Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Feuer

Verse für die Choleriker, denen man Feuer, Sommer, Mittag und die Adoleszenz zuordnet.
Die appellativen und derben Gedichte.
Vom Schmägedicht bis zur Gossenlyrik. Auch mit einem Gedicht von Julia Engelmann, von mir selbst geschrieben.

Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Wasser entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!


  • Altes Haus & das zweitausendneunhundertzweiundzwanzigste Gedicht

    Bei der Bernauer Ache

    Lowleveleinigkeit

    Bin ’ne Zu-wenig-Leistung-bei-zu-viel-Verbrauch-Show!
    Du findest das scheiße – und ich seh das auch so …


  • Dom zu Unserer Lieben Frau & das zweitausendneunhunderteinundzwanzigste Gedicht

    Dom zu Unserer Lieben Frau - Fraunekirch München im Sonnenuntergang

    APRIL 2026 (Jahresrückblick IV)

    Die Asia-Hornisse stürmt die Gliedertierwelt,
    Da in Hamburg ein Wolf ’ne Passantin anfällt –
    Doch noch biestiger, glaub mir,
    Ist das menschliche Raubtier …

    Es gab 2.600 Kriegsdienstverweigerung’n im ersten Quartal
    Und 350.000 Bewerbung’n bei Rheinmetall.
    Was zeigt, in welch Richtung der Wind heftig dreht,
    Der im Land der Reformstaus das Phlegma umweht.

    Zwar wird auf Schulstreiks strikt gegen die Wehrpflicht skandiert,
    Doch Verhandlungen boomen, nach den’n gar nichts passiert
    Und Friedensfürst Trump schießt sich jetzt auf den Papst ein.
    Er malt sich als Jesus – doch will nur ein Arzt sein.
    Was der Welt herzlich wenig Erlösung verspricht.
    Doch per Ablösung rückt etwas Hoffnung ins Licht:

    … auf ABBA „Thank you for the music“
    16 lange Jahre haben wir nach Ungarn ungern geschaut,
    Wie’ne Pest hat Budapest uns Bruder Victor Orban versaut.
    Er hat Europa gespalten, gegen Homos gehetzt,
    Er hat EU-Interna stets an Putin verpetzt –
    Autokraten sind – unter’nander geschätzt
    Mitunter doch sehr gut vernetzt.

    Stur hat er per Veto der Ukrainehilfen Geldfluss blockiert
    Von asozialer Geltungssucht und nationalem Ego borniert.
    Schien der ewige Sieger, dann versauten ihm’s ganz:
    Die Wahlkampfunterstützungen durch Trump und der Wanz‘!
    Autokraten sind – zumindestens ab jetzt
    Nicht per se als Sieger gesetzt. Wir sagen:

    Danke fürs Gemurkse – du kannst jetzt gehen,
    Wir sag’n Auf Niewiedersehen!
    Denn ein Victor wen’jer ist für die Demokratie
    Ein Victory!
    Weil wir jetzt merken, wir sind stärker als die,
    Sagen wir Danke fürs Gemurkse, für Gift und Bulimie!
    (… weil wir doch mehr sind als die, sagen wir)
    Danke fürs Gemurkse, für Gift und Bulimie!


  • Torfbahnhof & das zweitausendneunhundertneunzehnte Gedicht

    Das Museum Torfbahnhof am Rande der Kendlmühlfilzen

    MÄRZ 2026 (Jahresrückblick III)

    Festgemauert wird um 12 der Spritpreis auf das Schild gebrannt –
    Teurer wird’s heut nimmer werden – auf, den Zapfhahn in die Hand!
    Weh, der Straße namens Hormus fehlt es an Geschmeidigkeit,
    Da der Influencer-Himmel über Dubai „Helft uns!“ schreit …

    Der Weg durch die Meerenge wechselt im Nu:
    Ist auf – zu – auf und wieder zu.
    Doch wo Rohöls Kräfte sinnlos halten,
    Wird sich der freie Markt entfalten
    Und der Schmierstoff des Wohlstands wird unverschämt teuer!
    Es zähmt auch den Übergewinn keine Steuer …
    Teurer wird das Leben werden – doch die Regierung, die euch liebt,
    Verspricht nun allen 1.000 Euro (nun, die euch jemand and’res gibt!)
    Und nehmet hin ’nen Tankrabatt!

    Gott, hamwa dat Gezanke satt,
    Wenn man für Sprit mal mehr berappt!
    Da Zuversicht sich arg verknappt,
    Frau Bas in fette Näpfchen tappt
    Und Timmy auf ’ne Sandbank schwappt,
    Mault alles, dass schier nichts hier klappt!
    Ja, dies Land, wo Epstein Ulmen heißt,
    Ist sooo lang schon erfolgsverwaist –
    Man vermisst das alte Wachstums-Plus,
    Es mangelt auch an Gas vom Russ‘ –
    Nur an Unmut, Wut, Frust und Verdruss
    Herrscht hier im Lande Überfluss.

