Körperteile

Jedem Körperteil sein Gedicht ...

Ganges & das vierhundertzweiundzwanzigste Gedicht

Pilsen

Die Schönheit des Ganges

Hallöchenpopöchen, Ihr Götter da droben
Ich meld' mich, die Schönheit des Ganges zu loben:
Die grazile Gazelligkeit schreitender Beine
Der Damenbesetzung vom Straßenballett!

Mich treibt nicht der Geifer nach Fleisch - nur der reine
Augengenuss eines "Guck mal, wie nett
Flaumige FlaminGo-Go-Mädchen
Raumüberwindend durchstelzen dies Städtchen!"

Da, ein Knie federt wadenwärts über das Pflaster!
Und der Hüftschwung verglüht als in Backen gefasster
Betörend die Böden bezuckernder Guss ...

Nach dem ihr benanntet 'nen indischen Fluss!

Seespaziergang & das dreihundertvierundachtzigste Gedicht

Tegernsee

Herbstspaziergang am Planschbecken des Sommers.

Narziss

Ach, könnte ich, ach, könnt' ich doch
Wie Jesus übers Wasser geh'n
Und in der Oberfläche Spiegel
Das Baumeln meines Sacks beseh'n!

Chilloutzone & das dreihundertsechsunddreißigste Gedicht

Schwarz-Weißer Vari

Aus der Reihe der Faulenzergedichte. Mit passender Vari-Übung m Frühstückstisch.

Hängematte

Die Hängematte sagt mir barsch
Dein Körperschwerpunkt ist dein Arsch
Hier sammelt sich das, was von dir von Gewicht
So zeigt dir the Hammock dein wahres Gesicht
Dein hehrer Kopf stakt leichtgewichtig
Von Hüftenschwerkraft aufgerichtet
Und nistet hart im Knotenstrang
Weil er nicht wahrhaft von Belang
Dein Zentrum ist am Ende doch
Nur triebfäkales Ausflussloch
Es scheidet zumindest den Menschen vom Tier
Das sichre Gebrauchen von Lokuspapier

Usedom & das zweihundertneunundneunzigste Gedicht

Strand Heringsdorf Usedom

Tourstress. Nicht.

Der Wert ausgezogener Schuhe (Der Strandurlaub)

Ich erklär dir den Wert ausgezogener Schuhe:
Ab hier is' nu' Ferien, klar? Fresse, Kind! Ruhe.

Schon spürst du Spur'n von Wohlgefallen
Schnurrend durch die Sohlen wallen
Und Ballen, Rist und Zehen schenken
Uns Ärger-, Stress- und Wehen-Senken
Und die Meter, die barfuße Schritte erspar'n
Befördern das Endstück zum Sinnesorgan
Zum Ruhepol aller Körperfläche
Getaucht in Fußbad, Meer und Bäche
Im in Urlaubsland verstreuten Sand
Pult dösig man mit Sachverstand

Denn das ist der Wert ausgezogener Schuhe
Hasse verstanden? Dann Fresse, jetzt! Ruhe.

Drückfahrt & das zweihundertsiebenundachtzigste Gedicht

Blumenmeer am Grazer Hauptbahnhof

Idylle am Grazer Hauptbahnhof. Später wurde es ungemütlicher.

Der Zuggereiste

Die von Platznot befohlene Sitzposition
Lähmt mir alle Glieder von Anbeginn schon
Verfinstert mir seither das Dasein per Dauer
Und blinzelt gerissen zum dräuenden Aua!

Die despotische Herrschaft des Unausgestreckten!
Der aus Muskelfleisch tränende Drang nach Bewegung ...
Diese fiese Gewalt am in Ketten gesteckten
Körper in regungslos tauber Erregung
Der in die Polster rückenschwitzt
Als Plattgedrückter grollt. Und sitzt.

Lodenmoden & das zweihunderteinunddreißigste Gedicht

Loden Frey München

Die Münchner Unzuchtverse, Teil drei. Auf Eiersuche.

Bei Loden Frey

Heut' dachte ich bei Loden Frey:
Fehlt mir im Hoden nicht ein Ei?!
Ach, nee - da steckt die Nummer Zwei!
Kommt halt nix weg bei Loden Frey

Deutsches Museum & das hundertdreiundachtzigste Gedicht

Das Deutsche Museum

Aus der von kleinen Teilen der Bevölkerung durchaus geliebten Serie der Münchner Unzuchtverse.

Das Deutsche Museum (sehr interessant!)

Das Deutsche Museum ist sehr interessant.
Zwölf Penisattrappen häng'n dort an der Wand.
Mei' Frau hätt' den Hoeneß so fast net erkannt!
Ja, das Deutsche Museum ist sehr interessant.

Kämmnix & das hundertdreiundfünfzigste Gedicht

Chemnitz

Dass Glatzköpfigkeit nie ohne Faschokonnotation auskommt - dabei würde ich das gerade in diesem Text ausblenden wollen. Denn Chemnitz ist vor allem Pinguinstadt.

In Chemnitz

In Chemnitz gibt es nichts zu kämmen
Wer würde dort auch viel erwarten?
Denn gut rasierte Schädel-Bemmen
Die halten nix von Kammsportarten

Lorelei & das dreiundneunzigste Gedicht

Lorelei

Auf der Rückfahrt von Koblenz, aus dem Zug heraus: die olle Lorelei.

Romantischer Abzählvers (für Kinder ab vier Jahren)

Lore, leih mir kurz dein Ohr
Und ein Stück vom Ofenrohr
Irgendwann läuft's drauf hinaus
Du gehörlos, Ofen aus

Hörner & das neunundvierzigste Gedicht

Davos Parsenn

Am zweiten Skitag die Hörner abgefahren - Rhiner- und Jakobshorn. Und dabei mich selbst entdeckt.

Skilhouette

Ich hab mich grad in meinen Schatten verliebt
Den Bodenstrich rückwärtig wärmender Sonne
Samt Schnee der vom schneeigen Grunde aufstiebt
Im Schwung der beschwingenden Skigleiterwonne
Und tänzelnd entgrenztem Geschwindigkeitsmelken
Da im Off aller Grazie die Snowboarder welken

Da hab ich mich in meinen Schatten verliebt
Der folgsam sich vor mir wie von mir sich schiebt
Ich werd' jetzt mit noch höh'rem Tempo ihn nerven
"Ej, geht's noch da hinten?! Ich muss mich erst werfen!"

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