Politik

Gedichte mit politischem Hintergrund oder entsprechender Attitüde.

Ickinger Schwan & das eintausendsiebenhundertfünfunddreißigste Gedicht

Schwan am Eisweiher Speichersee bei Icking

In den Tugenbergen

Auf diesen kargen Höhen ist der Gipfel der Erwartbarkeit:
Die nächste große Dürre lässt vielleicht sich noch ein Jährchen Zeit?

Da die neue Nation sich dem Fortschritt verschrieben,
Ist man hier statt zurück noch zurücker geblieben.

Weil man ob seiner Armlichkeit nicht-int'ressiert,
Blieb ein Äon manch Tradition konserviert.

Eshu & das eintausendsiebenhundertzweiunddreißigste Gedicht

Eshu Statue im Museum Fünf Kontinente

A Prayer to Eshu

Oh Eshu, treuer Gott der Schelme,
Es häufen sich Gründe für Interventionen!
Die Spießer tragen wieder Helme,
Die Scheinheiligkeit fragt nach scharfen Patronen.

Man rüstet sich mit klaren Bildern,
Hat den Widerspruch eindeutig kanalisiert -
Dies eitle Wissen zu durchwildern
Scheint erlösend, da Einwandsnot langsam pressiert!

Ach Eshu, setze deine Fragen,
Bügle grautönend Wahrheit in Koexistenz,
Polter Zwang aus frisch zu wagen
Und dräng Engstirnigkeit in die Weite, sonst brennt's!

Valley & das eintausendsiebenhundertsechsundzwanzigste Gedicht

Im Uferwald auf der Mangfallwanderung nach Valley

Schweinsamkeit

Kaum sitz ich an der Flüsse Ufer,
Kaut neben mir ein Rüsselhufer.

Wenn ich weiter ins Gebüsch dring',
Grunzt bereits der nächste Frischling,
Grüßen auch die Namensgeber:
Mutter Sau und Vater Eber.

Armer Hund, bist nie alleine!
Grund: Im Wald hat‘s reichlich Schweine.

Schattenblüher & das eintausendsiebenhundertzwanzigste Gedicht

Erste Frühlingsboten im Ruhpoldinger Auenwald

Neustart Vernunft

Vermutlich wird die Wut sich richten
Nach Reboot eurer Weltansichten!

HOWL-Top & das eintausendsiebenhundertsechzehnte Gedicht

Oberster Teil der Installation HOWL im Lichthof der Pinakothek der Moderne

Demagogeneselsbrücke

Wo Beknackte eh nix raffen,
Lassen fix sich Fakten schaffen.

Sammlung Goetz & das eintausendsiebenhundertvierzehnte Gedicht

Sammlung Goetz im Luftschutzbunker im Haus der Kunst München

Kellerlicht

Hab‘n wir im Keller das Licht ausgemacht?
Hatten wir überhaupt Licht?
Wir überzeugten, erleuchteten Leute brauchen‘s ja eigentlich nicht.

Hab‘n wir im Keller das Licht ausgedacht?
Hab‘n wir einander geseh‘n?
Wenn man sich einigt, gilt damit bescheinigt: Alles ist wirklich gescheh‘n.

Hab’n wir im Keller das Licht ausgemacht
Untereinander - als hell?
Auch wenn Chimären in Massen ausscheren - wir bleiben konsensuell.

Isarflößer & das eintausendsiebenhundertzwölfte Gedicht

Mittenwald Flößerstatue

Wider Ornamente

Zu Ich!-ig, zu masse-lig
Sicherlich muss man sich
Nicht entscheiden
Für eines von beiden.

Doch öfter als gelegentlich
Kann ich beides gleich nicht-leiden.

Bald erscheint es mir, ich hasse
Jedes Ornament der Masse,
Drauf bespicke ich mit Tadeln
Sich im Chic des Selbsts zu adeln.

Doch von beiden sich zu trennen,
Kann ich als ein Ziel erkennen.

Mittenwaldente & das eintausendsiebenhundertzehnte Gedicht

Ente bei der Leutascher Ache in Mittenwald

Die goldenen Horden der Positivität

Der freie Spaß: Verrohung,
Der Trieb per se Bedrohung,
Das Dunkel ist auch ohne Schaden
Per purem Dasein schuldbeladen.

Besessen vom Verbessern
Bestückt ihr euch mit Messern,
Die Säbel durchweg krumm gebogen,
Hat sich manch These dumm gelogen.

Der Missmut schon gesteinigt,
Der Wankelmut gepeinigt,
Schwermut von Freudenstrom diszipliniert.
So seid ihr ins sündige Rom einspaziert.

Doch letztlich ermorden
Die goldenen Horden
Jed Ort, noch bevor sie ihn sehen,

Weil sie seinen Wert nicht verstehen.

Museum 5 Kontinente & das eintausendsiebenhundertachte Gedicht

Myanmar-Abteilung im Museum Fünf Kontinente

Protest

Ich biete heut die Bettelschale
Umgedreht dir dar -
Dies nimm fortan zum Warnsignale,
Dass ich nicht mit Gna-
De deinen Grund der Schuld abzahle,
Tat's vordem ich zwar -

Jetzt bleibt der Almosendienst dir verwehrt,
Ich bleibe mittellos, du bist entehrt.

Stadtmuseum & das eintausendsiebenhundertsechste Gedicht

Ausstellung Welt im Umbruch im Stadtmuseum München

Umbruchnaht

Oh Kraftwerk, oh Schalttafel, oh Apparat!
In euch dampft der Mythos vom Neuaufbruch,
Der Schneisen von frischer Erkenntnis und Tat.
Gebräuchlicher Fortschritt schien nicht nur ein Spruch,
Sondern ein vernehmbarer Einspruch zu sein -
Doch hielt man dies bald durch Vernehmungen klein.

Der Euphor ob berauschender Dienstbarkeit
Von Kraftwerk, von Schalttafel und Apparat
Las sich als Vertrag einer harmfreien Zeit.
Doch unter dem Hoffnungsflor gärte die Saat
Von Gartenerträgen der Mähdrescherei,
Der Umbruch versiegte in mehr Tyrannei.

In das Jahrhundern der Hoffnungsmaschinen
Entfaltet sich wieder der Glaube daran,
Möglichkeit könne der Möglichkeit dienen
Für das mähliche Nähern vom Irgendwann.
Doch Tastflächendruckkraft verschließt nicht die Naht
Zum Kraftwerk, zur Schalttafel, zum Apparat.

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