Essen

Meine Heimatstadt, obschon 1998 gen Hamburg verlassen, ist immer noch jedes Jahr für mindestens sechs Auftritte und unzählige Zwischenstopps gut.
Jede Menge Essen-Gedichte finden sich in meinem Buch "Büdchenzauber und Zechenverse" (http://www.conbook-verlag.de/buecher/ruhrgebiet/)

Unter Kurt-Schumacher & das zweitausendachte Gedicht

Tauben unter der Kurt-Schumacher-Brücke von Steele nach Überruhr

Zwischen den Jahren

Die letzte Weihnachtspost trudelt jetzt ein,
Es lässt selbst "Last Christmas" das Dudeln sein,
Geschenke werd'n in die Regale geschoben
Und mit den Kulissen des Alltags verwoben,
Man frisst, etwas hastig, zu viel Schokolade -
Und findet, dass es nun vorbei ist, schon schade ...

Tiergehege Wichteltal & das zweitausenddritte Gedicht

Bewohner vom Tiergehege Wichteltal

Im Überruhrer Wichteltal

Und wieder fällt des Dichters Wahl
Aufs Überruhrer Wichteltal.
Dort wird er von Erinnerungen
Wie wortwortwörtlich angesprungen,
Verbindlich beim Spazierengehen
Mit Findlingen aus Vers versehen,
Dort rührt ihn Ruh und sinnt Kontur -
Am Treidelpfad zu Überruhr!

Eingeschmückt & das zweitausendzweite Gedicht

Der Überruhrer Weihnachtsbaum 2021. Selbst mit ausgewählt.

Fassadenschmuck

Ach, ahnt denn deine eitle Pracht
Von ihrem Niedergang?

Nach Anmut schnappt des Wandels Macht -
Es dauert nie sehr lang.

Ungeschminkt & das zweitausenderste Gedicht

Der Überruhrer Weihnachtsbaum 2021. Selbst mit ausgewählt.

Der Geist der Weihnacht (mit zwei Endoptionen)

Da war ich über Weihnachten kurz zwei Minuten nüchtern,
Schau meines Platzes Nachbarn an und melde etwas schüchtern:
"Ich glaub, ich bin nicht richtig hier - ich kenn Sie alle nicht!"
(Dies ist die erste Möglichkeit fürs Ende vom Gedicht.)
"Setz dich getrost - wir wissen da genauso viel wie du!"
Flugs füllte man mein leeres Glas und prostete mir zu.

So macht der Geist der Weihnacht nicht allein aus Fremden Brüder -
Wir nebeln die Familie ein und werden selig müder,
Bis man sich bald mehr und schon nicht mehr erkennt.
(Das ist Ende zwei. Einen schönen Advent!)

Middle of E & das eintausendneunhundertsiebenundfünfzigste Gedicht

Essener Hauptbahnhof

Vor abermals verregneten Scheiben

Und mit jedem herbstnen Regenfall
Berichtigt sich mein Blick.

Verschwommen tropft sich auf ein Wall,
Ein unvernomm‘ner Klick
Linkt zurück ins Graueinst - nunmehr ein Idyll.
Behauptet als Raubein, steh stad ich und füll
Die Welt in den Mauern von zu kalten Scheiben
Wie ein verzwergtes Jenseits auf.
Jenes lässt vom Elan sich längst schlechter vertreiben -
Ich nehm‘s als Alter gern in Kauf,
Da das Jetzt wie zum Trotz sich mit Unverstand schmückt,
Eine kindliche Bootsfahrt mich stärker entzückt.

Bis ich dämmrig mich mit diesem Fazit versöhn:
Mein Leben war - nicht ist - noch schön.

Bahnhofswand & das eintausendachthundertzehnte Gedicht

Am Essener Hauptbahnhof

Von Sternmustern

Von Sternmustern, die sterben mussten,
Hab gestern ich im Stern gelesen
Und streng mich musternd mutgemaßt:
Ich bin es nicht gewesen!

Haus der Technik & das eintausendachthundertachte Gedicht

Fassade vom Haus der Technik in Essen

Die Stützpfeiler

Wir schürfen am Schuldenberg Nicht-Unterstützter,
Der Schutthaufen wächst, nebst der Frage "Wem nützt'er?",
Ein Antwortversuch lautet: "Fünftausend Meter!"
(zunächst mal vernünftig, erläutert wird's später ...),
Uns selber entlastet's rund Achttausendmal.

Alles hat einen Grund. Und der Grund ist egal.

Bahnhofstaube & das eintausendachthundertsiebte Gedicht

Am Essener Hauptbahnhof

Rätsel der Wunde

Ich werd das Rätsel dieser Wunde
Wohl doch nicht mehr enthüllen,
Exakt aus diesem Grunde
Einen Pflasterstein zerknüllen,
Um erste Brände zu verkleben.

Ich grüß auf halbem Weg das Leben
In bald erlernten Sprachen
Und wate durch die Lachen.

Ich schmeiße nach der Grundsteinlegung
Dann doch wohl keine Runde,
Ertrage ohne Regung
Die Verpflegung meiner Wunde -
Sie mag sich noch entzünden.

Ich werd's nicht mehr ergründen,
Doch lernte zu entscheiden,
Nicht mehr daran zu leiden.

Lavandula & das eintausendachthundertsechste Gedicht

Garten Lavendel

Benimmregel

Halt dich an Verhaltensweisen,
Die dich fair und weise preisen!

Nachbarbaum & das eintausendachthundertfünfte Gedicht

Blick vom Balkon meines Elternhauses in Essen Überruhr

Bei Abreise

Vielleicht doch noch ein weiteres Souvenir?
Beratschlagen Urlaubsvoyeure.
Schon purzelt der Farbüberschuss aus dem Hier
In die Trauer, dass man ihn verlöre.

Was dennoch unvermeidbar ist,
Denn baldigst sinkt man, endlos trist,

In charmefreie Temperaturen.

Verlor'n der Geschmack aller Spezialität,
Verwischt des Aromenrauschs Spuren,
Da Alltag so siegesgewiss nach uns späht
Im Diktat ewig endloser Suren.

So kappt eine Wiedererblindung
Den Widerstand neuer Verbindung.

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