Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Körperteile

Jedem Körperteil sein Gedicht …


  • Im Hügel-Speisesaal & das zweitausendneunhundertfünfundzwanzigste Gedicht

    Gemälde im Villa Hügel-Speisesaal

    Die 7 Todsünden: Acedia. Die Trägheit

    Tiefdämmrig und aufgedunsen
    Räk’le ich mich, tonnenschwer,
    Unter sonnenfernem Grunsen,
    Träg wie ein K.o.labär –
    Belle müd‘, doch unverhohlen:
    „Scheißwelt, bleib‘ mir bloß gestohlen!“
    Und dann dross’le ich jed‘ Schnurzsein –
    Mag mich gar nicht echauffieren –
    Klemm‘ den Wutausbruch als Furz ein,
    Lass‘ ihn lautlos rausspazieren …

    Ja, so schmiegt sich das Banale
    Willig in das Scheißegale,
    Staut sich als Gedankenmüll
    Wirkungsfrei im Vestibül.
    Nichts an mir wird sich bewegen
    Und kein Muskel sich noch regen –
    Ich lieg‘ im Leib so wie im Sarg,
    Faul im Staate Gähnemark.

    Oh, spotten wir dem Zwangssportiven
    In seiner erbärmlichen Zwecklosigkeit
    Und lehnen zurück uns im vegetativen
    Nervengerüst, der Genüsse bereit!
    Denn Schwelgen lässt sich am besten im Liegen,
    Und nur Renitenz bremst der Hektik Intrigen.
    Ich verklapp‘ all mein Zappelbedürfnis gelind
    Im darmauswärts strömenden, würzigen Wind
    Aus Flatulenz und Abstinenzler-Aroma,
    Den Zwölffinger faltend, bet‘ ich mich ins Koma –
    Und das soll doch, bitte, genug Tuung sein!
    Schon fast wie erschöpft, reduzier ich mein Sein
    Um mich gesättigt zu versenken
    In das Reich Acedia –
    Abgekappt von Stress und Denken,
    Sanft zentriert im Wunderbar!

    Wär‘ da nicht die Last des Atmens –
    Das jahreinjahrausige Rein und Raus –
    Jener ewige Zwang präasthmatischen Darbens
    Des Lungen umschlungenen Lüfteverhaus!
    Denn gleich, ob er wacht oder kauert im Schlaf,
    Immerzu meldet mein Körper Bedarf
    An Neuzufuhr von Sauerstoff –
    Und nimmer kehrt da Ruhe ein!
    Unentwegt möcht‘ ich „Enough!“
    Oder Sinnverwandtes schrei’n.

    Ach, dieses Atmen – es strengt mich so an!
    Wer, der’s statt meiner erledigen kann?
    Na, Beatmungsgeräte – ich mein‘, gibt’s die nich‘ auch
    Für Menschen wie mich zum privaten Gebrauch?
    Ich würde mir – nur, um nie wieder zu kau’n –
    ’ne Magensonde selbst einbau’n
    Und denke, dass den Krankenkassen
    Sicher wär‘ der Dank der Massen,
    Bewilligten sie solch – von mir längst erflehte –
    Chillige Lebensrelaxingpakete.

    Ich will doch nur Ruhe, entschleunigte Gnad,
    Möcht‘ elegisch erschlaffen, belastungsbefreit,
    ’nen jed‘ Hast entlastenden Heilsapparat –
    Kurzum, Amnestie von der Körperlichkeit!

    Denn soll dieser Wix mein Schicksal sein,
    So will ich, Leben: Stelldichein!

    Wiewohl doch die Ahnung mich stetig zerfrisst,
    Dass Sterben ja auch eine Tätigkeit ist.

    Und ich erblick‘ mit Unbehagen
    Allseits Klippen um mich ragen –
    Man scheint dem Reich Acedia
    Auf ewig unerreichbar nah!

    Und wie durchschreitet man solch Tal?
    Davon mehr beim nächsten Mal …

    Alle Rechte bei Oliver Resken, der das Gedicht 2026 im Rahmen des SLAMMED-II-Crowdfunds erstanden hat.


