Venedig

- 25.02.2017 Ausflug zum Carnevale
- 23.02.2020 Ausflug zum Carnevale

Lesestoff & das eintausenddreihundertzweiundneunzigste Gedicht

In der Libreria Acqua Alta

Carpe diem light

Ich leg mich an den Teich mit Buch -
Ist besser als ins Leichentuch.

Unterwasser & das eintausenddreihunderteinundneunzigste Gedicht

Venedig Blick gen San Marco

Holz

Ein Volk von Annodazumal
Rammte hier einst Pfahl um Pfahl
Tief ins sumpf‘ge Erdenreich,
Dass der Stämme harte Leich‘
Stütze eine ganze Stadt,
Im Abgetauchtsein konserviert,
Für Ewigkeiten einplaniert.

Selbst den Mittelpunkt der Welt
Hielt hier, wie es jetzt noch hält:
Holz, dem aller Stolz gebührt,
Nie von Sauerstoff berührt.
Was sich oben abgespielt,
Wer da was mit wem gedealt -
Alles fand und fand nicht statt.
Was oberflächlich int‘ressiert
Ist immer schon recht bald krepiert.
Doch ewig stählt das Meer den Thron
Aus eingepfähltem Immerschon.

Ponte dell' Accademia & das eintausenddreihundertneunzigste Gedicht

Möwe vor der Ponte dell' Accademia

Ein Rumoren

Mir geht so ein Rumoren
Grad rum in meinen Ohren.
Das wummert zwar vom fernen Rand,
Doch hör ich keine Zwischenwand!
Und höhnt's nicht hoch vom Rachen:
Bald wird's hier richtig krachen! - ?

Das macht zum Glück und Schutz mich
Stückchenweise stutzig.

Coronaleere & das eintausenddreihundertneunundachtzigste Gedicht

Leere beim Karneval von Venedig 2020 unter Coronaeinfluss

Ein Ripostegedicht auf "Die Made" von Ringelnatz wurde sich gewünscht. Da dieses Gedicht gemeinhin Heinz Erhardt zugeschrieben wird, war mir der gewünschte Autor eine zusätzliche Verpflichtung.

Das Mädchen von Ringelnuts

Aus eines Baumes Li-li-anen
Erklingt Gevatter Natters Warnen:

"Och, Tochter, könnt ich bloß erspar'n
Dir die Gefahr'n vom Größenwahn,
Durch den ich ward zum Single, Schatz!
Mit Kosenamen Ringelnuts -
Denn Angst um dich macht mich verrückt,
Wie's schlingend nahtlos mich bedrückt
Gleich nuts, wie inglish Nüsse heißen,
In die wir Schlangen büßend beißen.

Kind, glaub mir, du als Ringelnatter
Machst halswärts rasch ein Raubtier satter
Drum bleibe in den Li-li-anen
Die unsre Natternleiber tarnen!
Verbring'n wir unsrer beider Zeit
Mit Demut und Bescheidenheit!
Komm, form'n wir eine nette Schlinge,
Und tun halt Ringelnatterdinge
Im Blattwerk, wo auch Mama hing,
Bevor sie einst gen Minga ging.
Wohin sie schied, ihr Glück zu suchen
Und mied, die Fahrt zurück zu buchen.
Sie darbt nun aus vernarrtem Zwange
Am Startup-Tun als Warteschlange!

Auch du wirst bald zur schlanken Schlange,
Drum wird's um dich mir langsam bange,
Wann wohlbeseh'ne Eitelkeit
Dir von den Zeh'n zum Scheitel schreit,
Weil Repperdeppen nach dir stier'n,
Die dich zur Tilie reduzier'n,
Auf Hüfte, Po und ranke Beine!
Nun gut, da hab'n wir Schlangen keine ...
Wir sind der Welt ja eher Strich -
Und auf ebenjenen schickt man dich!
Und wer erst durchs Bordell verdorben,
Ist selbst für RTL gestorben.

Drum, vom Gelege bis zum Grab,
Geh nie vom rechten Wege ab!
Ich spiel uns jetzt 'nen Jingle ein,
Dann tanzen wir hier Ringelreih'n!"

So rattert runter, Satz um Satz,
Der Mund von Vatter Ringelnuts.
Doch
Manch reich geschmückte Schreckenswarnung
Erweckt im Schützling erst die Ahnung,
Dass der Hort, in dem man wohnt,
Rein als Ort so gar nicht lohnt,
Und dass wohl jene Minga-Stadt
Viel mehr an schönen Dingen hat,
Die einem jungen Natterleben
Den nöt'gen Schwung viel satter geben.

Und von dem Rat des Vaters weicht,
Als nachts es aus dem Blattwerk schleicht
's Töchterchen vom Ringelnuts.
Doch prompt verschlingt es ratzefatz
Ein Habicht, der grad rumgegroovt
Und kurz zuvor noch "Hab dich!" ruft.

Und in des Baumes Li-li-anen
Hallt zwar noch fort das alte Warnen ...
Bloß im Bestand an Nattern hat's
Da nur noch Vatter Ringelnuts.

Canale Grande & das eintausenddreihundertachtundachtzigste Gedicht

Auf dem Canale Grande

Venedig, meerfarben

Lagune ist ein schönes Wort - und welch ein Ort für eine Stadt!
Umflüstert von dem Gruß der See, ein Grün beschwappt sie, seidig-matt,

Mit Seichtheit verhehlender Ungründigkeit.

Und welch ein schönes Wort: Lagune (sag ich nicht zum letzten Mal)!
's streicht jeden Stein mit Marmorglanz zum Meerstatuen-Ideal.

In Eselsmilch schwebendes Leben auf Zeit.

Lebensadern & das eintausenddreihundertsiebenundachtzigste Gedicht

In Venedig

Aortaort

Hätt's doa koane Kanäle nicht,
Wär'n längst Venedigs Venen dicht!

Santa Margherita & das eintausenddreihundertsechsundachtzigste Gedicht

Am Campo Santa Margherita

Der alten Jungfer

Bist bis zum Sterben schön gewesen
Und bliebst doch am Schluss so alleine,
Warst so begütert wie belesen -
Und so schöne Beine!
Derweil du dich so gut gehalten,
Hielt niemand deine Hand.

Hier liegt im Grab der zählbar Alten:
Ein Schatz, der kaum bekannt.

Traumtänzer & das eintausenddreihundertvierundachtzigste Gedicht

Karneval von Venedig 2020

2-tone, heutzutakte

Skamusik zum Maskenball
Gibt's seit gestern überall!

Wasservögel & das eintausenddreihundertdreiundachtzigste Gedicht

Blick auf Giudecca

Fit in Grammatik

Wie heißt'et richtig, gottverdammich:
Ich war schwimmen - Ich bin schwammig?!

Aschermittwoch & das eintausenddreihundertzweiundachtzigste Gedicht

Karneval von Venedig 2020

Im Karneval (sieht bislang alles ganz gut aus ...)

Die Schönheit der Kostüme
Frisst Body-Ungetüme,
Es lässt vom Karnevalen
Sich Unmaß überstrahlen.
Schon schluckt der Schminke Gnade
Manch Mix der Promenade
Und kurz erlöscht Vergesslichkeit
Die grund(s)ätzliche Hässlichkeit.

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