Kunst & Inbrunst

Gedichte zur Kunst und der künstlerischen Inbrunst nebst dem entsprechenden Leiden.

Zero Gravity & das eintausenddreihundertsechsundsechzigste Gedicht

Die Ausstellung Zero Gravity in der ERES Stiftung Schwabing

Gnadenhof

Du reichst der Welt die fremden Federn,
Mit denen sie sich schmückt.
In Daunenkissen findet jeder 'n
Kleinod, das ihn schmückt.

Schon liegt dein Köpfchen wieder hart,
Das hindert dich am Schlafen.
Die hab'n dich hier aus Angst verscharrt,
Du könntest wen entlarven.

Zu gierig rupfen sie dein Hab
Und geben keine Ruhe.
Und schon verdächtigt sich ein Grab
Wie zu bequeme Schuhe.

Du musst - egal, wie alt er ist,
Den Einspruch noch erheben.
Du bist - egal, wie müd du's bist,
Halt immer noch am Leben.

Ausklang & das eintausenddreihundertfünfundvierzigste Gedicht

Winter an den Saimaaseen

Everlasting Hype

Ideenreißzähne abgerüstet,
Die Münder plappern leer -
Wem es nach altem Geist gelüstet,
Kommt eh nicht mehr hier her.

Man routiniert sich durch das Hier
(Das ist recht leicht gestillt),
Man handelt noch mit alter Gier,
Doch ist nicht mehr gewillt.

Shoppingtempel & das eintausenddreihundertfünfunddreißigste Gedicht

Galleria Vittorio Emanuele II in Mailand

Gruß aus der Sänfte - getragenes Tempo -

Insgeheim kann ich schon spüren,
Wie die frühen Starallüren
Schür'n die Divenhaftigkeit.

Manch Kritik greift auch zu weit –
Es mäkelt die Verteidigung:
Majestätsbeleidigung!

Spart Euch das, ruft freudenvoll:
Ach, was reimt der Boy doch toll –

Hoch lebe er, der Klötgen Frank,
Auf seiner drögen Sänftenbank!

Stillleben & das eintausenddreihundertelfte Gedicht

Stillleben von Van Gogh in Potsdam

Im Pinselstrich

Und wirklich hält Farbe das Leben
Vom steten Vergehen zurück.
Sie gefriert vom verwitterten Streben
Ein spürbar erinnerndes Stück.

Nepomuk & das eintausenddreihundertzehnte Gedicht

Nepomuk Denkmal vor der Festung und altstadt von Kufstein

Meine Velozipedität

Ist's mir erlaubt, hier mein Hochrad zu parken?
Ich weiß, es beschämt Ihren flotten Jargon,
Der unlängst zerrammte einst geltende Marken -
Auch arglos scheint Höhe une provocation.

Doch hält jede Speiche hier für Demokraten -
Die Lust an der Höhe ist gar kein Affront!
Es bleibt Ihn'n der Platz, den Sie barsch sich erbaten
Als Aschenplatztestfeld fürs Testosteron.

Dies ist nur ein Hochrad, ich tät's gern parkieren!
Es pflegt mit der Gegend hier koa Liaison,
Es steht auf das Sich-für-sich-selbst-Int'ressieren
Und wenn es sich dreht, fährt es auch schon davon ...

Südfriedhof & das eintausenddreihundertsiebte Gedicht

Herbst am Südfriedhof Essen

Die Gemütlichkeit der Hingabe

Dräng' ich in die Verlorenheit
Auf wortumschmückten Spuren,
Pflückt' ausdrücklich Bedeutsamkeit
Ich über Lautgravuren,
Geläng's mit Dürers Akribie
Profanstem zu entlocken
Die angeborene Magie,
Sie kühn an Erkenntnis zu docken,
Um doch im akkuraten Schreiben
Ganz eingetaucht nur Schelm zu bleiben,
Das wär' ein ernstes Viel

Und fast schon wie ein Ziel.

Rathaus Kempten & das eintausenddreihundertsechste Gedicht

Rathaus Kempten

Meine p-Brominenz

Bin wie das p in Kempten,
Ganz kurz zu seh'n und kaum zu hör'n,
Aus Rücksicht auf den ungehemmten
Willen, hier nicht groß zu stör'n.

Bin auch das p in Jena,
In Köln hört man mich tonlos tön'n,

Denn irgendwo klatscht immer eena
Und ich nick' stumm mein "Bitteschön!".

Revolution & das eintausendzweihundertachtundachtzigste Gedicht

Friedliche Revolution - Wandbemalung am Leipziger Hauptbahnhof

Kunst und Politik, Teil II (In den Niederungen)

Beschluss der Unvereinbarkeit.
Bewusstsein der Parteilichkeit.
Von all dem milden Stuss befreit,
Bemusternd, ob die Kunst noch weiht
Mit Hochgenuss und Lust hoch Drei?

So gebet zum Beschuss sie frei!

Ihmeufer & das eintausendzweihundertsechsundachtzigste Gedicht

Ihmezentrum und Drei warme Brüder in Hannover

Alte Meister

Ich will stille Andacht halten
Vor dem Meistertum der Alten
Meister,
Wispernd: "Darum heißt'Er
So!?".
Meist perlt Meisterschaftsniveau
Von Personen, die mehr schaffen
Als die meisten andern Affen.

Und Schöpfung, die die Welt begeistert,
Viele weit're Leben meistert.

Badersee & das eintausendzweihundertsechsundsiebzigste Gedicht

Der Badersee in Grainau

Wandern & wann dann

Irgendwann, hast du gedacht, wirst du mal angemessen groß!
Irgendwann, hast du gedacht, ruft eine Stimme: Es geht los!

Es besteht kein Grund für dich, auf irgend Irgendwann zu bauen,
Aber fragt man "Gibst du auf?", entgegnest du "Muss noch mal schauen".

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