  • Salon de Embajadores & das zweitausendneunhundertachte Gedicht

    Die Decke vom Salon de Embajadores im Alcazar Sevilla

    Die Pocke
    (nach Motiven von Schillers „Lied von der Glocke“)

    Fest gewachsen im Gesichte
    Prangt das Horn in Talg gebannt
    Es blitzt hervor im Spiegellichte
    Und raubt der Maid den Restverstand
    In der Drüse heiß
    Brüht ein Seibersuppenscheiß
    Blüht auf zur Ausschlag-Show – ohne Entrinnen!
    Denn der Ekel kommt von innen!
    Wo die schwere Milch der Pubertät
    Die pockemon’sche Pustel bläht
    Dass sie erglüht zum säftesatten
    Facebuckel Entstellt-mir-Button

    Wehe, wenn der losgelassen!
    Wachsend ohne Widerstand
    Durch die vollgeklebten Gassen
    Wälzt ein ungeheurer Brand
    Und lodert auf – recht konkludent – zum
    Epidermien-Epizentrum

    Schwer erbärmlich grämt sich schon
    Ihr Leid lamentierend, lädiert und belämmert
    Nah ’ner Emo-Eruption
    Die Lady, der nunmehr ein Ungemach dämmert
    Ob der körpereignen Lava –
    Grad, da man dem Lover nah war!

    Wenn Mitesser den Tisch eindecken
    Heißt’s sich vorm Spiegelglas verstecken
    Drum prüfe, wer sich ähnlich windet
    Ob man nicht besser gleich erblindet!

    Doch was Clearasil nicht fortgeschafft
    Entleert agil der Finger Kraft:

    Jetzo mit dem Druck der Nägel
    Walk des Eiters grausig Gruft
    Dass der grützgeword’ne Egel
    Steige, in die Himmelsluft!
    Oh, Blut rinnt, wenn das Ödem aufknackt
    Es sprenkelt die geborst’ne Haut
    Wenn man jetzt stärker draufzwackt
    Seiht ein Süppchen aus der Braut
    Weiße Blasen seh ich springen
    Wohl, die Massen sind im Fluss
    Lass sie durch die Poren dringen
    Sporentief erzwing’n den Guss
    Dass die zähe Götterspeise
    Fließe nach der rechten Weise!
    Rauschend in des Henkels Bogen
    Schießt’s mit cremefarbenen Wogen

    Freude hat mir Gott gegeben!
    Sehet, wie ein güldner Zopf
    Aus der Hülse, blank und eben
    Schält sich ambern nun der Pfropf!
    Freude ist des Ausdrucks Beute
    Friede sei mit Euch, Ihr Häute!

    Leergebrannt scheint nun die Stätte
    Ruhe im Follikel-Bette
    Doch wo so’ne Säfte sinnlos wallen
    Da regt sich bald ein neues Leben
    Im einstmals prallen Pocke-Ballen
    Tja, mein Schatz – so ist das eben!

    Und verzeiht mir mein Mir-zu-erlauben
    Vom „Fest gemauert …“ abzustauben!
    Die Glocke wird an zähen Strängen
    Auch weiterhin ganz oben hängen
    Mich drängt’s nur auf die kleinen Rosse
    Als Schillerglockenhaifischflosse
    Und so verzeiht mir mein Exzempoem
    Frank Klötgen, Dichter – angenehm!

    Alle Rechte bei Martha, Anton und Frida Reichert, für die das Gedicht 2026 im Rahmen des Abschiedstour-II-Crowdfunds gekauft wurde.


  • Ruhpoldinger Fohlen & das zweitausendachthundertfünfundneunzigste Gedicht

    Aussicht in Ruhpolding Dorf

    Sie knien unser Lied

    Bei uns vererbt der Knieschmerz sich
    Vom Vater auf den Sohn.
    Kaum springt man auf die Paarundfünfzig,
    Verspürt man diesen schon.
    Fortan wird man sich Nacht für Nacht
    Zur Schlafbereitschaft zwingen.
    Generationen könn’n durchwacht
    Da unser Lied von singen.


  • Gartentage-Idyll & das zweitausendsechshundertdreiundachtzigste Gedicht

    Klosterkirche St. Mariä Himmelfahrt in Fürstenfeldbruck

    Höchstens neun

    Der Lendenschurz
    Ist zu kurz –
    Man kann’s Gehänge pendeln seh’n!

