Indien revisited & das neunhundertfünfundneunzigste Gedicht

Taj Mahal

Endlich! Immer diese Instrumentals zu Beginn, obwohl man doch ausdrücklich Oper gebucht hat. Hat nun ein Ende. Wenn die werten Solisten und Chöre sich diesen Text merken können:

Der Barbier von Sevilla (Liedtext der Ouvertüre)

Es naht dünnbeinig und fadenscheinig ...
Dann rumpelt's rüpelhaft gnadenlos steinig an!
Bis man es irgendwann
Nicht mehr verleugnen kann
Und sich per Sensation den Komfortzonen Ungewohntes angewöhnen lässt

Noch nachvollziehbar
Dass der Barbar da an der Bar dereinst Barbier war
Und ganz Sevilla
Für ihn vibriert wie zu'nem Tanzschritt von Godzilla

Schablonisiert wirkt das hier Servierte
Wie verziert für schiere Schmierenlarmoyanz

Ihr insistiert zwar
Der Komponisten Zierde sei nicht kompostierbar
Und ganz Sevilla
Schien wie frisiert von 'ner verirrten VoKuHiLa

Ironisiert stiehlt das Irritier'nde
Nicht der Grundprinzipien Linientreue Glanz

Es flutet unvermutet gut durchblutet gegenströmig
Und belebend widerstrebend in das Haar Verlockung webend
Eine der Ekstatik abgerung'ne Akrobatik
Die die Ex-Barbier-Barbatik mit Vokabel-Kokolores kolo(riert)
Eine der Ekstatik abgerung'ne Akrobatik
Die die Ex-Barbier-Barbatik mit Vokabel-Kokolores kolo(riert)
Eine der Ekstatik abgerung'ne Akrobatik
Die die Ex-Barbier-Barbatik mit Vokabel-Kokolores koloriert
Und mit Chaos kokettiert
Uns mit Tobak torpediert
Ziemlich ungewohnt toupiert
Von dem Frondienst desertiert

Mit infantiler VoKuHiLa
Geht Godzilla nach Sevilla
Zu dem Dealer in der Ex-Barbiere Bar:
"Machst Du mir mein Haar?
Diesmal aber ma'
Statt dezent und eh'r verstohlen
Bitte zentnerschwer und unverhohlen
Wild verkämmt ungehemmt
Maßlos onduliert
Spaßig koloriert
Ich bin da gänzlich ungeniert
Sofern nur jemand applaudiert
Und sein beziehungsweise ihr
Hochwohlgefallen konstatiert, ja-woll

London revisited & das neunhundertvierundneunzigste Gedicht

In der Tate Modern

Todschick

An der Schwelle zum Alter empfing mich der Tod
Mit "Kann ich Ihnen behilflich sein?"
In der Fremde oft schnell in Erklärungsnot
Gelang mir zur Antwort ein griffiges "Nein,
Ich schaue mich vorerst hier nur etwas um."
(Und brauch dazu kein Publikum!)

"Aber gerne!", entgegnete denkbar devot
Und von Dienstleistungseifer beseelt
Der fortan nicht mehr von mir weichende Tod
"Sie melden sich, wenn Ihnen irgendwas fehlt?
Wir hab'n jede Krankheit von Krebs bis Katarrh
Auch noch in andren Größen da!

Und ich weiß ja, man zögert es gerne heraus
Auch Ernsthaftes mal zu ertragen
Doch schlussendlich ist's ja für viele im Haus
Die letzte Chance etwas zu wagen!
Das Leben ist kurz - heißt das elfte Gebot!"
Bekräftigte nochmals wie freundlich der Tod

Und obschon ich ihn anfangs mit Argwohn beäugt
Fühlt' ich mich auch etwas geborgen
Er hat schon Millionen von sich überzeugt
Und erlöst von der Last aller Sorgen

Also ging ich zur Probe
In seine Garderobe
Nahm mir das nächste Stück und fand
Dass dieses mir schon prächtig stand
Wie jedes Stück der Kollektion -
Das ist vielleicht des Alters Lohn

