Lowleveleinigkeit
Bin ’ne Zu-wenig-Leistung-bei-zu-viel-Verbrauch-Show!
Du findest das scheiße – und ich seh das auch so …
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten
Verse für die Choleriker, denen man Feuer, Sommer, Mittag und die Adoleszenz zuordnet.
Die appellativen und derben Gedichte.
Vom Schmägedicht bis zur Gossenlyrik. Auch mit einem Gedicht von Julia Engelmann, von mir selbst geschrieben.
Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Wasser entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!

Lowleveleinigkeit
Bin ’ne Zu-wenig-Leistung-bei-zu-viel-Verbrauch-Show!
Du findest das scheiße – und ich seh das auch so …

APRIL 2026 (Jahresrückblick IV)
Die Asia-Hornisse stürmt die Gliedertierwelt,
Da in Hamburg ein Wolf ’ne Passantin anfällt –
Doch noch biestiger, glaub mir,
Ist das menschliche Raubtier …
Es gab 2.600 Kriegsdienstverweigerung’n im ersten Quartal
Und 350.000 Bewerbung’n bei Rheinmetall.
Was zeigt, in welch Richtung der Wind heftig dreht,
Der im Land der Reformstaus das Phlegma umweht.
Zwar wird auf Schulstreiks strikt gegen die Wehrpflicht skandiert,
Doch Verhandlungen boomen, nach den’n gar nichts passiert
Und Friedensfürst Trump schießt sich jetzt auf den Papst ein.
Er malt sich als Jesus – doch will nur ein Arzt sein.
Was der Welt herzlich wenig Erlösung verspricht.
Doch per Ablösung rückt etwas Hoffnung ins Licht:
… auf ABBA „Thank you for the music“
16 lange Jahre haben wir nach Ungarn ungern geschaut,
Wie’ne Pest hat Budapest uns Bruder Victor Orban versaut.
Er hat Europa gespalten, gegen Homos gehetzt,
Er hat EU-Interna stets an Putin verpetzt –
Autokraten sind – unter’nander geschätzt
Mitunter doch sehr gut vernetzt.
Stur hat er per Veto der Ukrainehilfen Geldfluss blockiert
Von asozialer Geltungssucht und nationalem Ego borniert.
Schien der ewige Sieger, dann versauten ihm’s ganz:
Die Wahlkampfunterstützungen durch Trump und der Wanz‘!
Autokraten sind – zumindestens ab jetzt
Nicht per se als Sieger gesetzt. Wir sagen:
Danke fürs Gemurkse – du kannst jetzt gehen,
Wir sag’n Auf Niewiedersehen!
Denn ein Victor wen’jer ist für die Demokratie
Ein Victory!
Weil wir jetzt merken, wir sind stärker als die,
Sagen wir Danke fürs Gemurkse, für Gift und Bulimie!
(… weil wir doch mehr sind als die, sagen wir)
Danke fürs Gemurkse, für Gift und Bulimie!

MÄRZ 2026 (Jahresrückblick III)
Festgemauert wird um 12 der Spritpreis auf das Schild gebrannt –
Teurer wird’s heut nimmer werden – auf, den Zapfhahn in die Hand!
Weh, der Straße namens Hormus fehlt es an Geschmeidigkeit,
Da der Influencer-Himmel über Dubai „Helft uns!“ schreit …
Der Weg durch die Meerenge wechselt im Nu:
Ist auf – zu – auf und wieder zu.
Doch wo Rohöls Kräfte sinnlos halten,
Wird sich der freie Markt entfalten
Und der Schmierstoff des Wohlstands wird unverschämt teuer!
Es zähmt auch den Übergewinn keine Steuer …
Teurer wird das Leben werden – doch die Regierung, die euch liebt,
Verspricht nun allen 1.000 Euro (nun, die euch jemand and’res gibt!)
Und nehmet hin ’nen Tankrabatt!
Gott, hamwa dat Gezanke satt,
Wenn man für Sprit mal mehr berappt!
Da Zuversicht sich arg verknappt,
Frau Bas in fette Näpfchen tappt
Und Timmy auf ’ne Sandbank schwappt,
Mault alles, dass schier nichts hier klappt!
