Poetry Slam

Alles, was Sie über den Poetry Slam wissen müssen, in Versform dargereicht.

Willkommen Bratislava & das zweitausendeinhundertunderste Gedicht

Stadtwappen in der altstadt von Bratislava

Die Schnurren der Copycats

Wer hat da mit meinem Mündchen gegessen?
Wer hat mit meinem Durst geschlürft?
Wer hat hier mit meinem Maßstab gemessen?
Und wer hat gesagt, dass ihr all dieses dürft?

Wer hat mit meinem Riecher gerochen?
Wer hat so früh meine Koffer gepackt?
Niemand von euch fühlt sich angesprochen?!
Vorsicht, Folks - ich glaub, es hackt!

Wer hat da grad mein Gedächtnis verloren?
Wer hat hier frech meine Story kopiert?
Wer wurd zum Ziel meiner Preise erkoren?
Wer hofft, dass das eh keine Sau interessiert?

Wer hat sich stumm in mein Bettchen gelegt?
Wer hat diesem Häuschen Besitz ausgefegt?
Wer ist fortan meiner Reise Begleiter?

Der schreibe selber mein Textchen nun weiter!

Absageüberbleibsel & das eintausendneunhundertfünfundneunzigste Gedicht

Der nach der Winter-Tollwood-Absage verbliebene Zauberwald mit glitzerndem Pegasus von Torsten Mühlbach

Lass mal an uns selber glauben

Scheint, dass ich mich beim Zwiebelnschneiden
Von Jahr zu Jahr verbesser!
Natürlich müssen da andre entscheiden -
Im besten Fall, freilich, die Messer!

Ich denk ja, dass für mich das Jahr
Zweitausend sehr entscheidend war.
Vermutung nur zwar, die durch wenig zu stützen
(wem sollten Details hierzu letztendlich nützen?) -
Doch setzt das Ergebnis ein ganz klares Zeichen:
Es lässt, was man wirklich will, sich auch erreichen!

Und das Schneiden von Zwiebeln ist fürs Kochen soo wichtig!
Wer echt an sich glaubt, kann's von selber bald richtig!
Im Jahre Zweitausend hat's bei mir dann gefunkt,
Rein kochtechnisch ein Wendepunkt.

Diesen Rat mag zur Weihnacht ich Mutlosen schenken:
Auch tränenden Auges stur positiv denken!

Fès Citystorch & das eintausendachthundertdreiundachtzigste Gedicht

Storchennest in der Medina von Fes

Kalif Storch

Es wurde wohl etwas zu lange gelacht,
Um das Zauberwort sich zu behalten.
Nun fehlt die in Märchen vergangene Macht:
Wir werden nie wieder die Alten.

Wir nisten jetzt im höchsten Punkt unsres Baus,
Während drinnen die Nachfolger feiern,
Und schauen in Demut nach Eulenkot aus.
Doch finden nur welchen von Geiern.

Seeseiten & das eintausendsechshunderteinundvierzigste Gedicht

Das Starnberger Seeufer im Bernrieder Park

Zweite Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Heinzelmännchen, Zustand zwischen Schlaf und Wachsein, Carmina Burana, Glückspilze, Vampire, Energetische Gebäudesanierung, Gewissheit des Todes, Gutes Reimen, Frischluft, Griechenland und Vernichtung der Menschheit.

Gutes Reimen

Minderwertig scheint vielen ein abfällig Wort -
Man spendet zu gerne Versuchen Support
Und bangt, da wird etwas gebrandmarkt als schlecht.
Nun, nennen wir's handwerklich leistungsgerecht?

Mich sehnt die Suche zum Extrem,
Du findest das zu unbequem -
Und hast ja als Replik zudem
Mich schon besiegt bei manchem Slem.

Total egal - es darf im Leben
Ja Messdiener und Päpste geben,
Die sich, vereint in einem Glauben,
Ihr Ausmaß an Passion erlauben.

Die Welt kann ich so denken, bloß
Das Reimen ist nicht rankinglos.
Dein Text wär - jeder Slam-Sieg ehrt dich! -
In meinem Kosmos ...

Moorweg 1 & das eintausendsechshundertsechsundzwanzigste Gedicht

Auf dem verschneiten Moorweg 1 in Benediktbeuern

Erste Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Yoga, Serienbingen, Netflix, Geschwurbele, E-Mobilität, Marilyn's Army, Hochzeitsfotografen und Fanfiction.

Fanpoetry

Ich will bereits hier meine Ausführung stoppen,
Jede weitere Einschränkung meiden
Für einen Versuch, meine Dichtung zu toppen
Von den Clans, die auf meiner Alm weiden.

Jeder große Moment gebärt eine Kopie
Und muss lernen sich einzugestehen,
Dass er selbst niemals so relevant war wie sie -
Mit Rentierblick aufs frühere Lehen.

Sieh, der Spind ist geräumt und die Werkbank geputzt!
Drauf: die Sprosse zur formschönen Leiter.
Wähle sorgsam die Worte, mit der du sie nutzt,
Schreib das Unausgesprochene weiter!

Vom Traum, alles & das eintausendsechshundertvierzehnte Gedicht

Die Skulptur "Vom Traum, alles hinter sich zu lassen" von Andreas Kuhnlein  in der St. Josephskirche in der Maxvorstadt

Erfolg

Bislang hat dir alleine der Raum zugeschaut,
Man ist an dir vorüber gehypt
Und das Publikum hat eine Mauer gebaut,
Die unüberwindbar verbleibt.

Dessen Ignoranz feiert im Graben ein Fest,
Bei dem man beherzt für sich selbst applaudiert.
Man zeigt sich erkenntlich und denkt sich den Rest,
Sitzt da und toleriert.

Ausklang & das eintausenddreihundertfünfundvierzigste Gedicht

Winter an den Saimaaseen

Everlasting Hype

Ideenreißzähne abgerüstet,
Die Münder plappern leer -
Wem es nach altem Geist gelüstet,
Kommt eh nicht mehr hier her.

Man routiniert sich durch das Hier
(Das ist recht leicht gestillt),
Man handelt noch mit alter Gier,
Doch ist nicht mehr gewillt.

Remchingen & das eintausendzweihundertvierundachtzigste Gedicht

Kulturhalle Remchingen

Mal ohne Klavier

Man müsste Rebell spielen können,
Denn wer bellt, spielt, er tät sich was trau'n!
Und so woll'n wir den Slam-Sieg ihm/ihr gönnen
Für das Offene-Türen-Einhau'n!

Dämmerung & das eintausendzweihundertdreiundsiebzigste Gedicht

Sonnenuntergang bei Garmisch-Partenkirchen

Gleiches und Gleichen (und wenn alle dran glauben, dann reimt es sich auch)

Der Sound des Tatsächlichen wiegelt nicht auf -
Wir wüten vielmehr auf Prognosen
Und setzen dem Scheinlichen Ist-Stempel auf -
Die schniegeln wir mit Diagnosen.

So ist unser Wissen vom Inzest gestimmt -
Wir denken uns gleich unter Gleichen
Und küren uns dauernd - so klar wie bestimmt -
Zu Siegern in allen Vergleichen.

Rüdesheim & das eintausendzweihundertzweiundzwanzigste Gedicht

Niederwalddenkmal Germania bei Rüdesheim

Die Wacht am Reim

Am rüden Reim fehlt eine Wacht,
Die checkt, wer mit dem Met rummacht.

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