    Immerhin: BaWü bleibt grün – dank rehbrauner Augen,
    Die dem Sieg der Union die Prozente aussaugen.
    Und zeitgleich verläuft dann in München die Wahl
    Für Hochross und Reiter eh’r suboptimal.
    Sehet: tatsächlich gleich zwei grüne Sieger!
    Doch drängt’s jetzt auf die Bühne Krieger,
    Die aus der Höcke heraus, unter Pöpler-Applaus
    Als Alternative erstmals Umfragen toppen.
    Ist die Demokratie, unsre Schutzglocke, hie?
    Wie lässt sich nun noch rechter Höhenflug stoppen?
    Nun, die Prüf-Demos besucht, wer findet,
    Dass das nicht mehr von selbst verschwindet …

    Unsre Koalition ist – und das sagt nicht nur sie –
    Die letzte Patrone der Demokratie.
    Und wird diese im Machtpoker sinnlos verschossen,
    Wird uns keine Schutzglocke nochmals gegossen!
    Oder nach Schiller:
    „Nichts Heiliges ist mehr, es lösen
    Sich alle Bande frommer Scheu,
    Der Gute räumt den Platz dem Bösen,
    Und alle Laster walten frei.
    Gefährlich ist’s, den Leu zu wecken,
    Und grimmig ist des Tigers Zahn,
    Jedoch der schrecklichste der Schrecken
    Das ist der Mensch in seinem Wahn.“

    Drum auf, zur Mitte, herein! Herein!
    Lasst uns die alte Glocke weih’n
    Zu übertön’n der Ränder Schrei’n:
    „Alarmglocke“ soll ihr Name sein.


  • Ricklinger Kiesteiche & das zweitausendneunhundertsiebzehnte Gedicht

    An den Ricklinger Kiesteichen

    Februar 2026 (Jahresrückblick II, 2)

    Halb elegant frag ich, was war
    Noch relevant im Februar?

    Olympia startet und Lindsey Vonn stürzt,
    Bei der Integration werd’n die Kurse gekürzt,
    Bad Bunny würzt den Super Bowl,
    Gil Ofarim siegt superhohl
    Im Dschungel, auf dass von euch niemand vergisst,
    Wie höchst telegen eine Abbitte ist,
    Weil’s wie’n Pavian-Waise die Herzen rührt,
    Wenn’s zu seinen Best Buddy ’nen Stoffaffen kürt.
    Voll niedlich, so Affen! Wer rafft da das Drama
    Um Affenbilder von Obama?!
    Die Sagrada Familia wird vollendet, Anke Engelkes Bahnwerbung eingestellt,
    Da Saviour Xavier Naidoos Wahn ’ne klare 10 von 10 erhält.
    Pakistan und Taliban sind kriegsbereit seit Tagen,
    Bei uns wird in der Deutschen Bahn ein Kontrolleur erschlagen,
    El Menchos Tod schürt einen Banden-Furor
    Und Deutschland bangt vorm Schufa-Score.
    Es gibt Rücktritte wegen der Epstein-Affaire,
    Die Artemis-Mission missioniert uns, es wäre
    Unser Planet wieder doppelt so schön,
    Wenn wir uns ans Hinter-dem-Mond-Leb’n gewöh’n.


  • Strohfeuer & das zweitausendneunhundertsechzehnte Gedicht

    Februar 2026 (Jahresrückblick II, 1)

    Da der Ukraine-Krieg sich schon zum vierten Mal jährt,
    Die Weltlage uns neuen Nachwuchs gebährt.
    Und weil Mullah-Mutti Chamenei bei der Entbindung verschied,
    Vater Trump seinen Balg jetzt alleine erzieht.
    Er tauft ihn – ganz Heißsporn – „Gewaltige Wut“!
    Oh, da schwant schon so manchem: Das endet nicht gut …
    Ganz Europa jault Protestgenöhl,
    Pete Hegeseth krault sich das Gemächt –
    Denn „Völkerrecht“ ist ohne „öl“
    Bloß fuckin‘ stumpfes „Vkerrecht“ –
    Drum Barbarei statt Babybrei,
    Mehr Ultimaten statt Penaten!
    Doch Sanchez lässt von Spanien kei-
    ne Kampfbomber mehr starten.
    „Das ist nicht unser Krieg“, tönt auch Herr Merz –
    Denn er will für das Gör keinen Unterhalt blechen.
    Nur, willst du mit Trump kein’n persönlichen Terz,
    So solltest du nicht in dies Wespennest stechen!
    Wo’s schon ob des Supreme Courts Entscheidungen grollt,
    Weil man keinen Respekt Donalds Zoll-Liste zollt.

    Nur Parteifreunde freu’n sich, dass Friedrich so brennt
    Und sie wähl’n ihn zum Vorsitz mit neunzig Prozent!


