Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Einakter

Alles, was zwölf Zeilen überschreitet.


  • Top of Eze & das zweitausendachthundertachtundsechzigste Gedicht

    Blick vom Botanischen Garten in Éze

    Die Miete
    Mein viertes – und letztes – Ripostegedicht auf „Die Made“

    Hinterrücks trifft dich die Kunde
    Einer Mieterhöhungsrunde.

    Nun, steigt die Miete übern Lohn, da
    Wird’s Zeit für ’nen Mitbewohner!
    Ein winziges möbliertes Zimmer
    Zieht in Cityvierteln immer.
    Im Prinzip nicht diffizil, irgendwen zu finden –
    Impliziert nur inklusiv, sich an ihn zu binden.
    Richtigliegen ist schier Pflicht!
    Hier bewirbt sich im Gedicht:
    Dimitri aus Merkantilien,
    Macht in Imbiss-Immobilien –
    Was vom Spirit irritiert,
    Doch dir sichtlich imponiert.
    Denn Liquidität und Business-Stil
    Sind mithin wichtig – easy Deal!

    Schwindlig fix ist man sich quitt,
    Dimitri wohnt fortan mit,
    Verspricht dir gar Beginner-Tipps
    Fürs Mitspiel’n bei den Winner-VIPs!

    Doch was hier blindlings eingestielt,
    Ad infinitum abgezielt
    Mit finanziell’m Win-Win-Motiv
    Lief zwischenzeitlich kritisch schief.
    Denn schien’s dir irgndwie, Dimitri
    Investiert in Miete nie.
    Und im dritten Monat auf Kredit
    Ziert’s dich nicht mehr vor der Bitt‘,
    Weil’s dir ziemlich dringlich ist –
    Schließlich gilt die Mietzinsfrist,
    Und irre misslich ist sein Zieren,
    Hierin sich zu involvieren.

    Doch dein triftig Insistieren
    Wird er giftig kommentieren:
    „Bitte wie – wat soll denn ditte?
    Nix mit Investier’n in Miete!
    Linkische No-Limit-Ritte
    Und von Gier gezielte Tritte
    Sind in meinem Business Sitte!“ Schitte.

    Dies ist nur witzig und fiktiv,
    Doch denk im Still’n ich instinktiv:
    Gib Parteien nur dein Like, wenn
    Diese Miethaie enteignen!
    Bislang zieht man nur kleinen Fischen die Gräten,
    Und das nimmt weiter zu – trotz mehr Diäten!

    Kein Wunder, dass Mieter, Model, Marder und Erhardts Made mit Kind
    Der Weltenmakel müde sind


  • Orthodoxes in San Remo & das zweitausendachthundertsiebenundsechzigste Gedicht

    Orthodoxe Kirche in Sanremo

    Der Müde
    Mein drittes Ripostegedicht auf „Die Made“

    Tief in eines Traumes Sünde
    Schlief der Müde schön ’ne Stünde …
    Ja, endlich ist’s gemütlich leise,
    Denn der Müde ist jetzt Waise.
    Sieh, die Eltern, die er hatte,
    Hieb sein Unmut auf die Matte!

    Eines Abends sah’n die Alten
    (kurz vorm stumpfen Schädelspalten):
    „Drüben gibt es Alkohol – den wir hol’n, is eh gestohl’n –
    Zum Umtrunk auf des Bubens Wohl!

    Müde erinnert das Bübchen sich wieder
    Vom Bier geölt, grölt ruckzuck Lieder
    Sein genetisches Erzeugerpaar.
    Helene-Fischer-Repertoire
    Bracht schlaflos ihn durch manche Nacht –
    Drum gab’s Schlag Acht ’ne Schlagerschlacht!

    Und mit wütend rüder Attitüde
    Sucht der Müde nach ’nem Prügel …
    Gut gefüllte Biertrunkkrüge
    Stünd’n als Fundus zu Genüge
    Zur Verfügung
    Und mit Doom-Schwung
    Wummst der Bub mit Krug-Hub munter
    Rundum dumpf auf Stürnen ein –
    Kühn und ungezügelt brüllend
    Ungestüm den Blutdurst stüllend
    Rumms und Bumms ins Hürn hinein!
    Fürchterlich suppt’s auf die Stühle
    Künftig grüßt hier Corpus-Kühle,
    Schlusspunkt unter Pulsdruck-Schwund,
    Zuckt’s noch buttrig ungesund
    Kurzum: Im Wundenwunderland
    Ist Umzug in die Gruft geplant.
    Vaters Mund, zertrümmert, brüllt nich,
    Blutgelumpes Pfütze füllt sich,
    Mutters Pumpendurchfluss nullt sich –
    Urteilsspruch ohn‘ Ulk und Huld: Ich
    Find den Bub zu ungeduldig. Schuldig.

    Mum und Daddy soll man ehren –
    Oder gegen sie sich wehren!
    So sie nachtschlafraubend singen,
    Muss man sie zum Schweigen bringen.
    Wie’s hier geschah, dünkt hart, klar, bloß:
    Ihr Lieblingssong war Atemlos.


