Zürcher Savanne & das eintausendfünfhundertvierzehnte Gedicht

Die Lewa Savanne im Zoo Zürich

Lastlos

Unabänderlich mahnt die verflossene Zeit,
Dass weitere Jahre vergehen.
Noch ist der Moment nicht zum Abschied bereit
Und hangelt sich durch sein Bestehen.

Das friedliche Scheiden, in das ich entrück' -
Es schmückt hinter mir Horizonte
Für spätmilde, labende Blicke zurück,
Als ich's noch nicht wertschätzen konnte.

Hautfarbe & das eintausendfünfhundertdreizehnte Gedicht

Chamäleon in der Masoala Halle im Zürcher Zoo

Lauterer scheint doch die Ruh ...

"Haut ab!", schreit Meute Meute zu,
Bevor man sich verhaut.
Zählt wer zur falschen Häute-Crew,
Werd'n Meutenleute laut.

Zürcher Pantherchamäleon & das eintausendfünfhundertzwölfte Gedicht

Pantherchamäleon in der Masoala Halle vom Zoo Zürich

Madagassischer Reptilienmarkt-Zweizeiler

„Diese nehm‘ isch,
Die‘s endemisch!“

Museum Rietberg & das eintausendfünfhundertelfte Gedicht

Fasnachtmaske im Zürcher Museum Rietberg

Die Unangreifbaren

Es scheint, mit diesen Frisen
Gefrieren alle Mienen,
Auch die gemeinhin fiesen
Sind niemals mehr erschienen.

Laut Expertisen ist erwiesen:
Man entgleist von allen Schienen.

What does it mean for Mienen?
Man kann die Miesen ob der Frisen minimal nur warnen:
Trotz haarig cleaner Windigkeit könn‘n Brisen sie enttarnen!

Ushindi & das eintausendfünfhundertzehnte Gedicht

Das im Mai 2020 geborene Breitmaulnashorn Baby Ushindi mit Mutter in der Lewa Savanne des Zoo Zürich

Die kindliche Kriegerin

Geh kindlich, willst du den Bann übertreten,
Zeig die beste Miene zum verachteten Spiel!
Dann winde dich um das, wozu du gebeten -
Doch sei kindlich dabei! Das verrät keinen Stil.

Geh kindlich, wenn du ihrer Bühne entfliehst,
Weil Arglosigkeit ihre Angriffslust hemmt!
Sei kindlich, wenn du dein Revolverchen ziehst -
Dann zählt mit zum Spiel, wenn der Abzug mal klemmt!

Bleib kindlich, wenn du deine Flanken entblößt!
Deine letzte Bastion ist die Schutzlosigkeit
Als Irrtum, in dem deine Gegnerschaft döst.
Du kommst, wenn du kindlich gehst, doppelt so weit!

Tsüri & das eintausendfünfhundertneunte Gedicht

Zürich vom See aus

Das Grau der Stadt am See

Zwischen Hmmel und See gräut ein Streifen sich stadt,
Der scheint wie von beiden zu glimmern.
Ein entspannt in sich wiegendes Quantum von Satt -
Von hier wird sich nie was verschlimmern.

Es beruhigt, dass diese Verlässlichkeit hält,
Dass mein Dort! einen Ort kennt, der ungern zerfällt -
Und sei's nur im eigenen Vorstellungsflur.

Zwischen Himmel und See ist das Grau wie ein Blau,
Eine sich in sich selbst inszenierende Show -
Als gäb's Silhouetten auch ohne Kontur.

Landiwiese & das eintausendfünfhundertachte Gedicht

Mädchen mit erhobenen Händen, Statue auf der Landiwiese am Zürichsee

Monumentenmomente

War den Stauesierten im Diesseits bewusst,
Dass sie späterzeits posthumig gelten?
War die Lebenszeit nicht bösdurchdustert von Frust,
War‘n nicht Lichtblicke skandalös selten?

So scheint grad ein gut ausgetretener Schlips
Wie prädestiniert für ein Abbild aus Gips.

Affenhaus & das eintausendfünfhundertsiebte Gedicht

Einsames Orang Utah Weibchen im Zoo Zürich

Mit Affen im Café und endlich ein Reim auf Menschen

Mit Affen im Café
Und zwei Karaffen Tee
Schien ich die Idee
Aller Pfaffen zu raffen:
Den Menschen hat Gott nach dem Affen geschaffen,
Das „Drauße nur Kännschen“ nach Outdoorkaraffen.

Lewa Savanne & das eintausendfünfhundertsechste Gedicht

In der Lewa Savanne im Zoo Zürich.

Original und Fälschung

Das Originale ist mir heut so fremd,
Ich flirte nur mit den Attrappen.
Die sind von der Verve ihrer Sehnsucht enthemmt
Und versprechen: Mit uns könnt es klappen!

Ich kenn den Geschmack der wahrhaftigen Kuchen,
Kann auf Knopfdruck noch in ihn entschweben,
Muss nicht nach dem Nie-ganz-Erhabenen suchen,
Fühl mich dadurch näher am Leben.

Das Originale behält seinen Wert.
Doch das Wollen beschert uns Verlangen.
Weil der Kundige mitschmeckt, wonach sich‘s verzehrt,
Ist der Weg dorthin schon mal begangen.

Tüpfelhy & das eintausendfünfhundertfünfte Gedicht

Tüpfelhyäne in der Sewa Savanne im Zoo Zürich

Sommerliche Handtuchfläze

Ich will auf diesem Badetuch
Mein Wonnigsein belegen
Und tonnenweise Sonnenschein
Zum Strahlbesuch bewegen.

Oh, derart niederflach gelegt
Bin ich niemals gewesen!
So stahlbeschwert und unbewegt
War ich zuletzt am Tresen,

Frittiere nun hier auf Frottiertem
In dem Duft von frisch Cremiertem:
Körper-, Geist- und Seelenruh.

Ich grüß mein Ich fast wie ein Du.

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