Erde

Verse für die Melancholiker, denen man Erde, Herbst, Abend, Erwachsenenalter zuordnet.
Die besinnlichen und leisen Gedichte.
Von Aphorismen bis zur Vanitasdichtung.

Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!

Freising & das neunhundertachtundzwanzigste Gedicht

Freising Domberg

Und, wie war dein Auftritt?

Der McDonald's am Bahnhof war dann sehr, sehr viel voller
Als der Gästeversuch meiner Lesung
Und der Hackfettgeruch dampfte tiefer ins Moll
Und hielt Händchen mit meiner Verwesung

Burghausener Altstadt & das neunhundertachtzehnte Gedicht

Burghausener Altstadt

Unberechtigter Zugang

Jene Ruhe, die uns dieser Abend nicht bringt
Aber herzallerliebst simuliert
Bis er als Versuch ins Erfolgreiche dringt

Und vor morgen wird nicht kontrolliert

Thun & das neunhundertsiebzehnte Gedicht

Thun

Auf früher vertrauteren Straßen

Auf früher vertrauteren Straßen
In alten Gedanken zu geh'n
Erkennend noch, was wir vergaßen
Geblendet vom Zwischengescheh'n

Und stolpern wir über die Brüche
Mit denen uns Schicksal verdaut
Geleiten uns traute Gerüche
Und Blutbahnen unter der Haut

Doch es sinkt immer stärker ins Schwinden
Das Gefühle, man kehre zurück
Zu winzig wird das, was wir finden
Zu spurlos das kindliche Glück

Thuner See & das neunhundertsechzehnte Gedicht

Thuner See

Am Thuner See

Du fändest Ruhe hier ...
Steht in lebensgroßen Schönschriftstaben
Auf den Bergplakaten

Du tränend Panthertier
Komm und geh dich am Äußeren laben!
Wozu noch länger warten?

Kloster Blaubeuren & das achthundertsechsundneunzigste Gedicht

Kloster Blaubeuren

Politische Kunst

Diese Welt drängt mich ständig, mal klar zu entscheiden
Mein indifferentes "Kann beiderlei leiden!"
In das Kaltschwimmerbecken des Lebens zu stoßen

Dort prust' ich vernehmlich mit aufrecht großen
Parteiergreifen und Konformmicherklär'n

(Wenn bloß all die andern Optionen nich wär'n ...)

45 Sporenverheißung & das achthundertneunzigste Gedicht

In Neu-Ulm

Coda

Mit Tau und Taubheit scheint der Tag zu beginnen
Doch manches hat gar nicht geschlafen
Es bildet sich um und entäußert sein Innen
Nach Plänen, die wir nicht entwarfen
Wir sind nur die Wachen
Wir könn'n da nix machen
Was da wird, wird es an uns vorbei

Um zu seh'n, was passiert, müsste man sich jetzt wenden
Unter Druck springt die Form aller Allmacht entzwei
Aber irgendwie muss es ja enden

38 Nebelzeitdichte & das achthundertdreiundachtzigste Gedicht

Bozen

Am Leck

Der Nebel verwehrt nun den kundigen Griff
Mit dem sich einst Setzkästen füllten
Die Winkel verlassen das sinkende Schiff
Nachdem sie sich selber zerknüllten

35 Kuppelgucken & das achthundertachtzigste Gedicht

Kaltern am See

Sachverstand

Der Zauber der Rückkehr nach unfreiem Reisen
Bringt geschickt die Begriffe ins Licht
Als müsse das Später dem Früher beweisen
Einen Leerstand im alten Gesicht

34 Stichlingsverwesung & das achthundertneunundsiebzigste Gedicht

Kaltern am See

Gib auf, kleiner Bruder!

Der Hort deiner Pläne ist eine Hospiz
Ein Defekt kann vom Sterben sich gut unterscheiden
Der Sonnenaufgang ist ein schwaches Indiz
Er erwärmt nur den Mut, in der Unnot zu leiden

26 Netzgesicht & das achthunderteinundsiebzigste Gedicht

Hofgarten München

Nie mehr daheim

Das ist alles - nur ein Daheim nie mehr
Verloren der Sinn für das Feine
Der letzte Keim zur Gegenwehr
Begleitet des Hausherrns Gebeine

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