Achtzeiler

Wolfsschlucht & das eintausendsechshundertfünfundsechzigste Gedicht

In der Wolfsschlucht / Starzenbach Schlucht zwishen Feldafing undi Possenhofen

Kalte Gedanken

Kann den Winter ja immer noch lieben,
Obschon sein Beginn schmerzhaft schwermütig macht,
Und ganz gleich auch, wie schlimm er's getrieben -
Der Rest der Tonsur schwindet uneitel sacht.

Doch droht mir ein Dasein, da ich wohl gewillt
Bin, immer zu schrei'n, dass der Winter mich killt!
Bisher ist sein Zorn mir erträglich geblieben
Und mir's manchmal möglich, den Winter zu lieben.

Neuschwanstein & das eintausendsechshundertachtundfünfzigste Gedicht

Blick auf Neuschwanstein

Dritte Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Steuererklärung, die Abstammung vom Affen, Wim Thoelke, das Grend Kulturzentrum, Rot-Weiss Essen, Bierbrauen, Steingärten, Mütter und Tanz/Gymnastik.

Heimspielstadion

Konzertsaalbühne, Seiteneingang -
Etliche Male schlich ich mich dort lang
Und verwurzelte hier all mein Bühnen-Bestehen,
Um stets nach bekannten Gesichtern zu sehen.

Ich hab imposantere Säle besehen,
Ließ mich in entferntesten Ländern verstehen,
Doch der Schritt in das Spotlight kennt das "Hier geht es lang!"
Vom Grendpfahl zu Steele, vom Seiteneingang.

Füssen & das eintausendsechshundertzweiundfünfzigste Gedicht

Blick auf Füssen vom Kalvarienberg

Zu den Essen in Füssen

Von Füssen und Füßen
Vom Küssen und Grüßen
Vom Müssen und Büßen
Verschlüssen, versüßen

Von gewissen Genüssen, von Wieseln in Schüsseln
Von sinnlosen Schüssen und Riesen, von Rüsseln

Mal kurz geschärft, mal lang gezogen
Das S schlägt stets den Doppelbogen.

Nachladen 25/01 & das eintausendsechshunderteinundfünfzigste Gedicht

Megaschneefall in München am Abend des 25. Januars 2021 - Tangstraße, Maxvorstadt

Der Wintereinbruch

Doch nach dem Wintereinbruch blieb den
Ersten Frühlingsgefühlen nicht viel Resonanz:
Den knospenwarm Wiederverliebten
Ward der Safe leergeräumt
Und "Na, fertig geträumt?"
Mit kühlem Strich über die Hauswand gesprayt,
Sehr rüde gecancelt dies frühreife Date
Zur Klärung des Wer-ist-hier-dran?s.

Der heilige Franziskus & das eintausendsechshundertfünfzigste Gedicht

Bei den Werkstätten vom Herrgottschnitzer von Unterammergau

Altenresidenz

Immer fröhlicher grüßt dich die Einsamkeit
Und ein weitres Loch klafft in dein Denken,
Durchhallt vom ironischen "Allzeit bereit!" -
Es ist eklatant leicht, dich zu kränken.

Zum Ende sind all deine Taten ergraut
Und die besten der Schiffe gesunken.
Aufs Glück wird ausschließlich zurück noch geschaut -
Und ich rat dir, Freund, tu es betrunken!

Bergwacht & das eintausendsechshundertsiebenundvierzigste Gedicht

Oberammergau Straßen-Weihnachtsdeko

Regen Zuspruch

Er pladdert unablässig sein
"Die Welt wird nicht mehr besser!" -
Der Regen trübt uns hässlich ein,
Selbst Hass wird nochmals hässer.
Wir hofften schon pompöser auf
Versöhnlicheres Wetter -
Reicht's grad nicht für Erlöser, kauf
Gewöhnlichere Retter!

Roter Bichl & das eintausendsechshundertsechsundvierzigste Gedicht

Auf der Roter Bichl Runde in Unterammergau

Lockdownverlotterung

Ich gebäre in einem fort Nachlässigkeiten,
Die sitzen jetzt mit mir zu Tisch,
Nicht anmaßend hungrig, nur störrisch beizeiten,
Sobald ich nach Einlagen fisch.
Gern behaupte ich, mich nicht mehr selbst zu erkennen,
Als vermisst ich verlorenen Stil.
Wenn wir jetzt Relevantes vom Nötigen trennen,
Ist das, was uns bleibt, ohne Ziel.

Benediktbeuern & das eintausendsechshundertzweiunddreißigste Gedicht

Blick auf das Kloster Benediktbeuern

Mein Wüten

Ich pfleg ein mir suspektes Ich:
Mal Citoyen, mal Alarich,
Mal brüstet, mal versteckt es sich,
Erst langweilt, dann erschreckt es mich,
Rast ungebremst, steht felsenfest,
Umfläzt vom Flair "Is nur ein Test".

Werd ich mir je verbindlich sein?
Die Chance ist verschwindend klein.

Temporäre Bauten & das eintausendsechshundertachtzehnte Gedicht

Schneemann im winterlichen Englischen Garten

Die Kätzchen

Bald verblasst das Kindchenschema,
Feuerrotes Haar erlischt,
Die Wehwehchen werden Thema -
Alter Glanz vom Grau durchmischt.

Von Tapsigkeit zum Tattergreis
Geht's nahtlos durch das Leben,
Vom Ungestüm aufs Abstellgleis -
Ein Kind bis grade eben.

Vom Traum, alles & das eintausendsechshundertvierzehnte Gedicht

Die Skulptur "Vom Traum, alles hinter sich zu lassen" von Andreas Kuhnlein  in der St. Josephskirche in der Maxvorstadt

Erfolg

Bislang hat dir alleine der Raum zugeschaut,
Man ist an dir vorüber gehypt
Und das Publikum hat eine Mauer gebaut,
Die unüberwindbar verbleibt.

Dessen Ignoranz feiert im Graben ein Fest,
Bei dem man beherzt für sich selbst applaudiert.
Man zeigt sich erkenntlich und denkt sich den Rest,
Sitzt da und toleriert.

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