Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Einakter

Alles, was zwölf Zeilen überschreitet.


  • Blütenpracht & das zweitausendachthundertdreiundfünfzigste Gedicht

    Blüten im Echstenkämperweg

    Ein naives Gedichtgedicht

    Beim Weltuntergang sich mit Gedichten befassen?
    Als gäb’s keine weit’ren Probleme …!

    Ich weiß – doch ich kann halt von Versen nicht lassen,
    Denk immerzu nur an Poeme!

    Im Todeskampf fortwährend Reime zu suchen?
    Als zählten alleine Gedichte!

    Der Krebs will all meine Gedärme verfluchen –
    Da ich ihm von Goethen berichte …

    Mit Zahnschmerzen sich durch Metaphernrausch träumen?
    Als schwiege des Eiterherds Pochen
    Dank Zutrittsverbotes von lyrischen Räumen
    Und Karies säh ab vom Durchlochen!

    Nun, habe ich Verse – vor was wär mir bang?
    Was könnte Euterpes Glück schrecken?
    Nicht Zahnschmerzen, Krebs oder Weltuntergang
    Sind fähig, Gefühle zu wecken.


  • Eibseerundweg & das zweitausendachthunderteinundfünfzigste Gedicht

    Blick über den Eibsee

    Alte Alben

    Ich schau mir alte Fotos an
    Und staune, wie tot ich schon bin.
    Voll aufgestauter Hässlichkeit,
    Wo Lässigkeit einst drin.

    Ich schau mir alte Fotos an
    In Trauer um was ich dort seh.
    Die Flotte meiner feinen Gang –
    Umkauert vom Adé …

    Ich schau mir alte Fotos an
    Und starte älter auszuseh’n –
    Der ich doch immer jünger schien.
    Wie ist denn das gescheh’n?

    Ich schau mir alte Fotos an –
    Sie öffnen die Pforte zum Schmerz.
    Der Kipppunkt überwunden und
    Schon hinterm Grenzpfahl gärt’s.

    Es schau’n mich alte Fotos an,
    Gesotten in Namensverlust –
    Ich schau mir alte Fotos an,
    Voll Nostalgie und Frust.


  • Maximiliansinsel & das zweitausendachthundertfünfzigste Gedicht

    Maximiliansinsel im Eibsee

    Habe nun, ach!

    Ich wüsste gerne so viel mehr
    Von so und so viel Dingen!
    Doch wo bekomm ich Wissen her?
    Man kann’s ja nicht erzwingen.

    Nun, unser Dasein ist begrenzt
    Von Sinn und Lebensjahren.
    Doch manches Pfiffiküsschen glänzt –
    Scheint alles zu erfahren …

    Ach, könnte ich vorm Grauen Star
    Die Nachtigall erkennen,
    Am Blatt und an der Rinde Ma-
    serung ’nen Baum benennen!

    Ach, wüsste ich vom 30jährigen Krieg
    Doch mehr als dessen Dauer!
    Und mit einem My aus dem Reich der Physik
    Wär ich bedeutend schlauer …

    Wenn ich dereinst final verderb,
    So hätt ich mein Dasein, das damit dann endet,
    Zumindest in puncto Wissenserwerb
    In vielerlei Hinsicht doch vollends verschwendet!


  • So groß & das zweitausendachthundertvierundvierzigste Gedicht

    So groß - Skulptur am Starnberger See

    Der Schuster

    Ich werde behalten: Du warst Schuster,
    In meinem Kosmos der Schuster der Welt.
    Es war deine Werkstatt stets maximal duster
    Und alles von raschen Maschinen umstellt.

    Es schien niemand den richtigen Preis zu bezahlen,
    Als sei die Arbeit Lohn genug
    Von denen, die dich gerne weiterempfahlen
    Als Mitwisser am Selbstbetrug.

    Ich hoffe, die Rechnung ging letzten End’s auf
    Durchs probate Spendieren von Runden.
    Wer so gewichtet, zahlt vermutlich nicht drauf,
    Hat bereits unsre Zeit überwunden.

    Die Tür deiner Werkstatt fiel längst schon ins Schloss –
    Ein Verlust, der, so hoffe ich, irgend’nen Gott schert.
    Schon seltsam, wohin all die Zeit seither floss …
    Und die großen Maschinen beziffert ihr Schrottwert.