    Der Hodenkloß
    Baumelt bloß,
    Schaukelnd durch das Weltgescheh’n. Und
    Verfänglich weit
    Fällt Länglichkeit
    Vom ältlich-fältlich‘ Zwischenbeen.

    Wer sagt da ehrlich:
    „Na, ich find’s herrlich!“ –
    Das sind doch weniger als zehn?!


  • Maibaumspitze & das zweitausendsechshundertfünfundsechzigste Gedicht

    Maibaum Ruhpolding

    Gedanken beim Betreten der U1

    23 sehr lange Sekunden
    Hängt der stärkere Furzgeruch um dich herum.
    Der schwächere Furz, er verweilt eher unten,
    Olfaktorisch verschmalt, windbescheiden und stumm.

    Doch der stärkere schreit über Nasenhaarweiden,
    Diktiert deinem Anstand: „Jetzt Nachbarschaft meiden!“

    Doch, wie gesagt, nach 23 Sekunden
    Ist diese Hölle dann auch überwunden.


  • Kleinholz I & das zweitausendsechshundertdreißigste Gedicht

    Holzstapel auf dem Weg zur Ellmauer Alm

    73469 Pflaumloch

    Passt in das Dörfchen Pflaumenloch
    Vielleicht mein kleiner Daumen noch?


  • Stachus & das zweitausendfünfhundertsechsundneunzigste Gedicht

    Am U- und S-Bahnhof Stachus

    Aus der Hüfte

    Ein ewiger Pain in the Ass,
    Verpackt als WG im Gesäß –
    Es posaunt die Sau aus dem Po dumpf
    „Boah, bin ich im Arsch!“ als Triumph.


  • FW4-Rückenansicht & das zweitausendfünfhundertdreißigste Gedicht

    Potsdam Orangerieschloss Denkmal Friedrich Wilhelm IV

    Alte Szenegänger

    Deinen Schnurrbart – wie sollte ich den wohl versteh’n?

    Über Retrotrends lässt sich manch Lösungsweg geh’n,
    Doch ich stolp’re noch immer ums große „Warum?“,
    Bin (nicht allein hierfür) zu alt-Strich-zu dumm.

    Meine Anschlussschwierigkeiten –
    Sie sind Anschussschwierigkeiten,
    Von den’n ich mich nicht mehr erhole.

    Irgendwann mag ein Schnurrbart mich wirklich erschießen –
    Drum sollte ich stur die Rasuren genießen
    Und zahl’n mit dem Rest unsrer Kohle.


  • Brahmspromenade & das zweitausendvierhundertdreiundneunzigste Gedicht

    Strandbad an der Brahmspromenade Tutzing

    Bottomless

    Just unter dem Gürtel beginnen die Zonen
    Der Poritzen und ihrer Präsentationen.
    Ein schüchternes Speckbäckchen wölbig bekundet:
    Ab hier wird noch auf- und sehr kräftig gerundet.

    Und mit der Haut outet sich vornehme Blässe:
    „Mich knebelt gewöhnlich textile Tristesse,
    Doch jetzt ist’s nur Sitzfläche, die noch bedeckt!“

    Eh unverwandt standhaft nach oben gereckt
    Sich unverhofft offen zeigt – sagen wir’s barsch –
    Ein prachtvoll im Sonnenlicht schillernder Arsch.


  • Hartgestrüpp & das zweitausendvierhundertachtzehnte Gedicht

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    Anmutungen

    Ach, ihr seid noch gar nicht vorbestraft?!
    Hat man euch nie erwischt?
    Habt ihr per Ausseh‘n mich verarscht,
    Verruchtheit aufgetischt?

    Rasiert man außerhalb vom Knast sich
    Denn derart hart den Schädel?
    Blasiertheit war‘s allein, dass fast ich
    Evakuiert‘ mein Städel!

    Die Tattoowucht entsprang allein
    Spätjugendlichen Zwängen?
    Gefängnis stünd euch wirklich fein!
    Ich will euch da nicht drängen,

    Doch optisch passt ihr wunderbar
    Auf den Justizvollzugsalltar!
    Die Härte, die ihr darstell‘n wollt –
    Die ließ sich dort beweisen!
    Ihr würdet nur, dort reingetrollt,
    Halt weniger verreisen.


Die 272 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)


Gedichte/Fotos ausgewählter Tourstationen:

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