sehe -
Nur willenschicfehlerbekundende Kleidung.

Wohl passt's zu der Plumpheit, mit der sie dort sitzt -
Junges Leben ergötzt sich am Warten.
Da wird Vorfreude forsch in die Achseln geschwitzt,
Braucht Erfolg noch kein Zeugnis von Taten.

Ihre Physiognomie ist bemerkenswertlos
(So was besssert sich nicht mit den Jahren) -
Wo das eine zu seicht ist, ist and'res zu groß,
All dies weckt mein Verlangen zu sparen.

Und doch bleibt mein Augenlicht mit ihr vertaut,
Mich beseelen das Dass und das Wie,
Es ist ihrer Ödnis Oase die Haut
Vom durchs Nylonschwarz schimmernden Knie.

Vermutlich hat sie der Knie zweie gehabt,
Aber ich hab das eine geseh'n.

So ist der Mensch oft nur in einem begabt.

So einsam, so wahr und so schön.

Residenzmarkt & das eintausenddreihunderteinundzwanzigste Gedicht

Märchenwaldbewohner am Residenz-Weihnachtsmarkt

D.h.D. (Den holden Damen)

Wenn eure Busen sich entblößen,
Dann schlupfen sie aus kruden Größen,
Die knüpplig-kryptisch typisieren,
Wofür sich Dichter int'ressieren.

So trübt die Lyrik unbequem
Ein buchstäbliches Cupsystem
Plus "Längenmaß der Unterbrust".

Was bleibt da an Beschreibungslust,
wird mir gewahr, was ich da seh'
Ist eine 75D?!

Pur technisch wird hier ausgedrückt,
Was den Rundungserkundenden rundum verzückt,
Dem holzige Kürzel schon Körbe erteilen
Vorm frommen Verfassen der innigsten Zeilen,

In denen die bauchig sich wölbende Haut
Wie fülleumkoste Vollendung ausschaut,
In die eleganteste Kurven entfliehen.
Ach, grob wird uns schreibende Demut geziehen!

Denn wie andächtig ich auch im Wörterbrei dreh' -
Die Welt, sie BHrt drauf: Das ist 70C!

Und dem Sinnlichsein trichtert ein "Spaß, hey, das war's!"
Das erbarmungslos nüchterne Maß des BHs.

Stadttheater & das eintausenddreihundertachtzehnte Gedicht

Kronleuhter im Stadttheater Aschaffenburg

Der Fettleibigen gegenüber

Auf dich und den Körper fällt kein gnädiges My
Und der Anblick von euch lässt uns schmerzen.
Deinem Lebensgeschmack ist die Würde perdu,
Er droht gültiges Glück auszumerzen.

Dein Dabeisein wird ausgelöscht von unsrem Blick,
Der im Auf-dir-sein fort von dir endet:

Dort hockt maßloser Körper, vom Hässlichsein dick,
Der nur totes Signal an uns sendet.

Die Kämmende & das eintausenddreihundertdreizehnte Gedicht

Die Kämmende Skulptur auf der Freundschaftsinsel Potsdam

Durchkämmen

Die Zinken ziepen an den Haaren,
Durch die sie haarspaltreihig fahren.

Bei Spliss und Filz ist Kämmen
Gewisslich nix für Memmen.

Clouds & das eintausendzweihundertzweiundneunzigste Gedicht

Maibaum im Wasmeier-Dorf

Angebot schafft Nachfrage

Siehe da: Mein Schamhaarklon
Im Angebot von Amazon!

... und täglich flüstert mir Alexa:
"Du, ich wüsst' da einen Waxer!"

Schlachtspiegel & das eintausendzweihundertsiebenundachtzigste Gedicht

Völkerschlachtdenkmal Leipzig

Der Umtrieb

In meinem Schuh wächst graues Moos,
Sein Kniegelenk bebt stumm.
Wo bleibt die Zielgerade bloß?
Was treibt mich wieder um?
Ich wink' die Welt an mir vorbei -
Auf mich soll niemand warten,
Und klaube aus dem Zehenbrei
Verfaulte Handgranaten.

Wenn ich heut nicht nach Hause find',
Werden andere Ziele besehen.

Ich bleib', bis ich mich überwind',
Wie angewurzelt stehen.

Fremdling & das eintausendzweihundertneunundfünfzigste Gedicht

Katta im Zoo Hellabrunn

Schwermütigkeit

Ich benötige rasch etwas Körper in mir,
Meine Haut ist vom Leiden so leer.
Und nun drängle ich quengelnd durchs Gästequartier,
Als gäb' es die Hausbank nicht mehr.
Hier gehören doch andere Lösungen hin,
Wenn der Alltag sich so übernimmt,
Dass sein ganzes Gehöft sich entledigt vom Sinn
Und nichts mehr im Blutkreislauf stimmt!

Bin wohl längst nicht mehr bei mir, finde auch nicht zum Du -
Gewiss ist alleine die Störung.

In die Ferne rückt frühere Sehnsucht nach Ruh -
Alles zerdrückt von Empörung.

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