  • Coats d’Azur & das zweitausendachthundertfünfundsechzigste Gedicht

    Auf einem Balkon im Hafen von Nizza

    Die Mode
    Mein zweites Ripostegedicht auf „Die Made“

    Tief in eines Saumes Rande
    Sitzt die Mode im Gewande.
    Jahre sind ins Land gegangen,
    Aber die, die an ihr hangen,
    Kleiden sich noch immer so –
    Gurr’n gern um des Garnes Show.

    Der Designer sprach zum Model:
    „Trag du meine alten Zoddel!
    Sollt’s am Catwalk wer erkennen,
    Werden wir’s Upcycling nennen.
    Spiel derweil nicht grundlos dumm,
    Denn sonst holt dich Heidi Klum!“

    Schneiders Model aber strich
    Allen Fummel ab von sich –
    Und statt schummelnd, walkt die pride Deern
    In des Kaisers neuen Kleidern,
    Dass am New Chic Unbekleidet
    Sich manch Blick vorm Shitstorm weidet.

    Doch

    Der Modeshow-First-Row-Synode
    Entlockt’s verbockt ein „Oh, my God!“e,
    Denn voll devot und rot bekoppt golt dort in dem Dom der Mode
    Noch der orthodoxe Groll
    Oller Bloßer-Po-Verbote.
    Der Roben-Dresscode flowt gen Boden
    Oder ans Niveau der Hoden!
    Doch „No!“ der exponierten Fott –
    Selbst Ottos Mops motzt: „Gottohgott …“

    Droh’n solch verrohte Modelmoden,
    Gibt’s Gottlob Folterei-Methoden:
    Verdammt man Frau’n vernichtungsfroh,
    Entflammt man diese lichterloh!
    Und die Molotovcocktail-Bros jene Spots kennen,
    Wo lodenlos-wordene Showmodels brennen.
    En gros blowt so ein lodernd Brodem
    In Opfer-Bodys Todes-Odem! Show-Down.

    Es war, bevor jetzt jemand fragt,
    Der Nude Look halt nicht angesagt –
    Und kommt vielleicht auch nie in Mode.
    Nicht nur der Hubsi findet’s „Schode …!“


  • Winzerer-Denkmal & das zweitausendachthundertsechsundfünfzigste Gedicht

    Bad Tölz Marktstraße, Winzerer-Denkmal

    Im Privilegienpflegemodus

    In Alte-Männer-Leibern kompostieren all die Jahre
    Stumm ertrag’ner Zumutungen, ausgefall’ner Haare …

    Ich werd niemals die Ruhe finden,
    Den erblüh’nden Balkon zu genießen
    Und meiner Privilegien Rinden
    Mit Nahrhaftigkeit zu begießen.
    Ich werd wie gewohnt weiter Tanzflächen mähen –
    Den Besitzanspruch lass ich verprickeln,
    Lausch nachsichtig trendigem Vorwürfe-Blähen,
    Begnüg und vergnüg mich mit Halmebefrickeln.
    Ich hab der Bundesgartenschau
    Kein Blühen vorzuwerfen,
    Doch nachts sympathisier ich mit
    Der Wühlmaus und den Kerfen,
    Dass sie das Rabiate
    In der Beetversorgung pflegen,
    Und das baldige Umbruch androhende Knistern
    Mit galantem „Nein, ich bin dagegen!“ –
    Derweil heg ich mein Pflanzgefäß und was ich dort vollbracht
    Im Privilegienpflegemodus, möglichst leis und sacht.


  • Blütenpracht & das zweitausendachthundertdreiundfünfzigste Gedicht

    Blüten im Echstenkämperweg

    Ein naives Gedichtgedicht

    Beim Weltuntergang sich mit Gedichten befassen?
    Als gäb’s keine weit’ren Probleme …!

    Ich weiß – doch ich kann halt von Versen nicht lassen,
    Denk immerzu nur an Poeme!

    Im Todeskampf fortwährend Reime zu suchen?
    Als zählten alleine Gedichte!

    Der Krebs will all meine Gedärme verfluchen –
    Da ich ihm von Goethen berichte …

    Mit Zahnschmerzen sich durch Metaphernrausch träumen?
    Als schwiege des Eiterherds Pochen
    Dank Zutrittsverbotes von lyrischen Räumen
    Und Karies säh ab vom Durchlochen!

    Nun, habe ich Verse – vor was wär mir bang?
    Was könnte Euterpes Glück schrecken?
    Nicht Zahnschmerzen, Krebs oder Weltuntergang
    Sind fähig, Gefühle zu wecken.


  • Eibseerundweg & das zweitausendachthunderteinundfünfzigste Gedicht

    Blick über den Eibsee

    Alte Alben

    Ich schau mir alte Fotos an
    Und staune, wie tot ich schon bin.
    Voll aufgestauter Hässlichkeit,
    Wo Lässigkeit einst drin.

