Herbst

Herbstgedichte!

Middle of E & das eintausendneunhundertsiebenundfünfzigste Gedicht

Essener Hauptbahnhof

Vor abermals verregneten Scheiben

Und mit jedem herbstnen Regenfall
Berichtigt sich mein Blick.

Verschwommen tropft sich auf ein Wall,
Ein unvernomm‘ner Klick
Linkt zurück ins Graueinst - nunmehr ein Idyll.
Behauptet als Raubein, steh stad ich und füll
Die Welt in den Mauern von zu kalten Scheiben
Wie ein verzwergtes Jenseits auf.
Jenes lässt vom Elan sich längst schlechter vertreiben -
Ich nehm‘s als Alter gern in Kauf,
Da das Jetzt wie zum Trotz sich mit Unverstand schmückt,
Eine kindliche Bootsfahrt mich stärker entzückt.

Bis ich dämmrig mich mit diesem Fazit versöhn:
Mein Leben war - nicht ist - noch schön.

Nachtsonne & das eintausendneunhundertdreiundzwanzigste Gedicht

Sahara Dünen bei Erg Chebbi

Novembersonne

Im Herbst schaut die Sonne nur brummelnd herunter:
"Ick komm heut nur wegen dem Licht!"
Schon geht sie im Rücken der Häuserwand unter -
Die scheint mir jetzt doppelt so dicht.

Die Häppchen bemüh'n sich den Fakt auszublenden:
Der Hauptgang fällt weiterhin aus!
Die Startformation ist schon ready zu wenden -
Im Schlepptau verebbt ihr Applaus.

Sonnenanbeter & das eintausendachthundertachtzigste Gedicht

Schmuckelemente in der Medersa in der Médina von Fez

Hoffe, hoffe weiter!

Noch fällt in Frühherbstsonnenstrahlen
Die schöne Wärme nieder.
Gedanklich schon im Rückzug, aalen
Sich frosterahn‘nde Glieder
Im Abschiedsspiel der Farben,
Das trotz geschloss‘ner Augen
Wir vollends in uns saugen.

Dann fressen uns die Raben.

Ring Ost & das eintausendfünfhunderteinundachtzigste Gedicht

Lärmschutzwände am Münchner Autobahnring Ost

Lichtbad

Der Herbst verkürzt die Sonnenstunden
Auf allenfalls zwanzig Minuten.
Man muss auf den Spaziergangsrunden
Sich dementsprechend sputen,
Die im Licht gespeicherte Wärme zu tanken,

Eh wir zurück zur Schwermut wanken.

Josephsburg & das eintausendfünfhundertsiebenundsiebzigste Gedicht

Blick auf St. Michael in Josephsburg/Berg am Laim

November

Schon kommt die Sonne nur noch auf Besuch,
Bleibt die Gästecouch über Nacht leer -
Das Jahr verschlägt einfach die Seiten im Buch
Und man findet den Einstieg nicht mehr.

Die Schatten lang,
Dein Schritt wird schwerer
Und alle Wege sind schon leerer.

Planegg & das eintausendfünfhundertdreiundsechzigste Gedicht

Brücke über die Würm bei Planegg

herbstleuchten

Dem Strahlen der Herbstsonne Aufprallfläche sein,
So aalen wir uns ins Shakern mit dem Tag.
Der begonnene Aufruhr scheint schmächtig und klein:
Aufgebäumt
Warm durchschäumt,
Von Düsternissen leer geräumt -
Der Park war noch nie so sehr Park.

Baumblüte & das eintausendfünfhundertfünfundfünfzigste Gedicht

Baumpilz am Müggelsee

Im Spreewald, off season

Viel Spreekanäle, wohl auch Wald
Grünkohläcker, sehr, sehr kalt
Thermenwärme, wie schnell du entschwindes'!

Süße saure Gurkenzeit
Plinsenbinsenheiterkeit
weiß gefroren

Heiße Ohren
werden Tiefkühlkost des Windes

Nun wär's an der Zeit, dass auch ich was verzehre
wenn bloß nicht diese Leere wäre

Hutstadt & das eintausendfünfhundertneunundvierzigste Gedicht

Mayser Hüte in Lindenberg, Fassadenbemalung

Verherbstet

Das Jahr will sich klammheimlich wieder verpissen,
Dabei hat's seinen Zweck doch noch längst nicht erfüllt!
Bedeckt unter fallenden Blättern: Ein Wissen,
Das die unabgehakte To-Do-List zerknüllt.

Zu Besorgendes wird nun als Plan eingeweckt,
Unter mäßigem Dank an die Enkel verborgt,
Da das Restchlorophyll unsre Fahlheit versteckt
Und die Mienen sind gleichsam entspannt wie besorgt.

Sonnenuhr & das eintausendfünfhundertsiebenunddreißigste Gedicht

Sonnenuhr an der St.-Markus-Kirche in der Fuggerei von Augsburg

Letzte Aussaat

Roll in den Herbst die Knollen frü-
Her Lenz-Enhancer-Blumen!
Bring eindringlich der Zwiebeln Blü-
Tenmeer unter die Krumen!

So ist im Niedergang die Wie-
Derkehr bereits bereitet,
Wenn Zuversicht stets im Biki-
Ni gegen Schwermut fightet!

Kampehl & das eintausendfünfhundertzwanzigste Gedicht

Hof in der Ritter Kalewuz-Ortschaft Kampehl bei Neustadt an der Dosse

Frühherbstdümpeln

Das schon jetzt in den leidigen Winterklamotten
Über-die-scheidenden-Wiesen-hin-Trotten
Träumt ständig vom Mediterranen.

Doch den Kreislauf zu preisen obliegt den Bigotten,
Eh sie verschleißend im Hausflur verrotten
Und mildere Wechsel erahnen.

Unsre rosige Haut müffelt blass, wie gesotten
Von dem Parfum all der Winterklamotten.
Triumphe gilt's nicht mehr zu planen.

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