Ja, dies Land, wo Epstein Ulmen heißt,
Ist sooo lang schon erfolgsverwaist –
Man vermisst das alte Wachstums-Plus,
Es mangelt auch an Gas vom Russ‘ –
Nur an Unmut, Wut, Frust und Verdruss
Herrscht hier im Lande Überfluss.
Immerhin: BaWü bleibt grün – dank rehbrauner Augen,
Die dem Sieg der Union die Prozente aussaugen.
Und zeitgleich verläuft dann in München die Wahl
Für Hochross und Reiter eh’r suboptimal.
Sehet: tatsächlich gleich zwei grüne Sieger!
Doch drängt’s jetzt auf die Bühne Krieger,
Die aus der Höcke heraus, unter Pöpler-Applaus
Als Alternative erstmals Umfragen toppen.
Ist die Demokratie, unsre Schutzglocke, hie?
Wie lässt sich nun noch rechter Höhenflug stoppen?
Nun, die Prüf-Demos besucht, wer findet,
Dass das nicht mehr von selbst verschwindet …
Unsre Koalition ist – und das sagt nicht nur sie –
Die letzte Patrone der Demokratie.
Und wird diese im Machtpoker sinnlos verschossen,
Wird uns keine Schutzglocke nochmals gegossen!
Oder nach Schiller:
„Nichts Heiliges ist mehr, es lösen
Sich alle Bande frommer Scheu,
Der Gute räumt den Platz dem Bösen,
Und alle Laster walten frei.
Gefährlich ist’s, den Leu zu wecken,
Und grimmig ist des Tigers Zahn,
Jedoch der schrecklichste der Schrecken
Das ist der Mensch in seinem Wahn.“
Drum auf, zur Mitte, herein! Herein!
Lasst uns die alte Glocke weih’n
Zu übertön’n der Ränder Schrei’n:
„Alarmglocke“ soll ihr Name sein.

Februar 2026 (Jahresrückblick II, 2)
Halb elegant frag ich, was war
Noch relevant im Februar?
Olympia startet und Lindsey Vonn stürzt,
Bei der Integration werd’n die Kurse gekürzt,
Bad Bunny würzt den Super Bowl,
Gil Ofarim siegt superhohl
Im Dschungel, auf dass von euch niemand vergisst,
Wie höchst telegen eine Abbitte ist,
Weil’s wie’n Pavian-Waise die Herzen rührt,
Wenn’s zu seinen Best Buddy ’nen Stoffaffen kürt.
Voll niedlich, so Affen! Wer rafft da das Drama
Um Affenbilder von Obama?!
Die Sagrada Familia wird vollendet, Anke Engelkes Bahnwerbung eingestellt,
Da Saviour Xavier Naidoos Wahn ’ne klare 10 von 10 erhält.
Pakistan und Taliban sind kriegsbereit seit Tagen,
Bei uns wird in der Deutschen Bahn ein Kontrolleur erschlagen,
El Menchos Tod schürt einen Banden-Furor
Und Deutschland bangt vorm Schufa-Score.
Es gibt Rücktritte wegen der Epstein-Affaire,
Die Artemis-Mission missioniert uns, es wäre
Unser Planet wieder doppelt so schön,
Wenn wir uns ans Hinter-dem-Mond-Leb’n gewöh’n.

Februar 2026 (Jahresrückblick II, 1)
Da der Ukraine-Krieg sich schon zum vierten Mal jährt,
Die Weltlage uns neuen Nachwuchs gebährt.
Und weil Mullah-Mutti Chamenei bei der Entbindung verschied,
Vater Trump seinen Balg jetzt alleine erzieht.
Er tauft ihn – ganz Heißsporn – „Gewaltige Wut“!
Oh, da schwant schon so manchem: Das endet nicht gut …
Ganz Europa jault Protestgenöhl,
Pete Hegeseth krault sich das Gemächt –
Denn „Völkerrecht“ ist ohne „öl“
Bloß fuckin‘ stumpfes „Vkerrecht“ –
Drum Barbarei statt Babybrei,
Mehr Ultimaten statt Penaten!
Doch Sanchez lässt von Spanien kei-
ne Kampfbomber mehr starten.