  • Frühlingsnebel & das zweitausendachthundertsiebenunddreißigste Gedicht

    Im Nymphenburger Schlosspark

    Dieses eine Bier!

    Ein kühl und warm mich küssendes Bier
    Berinnsalt meine Kehle
    Und jeder Schluck besinnt: „Bin dir
    Ein Kleinjuwel der Seele!“

    Göttlichkeit, die längst erlöst
    Vom Religions-Gebete,
    Dass jeder Sinn schmeckt eingemöst
    Vom Sex mit Nofretete.

    Ach, tretet Jesus, Mohammed, …
    Genüsslich in die Tonne –
    Hier kommt ein Heiland, doppelt fett,
    Und rüstet mich mit Wonne!

    Auch wenn mich die mähliche Ahnung umkurst:
    Vielleicht hatt‘ ich einfach nur wirklich viel Durst.


  • Methanleitung & das zweitausendachthundertachtundzwanzigste Gedicht

    Methanleitung Warnschilder vor Murano

    Vor Traunstein mau dreinschau’n

    Ein paar Haltepunkte vor Traunstein
    Stellt sich bei mir stetig das Grau’n ein.
    Denn hinter den Hecken- und Zaunreih’n,
    Da keltern sie Biere und brau’n Wein –
    Die Kerle eh’r grob, ihre Frau’n fein
    (die trotzdem bestaunen der Pfau’n Schein!).
    Ich mag dir den Trip nicht versau’n, nein,
    Da Städter, sobald sie sich stau’n, schrei’n:
    „Ihr Dörfler spielt gerne die schlau’n Lai’n,
    Doch fallt im Akkord auf die Blau’n rein!“
    Da kann man nur vor dem Verdau’n spei’n …
    Da sollten die von solchen Klau’n Frei’n
    Die sowas bewow!en verhau’n! Kein
    Zweifel, du darfst, bist du down, cry’n!
    Es mag nur ’ne Show deiner Laun’n sein,
    Doch muss man nach Sorgendurchkau’n wein’n!
    Da leisten sich die zu Genau’n ein’n
    Fauxpas, weil sie voreilig raun’n, dein
    Problem wär nach näh’rem Beschau’n klein –
    Du hätt’st doch trotz Zeitenverrau’n Schwein!
    Das kannst du den Bauern der Gau’n leih’n –
    Ein paar Haltepunkte vor Traunstein!


  • Heilig Kreuz & das zweitausendachthundertzehnte Gedicht

    Heilig Kreuz (alte Kirche) in Icking

    Dein schönstes Gedicht

    Und schriebe ich ihr ein Gedicht,
    So sei’s von Kunstgriffen befreit.
    Kaleko raunt: „Ich schrieb es nicht!“
    Doch ich fühl mich dazu bereit.

    # Soll Unbeholfenheit mich führen –
    # Für dich mag ich ein Laie sein!
    # Obzwar Juwelen dir gebühren –
    # Es dreht sich nur um Mark und Bein.

    Und schriebe ich ihr dies Gedicht –
    Es könnt Enttäuschung zeugen:
    Vielleicht erschien es ihr zu schlicht.
    Nun, sollt ich mich dem beugen?

    # Für dich muss, aller Wortlast frei,
    # Der pure Text genügen.
    # Und fändest du’s zu einerlei –
    # Könnt dein Geschmack sich fügen?

    So schrieb ich dies Gedicht ihr nicht.
    Im Repertoire klafft fort das Loch –
    Der Leichtigkeit trotzt das Gewicht.
    Kaleko ruft: „Na, sag ich doch!“


  • Vorletzter Mond & das zweitausendsiebenhundertachtundneunzigste Gedicht

    Mond über Moosach

    Dezember, Update (Jahresrückblick 2025)

    Da haben wir mit letzter Kraft
    Es an die Ziellinie geschafft!
    Doch jetzt bitte hier nicht schon zur Abreise packen –
    Der Dezember gibt uns noch manch Schlag in den Nacken:

    Der Mitmach-Jihad für Jedermann
    Knüpft wieder an frühere Anschläge an:
    15 Opfer am anderen Ende der Welt
    Für das Ende des Tötens sorgt der Bondi-Beach-Held,
    Dessen Herkunft dann vorschnelle Schlüsse verhindert
    Und das Hetzpotential rechter Stimmen vermindert.

