Sechszeiler

Chefchaouen & das eintausendachthundertvierundfünfzigste Gedicht

Medina von Chefchaouen, die blaue Stadt

In Rick‘s Café

In einer von der Wirklichkeit nachgebauten Kulisse
Sagtest du, ich wisse
Doch, an diesem Rahmen sei nichts wahr. -
Wie doch grad Welt in ihm geschah.
Die schmiegte aus lauter Romantikgefühl
Sich körperkomplett ins Attrappengewühl ...

Casablanca & das eintausendachthundertfünfzigste Gedicht

Grand Théâtre von Place Mohamed V

Casablanca - ein Annäherungsversuch I

Als blasenkranker, blasser Mann
Kam ich in Casablanca an,
Zog blank am FKKler-Strand,
Bekam da krassen Sonnenbrand.
„Fass bloß nicht meinen Nacken an!“,
Blaff ich halb Casablanca an.

Klosterzugang & das eintausendachthundertvierundvierzigste Gedicht

Brücke zum Kloster Seeon

Hoffnung, wider

Dort am Lottoschalter im Schreibwarenladen
Liegen die Formulare bereit
Zur Einbürgerung in die Sorglosigkeit.

Solch Grenzübergänge umlagern Nomaden -
Denn die Hoffnung wirkt wie ein Magnet,
Der Wirren wie Wissen und Wind widersteht.

Seeonballon & das eintausendachthunderteinundvierzigste Gedicht

Fesselballons über Kloster Seeon

Sonne in Seeon

Sieh an, Seeon, so 'ne Inselséance -
Ist 'ne sonntägliche Sensation!
Sonst ohne Kontakt zu dem Zen unsres Sohns
Schien die Seeonséance
Sehr en vogue als 'ne Chance
Zur Seelen-on-air-Liaison.

Chiemingblick & das eintausendachthundertneununddreißigste Gedicht

Blick auf den Chiemsee vom Chiemseeradweg bei Chieming

Die Nichtfahrt auf der Ems

Da überm "Dann ein andernmal!"
Dräut ein "Ganz sicher nicht".
Du hattest heute die Ems zur Wahl,
Doch warst auf "Ähms" epicht.
Nun ist wohl ein für allemal
Das Wahllokal dort dicht.

Seidlvillagarten & das eintausendachthunderteinundzwanzigste Gedicht

Deko an der Seidvillagarten Open Air Bühne

Zeilensprung

Ein vertrottelter Vers versucht, dir zu gefallen
Und darin versagend, die Fäuste zu ballen,
Um bitterlich sich über dich zu beschweren,
Sodann deine Feinde und Neider zu mehren.

So zeilenspringt mancher durchs Scheitern Getrollte
Sich weit fort von dem, was er eigentlich wollte.

Haus der Technik & das eintausendachthundertachte Gedicht

Fassade vom Haus der Technik in Essen

Die Stützpfeiler

Wir schürfen am Schuldenberg Nicht-Unterstützter,
Der Schutthaufen wächst, nebst der Frage "Wem nützt'er?",
Ein Antwortversuch lautet: "Fünftausend Meter!"
(zunächst mal vernünftig, erläutert wird's später ...),
Uns selber entlastet's rund Achttausendmal.

Alles hat einen Grund. Und der Grund ist egal.

Chiemseesegel & das eintausendachthundertzweite Gedicht

Im Tretboot bei Übersee am Chiemsee

Ansichtskarte

Ein von Seglern sehr gerne besegelter See
Ein von seltenen Egeln gesegnetes Reh
Ein von geltenden Regeln vergebener Fehl
Ein von Ferne zu sehendes Festklebe-Gel
Ein von Keglern erbetenes Käsebrot
Ein von Flegeln geentertes Segelboot

Kirche im Dorf & das eintausendachthundertste Gedicht

Blick auf die Kirche von Übersee vom Chiemsee

Auf die alten Zeiten!

Ich muss zugeben, dort gab es Schmerz zu erleben,
Und ich komme nicht gut damit klar.
Da wir jetzt genusslos die Gläser erheben,
Werd ich der Vernarbung gewahr,
Die sich unlängst darbot, mir manchmal zu nützen.

Ich muss sie vor falscher Vereinnahmung schützen.

Nebenwelten & das eintausendsiebenhundertneunundachtzigste Gedicht

Euro 2021 Schmuck an der Fröttmaniger Arena

Schön ist die Jugend

Dass wir in unsren schnellsten Jahren
Keinesfalls die Hellsten waren,
Fällt im Rückblick doch wohl auf.

Da wir in unsren späten Jahren
Schein und Pietäten wahren,
Nimmt das unser Stolz in Kauf.

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