„Das ist nicht unser Krieg“, tönt auch Herr Merz –
Denn er will für das Gör keinen Unterhalt blechen.
Nur, willst du mit Trump kein’n persönlichen Terz,
So solltest du nicht in dies Wespennest stechen!
Wo’s schon ob des Supreme Courts Entscheidungen grollt,
Weil man keinen Respekt Donalds Zoll-Liste zollt.
Nur Parteifreunde freu’n sich, dass Friedrich so brennt
Und sie wähl’n ihn zum Vorsitz mit neunzig Prozent!

Januar (Jahresrückblick 2026)
Kurz nach dem Korkenknallen war es –
Da lern’n wir die erste Vokabel des Jahres:
„Flashover“ in Crans-Montana, drauf „Blackout“ in Berlin –
Die Vulkan-Gruppe löscht da das Licht aus. Grad zu Kai Wegners Tennistermin!
Auch der Merzfritze prägt einen neuen Begriff,
Denn der Leistungsbereitschaft im Land fehlt’s an Schliff,
Und das prangert er an als „Lifestyle-Teilzeit“.
Weil alles „Thailand-Reise, geil!“ schreit.
Derweil bleib’n weitgeh’nd ohne Likes:
Die ÖPNV-Verdistreiks
Dann wird, was im Land an Verkehr sich noch regt
Vom Wintereinbruch abgesägt.
Eiskalt erwischt’s manch Fußballspiel –
Boah, mit dem Stillstand in Deutschland wird’s langsam zu viel!
Was noch läuft, ist ein Drohnenmegadeal
Mit der MAGA-Ratte Peter Thiel –
Ja, so sonderbar versandet das „Sondervermögen“ …
Gewählt zum Unwort des Jahres – wer fragt noch „Wöswögen?“
Nun, wenn’s dem Herrn Dichter hier nicht mehr gefällt –
So richt‘ er sein’n Blick auf den Rest dieser Welt!
In Cordoba entgleist ein Zug,
Was 46 tötet,
Da in Gaza der Plan für ’nen Friedensversuch
Zur zweiten Runde trötet;
In Aleppo werd’n Kurden zu Freiwild erklärt –
Was der Westen der neuen Regierung gewährt.
Nun, man muss im Klan der Chilligen
Gewisse Dinge billigen …!
Im Iran begehrt das Volk auf, protestiert unverdrossen.
Doch bevor dort was kippelt, wird alles zerschossen.
Und dann muss man für die Leichen von Töchtern und Söhnen
An die Mörder zunächst das „Patronengeld“ löhnen.
Ja, es kann unser Klan der Chilligen
Auch solche Dinge billigen!
(nunja, kurzer Spoiler – ich bin mal so frei,
Es folgt in dem Jahr noch ein Teil Nummer Zwei!)
Das EU-Abkommen mit Mercosur
Dräng’n Grüne und Rechte vereint aus der Spur –
So erntet man mal in der Landwirtschaft Wähler
Denn die woll’n keine Steaks hier aus … Venezuela.
Dort setzt jetzt Maduro Ausgehtrends
Für junge Jogginganzug-Fans:
„Die findisch im Flugzeug und Zug voll bequem!“
Sobald sowas trendet, muss niemand sich schäm’n.
Und überhaupt: Scham – is soo Zweitausendzehn,
26 bekomm’n wir Entgrenztes zu seh’n!
Musks „Grok“ erzeugt freizügig Bottomless Pix –
Die verbergen – konträr zu den Epstein-Files – nix!
Und ohne weit vorauszutraben:
Es war das Jahr der Großbuchstaben.
Und niemand schrieb größer und stilbefreiter
Und stetig aggressionsbereiter
Als Kampfschlumpf Trump auf Truth Social Truth –
Ein Mann noch schlechter als sein Ruf!
Voll ungebremster Headline-Gier
Und offenkundig geistig wirr.
Das Gernegroß macht in Davos
Die anderen Staatschefs ganz friedenratlos –
Mit dem „Board of Peace“ stellt Donald klar:
Die NATO ist dem Tode nah, UN – das steht für UNdankbar
Und auch der letzte Hort deutscher Glückseligkeit
Wird um seine Idylle betrogen:
Oh, Apokalypse, nun ist es soweit –
Bushido ist samt seiner Brut in Grünwald eingezogen!
