Heut werd ich ohne Sonnenblenden
Der tiefsteh’nden Sonne entgegenspazieren.
Ich zwing sie, des Resttages Wärme zu spenden –
Sie end-gleißt, mich zu illuminieren.
Mein Jederschritt schlenzt gringohaft
Mit Desperado-Qualität!
Woher solch Überschuss an Kraft?
So deplatziert, so sinnlos spät …
Vielleicht ist das Leben eine Scheibe
Und man fällt übern Rand in das Nichts.
Ich streb geblendet, blind, und treibe
Mit glühender Stirn in den Wirr-Sog des Lichts.
„Wachstum schaffen, raus die Säfte –
Ungebremst und unbeschränkt!“
Selten geht’s um Wirtschaftskräfte,
Wenn man an die Lenz-Zeit denkt.
Doch hat Dichterei-Romantik
Mit ihr einen Promotiondeal
Und das Image quer durchs Land zig
Samenlose mit zum Ziel.
Dass selbst linke Hänger werd’n des
Kapitalismuses Anhängerschaft.
Und man brüllt ein selbst entleer’ndes:
Du bettelst so geduldig
Um die Krumen meiner Milde.
Ich fühl mich reich wie schuldig,
Doch bin schildmäßig im Bilde,
Dass das Füttern der Vögel voll schädlich ist
Und keinesfalls uns gnädlich misst.
Das letzte Wiegen deines Kopfes
Hat mich dann doch noch umgestimmt:
Dies Brez’nstück nun nimm und stopf es
Hinein in dich Wesen, das so gut getrimmt
Bestätigung erfahren sollte!
Wir sehen vom Run-Punkt der hektischen Maus
Selbst voll unter Stress eher lahmarschig aus.
Und steh’n wir mal ausgebremst hupend im Stau,
Ist’s nur eine Szene der Zeitlupenshow,
In der sich das Leben und Wirken slow abspielt,
Auf die selbst ein Nagetier neidlos herabschielt:
„Wie, das soll die Krönung der Erdschöpfung sein!?“,
Piepst’s höhnend vom Mausbau. „Da schlaf ich ja ein!
Soll’n wir die hier jetzt anschieben? Wie ist der Plan?
Erlöst diese Sippschaft vom Größenwahn,
Dass man sich an der Würde der Gralstempel misst,
Ohne jedes Gespür, was Normaltempo ist!“
Schon wieder verpasst, diese Stadt zu erobern.
So viel an Optionen – und alle verpasst.
Und müßig scheint’s, hier nun groß auszubaldowern,
Warum du dich nun wohl für welch Schritte hasst.
Die Stadt liegt hier willig, mit allen Optionen –
Und sie alle wär’n volksnah zu fassen gewesen!
Du merkst, du wirst nicht mehr sehr lang in ihr wohnen,
Und sie lässt sich bereits als Vergangene lesen.
Allzu leicht schiebt sich nun alle Schuld auf die Stadt –
Anstatt selbst was zu tun, war ich lustlos und matt
Und wohl einfach vom Wesen her immer zu spät.
Natürlich geht das so in Ord-
nung! Obschon ich vorhatte:
Ich lege die Latte
Nicht niedriger als auf „Optimal“.
Vermutlich brech ich grad mein Wort –
Gezwungenermaßen –
Die Umstände saßen
Nicht lang auf dem Pferd „Ideal“.
Verständlich nennst du das mein „Scheitern“ –
Längst sing ich’s „Ach, hätt’ich …!“ im Chor.
Doch an Fehltreppchen mich zu erheitern,
Ist meines Versagens Komfort!