Und wieder macht GB das Rennen
Ich möchte andern Losern raten
In Andalusien sich zu braten –
Die Sonne gleißt dort hot und heißer.
Doch die find’n meistens Soho nicer.
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten
Gedichte, in denen Tiere die Hauptpersonen sind.

Und wieder macht GB das Rennen
Ich möchte andern Losern raten
In Andalusien sich zu braten –
Die Sonne gleißt dort hot und heißer.
Doch die find’n meistens Soho nicer.

Der Hummelfluch
Hör‘ ich den Rimski-Korsakow
Beginnt’s zu jucken und ich hoff‘
Dass keine Hummeln in der Nähe sind
Denn wenn schon duellieren
Besser nicht mit kleinen Tieren
Weil da Sympathien vorab vergeben sind
Denn nur Allergikern und Blagen
Zeiht man moralisch das Erschlagen
Vom gelb und schwarzen Fluginsekt
Na, selber schuld, wer das nicht checkt
AKT I
„Ich drück‘ zart der Zichte ihr’n glühenden Stummel
Ins Rückgrat ’ner grade hier ruhenden Hummel
So zermalmt nun den Korpus der Schwirrkreatur
’ne Kombi aus Druckkraft und Temperatur
Und knisterig ascht das Flügelpaar
Das Leben entbeugt sich dem Hummelabdomen
Solch Endlichkeitszeugnisse gehen mir nah
Leicht bedrückt blick‘ ich auf die Erdrückte, denk‘: „Yo, man
Ey, sorry, ne – is‘ sons‘ echt nich‘ meine Art
Allzu gern hätt‘ ich dir die Tortur wohl erspart
Nur es war halt ’ne echt blöde Koinzidenz
Auch wenn du – als Insekt – dieses Wort gar nich‘ kenns‘
Aber das is‘ eb’n der Punkt: diese Sache mit Darwin
Ich mein‘, für mich hier als Mensch, dich zu töten, das war wie’n
Gruß an den Schöpfer, sich zu re-vergewissern
Sein Ebenbild degeneriert nicht zu Schissern
Die trotz Krönungsjuwelen der Evolution
Schon bei etwaig’n Nachfrag’n sich selber entthron’n
Anstatt eindrücklich ausdrücklich Ordnung zu schaffen
Mit Nachdruck für die, die’s wohl ohne nicht raffen:
Wir sind keine Fauna-Fans!
Wir sind Homo Sapiens!“
Nun kam es, dass der Hummelschwarm
Vom Tod der Imme Wind bekam
Der argumentativ sich nicht erschließt
Die Nektar-Queen schlägt Vollalarm
Steht eh nicht auf den Schöpferkram
Der Gliedertier’n ihr Daseinsglück vermiest
Erklärt’s zur ausgemachten Sache:
Jetzt geht’s um Widerstand und Rache
Und so vollzieht sich Zug um Zug
Die Oper-Ration Hummelfluch
AKT II
„Hier wohnende Drohnen und Arbeiterinnen
Wir Hummeln sind hammlos – und doch in mir drinnen
Brennt unbändig endlosbittre Wut
Denn ständig man uns Böses tut
Wieder traf’s eine, die Brut unsrer Sippe
Qualvoll verkohlt an der Glut einer Kippe
Ja, der Typ, der da grad Rimski-Korsakow flötet
Hat nur so aus Spaß unser Mädchen getötet
Ich denk‘, wir sollten solchen Assen
Nicht einen Abgang durchgeh’n lassen
Ihr Mord darf nicht für umme sein
Drum auf, ihr Immen, zeigt’s dem Schwein!“
Und fünf of le grüpp, sie formieren un trüpp
Der vom Auftrag beflügelt sich vorwärtsbewegt
Rischtüng ex-zischtenrauchende, flötende Büb
Dessen Willen zu chillen sich plötzlich erregt
Doch kaum spreizt sich sein Maul, um „Haut ab hier!“ zu schrei’n
Flieg’n ein, zwei, drei, fünf Hummeln rein
Das macht sich toll als Rächers Traum:
Voll stechbereit im Rachenraum
Wo jeder Stich sich schädlich potenziert
Denn ’s wird ja, wenn der Hals anschwillt
Die Luftzufuhr mit abgestillt
Des Lebens Rest in Bestzeit dezimiert
Nun kann solch Hinterlassenschaften
Zwar der Gestoch’ne auch verkraften
Doch spricht’s aus seinem fahl’n Gesicht
Zumindest diesmal schafft er’s nicht
AKT III
„Junge, Junge – wat schwillt mir die Zunge
Krieg‘ fast keine Luft mehr!“ – Er kommt seiner Gruft näh’r
Und bevor sich das Blatt hier nun doch noch mal wendet
Ist unser gestochener Held – och – verendet
Auch was vordem im Schlund gesummt
Alsbald verhallt es und verstummt
So bleiben die fünf Hummel-Märtyrerinnen
Zwar sehr effektiv, aber leider auch: drinnen
Und noch eh der Typ komplett abkackt
Versumpft man im Verdauungstrakt
Im Darm vom Leichnam überwintern
Alle Hummeln kurz vorm Hintern
Doch die Königin spricht: „Lob und Preis
Den Fünfen, die ihr Leben gaben
Und ihren Platz im Paradeis
Nebst Drohnen-Harem sicher haben
Denn unser hummlischer Vater sorgt bei der für Profit
Die sein huldhaltig‘ Reich durch die Märtür betritt
Mög’n diese Fünf uns Hummeln ein
Auf ewig leuchtend Beispiel sein!“
Und so beschließt sie den Hommage-Schwung
Glatt als Immenstaatsverarschung
Denn das Hummelfahrtskommando
Steckt und bleibt grad in ’nem Land, wo
Man vergärt in „Poah!“-Fäkalien
Voll entehrt in Vor-Analien
Ja, das verschweigen Heilsversprechen
Sich und andre abzustechen
Endet stets als Hammelflug
Lasst euch nicht führ’n zum Versuch!
Mögen Ungerechtigkeiten
Sich auch fürderhin verbreiten
Und man rät, von Opferseiten
Da mal drastisch einzuschreiten
Irgendwann gäb’s auch mal Lohn …
So lass sie reden, Hummelsohn!
Auch ohne Schein und Selbstbetrug
bleibt Hummel sein noch Fluch genug
Alle Rechte bei Markus Berg, der das Gedicht 2026 im Rahmen des Abschiedstour-II-Crowdfunds von mir gekauft hat.