Man glaubt schon ans „Schlimmer geht’s nimmer!“ – und doch
Es bleiben uns ganze elf Monate noch …

Erde, nur geborgt
Ihr alten Säcke – und Taschen – bedenkt:
Die Welt, die euch dahingeschenkt
Samt dem Netz, das euch treu mit Gesprächsstoff versorgt –
Ihr habt all dies nur vom Algorithmus geborgt!

Hinten im Korn
Wenn ich das Korn mäh‘, dann mäh‘ ich es vorn
Weil hinten im Korn – da mäh‘ ich nicht gern
Da hab‘ ich Frau und Kind verlor’n
Hinten im Korn
Drum mäh‘ ich nur vorn, wenn ich mähe im Korn
Mir reicht ja ein Brot, denn die Liebsten sind tot
Ich hab sie verlor’n
Hinten im Feld
Denkt Mensch, dass er als Erster da war
Sitzt dort bereits der Skandinavier
Er hockt stets auf Halmhöh‘, die Ähren vor Kopf
Nur die kreisende Saatkräh’ späht den flachsblonden Schopf
So kennt und erkennt man den Skandinavi-er
Blondschopf, Kopf, Hals, Leib und dran die zwa Skier
Drauf pirscht er nächtens und raschelnd durchs Feld
Baut Möbel und Handys und lauert auf Geld
Wenn ich das Korn mäh‘, dann mäh‘ ich es vorn
Weil hinten im Korn – da mäh‘ ich nicht gern
Drum mäh‘ ich nur vorn, wenn ich mähe im Korn
Mir reicht ja ein Brot, denn die Liebsten sind tot
Ich hab sie verlor’n
Hinten im Feld
Er weiß der langen Winter wegen
In Dunkelheit sich zu bewegen
Und aus Halmen hervor preschen in hehrer Zahl sie
Schneepflugstracks durchs Feld und belasten den Talski
Nacht für Nacht quellt von hier aus der Wikingerzug
Und die krieg’n und die krieg’n und die krieg’n nie genug
Langfinger vom Holmenkollen
Die die Schanze nutzen wollen
Zu plündern, rauben und stibitzen
Nasenhaar aus Burkaschlitzen
Stoppel von Bikinizonen
Büschel, die auf Warzen thronen
Abgezupft und rausgerupft
Der Imame Bart gelupft
„Schnippschnappschnuck“, schnurrt’s Scherchen munter
Rapunzel lässt ihr Haar herunter
Bullerbü macht Mullah Müh‘ – und Erwachsene ebensü
Doch Edvard Grieg mit Scherenhänden
Lässt es dabei nicht bewenden
Munchhaus’ner Prophetennecker
Øresmøre Knåckebåcker
Ibsentippsen und Roxette
Schleichen sich bis an dein Bett!
Poetenbrill’n, Doktorenlinsen
Verschwuppsentwunden – „Och, wo sin’s’en?“
Von Pädagogennachtkonsolen werd’n Augengläser weggestohlen
Aufs grad geraubte Haar gebettet, das sich unterm Glase glättet
Die Gürteltasche zugemacht – des Nordmanns Raubzug ist vollbracht
Er schleicht zurück auf seinen Stelzen
Um nun die Beute einzuschmelzen
Das Glas auf Temp’ratur gebracht
Das Haar zu einer Schnur gemacht
Das hat mich auf die Spur gebracht
Auf einmal hab ich nur gedacht:
Glasfaserkabel!
Dämmert’s jetzt?
Wir sind hier doch längst skandinavisch vernetzt
Strom, Internet und SMS
Der Skandinavier managed des
Denkt Mensch, er sei als User startklar
Used ihn bereits: der Skandinavier
Vattenfall und wat’n Aufstieg
Der Pisastreber kurz vorm Endsieg?
Nicht mit mir hier, ab nach Haus
Ich reiß‘ die ganze Scheiße raus
Die Kabellage aus den Wänden
Die Spionage wird heut enden!
