Berlin

Gedichte und Fotos aus der Hauptstadt. Meine Heimstatt von 2002-2014 und schon von daher immer noch mindestens einmal im Monat im Tourkalender.

Blickfang & das eintausenddreihundertneunundzwanzigste Gedicht

Weihnachtsschmuck im KaDeWe Berlin

Danke für das Knie

Dies' wie noch nicht entschiedene Werden
Zwischen Vollzeitstudentin und Frau,
Es pflügt sich entspannt in ihr frommes Gebärden -
Man stellt sich gern ungern zur Schau.

Nun, Schönheit wurd' hier nicht echt üppig gesät,
Doch sie blüht ihr Gerade Soviel,
Nach dem mein verschlagener Blickgenuss späht
(Er ist nicht auf Suche nach Stil).

Was kümmern mich Moden, die ich nicht verstehe?
Dieser Hosenrock müffelt nach langer Entscheidung.
Und doch ist's Betrübnis, die ich in ihm sehe -
Nur willenschicfehlerbekundende Kleidung.

Wohl passt's zu der Plumpheit, mit der sie dort sitzt -
Junges Leben ergötzt sich am Warten.
Da wird Vorfreude forsch in die Achseln geschwitzt,
Braucht Erfolg noch kein Zeugnis von Taten.

Ihre Physiognomie ist bemerkenswertlos
(So was besssert sich nicht mit den Jahren) -
Wo das eine zu seicht ist, ist and'res zu groß,
All dies weckt mein Verlangen zu sparen.

Und doch bleibt mein Augenlicht mit ihr vertaut,
Mich beseelen das Dass und das Wie,
Es ist ihrer Ödnis Oase die Haut
Vom durchs Nylonschwarz schimmernden Knie.

Vermutlich hat sie der Knie zweie gehabt,
Aber ich hab das eine geseh'n.

So ist der Mensch oft nur in einem begabt.

So einsam, so wahr und so schön.

Futuriumfassade & das eintausenddreihundertachtundzwanzigste Gedicht

Das Futurium in Berlin

Kleiner Fortschritt

Frug da wer wen, was gescheh'n is,
Gluckst' die Welt nur: "Penis, Penis!"
Schrie ein Unrecht bis zum Himmel,
Hieß die Antwort: "Pimmel, Pimmel!"
Lud man einst zum Totentanz
Schlug der Taktstock: "Schwanz, Schwanz, Schwanz!"
Ruht man heut im Bauch des Bösen
Heißt's auch manchmal: "Mösen, Mösen!"

Aila & das eintausenddreihundertsiebenundzwanzigste Gedicht

Roboter Aila im Futurium in Berlin

Kleiner Trost

Es wird Verluste geben,
Wie jederzeit im Leben,
Uns bleibt nur auszuwählen,
Wie viele davon zählen.

Futurium & das eintausenddreihundertsechsundzwanzigste Gedicht

Das Futurium in Berlin

Als hätte der Herrgott

Schau, mein Schätzchen, merkste, gell:
Heute wird es nicht mehr hell!?
Ein mordend Himmel, drückend gräulich,
Als hätte morgens ohne Scheu sich
Der Herrgott mit dreckigem Arsch auf den Horizont gesetzt
Und ihn schmierig geformt zu dem stickigen Jetzt,
Das sich hoffnungstaub als neuer Tag präsentiert
Und den Schmerz in uns nagt, dass auch nichts mehr passiert.
Später fällt nur noch mehr Regen.

Der Tag hat begonnen und weiß nicht weswegen.

KaDeWe & das eintausenddreihundertfünfundzwanzigste Gedicht

Weihnachtsschmuck im KaDeWe Berlin

Beides geht nicht

Magst du nackert den Kuss eines Nussknackers schmecken
Oder mal mit Genuss an 'nem Busfahrer lecken?

Man weiß ja um den Reiz von beiden,
Drum dräng'n die Herrn dich zu entscheiden.

Schwangere Auster & das eintausendzweihundertneunundneunzigste Gedicht

Haus der Kulturen der Welt Berlin

Sigmund Jähn

Warum ein Gedicht auf Sigmund Jähn?

Weil Dinge lässig fortbesteh'n,
Egal, was die Zeiten verändern.

Weil Erster zu sein zu seiner Zeit
Sich misst bis in die Ewigkeit.

(Ja, den Satz darf man gern auch begendern.)

Berliner Zoo & das eintausendzweihundertachtundneunzigste Gedicht

Gatter Zum Zoo am Berliner Tiergarten

Vom Schreiben

Ich startete im Krickelkrakelsturm meiner Gedanken,
Umarmte dann fast sehnsuchtsvoll die Planken früher Schranken.

Den angewöhnten Bogenstrich hat Tasterei geglättet,
Der kurz darauf mechaniklos zum Bildschirmpunkt geflattet.

Fürs Krickelkrakel brächte ich die Kraft wohl nicht mehr auf -
Im Kerker der Bequemlichkeit verlernt man freien Lauf.

KMA & das eintausendzweihundertsechzigste Gedicht

Wohnhaus an der Karl Marx Allee

Ripostegedicht zu "Im Anfang" von Else Lasker-Schüler, das aus Worten besteht, deren Anfangsbuchstaben viermal den Namen "Else Lasker-Schüler" ergeben.

Else Lasker-Schüler: Ends Los

Als Satans Küsse Else rammten,
Sich chancenlos hart über Lippen erbrachen,
Raunte ein Lobgesangsrequiem samten
Endlose Lehnwörter anderer Sprachen.

Kein Ende rühmt sich christusgleich!
Hundert Übel lebt eine Ruine!
Entsprechend löst sich Elses Leich'
Als korrekt etablierte Routine.

Statt chorgesängig hinzufahren
Übt lieber ein recht eckig' Leben!
So erlebt Lust als Kür eines raren,
- statt cash - hier üblichen Lohns ew'ger Reben!

Krumme Laake & das eintausendeinhundertsiebenundsechzigste Gedicht

Krumme Laake

Schöne Berliner Worte: schau

An den Rändern von Berlin
Stauen sich die Seen.
Brenda spricht zum Gatten Ian:
"Schau, wie schau!" - sprich: scheen!

Schlossparkgiraffen & das eintausendeinhundertsechsundsechzigste Gedicht

Zwei Giraffen von Hans Hennig im Schlosspark Köpenick

Stadtteiler Zweizeiler: Köpenick (Eisern bleiben!)

Wo Köpenicker Köppe nicken,
Sag nie: "Pöh, ihr könnt eh ni' kicken!"

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