Bimmel Bammel Bummel Himmel Hammel Hummel
Hoch oben fliegt die Hummel mit dem Bammel am Himmel:
Sieht der bummelnde Hammel von unten mein’n Bimmel?!“

Möwe
Du bettelst so geduldig
Um die Krumen meiner Milde.
Ich fühl mich reich wie schuldig,
Doch bin schildmäßig im Bilde,
Dass das Füttern der Vögel voll schädlich ist
Und keinesfalls uns gnädlich misst.
Das letzte Wiegen deines Kopfes
Hat mich dann doch noch umgestimmt:
Dies Brez’nstück nun nimm und stopf es
Hinein in dich Wesen, das so gut getrimmt
Bestätigung erfahren sollte!
Obschon ich das erst gar nicht wollte.

Of Mice and Men
Wir sehen vom Run-Punkt der hektischen Maus
Selbst voll unter Stress eher lahmarschig aus.
Und steh’n wir mal ausgebremst hupend im Stau,
Ist’s nur eine Szene der Zeitlupenshow,
In der sich das Leben und Wirken slow abspielt,
Auf die selbst ein Nagetier neidlos herabschielt:
„Wie, das soll die Krönung der Erdschöpfung sein!?“,
Piepst’s höhnend vom Mausbau. „Da schlaf ich ja ein!
Soll’n wir die hier jetzt anschieben? Wie ist der Plan?
Erlöst diese Sippschaft vom Größenwahn,
Dass man sich an der Würde der Gralstempel misst,
Ohne jedes Gespür, was Normaltempo ist!“

Der Specht
„Ab ins Gefecht!“,
Denkt sich der Specht
Und jettet hastig mit Gekrächz
Ins nächstgeleg’ne Astgeflecht.
Pocktock, Peckpeck, Tockpockgepecker
Steh’n Spechtisch für „Oh Mann, wie lecker!“

Die feinen Unterschiede der Fastfood-Beobachtug
So gleicht ein Vogelfutterhäuschen
Auch einem Kettenschnellimbiss!
Man macht ein kurzdosiertes Päuschen
Und futtert ohne Hindernis.
Die Sauberkeit ist niederränglich,
Die Auswahl recht vorhersehbar,
Die Tischgemeinschaft unverfänglich,
Der Landeplatz bestechend nah.
Ich sättige mich voyeuristisch:
Seh Meisen, freu mich über sie!
Dass ich aus Hektik so viel Glück fisch,
Verspür ich vorm McDonald’s nie.

