Reisen

Globetrottergedichte und andere Verse vom Reisen und Unterwegssein.

Domplatz & das eintausenddreihundertsechsunddreißigste Gedicht

Der Domplatz in Mailand

Mailand

Korridor und Quarantäne,
Erster Chor des "tutto bene!" -
This land is Mailand, Goethesöhnchen!
Die Kommunion der Kaffeböhnchen,
Der Grundkurs einer Eingewöhnung.

Geschäfte und Geschäftigkeiten -
Pünktlich zu fast gleichen Zeiten!
Kaum Grund, sich umzuorientieren,
Man hustet nicht beim Inhalieren,
Doch den Blick, ihn mäandert schon andere Tönung.

Und unfertig leicht sagt man hier: "Italiener?
Fühl'ma manchma selbs wie eena!"

Mailand & das eintausenddreihundertdreiunddreißigste Gedicht

Auf dem Dach vom Dom in Mailand

In Italien

In Italien grinst die Sonne viel breiter,
Blitzt verschmitzt deine käsigen Backen.
Du fühltest zum Ausgleich dich leistungsbereiter
Und denkst du dir nun selbst: Allet klar, Kerl, geh kacken!

Woran du nur nippst hier, füllt dein ganzes Gebiss!
Im Genuss wirkt die Welt doch viel welter!
Momentanrunderneuert bleibt dir dann gewiss,
Du bleibst dieser Sonne ein ewig Verprellter!

Dämmerung & das eintausendzweihundertsechsundneunzigste Gedicht

Schliersee Bergkette

Magellan

Wir kehrten auf Victoria zum Ausgangspunkt zurück.
Erfahrungsschätze lehrten uns den Unbestand von Glück
Und dass, was wir mit Fug entdeckt, sich nicht mit Recht verhielt.
Manch kühner Treffer zeigte nur: Wir hatten falsch gezielt.

Jetzt fragst du, ob nicht dennoch das Erreichte tröstend sei?!

Vermutlich, aber Gott sei Dank: Ich war nicht mehr dabei.

Grainau & das eintausendzweihundertneunundsechzigste Gedicht

Grainau, Unterer Dorfplatz

Besuch mit Gepäck (oder: Leise geht anders)

So bollert ein alsbald Gehasster:
Rollkoffer auf Kopfsteinpflaster

Zugspitzenspitze & das eintausendzweihundertfünfundsechzigste Gedicht

Zugspitze Gipfelkreuz

Over(tourism's in the house)

Wie viel von solch Erholungsmassen
Wohl noch in dieses Örtlein passen?

Ich frage nur aus Pietät -
Und denke: Is ja eh zu spät.

Piazza Maggiore & das eintausendzweihundertundsiebte Gedicht

Freilichtkino am Piazza Maggiore

Bologna

Wo so viel Altes türmt und arkt,
Bleibt Gegenwart nur Gast,
Der sich flanierend unterhakt
Und nachgerad' verblasst

In nachtgeneigte Gassen rie-
Selt Ausgelassenheit.

Schon schluckt die schwere Nostalgie
Dies kleine Etwas Zeit.

Neptun & das eintausendzweihundertundsechste Gedicht

Neptunstatue am Piazza Maggiore

Die Präferenz (klar und begründet)

Kariminiribik?
Oder lieber die Krim?

Ersteres, weil ick
Halt sehr gerne schwimm'.

Donauwörth & das eintausendeinhundertvierundachtzigste Gedicht

Nebenarm der Wörnitz an der Insel Ried Donauwörth

Das Prophetische an Donauwörth

Zwei Stund' streunt ich durch Donauwörth - nein,
Nach anderthalb schon war dies Örtlein
Beseh'n. Wie manches andre
Durch das ich wohl noch wandre.

Anse Patates & das eintausendeinhundertachtundfünfzigste Gedicht

Anse Patates auf La Digue

Milchshake am Abend, letzter

Ein Melonenmilchshake vorm großen Abschied
Vom Tage, von Stränden und Feriengefühl ...
Millionen davon, bro, man, is all that you need!
So sämig, so träge, so süß und so kühl ...

Victoria & das eintausendeinhundertsiebenundfünfzigste Gedicht

"Big Ben" von Victoria auf Mahé

In dochfremden Städten

Der Sog der Vertrautheit in dochfremden Städten
Entlockt dir raren Übermut.

Aber irgendein Ankerpunkt wird dich schon retten!

So nah und so fern vom "Okay, alles gut!" ...

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