Alter & Schmerz

Gedichte über das Älterwerden, den Lebensabend, Krankheiten. Und den Tod.

An der Blau & das achthundertfünfundneunzigste Gedicht

An der Blau

Alte Liebespaare

Dass da keiner werde des Anderen Last
Das ist - einmal simpel zusammengefasst -
Eine nie zu erzielende Absicht

Doch die Liebe währt auch
In 'nem schwärenden Bauch
Der sich mit dem Alternden abbricht

45 Sporenverheißung & das achthundertneunzigste Gedicht

In Neu-Ulm

Coda

Mit Tau und Taubheit scheint der Tag zu beginnen
Doch manches hat gar nicht geschlafen
Es bildet sich um und entäußert sein Innen
Nach Plänen, die wir nicht entwarfen
Wir sind nur die Wachen
Wir könn'n da nix machen
Was da wird, wird es an uns vorbei

Um zu seh'n, was passiert, müsste man sich jetzt wenden
Unter Druck springt die Form aller Allmacht entzwei
Aber irgendwie muss es ja enden

43 Schädelknirschen & das achthundertachtundachtzigste Gedicht

Auf dem Ulmer Dom

Stufe 1

Move on, Heinz!
Stufe eins
Hast du fast geschafft!
Ja, jetzt können deine Zehen
Schon die Treppenkante sehen!
Mann, hast du 'ne Kraft!

Kopf hoch, Heinz!
Stufe eins
Hätt'ste fast gepackt!
Wirklich nur um Haaresbreite
Ist dein Bein nach hartem Fighte
Plötzlich abgesackt

Heinz, egal!
Nächstes Mal
Gibt's another try!
Ist ja alles gar nicht eilig
Sag, wenn du bereit bist, weil ich
Helf dir gern dabei!

38 Nebelzeitdichte & das achthundertdreiundachtzigste Gedicht

Bozen

Am Leck

Der Nebel verwehrt nun den kundigen Griff
Mit dem sich einst Setzkästen füllten
Die Winkel verlassen das sinkende Schiff
Nachdem sie sich selber zerknüllten

31 Rundnadelkünste & das achthundertsechsundsiebzigste Gedicht

Frühlingsfest Theresienwiese

Ambulante Behandlung

Nun, da mich die Nadel sticht
Schießt vom Munde durchs Gesicht
Ein fast gepfiff'nes, schrilles "PFFFtt!"
Augenschlitzentzerrt zum "... hhhTTT!"

Der Faden gleitet zirpend hässlich
Kurz vorm Anschlag - megagrässlich!

Mein Flehen um Gnade starrt starr auf den Mann
"Noch drei kurze Stiche, dann ist's überstan ...!"
DNNNN!! Kerl, ich flieh' gleich vom Körper hinaus!
Ich schau nicht! Ich schau NICHT! Ach, so sieht das aus ...?!

Dann tapfer den Tupfer wie Zärtlichkeit grüßen
Der Schmerz atmet durch gen Erholung auf süßen
Abschwellungsstadien durchschreitenden Wegen
Von den'n laue Brisen die Dornbüsche fegen ...
Und süße Madames öffnen mählich die Läden

"Dann bis nächste Woche - zum Ziehen der Fäden!"

16 Knopfverdoppelung & das achthundertsechzigste Gedicht

Ruhpolding Kirche

Häuptling 2.0

Das Anlernen unsrer Novizen
Als Aufwärmen künft'ger Komplizen
Ist Feilen am eignen Verderben

Wir teilen im unfeigen Geben
Zu früh mit den Strebern das Leben
Und haben dann nichts zu vererben

13 Goldkarpfen & das achthundertsiebenundfünfzigste Gedicht

Ruhpolding Bahnhof

Die Camper

Hast du noch das Igluzelt
In dem wir auf Festivals schliefen?
Die Spannseile einer vergangenen Welt
Die auch nach Vergangenheit miefen?

Uns hat's seither in mancherlei Richtung gezogen
Wir hab'n leichtfüßig letzte Ideale betrogen
Doch nie unser Faible fürs Camp Nostalgie

Hast du noch den Aufbau drauf?
Und wie lang kannst du das noch bewahren?
Wie weit gelangt dein Lebenslauf
In den Taumel von früheren Jahren?

Höchste Zeit, jenen Sack auf den Inhalt zu checken
Mit Verbliebenem rasch unsren Platz abzustecken
Was wir jetzt nicht markieren - das gab es auch nie

5 Fehlzeit & das achthundertneunundvierzigste Gedicht

Glienicker Brücke

Männergrippe

In einen Sack voll Fieber
Hat man meine Hülle gesteckt
Samt Schlappheit vom Kaliber
"Ich fühl mich wie zweimal verreckt!"

3 Grauglöckchen & das achthundertsiebenundvierzigste Gedicht

Schlossbrücke Berlin

Lückenlos

Und der Tod reißt voller Tücke
In dein Leben eine Lücke ...

Dich umgarnt des Trostes Schoß
Doch das Loch ist viel zu groß
Und es hallt von seinen Rändern:

Alles, alles wird sich ändern

Barolo & das achthundertvierunddreißigste Gedicht

Weinberge bei Barolo

Piemont

Die geschwungenen Hügel und die prügelnden Jungen
Sind bleibend als Eindrücke in mich gedrungen

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