Teufelscellist & das eintausendsiebenhunderteinundneunzigste Gedicht

Fachwerkfassade in der Eschweger Altstadt

Dieses Lied, revisited

Dieses Lied weiß noch immer, wie jung wie uns fühlten,
Als wir ohne Schimmer die Nachtstadt durchwühlten
Auf Suche nach den für uns stimmigsten Plätzen
Im Wissen, man wird unser Mittun dort schätzen.
Konsens zelebrierte ambiges Ambiente,
Wir feierten Trends stets im Status al dente,
Doch was wir mal gewannen, verloren wir ganz.

Nur dies Lied liegt mir noch in den Ohren: Kerl, tanz!

Regenersatz & das eintausendsiebenhundertneunzigste Gedicht

Hofbühne E-Werk Eschwege

Fett katern

Du verknarzte Morgenfresse
Starrst mich an mit Quallenblick!
Schwemmhaut zeigt an mir Int'resse,
Attributet mich mit dick.

Im Gequelle brütet wohl
Immer noch der Alkohol.
Abscheu beißt mir ins Genick:
"Alter, is dein Leben sick!"

Bis dann gnädig aufs Verpfuschen
Strahlen meiner Dusche duschen.

Alsbald strafft zum halb so wild
Sich mein braves Spiegelbild.

Nebenwelten & das eintausendsiebenhundertneunundachtzigste Gedicht

Euro 2021 Schmuck an der Fröttmaniger Arena

Schön ist die Jugend

Dass wir in unsren schnellsten Jahren
Keinesfalls die Hellsten waren,
Fällt im Rückblick doch wohl auf.

Da wir in unsren späten Jahren
Schein und Pietäten wahren,
Nimmt das unser Stolz in Kauf.

Sommerjasmin & das eintausendsiebenhundertachtundachtzigste Gedicht

Sommerjasmin

Die Wucht der Zucht (Die Sommerblüher)

Ein Jahr hast du geblumt - nun brülle,
Flut die Flur mit Blütenfülle,
Oppulent wie üppig glühend,
Knülle Farbenprachten blühend,
Die vereint in Übertreibung
Flieh'n den Zügeln der Beschreibung,
Trachtend danach im geballten
Sinnenspiel sich zu entfalten.

Isarströmung & das eintausendsiebenhundertsiebenundachtzigste Gedicht

Isarwasser

Träge Versprechungen

Betätigung, Betätigung
Prägt schwunglose Verstetigung.
Doch predigt man wie ewig jung
Den Segen der Betätigung.

Isarlibelle & das eintausendsiebenhundertsechsundachtzigste Gedicht

Libelle am Isarufer bei Unterföhring

Sommerinsektenandacht

Die Bienlein toll'n im Pollenschlüpfer
Von Stempelchen zu Stempel,
Das Zierpen eingegraster Hüpfer
Beteppicht stur den Tempel,
Der sich aus Schwärmerei errichtet -
Und fehlt's ihm auch an Sichtbarkeit:
Ein Wärmeschwall hat ihn gedichtet
Und all dem Schwirrgetier geweiht.

Altbestand & das eintausendsiebenhundertfünfundachtzigste Gedicht

Im Naturpark Südliche Fröttmaninger Heide

Ermüdungsgedanke

Woher weiß denn die Stille, dass schon wieder Nacht ist?

Bald hängen die Lider mir knieweich im Dämmern,
Die Pupillen frag‘n nach, ob ihr Bett schon gemacht ist,
Da beidseitig Schläfen zum Schlaf bereit hämmern.

Doch die Stille wusste als erste Bescheid.

Es scheint mir: Sie führt - und dann fügt sich die Zeit.

Ammerseeleu & das eintausendsiebenhundertvierundachtzigste Gedicht

Statue am Ammerseeufer bei Herrsching

Dem Leerstandsmanager

Ein leiser Gruß an den Kollegen
Vom Leerstandsmanagement,
Den all der brachen Flure wegen
In Tanzbars niemand kennt.

Doch Wohneinheiten muss man streicheln,
Wenn Einsamkeit dort trübt,
Die Wasserhähne hart und weich stell'n -
Ein Handgriff, eingeübt.

Der Makler*innen Waisenkinder
Führ'n ein entleertes Leben -
Drum muss es stille Ödnis-Linder
Wie den Kollegen geben.

Kastanie & das eintausendsiebenhundertdreiundachtzigste Gedicht

Rotblühende Kastanie im Garten vom Kloster Benediktbeuern

Braunnarben

Sehr irreleitend blüht doch die
Zartkerzende Kastanie!

Als ahnte sie nichts von der Stacheligkeit,
Vom harten Geschoss, das nach einiger Zeit
Sich dem igeliggrünen Gewande entschält,
Qua Gestalt andre Stories des Werdens erzählt.

Sind sich all die treuen Bestäuber im Klar'n
Über der Kastanie Plan?

Denn irreleitend blüht doch die
Zartkerzende Kastanie.

Südliche Heide & das eintausendsiebenhundertzweiundachtzigste Gedicht

aussichtspunkt Heideblick im Naturpark Südliche Fröttmaninger Heide

Sonntagmittag

Die Sonntagsbrühe steht verdickt in den Gassen
Und sammelt sich Masse bis mittags um Eins,
Der Frühstückskaffee restet in seine Tassen
Zum Glockenschlag hiesigen Glaubensgebeins.

Und paarungsbereit liegt der Nachmittag da,
Ich such nach verwertbaren Reizen,
Doch unberückt, aller Erwartungen bar,
Muss langen, die Beine zu spreizen.

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