Oktober (Jahresrückblick 2025)
Hoch über den Stadtbildern, aus den’n unsre Töchterlein fliehn
Sieht man nun südwärts die Zugvögel ziehn.
Sie transportieren Grippeviren,
Die Geflügelfarmen anvisieren
Und Massenmasthofbauern keulen
Gänse, Enten, Hühner, Eulen.
Doch die Vögel sind ganz ohne Hintersinn hier –
Sie sind auf dem Weg in ein Winterquartier.
„Hey, ihr Vögel da oben, was ist euer Ziel?“
„Naja, da gibt’s ja nicht mehr viel …
In Darfur wütet der RSF grad mit Graus –
Fast 500 Tote im Krankenhaus.
In Rio sind 120 verendet,
Ein Bürgerkrieg noch abgewendet,
Nach Gemetzeln zwischen Cops und Favela-Familien.
Naja, und is halt eh Brasilien …!
Florida dämmert im Shutdown dahin,
Argentinien macht unter Milei keinen Sinn
Auch nach Syrien zurückzukehr’n, wär noch nicht cool,
Bestätigte Herr Wadepfuhl.
Nur noch Krieg und politische Vollkatastrophen –
Da bekäm dies Gedicht ganz schnell zu viele Strophen!
Ein Schwarm von uns ist, ungelogen,
Drum grad gen Gaza abgebogen,
Um sich dort zu bewerben als Friedenstauben.
Wir dachten, die wollen ’n Scherz sich erlauben,
Doch man hat sie tatsächlich als solche verbraten
Im Fastfood-Menu der Vereinigten Staaten.“
Es bleib’n die Verbrecher beider Seiten in charge –
Da wittert man abermals baldigen Knatsch:
Kaum ist ’ne Seite genervt von dem Friedensvertragwisch,
Serviert man wohl prompt einen tödlichen Nachtisch.
Denn ’ne hochdosierte Schlacht-Entfaltung
Dient beiderseits der Machterhaltung.
Und die Hamas übt schon mal an den eigenen Leuten,
Denn ein Widerwort muss Spionage bedeuten –
Und die soll’n lern’n, wer hier wieder der Babo is
Und schon bei ’ner Zwischenfallandeutung bombt jetzt die Is-
raelische Luftkraft ’nen Vergeltungsschlag.
Und dieser Ausnahmefall passiert fast jeden Tag!
Hm, das mit der Waffenruhe hat anfangs mal besser geklungen …?
Nun, auch Nicole hat von „Ein BISSCHEN Frieden“ gesungen –
Und a bisserl was geht immer!
Vorher war’s durchaus noch schlimmer …
Hey, ihr Vögel da oben – um euer Ziel zu erreichen,
Muss eure Route einem Zickzackkurs gleichen
Und niemals lasst den Spaß euch nehmen,
Zu segeln zwischen den Extremen!
Mal mit Tomahawk-Versprechung’n Selensky stützen,
Dann den Intressen Putins nützen,
Mal wird beinhart von der Brüssler Rotte
Das Sanktionspaket Nr. 19 verhängt,
Derweil die Russ’sche Schattenflotte
Wohl bald 2.000 Schiffe lenkt.
Ja, ein Biomatsch darf jetzt nicht mehr Veggiewurst heißen,
Aber sonst kann man uns gerne weiterbescheißen …
In Berlin muss Steinmeier hinaus –
Das Schloss Bellevue wird restauriert,
Der Ostflügel vom Weißen Haus
Dagegen restlos wegplaniert,
Weil der Schlossherr verlangt, einen Ballsaal zu kriegen –
Nun, das wisst ihr, mit einem Flügel kann man nicht sehr lang fliegen.
Und vielleicht ist’s ja mit Trumps Höhenflug
Im nächsten Jahr dann auch genug, liebe Vögel?

Mit 60 (Unterm Wolfdutzend)
Bin ganz ohne Arg unter die Wölfe gegangen, Von denen mich Zwölfe vom Sarg aus ansprangen. Gegen Vierenundzwanzig musst ich mich noch wehren, Mit Sechsenunddreißig mich schließlich vermehren. Von Achtenundvierzig hab ich’s Heulen gelernt Und mit Sechzig den Rest meines Menschseins verlernt.
Wie Wölfe, kommt so viel Veränd’rung im Dutzend
Und wird dich aus Angst und Bequemlichkeit catchen.
Nur will ich, das niemals Bestellte doch nutzend,
Zumindest meine Zähne fletschen …

Nara Rehkekse, 10 Yen
Eine Großstadt voller Rehe
In sehr ungewohnter Nähe.
Ihre Art stand da als Standard,
Dem man dann zu Fressen anbat.
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