An der Schwelle zum Alter empfing mich der Tod
Und machte mir ein Angebot
Mir war bis dato gar nicht klar
Wie nahe ich ihm da schon war

Wien revisited & das neunhundertdreiundneunzigste Gedicht

Stephansdom Wien

Glanz' Los

Die Dünnheit des Denkens begünstigt es leider
Dass jemand wie du sich hier breit machen kann
Es schützt dich der Spruch, dem Erfolg folgten Neider
(Den ich in 'ner ganz schwachen Stunde ersann)

Simbabwe revisited & das neunhundertzweiundneunzigste Gedicht

Victoriafälle

Der freie Fall

Wortentspannt stürzt er in Tiven
Die nach Fragewörtern miefen
Was? und Wessen?, Wem? und Wen?
Unversert vom Draufbesteh'n
Sprudelt er nur Walle?, Walle?

Jedenfalls berauscht er alle

Seychellen revisited & das neunhunderteinundneunzigste Gedicht

Abendsimmung auf La Digue

Ain und Kabel

"Aua!" jault der Kabeljau
Als die Gabel ich genau
Ihm in seinen Nabel hau

Mit ihm starben Knab und Frau
Armer, armer Kabeljau

- Versuch einer Rechtfertigung -
Just zum Start der Abba-Show-
Übertragung im TV
Via Astra-Satellit
Hatt' ich starken Appetit -
Und auch die, die Kabel schauen
Laben sich an Kabeljauen!

Venedig revisited & das neunhundertneunzigste Gedicht

Venedig am Canale Grande

Memento Marmori

Über Marmor schleichlängs schreiten
Weichen Auftritts schleifend gleiten
Wissend, dass seit Ewigkeiten
Leute durch ihr Heute zeiten ...

Ist auch unsres Paarlaufs Spürchen
Unmomentig lang zu seh'n
Weiß doch unser beider Nürchen
Dass er hier - baldeinst - gescheh'n!

Madagaskar revisited & das neunhundertneunundachtzigste Gedicht

Madagaskar Chamäleon

Für Verbliebene

Dein Grab ist längst schon eingeebnet
Doch das Loch meines Kosmos' nicht zu
Ich spüre sein Gähnen noch hinter der Rückwand
Von nicht zu verrückenden Schränken
Und manchmal, da frage ich mehr dich als mich: "Wie-
So ist der Gewürzstreuer leer?"

So lang ist das alles schon her ...
Und manchmal, da frage ich mehr mich als die, die
Grad parallel deiner gedenken:
"Verzeihst du ein wenig, wie ich noch zum Glück fand?"
Viel zu friedvoll und ruhig raunst du:
"Mein Grab ist längst schon eingeebnet!"

Helsinki revisited & das neunhundertachtundachtzigste Gedicht

Helsinki Senatsplatz und Dom

Schnarrer

Wenn Milliarden Zikaden Zypressen fressen
Und Nix hadernd vergessen, den Schaden zu messen
Zirpt letztmalig was im Zerfressenen lungert
Weil's fix nach zu maßlosem Essen verhungert

Sylt revisited & das neunhundertsiebenundachtzigste Gedicht

Strand von Westerland

ABC-Schützen

Und ein weit'res Wort soll büßen
Dass du so empfänglich bist
Dir kann schon den Tag versüßen
Wenn was U-N-U-M-G-Ä-N-G-L-I-C-H-(!!) ist

Zürne der Majuskeln Eiter!
Stopp den Treck der Letternschar!
Treib dein Spielchen emsig weiter
Bis du schweigst - für immerdar ...

Costa Rica revisited & das neunhundertsechsundachtzigste Gedicht

Feuerschnabelarassari

Lammkamm

Wenn ich zu dir lammfromm
Ohne einen Kamm komm
Mein Comeback auf halber Strecke trotz des tollen Wollens stockt

Dann entpackt sich Leid und Jammern
Unsrer beider Backenkammern:
"Hätten wir doch ungehemmt, ungekämmt uns angelockt!"

So bleib'n Lämmer, Kämmer, Schaf
Voller Woll' und Love-Bedarf!

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Frank Klötgen - Post Poetry Slam - täglich frische Gedichte & Fotos RSS abonnieren