Land of the Free
Irrlichternd im Ultimatenrausch.
Vernichtungsschläge-Aufgebausch
Gart wortverrohtes Drohen.
Die Freiheit frisst sich selber auf
Mit größtbuchstäblichem Haudrauf …
Der Anstand ist entflohen.
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten
Gedichte und Fotos aus der Hauptstadt. Meine Heimstatt von 2002-2014 und danach einige Jahre noch mindestens einmal im Monat im Tourkalender. Mittlerweile viel zu selten.

Land of the Free
Irrlichternd im Ultimatenrausch.
Vernichtungsschläge-Aufgebausch
Gart wortverrohtes Drohen.
Die Freiheit frisst sich selber auf
Mit größtbuchstäblichem Haudrauf …
Der Anstand ist entflohen.

Der Sonne entgegen
Heut werd ich ohne Sonnenblenden
Der tiefsteh’nden Sonne entgegenspazieren.
Ich zwing sie, des Resttages Wärme zu spenden –
Sie end-gleißt, mich zu illuminieren.
Mein Jederschritt schlenzt gringohaft
Mit Desperado-Qualität!
Woher solch Überschuss an Kraft?
So deplatziert, so sinnlos spät …
Vielleicht ist das Leben eine Scheibe
Und man fällt übern Rand in das Nichts.
Ich streb geblendet, blind, und treibe
Mit glühender Stirn in den Wirr-Sog des Lichts.

Den Nachrückenden
Jeder Änderungswunsch wird mich nicht mehr betreffen.
Du schreist: Es wird Zeit für die Jungen!
Ich bin für dein Scheitern, mich nachzuäffen,
Doch zeitig zur Seite gesprungen?!
Wollte alles mit Unaufgeregtheit beseh’n –
In Hoffnung auf halbwegs vererbtes Versteh’n.
Nun ist der neue Abstand dir noch nicht genug.
Du schreist: Es braucht Platz für die Jungen!
Man schießt längst gestrandeten Schiffen vors Bug –
Das alles wirkt sehr sehr gezwungen.
Willst du’s nicht mal weniger aufgeregt seh’n
Auf ein Stündchen Lektüre Geerbtes Verstehn?
Ich wünsch nach dem Nachäffen weitere Schritte:
Zeit wird’s für’s Erschaffen von eigenem Platz!
Ja, einen der mich wirklich altfühl’n lässt, bitte –
Ich warte auf originären Rabatz!
Deine Kühnheit bewahr fürs Kreieren statt Erben!
Für solch einen Move, hey, da könnt ich glatt sterben!

Zurück nach Jahren
Über manchen Straßennamen
Steigt ein ganzer Himmel auf:
Windiger Legenden Rahmen,
Welt für manch Gedichtverlauf,
Pflaster längst verwundner Wunden,
Mein Triumphpfad für Sekunden.
Namen, Straße, Häuser auch –
Alles war mal Schall und Rauch.
Juli 2024 (Rückblick 7a)
Urlaubszeit und Sommerloch –
Nur Maschinen schuften noch,
Da Auto-Responses die Server erhitzen
Mit Abwesenheits-/Out-of-Office-Notizen.
Februar 2024 (Rückblick 2)
Sodann beschloss der Februar,
Dass dieses Jahr ein Schaltjahr war.
Und man schalt einander bis zur Spaltung,
Verdammte stets die Ampelschaltung:
„Leuchten Rot, Gelb und Grün – heißt das Fahr‘n oder Halten?!“
Ist ein Schaltjahr die Chance, einmal schneller zu schalten?
Die Fregatte „Hessen“ kriegt ihr Go!,
Den „Taurus“ bremst das Kanzler-“No!“
Der Ukrainekrieg feiert den zweiten Geburtstag,
Macron denkt ob Bodentruppeinsätze kurz nach,
Es lässt die Wut im Gazastreifen
Die nächste Brut der Hamas reifen,
Zum Berlinale-Finale lärmen Antisemiten
Und die Bild fragt: „Frau Roth, lassen Sie sich das bieten?“
Ja, die Welt scheint in Entscheidungsnot:
Wie, wann und wo intervenieren?
Plötzlich heißt es, pardauz!, „Der Nawalny ist tot!“
Ja, wie konnte denn sowas passieren?
Die Konflikte, die Krisen, die Kriege – sie drängeln,
Dringen uns ins Gemüt wie Saharasand –
Vielleicht gräbt das Bezahlkarten-Flüchtlinge-Gängeln
Einen dichteren Ruhewall um unser Land!?
Drinnen jagen wir emsig RAF-Pensionäre –
Auf dass die Welt bald sich‘rer wäre.
Was sie am letzten Februar
Dann leider Gottes doch nicht war.
Auf Dampfe
Ick war ja jüngst auf Dampfafahrt
Auf Brandenburger Seen.
Ditt, musiksaan, war recht apart –
Nee, Brandenburch is scheen!
‚Ne Nachbarsfreundschaft sacht, se spart,
Um späta an so’n Seen zu zieh’n.
Ditt fändick dann ja doch zu hart –
Wozu jipt’s Dampfa in Balin?!
Urlaub im Stillen
Die sandverstaubte Kiefernluft
Ist Brandenburg bei Hitze.
Man steht im trüben Mümmelsee
Und reißt gedörrte Witze.
Du denkst im Stillen: „Ossi-Duft.“ –
Doch bändigst alle Klagen.
Bleibt Brandenburg auch ein Klischee –
Es neigt zum Überragen.
Alte Bekannte
Meine alte Badestelle
Kennt noch immer meinen Namen.
Leicht verwirrt sie das Gefälle
Der mir zugeneigten Damen.
Denn Badestellen werten Leute
Nur an ihrer Freud zu schwimmen.
Die war nie so groß wie heute –
Ja, ich denk‘, das könnte stimmen …
Die Ex-Bewohner Venedigs (klein)
In Klein-Venedig sind jetzt manch
Großkopferte gelandet,
Die laden generös zum Lunch.
Wer hier vordem gestrandet
Lobt angesäuert: „Schön jemacht –
Da ließ sich wer wat kosten!“
Die trag’n noch Dialekte-Tracht
Mit Sehnsuchtsblick nach Osten.
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