    Israel erkennt plötzlich Somaliland an,
    China droht so wie gewohnt gen Taiwan …
    Aber: Waffenruhe! Zwischen Kambodscha und Thailand. Gut, klar:
    Das gab’s schon einmal dieses Jahr.
    Derweil Schwärzungsstifte über die Epstein-Files huschen
    Zur Melange aus Freigabeweitervertuschen …

    Rosa von Praunheim beendet die letzte Show,
    Chris Rea fährt heim, Brigitte Bardot.
    Thomas Gottschalk – keine Angst, ging nicht ganz von uns, nö –
    Sagte krankheitsbedingt nur dem Spotlight Adieu.

    Das willige Europa einigt sich in Berlin,
    Als Security-Wachdienst zusammenzuzieh’n,
    Weit’re Treffen, neue Pläne und Verstreichen von Zeit …
    Doch es braucht wen, der Russland von Putin befreit.
    Das eingefrorene Geld sollte man dazu nützen,
    Aufbegehrende Jugend in Moskau zu stützen –
    Dann bleibt das Vermögen zumindest im Lande
    Und hilft bei der Säub’rung von Wladimirs Schande.

    Nach Adventskalendern öffnet man Sparkassentürchen
    In – ausgerechnet! – Gelsenkürchen!
    Im Iran regen sich Streiks und Demonstrationen,
    Dann phantasiert jemand von 91 Drohnen
    Und damit man dies Jahr nicht im nächsten vergisst,
    Lern’n wir, was ein Flashover ist.

    Und ein kurzer Blick in die Glaskugel …
    Zu Neujahr heißt’s nach Straßenkrieg wieder devot:
    Ja, sicher wär’s sich’rer mit Böllerverbot.


  • Abbau & das zweitausendsiebenhundertneunundachtzigste Gedicht

    Backstage Clubbühne nach dem Toxoplasma-Konzert

    Toxoplasma im Backstage (Gedichtrezension)

    Nun mit so vielen Jahren Verspätung
    Dann doch Toxoplasma geseh’n.
    Ich erflehte mir damals das sehr jung,
    Nur ist es halt niemals gescheh’n.

    Vor der Zeche hab ich einst das Geld mir erschnorrt –
    Doch dann hieß es, sie sei’n schon vorbei.
    Heut bin ich viel knapper – mit Fahrschein! – vor Ort,
    Hab ein Online-Ticket für zwei:

    Der eine strahlt feist voll „Ich kann’s mir jetzt leisten!“,
    Der andre sein zierlicher Ahne.
    Es standen Spalier in solch Paaren die meisten
    Nach 40 Jahr‘ reifendem Plane.

    Hab nach all der Zeit heut Toxoplasma geseh’n
    Und „Asozial“ gesungen.

    Für dich mag dies schal Museales umweh’n.
    Für mich hat’s wie gestern geklungen.


  • Moosacher Beeren & das zweitausendsiebenhundertachtundachtzigste Gedicht

    Herbst in Moosach

    Eichenlaub

    Von meiner spät entschloss’nen Eiche
    Schwebt stetig, jeden Augenblick
    (auch wenn mir schwant, das ist ein Trick),
    Ein braun-entfärbtes Blatt hinab.

    Da ich das mit dem Baum abgleiche
    (der, wenn man ihn bedächtig misst,
    Nicht wirklich übermächtig ist),
    Ich Folgendes errechnet hab:

    Entlaubt er sich in jenem Takt
    (was selbstverständlich in der Nacht
    So niemand wirklich überwacht),
    Wär dieser Baum längst licht.

    Warum die Krone noch nicht nackt
    Trotz permanentem Starkverlust
    (war mir bislang auch ungewusst),
    Enthüllt nun dies Gedicht:

    Fühl’n sich die Blätter nicht beachtet
    (ob sichtgeschützt, ob weil es nachtet),
    Dann treten sie den Rückmarsch an

    Vom Stamm zum Ast zum Zweig zurück;
    Man rastet ein mit leisem Klick –
    Schon hängt man wie zu Anfang dran!

    Drum braucht der Abfall vom Behang
    Auch dieses Jahr besonders lang.


Die 272 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)


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