München-Gedicht

Gedichte, die in und um München spielen.

Wittelsbacherplatz & das zweitausendeinhundertachtundsiebzigste Gedicht

Fotoausstellung am Wittelsbacher Platz

Münchner Spätherbstsommertag

Hochselig sprüht Genügsamkeit,
Wo Münchner heut flanieren,
Sprotzt vor gesotten satter Zeit,
Hilft feist beim Herbst-Negieren.

Und jeden freut's in Warteschlangen
Brav sich einzureihen.
Klar, teuer wird's, doch s'wird auch langen!
Keinesfalls zu zeihen
Wär, dieses werte Wetterglück
Nicht vollends auszunutzen
Und dann der Wolkenfront verzük-
Kungssturköpfig zu trutzen!

Durch München schwelgt der schöne Schwur:
Es kann uns nichts passieren!
Jed Dämpfer lädt zur Wellnesskur,
Zum ungestüm Flanieren.

Tölendenkmal & das zweitausendeinhundertzweiundsiebzigste Gedicht

Zinneken Pis in Brüssel

Schwabinger Schlachtruf

Wir wollen die Enormen sein,
Man zwängt uns nicht in Formen rein!

Man kriegt uns nicht bedingungslos,
Wir sind vor allen Dingen groß!
Wir sind wie Frau von Reventlow:
In München ein Event und Show!

Wir wollen uns enorm erheben!
Als hätt's dies nie zuvor gegeben ...

Föhringer Isar & das zweitausendeinhundertsiebenundzwanzigste Gedicht

An der Unterföhringer Isar

(...)

I liege bar in Isars Strom -
Nur Himmelblau und Wolken.
Beim Reset auf mein Erstgenom
Werd ich vom Fluss gemolken.

Ein sprudelnd Dudeldiedelei
Bespült und kühlt mein Köpfchen high -
Nur Himmelblau und Wolken.

Und nun ersäuft's mir allen Reim
Im murmelndgurgelnden Zuhause -

Nur Himmelblau und Wolken
Nur Himmelblau und

Türkisnaschvogel & das zweitausendneunundsiebzigste Gedicht

Türkisnaschvogel in Vinales

Feststimmung auf Ü (Olypark)

Üppiges Entzücken
Glücksgefühle pflücken
Ums Ü50-Hüpfburggrün
Kühn erblüht die Bühnen glüh‘n

My private Canalettoblick & das zweitausenddreizehnte Gedicht

Idyll am Eiskanal

Engel auf Rädern

Wenn als Englischergartendurchradelengel
Ich schlingelhaft mich zwischen Fußgänger schlengel,

Ist's nötig, viel Geduld zu haben.

Oder an der Schuld zu tragen,
Einige zu forsche Blagen
Aus den Naben rauszuschaben.

Schlachthofhimmel & das zweitausendfünfte Gedicht

Wintersonniger Himmel über dem Schlachthofgelände

Preußische Erkenntnis

Die Münchener im Himmel
Versündigten per Pimmel
Schon umtriebigst auf Erden sich.

"Drum gibt's so große Herden, nich?!"

Offenbach & das eintausendneunhunderteinundzwanzigste Gedicht

Am Büsing Palais von Offenbach

Shitstormgefährdetes Städtegedicht (verfasst auf der Regio-Rückfahrt von Offenbach)

Offenbar 'nen schlechten Tag
Hatte Gott bei Offenbach!
Führte dann ein Harnstau
Seine Hand bei Hanau?
Und ward Aschaffenburg nicht doch
Hervorgepresst durchs Afterloch?
Gibt's da noch Ärg'res, führt's durch
Das kerkergleiche Würzburg!

Da wir schon genug an solch Abgründchen leiden,
Schwor'n wir, die Besuche von München zu meiden!

Alternatives Ende:
Es versöhnt, dass sobald wir solch Müll übersteh'n,
Wir schon die Schönheit Münchens seh'n!

Alpenrandlage & das eintausendsechshundertdreiundachtzigste Gedicht

Fön-Blick auf die Frauenkirche vom Olympiaberg

Sicht auf die Berge mit den Augen der Unfallchirurgie

Die Stadt mit die Berge am Nahrand, da wohn' ick -
Entstellt von die Narben der Plattentektonik.
Da ist man einst voll aneinander gerasselt,
Hat dem Schöpfer den Plan einer Planheit vermasselt.

Die Wunden vom Crash außen wulstig verteilt,
Abgetupft mit Wolkenschaum -
Die Stadt ist selbst sehr gut verheilt
Und die Berge davor, hey – die sieht man doch kaum!

Moorlehrpfad & das eintausendsechshundertdreiunddreißigste Gedicht

Auf dem verschneiten Moorlehrpfad in Benediktbeuern

Vom Ausfliegen

Um München herum weihern tausend Geschenke,
Die nur kurzer Bahnfahrt bedürfen -
Kaum spreizt man mal seitwärts die spröden Gelenke,
So lässt sich deren Spiegelung
Im Nu durch die Erinnerung
In öde Nester schlürfen.

Steilabfahrt & das eintausendsechshunderteinundzwanzigste Gedicht

Skiabfahrtspiste vom Luitpoldhügel

Erste Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Yoga, Serienbingen, Netflix, Geschwurbele, E-Mobilität, Marilyn's Army, Hochzeitsfotografen und Fanfiction.

Netflix (ein Gedicht über das Maxvorstädter Isabella-Studio)

Ging Netflix in die Insolvenz,
So würden nicht mal treue Fans
Dies tiefstgrämig bedauern
Und viele, die drauf lauern
(zum Beispiel ich),
Gäb'n lediglich
In Kürze zu verstehen,
Dass Fürze halt verwehen.

Doch müsste ab morgen mein Eckkino schließen,
Würd' das wohl wahrscheinlich ganz München verdrießen
Als Zeichen, dass unsre Gesellschaft sich windet
Und im desaströsesten Zustand befindet.
Man würde die fehlenden Arthouse-Filmstreifen
Als Stadtviertelödnisverschlimm'rung begreifen -
Fand auch selten mal was vor mehr Zuschauern statt
Als Netflix in Mio an Stammsehern hat.

Aber Netflix als fat Nix ist völlig entbehrlich
Und das Isabella so kuschelig ehrlich.

Wahrer Wert und Warenwert
Sehen hier einander an -
Und es ist recht fix erklärt,
Worauf man verzichten kann.

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