Von wegen Norwegen! Ich halte dagegen
Geb‘ keene Mark für Dänemark
Von Schweden wird man fortan schweigen
Und Schluss ist mit finish – das wird sich zeigen
Wenn ich das Korn mäh‘, dann mäh‘ ich das Korn
ich mähe und mähe, fang‘ vorn an und drehe
Kehrt marsch mit dem Drescher, geh‘ nochmal längs drüber
Mir reicht ja ein Brot, bleibt der Rest eben über
Und in dem Getöse erkenn‘ ich Geschrei
Das Weib und der Bub, war’n die auch mit dabei?
Herrgott, wie auch immer – nun wär’s eh zu spät
Was war und sein könnte wird niedergemäht
Und ins schlachtreife Feld ramm‘ ich nochmals den Pflug
Denn ich krieg‘ und ich krieg‘ und ich krieg‘ nicht …
Wenn ich das Korn sä‘, dann sä‘ ich es vorn
Weil hinten im Korn – hat kein Arsch was verlor’n
Drum sä‘ ich nur vorn, wenn ich gehe im Korn
Ich säe nur vorn und selbst da: Fault das Korn
Wir haben verlor’n
Hinten im Feld
Alle Rechte bei Katja Reichert-Bloch, der das Gedicht am 1. Juli 2026 zu ihrem Geburtstag geschenkt wurde.

Die Pocke
(nach Motiven von Schillers „Lied von der Glocke“)
Fest gewachsen im Gesichte
Prangt das Horn in Talg gebannt
Es blitzt hervor im Spiegellichte
Und raubt der Maid den Restverstand
In der Drüse heiß
Brüht ein Seibersuppenscheiß
Blüht auf zur Ausschlag-Show – ohne Entrinnen!
Denn der Ekel kommt von innen!
Wo die schwere Milch der Pubertät
Die pockemon’sche Pustel bläht
Dass sie erglüht zum säftesatten
Facebuckel Entstellt-mir-Button
Wehe, wenn der losgelassen!
Wachsend ohne Widerstand
Durch die vollgeklebten Gassen
Wälzt ein ungeheurer Brand
Und lodert auf – recht konkludent – zum
Epidermien-Epizentrum
Schwer erbärmlich grämt sich schon
Ihr Leid lamentierend, lädiert und belämmert
Nah ’ner Emo-Eruption
Die Lady, der nunmehr ein Ungemach dämmert
Ob der körpereignen Lava –
Grad, da man dem Lover nah war!
Wenn Mitesser den Tisch eindecken
Heißt’s sich vorm Spiegelglas verstecken
Drum prüfe, wer sich ähnlich windet
Ob man nicht besser gleich erblindet!
Doch was Clearasil nicht fortgeschafft
Entleert agil der Finger Kraft:
Jetzo mit dem Druck der Nägel
Walk des Eiters grausig Gruft
Dass der grützgeword’ne Egel
Steige, in die Himmelsluft!
Oh, Blut rinnt, wenn das Ödem aufknackt
Es sprenkelt die geborst’ne Haut
Wenn man jetzt stärker draufzwackt
Seiht ein Süppchen aus der Braut
Weiße Blasen seh ich springen
Wohl, die Massen sind im Fluss
Lass sie durch die Poren dringen
Sporentief erzwing’n den Guss
Dass die zähe Götterspeise
Fließe nach der rechten Weise!
Rauschend in des Henkels Bogen
Schießt’s mit cremefarbenen Wogen
Freude hat mir Gott gegeben!
Sehet, wie ein güldner Zopf
Aus der Hülse, blank und eben
Schält sich ambern nun der Pfropf!
Freude ist des Ausdrucks Beute
Friede sei mit Euch, Ihr Häute!
Leergebrannt scheint nun die Stätte
Ruhe im Follikel-Bette
Doch wo so’ne Säfte sinnlos wallen
Da regt sich bald ein neues Leben
Im einstmals prallen Pocke-Ballen
Tja, mein Schatz – so ist das eben!
Und verzeiht mir mein Mir-zu-erlauben
Vom „Fest gemauert …“ abzustauben!
Die Glocke wird an zähen Strängen
Auch weiterhin ganz oben hängen
Mich drängt’s nur auf die kleinen Rosse
Als Schillerglockenhaifischflosse
Und so verzeiht mir mein Exzempoem
Frank Klötgen, Dichter – angenehm!
