Achtzeiler

Zweite Stammstrecke & das eintausendvierhunderteinundsiebzigste Gedicht

Bauarbeiten an der zweiten Stammstrecke in München City

Slaughterhouse

Ich steck dir noch 'nen Zweig ins Maul,
Dann bist du für mich Fleisch.

Zum Gruseln bin ich längst zu faul -
Erspar mir dein Gekreisch!

Der Schrecken der Maschine hat
Auch eine reine Seite,
Zerstäubt das Du, bakterienglatt,

Bis ich's mir zubereite.

Waldsee Zehlendorf & das eintausendvierhundertneunundsechzigste Gedicht

Spiegelungen im Waldsee in Berlin Zehlendorf

Die Grauen (wenn's jauchzt am See)

Im unverdienten Haus im Grünen
Grienen all die Erbschein-Hünen,
Reich beferkelt von den Bachen,
Die so herzergreifend lachen,
Wenn dem Herrn ein Witz gelingt

Und ein Borstenblitz durchdringt
Hehr schwerstgrau das Grüne

Um Blagen, Braut und Hüne.

Olympiasee & das eintausendvierhundertsiebenundsechzigste Gedicht

Fauna im Olympiasee

Der Verweigernde

Wenn die Krise sich brav vor der Hoffnung verneigt,
Ist der Teilrückzug längstens beschlossen.
Doch dein Schicksal hat wieder mal alles vergeigt,
Frönt nostalgisch den kalkigen Possen.

Du bist eigentlich Opfer vergangener Zeit,
Doch dein Leid biestert schwungvoll ins Heute.

Jeden Währungsverlust nennst du Aufrichtigkeit
Und betonst, dass sie dir was bedeute.

Chiemsee again & das eintausendvierhundertsechsundsechzigste Gedicht

In Übersee am Chiemsee

Seefriede

Und grad weil dieser See alle Ruhe aufnimmt,
Die vom ufernden Rund sich ergießt,
Scheint mein Angesicht wie von Hektik bestimmt -
Dem nie überwundenen Biest.

Denn wie viel an Gesorg ich dem Himmel vermach' -
Aus dem See säuselt's: Da geht noch mehr!

Wenn lustvoll zum "Ah!" sich verschmälert das "Ach!",
Verdümpelt erst all das Gezerr'.

Spitzingsee & das eintausendvierhundertsechzigste Gedicht

Blick auf den Spitzingsee

Vom Wesen der Wrasen (Mit schönem Gruß aus der Stechlin-Lektüre)

Des Morgens schweben Nebelwrasen
Über Feld und Nebenrasen -
Blöd is: Das Sie-Anzuseh'n
Nötigt dich zum Frühaufsteh'n!

Ist doch Lebenszweck der Wrasen
"Schweben, schwupps und weg - das war's!", denn
Aller Dampf der Tüchtigkeit
Endet früh in Flüchtigkeit.

Gmund & das eintausendvierhundertneunundvierzigste Gedicht

Blick auf den Tegernsee auf dem Höhenweg von Gmund

Am Ufer

Ich möchte längst (und immerschon)
Zur Friedlichkeit gelangen.
Wird sie mich als verlor'nen Sohn
Samt Treueschwur empfangen?
Ich legte ihr die Flügel weit,
Höchst tiefgebeugt, zu Füßen
Und würd' von meiner Ruppigkeit
Sie demutartig grüßen.

Himmel in München & das eintausendvierhundertfünfundvierzigste Gedicht

Frühlingshimmel bei Schloss Nymphenburg

The medium is the message

Nun hat über Nacht sich die Sprache geändert
Und der Brief, den ich schrieb, schwatzt verwirrt.
Sein Sinn ist von toter Beschwingtheit gerändert
Und alles verstörungsumflirrt.

Heut spreche ich längst schon in gültigen Worten.
Eine App stellt die Orthographie.
Die Umrandung wähl ich aus fast zigtausend Sorten.
Es sind Schwung und Sinn glücklich wie nie.

Odeonsplatzplatz & das eintausendvierhundertachtunddreißigste Gedicht

Der Odeonsplatz zu Coronoa-Zeiten

Leinsamenbrot

Lass den Samen von der Leine,
Leer ein Fass vom Damenweine!
Korn soll diesen Teig durchfließen
Und mit Bleigehalt erschießen!

Stärke ist des Brotes Süße!
Eingeback'ne Kerne füllen
Kerker wie devote Grüße
An die letztgefall'nen Hüllen.

Halbmast & das eintausendvierhundertsiebenunddreißigste Gedicht

Licht mast vom Olympiastadion München

Der letzte Geck

Beehren Sie, Fräulein, mich baldigst zum Tee
In meinem verheerenden Balz-Separee?!
Wo der Kitsch meiner Kissen aus Plüsch und aus Samt
Schon selbst nicht mehr wissen will, woher er stammt.

Hier wirkt noch des alten Stils vorletzte Chance,
Hier wirbt noch der Wirklichkeit Resteleganz,
Hier stirbt unvollendet mein Dasein als Geck,

Sirrt "Darling, Darjeeling?". Und dann ist es ...

Munichlove & das eintausendvierhundertfünfunddreißigste Gedicht

Munich loves Europe - im Olympiapark

Ende der Diskussion

Mir dünkt den Einspruch, Euer Ehren,
In Eurem Namen abzuwehren:
Wir sind am Punkt, da Diskussionen
Noch nicht einmal als Übung lohnen -
Man schmückt sich nur noch mit Gebelle
Und rückt kein Stück mehr von der Stelle -
Drum lasst uns unsern Blutdruck senken
Und nicht noch weit're Zeit verschenken!

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