Sommer

Gedichte voll Hitze und Sonnenschein

Langwieder Mohn & das eintausendvierhunderteinundfünfzigste Gedicht

Blühender Mohn bei Langwied

The Opium Eaters

Wir ruh'n wie tot - als zwei Kadaver,
Tief eingesunken im Papaver,
Des' strahlend roter Schirme Schatten
Uns höchstfragil Besuch abstatten -

Wie süß vermag ein Tod zu sein?

Schon ist in diesem Blütenmeer
Gar niemand seines Blutes Herr -
Uns winken schwarze Stempel.
Ein jeder scheint ein Kreuz zu sein, wir reden zehn Gebote klein

Und Sonne küsst den Tempel.

Anse Patates & das eintausendvierhundertzwölfte Gedicht

Anse Patates

Nachmittagssonne

Die Nachmittagssonne bebrütet die Farben.
Und alle Motive, für die Männer starben:
Uns Volk und stumpfe Religion,
Miefen prompt nach Niedriglohn.

So golden, so strahlend sind Demut und Feier ...

Und endlich entleer'n sich der Prediger Eier.

Straßenbarriere & das eintausendvierhundertvierte Gedicht

Hindernis auf der Straße zwischen Anse Fourmis und Anse Patates auf La Digue

Idylle am Strand

Mit der frischen Entkräftung des Schwimmgangs aus der Wellen sprühzischelndem Schaum ans Land
Sich am Strand
Auf ein Hand-
Tuch zu werfen, das im pudrigen Sand
Sonnenstrahlbetankt ausliegt -
Das ist dem Ideal
So nah, dass selbst dein Wanst egal
Oder wie viel die neben dir seufzende Maus wiegt.

Moldauschleife & das eintausendzweihundertfünfzigste Gedicht

Blick auf Krumau an der Moldau

Im letzten Sommer

Die Wespen schwärmen hungrig aus
Und stehlen den Motten ihr Licht.
Selbst der kundigste Waidmann trägt nichts mehr nach Haus,
Er sieht sich nicht mal in der Pflicht.

Der Sommer schwenkt das Hungertuch,
Doch schon längst wird an Zähnen genagt.
Treuer Unmissverstand ziert des Jahreslaufs Fluch,
Der hatte im Schatten geparkt.

Du predigst stoisch Zuversicht,
Aber irgendein Jahr gilt zuletzt.
Wie der Frühling uns einwebt im einstfernen Licht,
Verschanzt sich der Zauber vorm Jetzt.

Du traust dem Kreislauf alles zu,
Doch ein Blatt fällt, das scheint überreizt.
All das Wespengeschwirr billigt mir keine Ruh.
Vor Herbst wird der Stammbaum verheizt.

Gartenausgang & das eintausendzweihundertsiebenundvierzigste Gedicht

Englischer Garten, Ausgang Schwabing

Summer's End

Es herbst schon wieder in die Welt -
Dieser Schlag lässt sich nicht mehr parieren.
Wie dünn sich heut der Tag erhellt!
Im Himmelhochblau zelten Schlieren.

Ein Abschied wiegt sich ins Gemüt,
Dessen Umfang wir noch nicht erkennen.

Wie stets ist es gefühlt verfrüht,
Sich jetzt von den Gärten zu trennen.

Späte Wolken & das eintausendzweihundertsiebenunddreißigste Gedicht

Maisfeld in Heinsberg

Die Unerbittlichkeit

Der braungebrannte Krumbelag glänzt letzte Kuvertüren,
Ein zartbrutaler Sommertag lässt Welt das Ächzen spüren,
Am Waldrand ringt sich letztes Bäumen gegen sein Verderben
Und jede Wolke trottet treulich spätzuspät ins Gerben.

Sonnenwende & das eintausendzweihundertsechsunddreißigste Gedicht

18. Juli 2019

Die Vollkommenheit

In die herrlichsten Gärten, die der Sommer beblüht,
Wird das Abendrot sehnend sich senken -
Dort auch im Verdruss oder niederschlagsmüd
An vollkommene Schönheit nur denken.

Ghirlandina & das eintausendzweihundertvierzehnte Gedicht

Ghirlandina - der Glockenturm vom Dom zu Modena

Sommernackt

Ich mag die Tönung vor der Bräunung,
Wenn das porzellanene Rührmichnichtan
Sich antastend wagt aus der Kleidung Umzäunung
Und allürenfrei einragt ins Nackte, ja, dann
Hält der Frühling ein glühendes Körpercomeback,
Er flattert sich unbändig aus allen Zwang,
Schleudert Perlen, die ich - etwas unerlaubt - einsteck',

Denn ich weiß, all die Winter sind zahlreich und lang.

Abschlussparty & das eintausendeinhunderteinundsechzigste Gedicht

Sonnenuntergang am Beau Vallon auf Mahè

Sonnenuntergang

Für ein kleines "Erledigt!" als Wohlfühlmoment
Gibt das Abendrot dir grünes Licht.
In der Haut schlummert Sonne, die immer noch brennt
Und die Nacht löscht in Schönheit das Licht.

Maas & das eintausendeinunddreißigste Gedicht

Maas bei Venlo

Die Sonne hat so schein gestrahlt

Die Sonne hat so schein gestrahlt
Als hätte man sie angeleckt
Ich hab sie schnellgelb angemalt
Am ob'ren Bildrand festgezweckt
Dort strich ich ihr - so geistig schlicht
Wie all die andern: ein Gesicht

Und wenn auch mein Malwerk die Sonne verdeckt
So weiß ich: Ihr Strahl ist noch immer beleckt

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