Kastanie & das eintausendzweihundertneununddreißigste Gedicht

Alte Kastanie am Horster Hof Heinsberg

Zweites vierzeiliges Vielfaltgedicht (Zu Zeiten, da uns Falten fehlten ...)

Viele altern ohne Falten,
Schockerstarrt vom Botox-Sod.

Gott erhalt' die Schrumpel-Alten -
Die hier seh'n ja aus wie tot!

Horster Hof & das eintausendzweihundertachtunddreißigste Gedicht

Horster Hof Heinsberg

Erstes vierzeiliges Vielfaltgedicht (Wer den Aufprall nicht aufhält, als Abfall hinabfällt)

Viele Falter fielen,
Genick geknickt an Fensterscheiben,
Flatterlos gen Bodendielen,

Wo sie lang noch liegen bleiben.

Späte Wolken & das eintausendzweihundertsiebenunddreißigste Gedicht

Maisfeld in Heinsberg

Die Unerbittlichkeit

Der braungebrannte Krumbelag glänzt letzte Kuvertüren,
Ein zartbrutaler Sommertag lässt Welt das Ächzen spüren,
Am Waldrand ringt sich letztes Bäumen gegen sein Verderben
Und jede Wolke trottet treulich spätzuspät ins Gerben.

Sonnenwende & das eintausendzweihundertsechsunddreißigste Gedicht

18. Juli 2019

Die Vollkommenheit

In die herrlichsten Gärten, die der Sommer beblüht,
Wird das Abendrot sehnend sich senken -
Dort auch im Verdruss oder niederschlagsmüd
An vollkommene Schönheit nur denken.

Adalbert & das eintausendzweihundertfünfunddreißigste Gedicht

Auf der Adalbertstraße in der Maxvorstadt

Der Alp

Ein Alptraum hat sich in das Sofa gesetzt
(und er wird sich nicht weiter erklären),
Hat sich schon zu Mittag mit Zweifeln vernetzt,
Die entzündlich in Platzdeckchen schwären.

Er spricht nicht mit mir, sondern brüllt nur herum,
Kritzelt Skizzen bedrückendster Klarheit.
Doch jedwede Frage belächelt er stumm
Und behechelt den Zugang zur Wahrheit.

Ein Alptraum streckt anmaßend sich in den Raum,
Fläzt sich in die gemütlichsten Kissen.
Noch hält sich die Szenerie halbwegs im Zaum
Und es wurde noch niemand gebissen.

1.234 & das eintausendzweihundertvierunddreißigste Gedicht

Walhalla bei Regensburg

Krumme Jubiläen erlauben krumme Zeilen. Unter Walhalla-Aufsicht.

1.234

Eins, zwei, drei, vier -
Deins weih' vrei' Zier!

Isar & das eintausendzweihundertdreiunddreißigste Gedicht

Am Isarufer bei Thalkirchen

Der alte Fluss

Nun, mir scheint, du bist noch einmal träger geworden
Und ich denke, ich kann das versteh'n.
Nach oben ist Süden und unten ist Norden,
So lang sie die Karte nicht dreh'n.

Aber neuerdings schreit es, man müsse entscheiden,
Ob dein Süden sich richtig verhält.
Für irgendwen nimmst du klammheimlich Partei, wenn
Du sagst, das sei nicht deine Welt.

Du kannst nicht einfach durch zwischen Osten und Westen,
Weil du meinst, das seist du so gewohnt.
Die halten sich nicht nur zum Spaß für die Besten.
Man hat dich sehr lang schon geschont.

Und nun hast du den Drive für die Ufer verloren
Und du hoffst, man wird dich überseh'n,
Wenn Irrtumsimmune nach neuem Plan bohren.
Ich denke, ich kann das versteh'n.

Wachwechsel & das eintausendzweihundertzweiunddreißigste Gedicht

Grünfink

Flüchtiges Gedicht

Ein eingefang'nes Hirngespinst sind dieses Verses Zeilen,
Auf denen die Gedanken nun zur Anprobe verweilen.

Vermag es deinem Spiegelbild heut' Stimmigkeit verleihen,
So denke dran, das Hirngespinst beizeiten zu befreien!

Sommergewitter & das eintausendzweihunderteinunddreißigste Gedicht

Sommergewitter im Anzug

Rechnen lernen müssen

Ich kann jetzt rechnen im Bereich
Der negativen Zahlen
Und setz' ein schiefes Kleinergleich.
Das vordem auszumalen,
War alltagsfernste Theorie.

Die Subtraktion reicht übers Nichts
In unbegrenzte Leere
Als Härtegrad gelöschten Lichts.
Dass Null der Endpunkt wäre,
Ward alltagsfernste Theorie.

Südblick & das eintausendzweihundertdreißigste Gedicht

Blick auf Essen

Kurs halten

Du hast das Steuerrad tapfer gehalten
Bis zum bittren Moment, da du gingst.
Kurz darauf war wie unberührt wieder beim Alten
All die Richtung, an der du so hingst.

Doch, es kommt auf die paar Grade Unterschied an!
Nein, es ähneln mitnichten sich Wellen!

Man muss sich verpflichten zu sehen - und dann
Die Zeiger der Uhr danach stellen.
Und sei's nur zur Kur dieses eigenen Lebens.
Erscheint's uns auch kurz, war's doch niemals vergebens.

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Frank Klötgen - Post Poetry Slam - immer frische Gedichte & Fotos RSS abonnieren