Alle Rechte bei Martha, Anton und Frida Reichert, für die das Gedicht 2026 im Rahmen des Abschiedstour-II-Crowdfunds gekauft wurde.

Der Hummelfluch
Hör‘ ich den Rimski-Korsakow
Beginnt’s zu jucken und ich hoff‘
Dass keine Hummeln in der Nähe sind
Denn wenn schon duellieren
Besser nicht mit kleinen Tieren
Weil da Sympathien vorab vergeben sind
Denn nur Allergikern und Blagen
Zeiht man moralisch das Erschlagen
Vom gelb und schwarzen Fluginsekt
Na, selber schuld, wer das nicht checkt
AKT I
„Ich drück‘ zart der Zichte ihr’n glühenden Stummel
Ins Rückgrat ’ner grade hier ruhenden Hummel
So zermalmt nun den Korpus der Schwirrkreatur
’ne Kombi aus Druckkraft und Temperatur
Und knisterig ascht das Flügelpaar
Das Leben entbeugt sich dem Hummelabdomen
Solch Endlichkeitszeugnisse gehen mir nah
Leicht bedrückt blick‘ ich auf die Erdrückte, denk‘: „Yo, man
Ey, sorry, ne – is‘ sons‘ echt nich‘ meine Art
Allzu gern hätt‘ ich dir die Tortur wohl erspart
Nur es war halt ’ne echt blöde Koinzidenz
Auch wenn du – als Insekt – dieses Wort gar nich‘ kenns‘
Aber das is‘ eb’n der Punkt: diese Sache mit Darwin
Ich mein‘, für mich hier als Mensch, dich zu töten, das war wie’n
Gruß an den Schöpfer, sich zu re-vergewissern
Sein Ebenbild degeneriert nicht zu Schissern
Die trotz Krönungsjuwelen der Evolution
Schon bei etwaig’n Nachfrag’n sich selber entthron’n
Anstatt eindrücklich ausdrücklich Ordnung zu schaffen
Mit Nachdruck für die, die’s wohl ohne nicht raffen:
Wir sind keine Fauna-Fans!
Wir sind Homo Sapiens!“
Nun kam es, dass der Hummelschwarm
Vom Tod der Imme Wind bekam
Der argumentativ sich nicht erschließt
Die Nektar-Queen schlägt Vollalarm
Steht eh nicht auf den Schöpferkram
Der Gliedertier’n ihr Daseinsglück vermiest
Erklärt’s zur ausgemachten Sache:
Jetzt geht’s um Widerstand und Rache
Und so vollzieht sich Zug um Zug
Die Oper-Ration Hummelfluch
AKT II
„Hier wohnende Drohnen und Arbeiterinnen
Wir Hummeln sind hammlos – und doch in mir drinnen
Brennt unbändig endlosbittre Wut
Denn ständig man uns Böses tut
Wieder traf’s eine, die Brut unsrer Sippe
Qualvoll verkohlt an der Glut einer Kippe
Ja, der Typ, der da grad Rimski-Korsakow flötet
Hat nur so aus Spaß unser Mädchen getötet
Ich denk‘, wir sollten solchen Assen
Nicht einen Abgang durchgeh’n lassen
Ihr Mord darf nicht für umme sein
Drum auf, ihr Immen, zeigt’s dem Schwein!“
Und fünf of le grüpp, sie formieren un trüpp
Der vom Auftrag beflügelt sich vorwärtsbewegt
Rischtüng ex-zischtenrauchende, flötende Büb
Dessen Willen zu chillen sich plötzlich erregt
Doch kaum spreizt sich sein Maul, um „Haut ab hier!“ zu schrei’n
Flieg’n ein, zwei, drei, fünf Hummeln rein
Das macht sich toll als Rächers Traum:
Voll stechbereit im Rachenraum
Wo jeder Stich sich schädlich potenziert
Denn ’s wird ja, wenn der Hals anschwillt
Die Luftzufuhr mit abgestillt
Des Lebens Rest in Bestzeit dezimiert
Nun kann solch Hinterlassenschaften
Zwar der Gestoch’ne auch verkraften
Doch spricht’s aus seinem fahl’n Gesicht
Zumindest diesmal schafft er’s nicht
AKT III