    Ich schau mir alte Fotos an
    In Trauer um was ich dort seh.
    Die Flotte meiner feinen Gang –
    Umkauert vom Adé …

    Ich schau mir alte Fotos an
    Und starte älter auszuseh’n –
    Der ich doch immer jünger schien.
    Wie ist denn das gescheh’n?

    Ich schau mir alte Fotos an –
    Sie öffnen die Pforte zum Schmerz.
    Der Kipppunkt überwunden und
    Schon hinterm Grenzpfahl gärt’s.

    Es schau’n mich alte Fotos an,
    Gesotten in Namensverlust –
    Ich schau mir alte Fotos an,
    Voll Nostalgie und Frust.


  • Maximiliansinsel & das zweitausendachthundertfünfzigste Gedicht

    Maximiliansinsel im Eibsee

    Habe nun, ach!

    Ich wüsste gerne so viel mehr
    Von so und so viel Dingen!
    Doch wo bekomm ich Wissen her?
    Man kann’s ja nicht erzwingen.

    Nun, unser Dasein ist begrenzt
    Von Sinn und Lebensjahren.
    Doch manches Pfiffiküsschen glänzt –
    Scheint alles zu erfahren …

    Ach, könnte ich vorm Grauen Star
    Die Nachtigall erkennen,
    Am Blatt und an der Rinde Ma-
    serung ’nen Baum benennen!

    Ach, wüsste ich vom 30jährigen Krieg
    Doch mehr als dessen Dauer!
    Und mit einem My aus dem Reich der Physik
    Wär ich bedeutend schlauer …

    Wenn ich dereinst final verderb,
    So hätt ich mein Dasein, das damit dann endet,
    Zumindest in puncto Wissenserwerb
    In vielerlei Hinsicht doch vollends verschwendet!


  • So groß & das zweitausendachthundertvierundvierzigste Gedicht

    So groß - Skulptur am Starnberger See

    Der Schuster

    Ich werde behalten: Du warst Schuster,
    In meinem Kosmos der Schuster der Welt.
    Es war deine Werkstatt stets maximal duster
    Und alles von raschen Maschinen umstellt.

    Es schien niemand den richtigen Preis zu bezahlen,
    Als sei die Arbeit Lohn genug
    Von denen, die dich gerne weiterempfahlen
    Als Mitwisser am Selbstbetrug.

    Ich hoffe, die Rechnung ging letzten End’s auf
    Durchs probate Spendieren von Runden.
    Wer so gewichtet, zahlt vermutlich nicht drauf,
    Hat bereits unsre Zeit überwunden.

    Die Tür deiner Werkstatt fiel längst schon ins Schloss –
    Ein Verlust, der, so hoffe ich, irgend’nen Gott schert.
    Schon seltsam, wohin all die Zeit seither floss …
    Und die großen Maschinen beziffert ihr Schrottwert.


  • Frühlingsnebel & das zweitausendachthundertsiebenunddreißigste Gedicht

    Im Nymphenburger Schlosspark

    Dieses eine Bier!

    Ein kühl und warm mich küssendes Bier
    Berinnsalt meine Kehle
    Und jeder Schluck besinnt: „Bin dir
    Ein Kleinjuwel der Seele!“

    Göttlichkeit, die längst erlöst
    Vom Religions-Gebete,
    Dass jeder Sinn schmeckt eingemöst
    Vom Sex mit Nofretete.

    Ach, tretet Jesus, Mohammed, …
    Genüsslich in die Tonne –
    Hier kommt ein Heiland, doppelt fett,
    Und rüstet mich mit Wonne!

    Auch wenn mich die mähliche Ahnung umkurst:
    Vielleicht hatt‘ ich einfach nur wirklich viel Durst.


  • Methanleitung & das zweitausendachthundertachtundzwanzigste Gedicht

    Methanleitung Warnschilder vor Murano

    Vor Traunstein mau dreinschau’n

    Ein paar Haltepunkte vor Traunstein
    Stellt sich bei mir stetig das Grau’n ein.
    Denn hinter den Hecken- und Zaunreih’n,
    Da keltern sie Biere und brau’n Wein –
    Die Kerle eh’r grob, ihre Frau’n fein
    (die trotzdem bestaunen der Pfau’n Schein!).
    Ich mag dir den Trip nicht versau’n, nein,
    Da Städter, sobald sie sich stau’n, schrei’n:
    „Ihr Dörfler spielt gerne die schlau’n Lai’n,
    Doch fallt im Akkord auf die Blau’n rein!“
    Da kann man nur vor dem Verdau’n spei’n …
    Da sollten die von solchen Klau’n Frei’n
    Die sowas bewow!en verhau’n! Kein
    Zweifel, du darfst, bist du down, cry’n!
    Es mag nur ’ne Show deiner Laun’n sein,
    Doch muss man nach Sorgendurchkau’n wein’n!
    Da leisten sich die zu Genau’n ein’n
    Fauxpas, weil sie voreilig raun’n, dein
    Problem wär nach näh’rem Beschau’n klein –
    Du hätt’st doch trotz Zeitenverrau’n Schwein!
    Das kannst du den Bauern der Gau’n leih’n –
    Ein paar Haltepunkte vor Traunstein!


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