Isarkaskaden & das siebenhundertachtundfünfzigste Gedicht

Isarkaskaden

Schnurrgeradeaus

Ich schnurr' gerade
Um 'ne Wade
Tipp'se an, klag' zwei Miaus
Fühl' mich so viel anspruchsvoller
Als die Sippe der Wauwaus

Ich bin so sophisticated
Das chatmante Biest im Haus

Shhh - erspar'n Se sich Ihr Murren!
Denn ich schnurr' gerade

Aus

Abschüssig II & das siebenhundertsiebenundfünfzigste Gedicht

Olympiaberg München

Mein Tag

Die Beklommenheit am Frühstückstisch
Bürst' ich noch mit einem Wisch
Weg
Aber schon zur Mittagszeit
Kontert mich die Bitterkeit
Aus
Geht es dann aufs Abendbrot
Lächelt mich der Chancen Tod
An
Frisch zurück gekommen schreit
Dann noch die Beklommenheit:
Da
Wärichwiedermal

Abschüssig & das siebenhundertsechsundfünfzigste Gedicht

Olympiaberg München

Mietz too

Me au
Bedeutet:
Habe Schmerzen!
Deshalb geht's uns so zu Herzen ...

Berliner Pflaster & das siebenhundertfünfundfünfzigste Gedicht

Die Spree am Berliner Hauptbahnhof

Ich hab' noch einen Rollkoffer in Berlin

Ich hab' noch 'nen Rollkoffer in Berlin,
Mit dem lässt sich leicht auch woandershin zieh'n.

Doch gibt's noch 'nen Keller dort voller Müll,
Den ich wohl auch weiterhin kräftig befüll'.

Den räumt kein Entrümplungskommando mir leer!

Wenn ich auch reise, denk' ich mir leise:
Wenn mich die Spreesucht packt,
Fahr' ich halt wieder her.

Alex & das siebenhundertvierundfünfzigste Gedicht

Berlin Alexanderplatz

Katzenportion

Für jene
Von Katzentatzen
Angekratzten
Aufgeplatzten Spatzenbatzen
War doch all das Nesterbauen
Keck vom Strauchgeäste Schauen
Auch das Kuchenreste Klauen
Ratzefatz - in einem Satz:
Für die Katz

Berliner Inseln & das siebenhundertdreiundfünfzigste Gedicht

Spreebrücke am Berliner Hauptbahnhof

Rummelsburger Bucht

Lass uns

In den Speckgurt zieh'n,
Wo in Legebatterien
Kleinfamiliengroßstadtleute
Harren als Idyllenmeute;

Lass uns

Tüchtig Freilandbabys züchten,
Die dann in solch Schmähgedichten
Eines Tages lesen müssen,
Dass sie doch halt zum gewissen
Grade Massenware sind.

Schade, doch egal, mein Kind!

Untergrundstation & das siebenhundertzweiundfünfzigste Gedicht

U-Bahnhof Alexanderplatz

Zur Aufmunterung

Wie oft ward das, was dich empörte
Das prinzipiell Zerstörenswerte
Dann doch vom Rest der Welt verehrt?

Und trotzdem lagst du nicht verkehrt

Verewigter Stenz & das siebenhunderteinundfünfzigste Gedicht

Monaco Franze an der Münchner Freiheit

Hochzeitsgedicht

Ja,

ich will mit dir welken
immer langsamer werden
statt Pferde nur noch Esel stehl'n
Auf Wellnessfarm'n mit 66
die uns verblieb'ne Knete zähl'n

Würd' sogar mit dir walken
an Nordischen Sticks
und sorgen dich Falten
ich seh' da doch nix!
Denn eh wir gänzlich gräulich sind
sind wir – zwar heuchelnd – farbenblind

Ich weiß zwar nicht, wie du das siehst
du rattenscharfes Bräutebiest
Doch dein Dekolleté ist mir ewig heilig
und wenn du mir erlaubst, verweil' ich
das mir verblieb'ne Ewigkeitchen
Wang' an Wang' an deinem Seitchen
bis ich tattergreisig im Rollator tapper'
mit innerlich fester, nur äußerlich schlapper
starrsinnsnaher Stetigkeit
Wir hab'n's ja eh nicht mehr so weit

Denn den besten Teil meiner Zeit gab ich dir schon
nun folgt noch die Treuepunkt-Paybackaktion
Doch gäb' man mir noch mal so'n Leb'n zu verschwenden
so schenkt' ich es dir mit fast gleichvollen Händen
und
würd' mit dir welken von heute bis morgen
für jeden Romantisch zwei Stühle besorgen
würd' Wellness und Willkür und Wolken ertragen
und tät's selbst in Kirche und Standesamt sagen:

Lasst den Mond doch mal Mond sein!
Wat will ick mit Sterne?
Ich mein' das ganz irdisch:
Ja, hab' ditt Girl gerne!
Sprech' den ZugeneigtseinsEid an sich:
Ick liebe dir /(Strich) liebe dich

Ich weiß zwar nicht, wie du das siehst
du rattenscharfes Bräutebiest
Nur, dass du jetzt vor Scham erglühst
nicht rot zu werden dich bemühst

Doch rot ist die Liebe, wie sich nun wieder zeigt
Auf dass ihre Röte um kein'n Deut erbleicht!

Siegestor & das siebenhundertfünfzigste Gedicht

Siegestor München

Teddys Erkenntnis

In all den fernen hehren Hallen
Lauern doch nur Bärenfallen
Wer denkt, Gefallen wär' ein Orden
Vergisst zu leicht das Bärenmorden

Die räumen ihre Spitzenplätze
Für unlängst aufgeschlitzte Petze
Und krönen ihren Bärentadel
Per Dolchstoß mit der Ehrennadel

Virtualiösität & das siebenhundertneunundvierzigste Gedicht

U-Bahnhof Giselastraße

Der Jüngling und das Mädchen am Fenster

Heute bin ich displaytrunken
Tief in ihr Profil versunken
Spürt' ihr sternenklares Schimmern
Über meine Netzhaut flimmern

Über Netz und Netz verbunden
Schwelgte ich für fast zwei Stunden

Oh nähr', treuer Akku, du weiter dies Märchen
Und still' die im Stillen behausten Begehrchen

Wohin die Geschicke uns fortan auch treiben
Sie wird ewig
In der Chronik
Meines ersten Browsers bleiben

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