Bin ganz berauscht vom vollen Down,
Vom Speed der halsbruchnahen Fahrt,
Will aus dem Schlund mehr Tempo klau‘n,
Der Anschub pusht den Schwerpunkt zart.
Der zähe Aufstieg flieht in Kürze,
Verzehrt vom Spleen der Ignoranz,
Den Mären schon erfolgter Stürze
Entflieh ich mit Gourmet-Rasanz.
Nutzlos pendeln die Pedalen,
Die kühl in Pension geschickt,
Windgepeitscht fühl ich mich strahlen,
Da die Weite weiter kickt.
Sechste Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Schnitzelbrötchenverleih, Riesenrad, Scheißwetter, Geheimratsecken, Megastau und Ghosting.
Die Stauenden
Wir riechen schon den Vordermann,
Denn kriechend geht es hier voran,
Und der Verlust von Zwischenräumen
Lässt uns vom Entwischen träumen.
Und doch fällt’s nicht schwer einzuseh’n:
Die Welt hält uns an stillzusteh’n.
Die Stoßstangen brüsten sich keiner Berührung
Als Choreographen der Stabilität –
Gemeinsame Einsicht trutzt jeder Verführung. –
Es wird nicht verzweifelt, es wird nicht krakeelt.
Und stillschweigend neigt sich ein billiger Lohn
Mit Namen Zivilisation.
Sechste Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Schnitzelbrötchenverleih, Riesenrad, Scheißwetter, Geheimratsecken, Megastau und Ghosting.
Scheißwetter
Es kotet wie aus Kübeln,
Es dünnpfeifft Bierschiss-Strahlen –
Ein Stinkgebräu aus Übeln
Lässt Kotzgelüste prahlen.
Ein Rosenknotenafter sprüht
Als grässlicher Diffuser,
Derweil er neuen Kack aufbrüht –
Zum Guss auf mich, den Loser.
Ich hört‘, s’würd heuer sich beschwert,
Es fiele zu viel Regen.
Mich fragt, vom derbsten Scheiß geteert:
„Ihr grämt euch? Echt? Deswegen?“
Vom Volldampf ins Gedämpfte,
Der Blick auf das Erkämpfte,
Das sich dem Zierrat all der Mühen entblößt,
Dem Früher, an dem sich die Lässigkeit stößt,
Die nun trefflich negiert,
Was vordem ist passiert.
Die Frage ist, was trennt dich
Vom neuen Selbstverständlich:
Dass alles diffus durch den Endspurt spaziert,
Sich niemand für Routen und Mut in’tressiert?
Dein Weg ist nun mal
Nunmehr museal.
Mir tut mein falsches Bein heut weh
Und ist auch gar nicht, wie ich seh,
Wie mir versprochen amputiert –
Man fragt sich „Was’n da passiert?
Wie kam denn wohl das abpe Bein
Zurück in meine Hüfte rein?“
Der Plan, mich beinfrei auszuruh’n,
Beginnt nun frech mir wehzutun.
Phantomschmerz als Gefahr war klar –
Doch nicht so einmal hier, mal da –
Das ist mir alles zu abstrakt:
Gleich morgen wird es abgehackt.
Etwas so Wagloses Leben zu nennen,
Mag Euch zwar bedenkenswert sein –
Nur um so maßloser werd ich bekennen:
Solch Radius wär mir zu klein!
Ich muss dieses Restdasein etwas erleben
Und schließ keine weitren Verträge,
Gieß Lautstärke ein, eh wir Gläser erheben –
Ihr kontert mit Nervengesäge!
Und so etwas Wagloses Leben zu nennen,
Mögt ihr für erwägenswert halten –
Ich stampf ein Kawumms zwischen gackernde Hennen:
Für die Alten bleibt alles beim Alten!
Oh, durch diesen Krieg müssen die Geister uns lenken!
Denn die Siegchance der irdischen Leben
Offeriert doch zu viele plausible Bedenken
Gegen’s Stöcke und Steine Erheben.
Wenn die Unsittlichkeit dieses Staats dich zerfrisst,
Komm zur Holy Spirit Mobile Armee,
Wo der Oberbefehlshaber ein Medium ist,
Stets auf Empfang gottgewollter Idee!
Ein Kommandoschrei reicht in die Sphären der Predigt:
Unser Glaube kann Berge versetzen!
Schon gewähren wir – montaner Deckung entledigt –
Den Regierungstrupps uns zu zerfetzen.
Rückt Charisma ers’ma auf Sendefrequenz,
Ist’s um Augenwisch zünftig gescheh’n –
Die Metaphysik zaubert Megapräsenz
Und die Wirkmacht drängt Sehnen ins Seh’n!
Der schiere Moment schillert zeitenentrückt –
Von der Strahlkraft und Aura betört.
So lang die Magie der Verführung beglückt,
Wird des Zeitgeists Blabla überhört.
Wo sacht als Verdacht sich ein Geist offenbart,
Sprudelt süßsuggestiv ein Kanal,
Der dir all die Verwirrung des Irrens erspart –
Jeder Lebenswert ist Ritual.