„Junge, Junge – wat schwillt mir die Zunge
Krieg‘ fast keine Luft mehr!“ – Er kommt seiner Gruft näh’r
Und bevor sich das Blatt hier nun doch noch mal wendet
Ist unser gestochener Held – och – verendet
Auch was vordem im Schlund gesummt
Alsbald verhallt es und verstummt
So bleiben die fünf Hummel-Märtyrerinnen
Zwar sehr effektiv, aber leider auch: drinnen
Und noch eh der Typ komplett abkackt
Versumpft man im Verdauungstrakt
Im Darm vom Leichnam überwintern
Alle Hummeln kurz vorm Hintern
Doch die Königin spricht: „Lob und Preis
Den Fünfen, die ihr Leben gaben
Und ihren Platz im Paradeis
Nebst Drohnen-Harem sicher haben
Denn unser hummlischer Vater sorgt bei der für Profit
Die sein huldhaltig‘ Reich durch die Märtür betritt
Mög’n diese Fünf uns Hummeln ein
Auf ewig leuchtend Beispiel sein!“
Und so beschließt sie den Hommage-Schwung
Glatt als Immenstaatsverarschung
Denn das Hummelfahrtskommando
Steckt und bleibt grad in ’nem Land, wo
Man vergärt in „Poah!“-Fäkalien
Voll entehrt in Vor-Analien
Ja, das verschweigen Heilsversprechen
Sich und andre abzustechen
Endet stets als Hammelflug
Lasst euch nicht führ’n zum Versuch!
Mögen Ungerechtigkeiten
Sich auch fürderhin verbreiten
Und man rät, von Opferseiten
Da mal drastisch einzuschreiten
Irgendwann gäb’s auch mal Lohn …
So lass sie reden, Hummelsohn!
Auch ohne Schein und Selbstbetrug
bleibt Hummel sein noch Fluch genug
Alle Rechte bei Markus Berg, der das Gedicht 2026 im Rahmen des Abschiedstour-II-Crowdfunds von mir gekauft hat.
– Die 272 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)
– Gedichte/Fotos ausgewählter Tourstationen:
* Costa Rica
* Hawaii
* Indien
* Japan
* Kuba
* Madagaskar
* Malaysia (Borneo)
* Marokko
* Mauritius
* Namibia
* Seychellen
* Sri Lanka
– Gedichtthemen:
* Alter, Schmerz, Tod
* Autor & Schreiben
* Berg, Fluss & Tal
* Berlin
* Fahrzeuge
* Frühling
* Gebäude & Urbanes
* Geburtstag/Hochzeit
* Geld & Karriere
* Grusel
* Haus & Heimat
* Herbst
* Internet & Technik
* Kleidung
* Kindheit & Jugend
* Körperteile
* Kunst & Inbrunst
* Länder/Kontinente
* Liebe & Beziehung
* Märchen
* Mord & Totschlag
* München
* Musik & Gesang
* Ostern & Weihnacht
* Pflanzen & Natur
* Poetry Slam
* Politik
* Promis
* Regionales
* Religion & Philo
* Reisen
* Rüpeleien & Tiraden
* Schlafen
* See
* Sex & Erotik
* Sommer
* Speis & Trank
* Sport
* Städte
* Strand/Meer
* Silvester & Wechsel
* Tabak & Alkohol
* Tanzen
* Tiere
* Unsinn
* Wind & Wetter
* Winter
SLAMMED! – das Buch – zum Sonderpreis!
Achtzeiler Alter, Tod & Abschied Autor & Schreiben Berg, Fluss & Tal Berlin Dutzendzeiler Einakter Erde Essen Fahrzeuge Feuer Gebäude & Urbanes Geld, Arbeit, Karriere Grusel Haus & Heimat Internet & Technik Kindheit & Jugend Krummzeiler Kuba Kunst & Inbrunst Körperteile Liebe und Beziehung Luft Marokko Mord & Totschlag München Pflanzen & Natur Politik Reisen Religion & Philosophie Ripostegedichte Rüpeleien Schlaf & Langeweile Sechszeiler Sex & Erotik Speis & Trank Städte Tabak & Alkohol Tiere Unsinn Vierzeiler Wasser Wind & Wetter Zehnzeiler Zweizeiler