Ruhpolding

27 Männerkunde & das achthundertzweiundsiebzigste Gedicht

Ruhpolding Ausblick

Unverzeihliches

Das Unverzeihliche bleibt in der Welt
Wie ein passloses Alpenmassiv
Für mögliche Freisprüche zu sehr entstellt
Zu maßlos, zu schmerzhaft, zu tief

Doch möchte die Welt nicht nur fassungslos flennen
Lässt allerlei Münder Begründungen nennen
Nach denen man scheinheilig dann nur bemisst
Dass etwas unverzeihlich ist

19 Glastiefenschleim & das achthundertdreiundsechzigste Gedicht

Ruhpolding

Streifzug, Fensterplatz

Die Entdeckung einer neuen Welt
Wird sich auf Gewöhnliches stützen

Wie hoch auch die Flut alles Untreuen wellt
In ihr wird stets Öhnliches blützen

18 Spindseligkeit & das achthundertzweiundsechzigste Gedicht

Ruhpolding Rathaus

Statt Laminatlamentos

Ich glaube, dass heut' sich der Raufaseranstrich
Für dich als Erlöser entscheidet
Und dass auch der Estrich - getreu lächelnd - sich
Am Schein deiner Göttlichkeit weidet

Du formulierst immerfort schnuckelig scharf
Du erklärst dieser Welt eloquent, was sie darf
Du hast dir für uns eine Meinung gebaut

Vom Baumarkt murrt einsam der Lagerbestand
Ich glaube, den dauert das Warten

Allein, all mein Glaube ist irrelevant
Nur du wandelst Worte in Taten
Und hast als Polier dich mit Allmacht betraut

17 Inwändigkeiten & das achthunderteinundsechzigste Gedicht

Ruhpolding

Das Töten kleiner Tiere

Grad eben war noch lebend
Was nun am Fenster klebend
Längstens ist umhergeschwirrt
Um sich 'ne Zukunft aufzubau'n -
S' ward augenblicklich totgehau'n!

Ein Sein in die Zermalmung schmiert ...

Aus Angst, er könnt' der Nächste sein
Zerhäkselt dich dein Rexilein

16 Knopfverdoppelung & das achthundertsechzigste Gedicht

Ruhpolding Kirche

Häuptling 2.0

Das Anlernen unsrer Novizen
Als Aufwärmen künft'ger Komplizen
Ist Feilen am eignen Verderben

Wir teilen im unfeigen Geben
Zu früh mit den Strebern das Leben
Und haben dann nichts zu vererben

15 Blaugezüngel & das achthundertneunundfünfzigste Gedicht

Ruhpolding Windbeutelgräfin

Gerätelogik

Ich drücke diesen Schalter/Knopf
Zerr so an 'nem alten Zopf

Und etwas funktioniert

Tut's das nicht, klag ich. Doch klopf'
Mir den Zweifel aus dem Kopf

Bin so instruiert

14 Sonnenblumenbrummen & das achthundertachtundfünfzigste Gedicht

Ruhpolding Frühlingsblüte

Lehrerinnen

Ach, all die süßen Lehrerinnen!

Die mich einst komplett von innen
Vorteilhaft gen klug gepimpt
Erklärt, wie ein Gedanke stimmt!
Die, gleichwie wie nah wir uns kamen
Doch immer erschienen als ältere Damen

Ich kann ihr So-knapp-um-die-30-rumschleichen
Erst heute als schmackhafte Beute begreifen
Aber sie hab'n die Kluft gleich als füllbar gecheckt
Mit all ihrem Wissen, das tief in mir steckt
Und sie formt von einst kindlich zu reiflich Verehrten

Vielleicht war es das, was sie eigentlich lehrten

13 Goldkarpfen & das achthundertsiebenundfünfzigste Gedicht

Ruhpolding Bahnhof

Die Camper

Hast du noch das Igluzelt
In dem wir auf Festivals schliefen?
Die Spannseile einer vergangenen Welt
Die auch nach Vergangenheit miefen?

Uns hat's seither in mancherlei Richtung gezogen
Wir hab'n leichtfüßig letzte Ideale betrogen
Doch nie unser Faible fürs Camp Nostalgie

Hast du noch den Aufbau drauf?
Und wie lang kannst du das noch bewahren?
Wie weit gelangt dein Lebenslauf
In den Taumel von früheren Jahren?

Höchste Zeit, jenen Sack auf den Inhalt zu checken
Mit Verbliebenem rasch unsren Platz abzustecken
Was wir jetzt nicht markieren - das gab es auch nie

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