Birken & das eintausenddreihundertsiebenundfünfzigste Gedicht

Birken am Saimaasee

Finnen

Ihr werdet die finnische Seele finden,
Fest umhüllt von Birkenrinden.
In der Schroffheit angenehm,
Steigt sie schüchtern,
Ungern nüchtern,
Ohne Sattel aufs Problem.

Jede Lösung schaut hier wie'n Vierkantholz aus:
Wer in das Eis einbricht, schafft's auch wieder raus.
Fast zu kauzigniedlich, um Wahrheit zu sein,
Drum reden sie selber - auf Finnisch! - sich klein.

Heimweg & das eintausenddreihundertsechsundfünfzigste Gedicht

Beim Hotel Järvisydän an den Saimaaseen

Atmung im Winter

Nichts als kalte Luft im Schädel,
Die die wärmeren Gedanken
Harsch in ihre Schranken
Weist.

Weh, darinnen friert mein Mädel,
Die als längster Wunsch von allen,
Nun bedrängt von Eiskristallen,
Langsam zur Idee vereist.

So entschwindet mir das Mädel -
Nichts als kalte Luft im Schädel.

Bojen & das eintausenddreihundertfünfundfünfzigste Gedicht

Am Haukivesi in Rantasalmi an den Saimaaseen

Tugend auf dem Eis

Hält das Eis dicht,
Kannst du anständig sein.
Tut es dies nicht,
Fällst du aufrichtig rein.

Olavinlinna & das eintausenddreihundertvierundfünfzigste Gedicht

Olavinlinna in Savonlinna

Neue Mieter

Das Gemäurige umeulen heuer nur noch Spatzen
Und der Trutzburg Schatz beluchsen abgezählte Katzen.
Ihren schiefen Wall umwolfen goldene Retriever
Und des Hofs Bestand gespenstern Unternehmensprüfer.
Um Bankettgelage kelchen coole Starbucks Art-Cups,
Prunkgemächer mächtizieren zwangslegere Startups.
Der Verliese Muff berittern fusselbärt'ge Hipster,
Die "Coole Location -", twittern, "voll die Athmo gibt's da!"

Valamo & das eintausenddreihundertdreiundfünfzigste Gedicht

Kloster Valamo

Die Erweckung

Ach, jeden Tag verdöste ich
So reiz- und rauschlos klösterlich -
Ich konnte mich zu nichts erheben,
Trudelte nur so durchs Leben
Und vertändelte die Zeit
Mürrisch mit Enthaltsamkeit.

Dein Esprit erlöste mich,
Denn mit dir entblößte sich
Mir eine Arche voll Erstreben.
Der sei mein verschnarchtes Leben
Fortan vollkommen wie vollends geweiht
Mit Hingabe und Frömmigkeit.

Huskyfutter & das eintausenddreihundertzweiundfünfzigste Gedicht

Gefrorene Fettbatzen als Huskyfutter

Des Reeders Rede wider die Verdrehung der Werte

Es bauten diesen Flaggschiffdampfer
Lauter Beef- und Hackfleischmampfer!
Arbeitskräfte, die vegan,
Schufen weder Schiff noch Kahn!
Wir wär'n längst schon am Ertrinken,
Würd's hier nicht nach Würsten stinken!

Kerimäki & das eintausenddreihunderteinundfünfzigste Gedicht

Decke der größten Holzkirche in Kerimäki

Kleine Adieus

Es war nichts Wichtiges, das ging.
Kein Schatz, an dem man wirklich hing.

Doch sträubt den Samt der kleinen Schmerzen
Die Täubnis deines Zugemuts -
Der sammelt bloß, bald auszumerzen
Die alten Pläne deines Guts!

Dein Stern ist aus der Welt gesunken.
Du hast zu oft Adieus gewunken
Und tat auch keines weh -

Es werden die Veränderungen
Schon längst als Status Quo besungen,
An dir prangt ein a.D.

Poro & das eintausenddreihundertfünfzigste Gedicht

Rentierhuf

Rentier

Der Rentierhuf,
Wie Gott ihn schuf,
Tupft leichtestfüßig auf.
Das Füßeln scheint sein Hauptberuf
Und schwerelos sein Lauf.

Da ließ' sich leicht
Mit Hohn solch seicht-
Er Trab als schwul beROFLn.
Doch wer, wen(n) nicht das Rentier, zeigt
Schon Coolness in Pantoffeln?

Haukivesi & das eintausenddreihundertneunundvierzigste Gedicht

Steg am Haukivesi an den Saimaaseen

Der niedrigstehenden Winterzeitsonne

Mir ist schon klar,
Dass du, mein Star,
Dich heut dieses kleine Stück nur erhebst -
Als Zeichen, dass du doch noch lebst,
Überwinternd,
Bis des Winters üble Winde letztlich überwunden sind.

Denn im Jahresstreit gewinnt,

Wer nicht ständig strahlt in Taten,
Sondern übt, sie abzuwarten.

Husky & das eintausenddreihundertachtundvierzigste Gedicht

Schlittenhund am Saimaasee

Schlittenhund

Gebundene Unbändigkeit -
Die Landschaft lauscht gebannt
Dem Geheule, das aus dem Schlittenhund schreit,
Das Geschirr ist reißleinig gespannt.
Man spürt, es gibt ein Irgendwo,
Das sich vielleicht noch formt.
Der Aufbruch zerrt quirlig und lautstark und roh:
Komm, wir sprinten los, eh ihn wer normt!
Der Lauf allein ist unser Ziel!
Mein Eid aufs "Jetzt geht's los!"!

Das "Weg von hier!", in das ich blauäugig schiel',
Ist nur eisig und weiß - aber groß.

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