Kunst & Inbrunst

Gedichte zur Kunst und der künstlerischen Inbrunst nebst dem entsprechenden Leiden.

Marienklausenrutsche & das eintausendzweihunderteinundvierzigste Gedicht

Bootsrutsche am Marienklausensteg

Viertes vierzeiliges Vielfaltgedicht (Unter den Origamisten ist der Einfältige wenig)

Falls Falzgestalten von filles, die viel falten,
Keine Filigranz erhalten,
Mosern Origami-Mamis,
Dass die Welt doch voll infam is'!

Südblick & das eintausendzweihundertdreißigste Gedicht

Blick auf Essen

Kurs halten

Du hast das Steuerrad tapfer gehalten
Bis zum bittren Moment, da du gingst.
Kurz darauf war wie unberührt wieder beim Alten
All die Richtung, an der du so hingst.

Doch, es kommt auf die paar Grade Unterschied an!
Nein, es ähneln mitnichten sich Wellen!

Man muss sich verpflichten zu sehen - und dann
Die Zeiger der Uhr danach stellen.
Und sei's nur zur Kur dieses eigenen Lebens.
Erscheint's uns auch kurz, war's doch niemals vergebens.

Nachbaramsel & das eintausendzweihundertneunundzwanzigste Gedicht

Abendamsel im Echstenkämperweg

Von allen Dächern

Die Spatzen pfeifen es von allen Dächern
Und dann schlittert's die Schindeln hinab.
In den Mäulern der Dachrinnen scheppert es blechern,
Von dort schnappt es sich irgendein Rab
Und stibitzt noch die letzte Erinn'rung ans Oben -
Er versenkt es als Rest in den Grund,
Beschleunigt die Zeit, und zersetzt von Mikroben
Wird jedwede Sperrigkeit rund.
Und verlor'n ist die Möglichkeit anderer Reife -
Für das Haben der Raben. Und der Spatzen Gepfeife.

Bologna & das eintausendzweihundertundfünfte Gedicht

Arkaden von Bologna

Oldschoolferien

Meine treu gehegte Neugier wühlt
Im schwer Bedeutungslosen.
Man klaubt, was sich nach nichts anfühlt,
Und schluckt's in kleinen Dosen.

Was mir die Nachhut offeriert
Als Rausch an Angeboten,
Ist endlos lustlos limitiert -
Ein Jahresplan von Toten.

Neuaufbau & das eintausendeinhundertsechsundachtzigste Gedicht

Blick auf die Frauenkirche Dresden

Urlaub im Vakuum

Und das Ich! wird wieder mal größer geschrieben,
Derweil sie das Wir! simulieren
Und den letzten Rabatz aus den Freiräumen schieben
Aus purer Freud am Kasernieren.

Und die Blockwarte schreien auf Online-Geheiß:
"Ein Richtig! lässt sich stetig steigern!"

Tief in Kopfschüttelskepsis erschlägt mich ihr Fleiß.

Fast fliehe ich in das Verweigern.

Foddis & das eintausendeinhundertzweiundfünfzigste Gedicht

Foddis in Victoria auf Mahè

Der Komfortzonenkünstler

Der Komfortzonenkünstler kann, was er kann,
Und er weiß, seit er's weiß: Das kommt an.
Er wagt sich an alles im Kleinen heran,
Ihn hält steter Applaus stets im Bann.

Der Komfortzonenkünstler bleibt fest überzeugt,
Die Welt sei 'ne dienstbare Scheibe,
Die ihn als ihr Schäfchen verlässlich besäugt -
Er sucht keine größere Bleibe.

Intendance & das eintausendeinhundertsechsundvierzigste Gedicht

Anse Intendance auf Mahe

Am Gatter

Kann die Losigkeit hinter dem Gatter riechen,
Spür der Sicherheit lähmende Arme -
Mir ist nicht vergönnt, mich darin zu verkriechen.

Immer wieder gemahnt mich mein Name,
Dass die Unmöglichkeit eines guten Endes
Zu untergestaltend zur Aufgabe zwingt.

Ich schlitt‘re ohne Fundament - es
Kümmert zu spät, dass das alles nichts bringt!

Für rare Momente schien viel überwunden -
Als wäre das Gatter frei interpretierbar.
Doch auf gleicher Höh‘ hab ich mich nie befunden -
Davon zeugt auch die ratternde Zeit unbeirrbar.

Kristalltherme & das eintausendeinhundertvierzigste Gedicht

An der Kritalltherme Ludwigsfelde

Von Empfindlichkeiten

Die Helligkeit des Simulierten
Ist Wirklichkeiten nicht erlaubt!

Drum rügen sie die Angeschmierten:
"Seid selber schuld, wenn ihr das glaubt!"

Schneefall & das eintausendeinhundertdreiundzwanzigste Gedicht

Alter Nordfriedhof München

Das feinste Übel

Auf edlen Kredenzen und Anrichtemöbeln
Berserkernd wedelnd herumba!zupöbeln,
Um dann doch aller Schönheit die Schönheit zu lassen -
Spürend, ein Mehrheitchen wird dich jetzt hassen,
Ist für mich das feinste Übel,
Festigt meines Daseins Dübel.

Wo dennoch Teures runterfällt,
Ist's die Schuld von eurer Welt!

Krieg & das eintausendeinhundertneunzehnte Gedicht

Firedensengel München

Stattkind

Sich unter Feinden
Einzugemeinden
Ist ein wundersames Spiel.

Niemand kennt mei'
Nur auf Standby
Wandnah wandernd' Landei-Ziel.

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