  • Kunstwiese Extraschicht & das zweitausendneunhundertfünfzehnte Gedicht

    Lichtinstallationen auf der Kunstwiese Extraschicht 2026

    Januar (Jahresrückblick 2026)

    Kurz nach dem Korkenknallen war es –
    Da lern’n wir die erste Vokabel des Jahres:
    „Flashover“ in Crans-Montana, drauf „Blackout“ in Berlin –
    Die Vulkan-Gruppe löscht da das Licht aus. Grad zu Kai Wegners Tennistermin!
    Auch der Merzfritze prägt einen neuen Begriff,
    Denn der Leistungsbereitschaft im Land fehlt’s an Schliff,
    Und das prangert er an als „Lifestyle-Teilzeit“.
    Weil alles „Thailand-Reise, geil!“ schreit.
    Derweil bleib’n weitgeh’nd ohne Likes:
    Die ÖPNV-Verdistreiks
    Dann wird, was im Land an Verkehr sich noch regt
    Vom Wintereinbruch abgesägt.
    Eiskalt erwischt’s manch Fußballspiel –
    Boah, mit dem Stillstand in Deutschland wird’s langsam zu viel!
    Was noch läuft, ist ein Drohnenmegadeal
    Mit der MAGA-Ratte Peter Thiel –
    Ja, so sonderbar versandet das „Sondervermögen“ …
    Gewählt zum Unwort des Jahres – wer fragt noch „Wöswögen?“

    Nun, wenn’s dem Herrn Dichter hier nicht mehr gefällt –
    So richt‘ er sein’n Blick auf den Rest dieser Welt!
    In Cordoba entgleist ein Zug,
    Was 46 tötet,
    Da in Gaza der Plan für ’nen Friedensversuch
    Zur zweiten Runde trötet;
    In Aleppo werd’n Kurden zu Freiwild erklärt –
    Was der Westen der neuen Regierung gewährt.
    Nun, man muss im Klan der Chilligen
    Gewisse Dinge billigen …!
    Im Iran begehrt das Volk auf, protestiert unverdrossen.
    Doch bevor dort was kippelt, wird alles zerschossen.
    Und dann muss man für die Leichen von Töchtern und Söhnen
    An die Mörder zunächst das „Patronengeld“ löhnen.
    Ja, es kann unser Klan der Chilligen
    Auch solche Dinge billigen!
    (nunja, kurzer Spoiler – ich bin mal so frei,
    Es folgt in dem Jahr noch ein Teil Nummer Zwei!)
    Das EU-Abkommen mit Mercosur
    Dräng’n Grüne und Rechte vereint aus der Spur –
    So erntet man mal in der Landwirtschaft Wähler
    Denn die woll’n keine Steaks hier aus … Venezuela.
    Dort setzt jetzt Maduro Ausgehtrends
    Für junge Jogginganzug-Fans:
    „Die findisch im Flugzeug und Zug voll bequem!“
    Sobald sowas trendet, muss niemand sich schäm’n.
    Und überhaupt: Scham – is soo Zweitausendzehn,
    26 bekomm’n wir Entgrenztes zu seh’n!
    Musks „Grok“ erzeugt freizügig Bottomless Pix –
    Die verbergen – konträr zu den Epstein-Files – nix!
    Und ohne weit vorauszutraben:
    Es war das Jahr der Großbuchstaben.
    Und niemand schrieb größer und stilbefreiter
    Und stetig aggressionsbereiter
    Als Kampfschlumpf Trump auf Truth Social Truth –
    Ein Mann noch schlechter als sein Ruf!
    Voll ungebremster Headline-Gier
    Und offenkundig geistig wirr.
    Das Gernegroß macht in Davos
    Die anderen Staatschefs ganz friedenratlos –
    Mit dem „Board of Peace“ stellt Donald klar:
    Die NATO ist dem Tode nah, UN – das steht für UNdankbar

    Und auch der letzte Hort deutscher Glückseligkeit
    Wird um seine Idylle betrogen:
    Oh, Apokalypse, nun ist es soweit –
    Bushido ist samt seiner Brut in Grünwald eingezogen!
    Man glaubt schon ans „Schlimmer geht’s nimmer!“ – und doch
    Es bleiben uns ganze elf Monate noch …


  • Baywatch & das zweitausendneunhundertvierzehnte Gedicht

    Monumento à São Gonçalo de Lagos

    Erde, nur geborgt

    Ihr alten Säcke – und Taschen – bedenkt:
    Die Welt, die euch dahingeschenkt
    Samt dem Netz, das euch treu mit Gesprächsstoff versorgt –

    Ihr habt all dies nur vom Algorithmus geborgt!


  • Galería de los doce sevillanos ilustres & das zweitausendneunhundertelfte Gedicht

    Galería de los doce sevillanos ilustres auf dem Palacio de San Telmo

    Hinten im Korn

    Wenn ich das Korn mäh‘, dann mäh‘ ich es vorn
    Weil hinten im Korn – da mäh‘ ich nicht gern
    Da hab‘ ich Frau und Kind verlor’n
    Hinten im Korn
    Drum mäh‘ ich nur vorn, wenn ich mähe im Korn
    Mir reicht ja ein Brot, denn die Liebsten sind tot
    Ich hab sie verlor’n
    Hinten im Feld

    Denkt Mensch, dass er als Erster da war
    Sitzt dort bereits der Skandinavier
    Er hockt stets auf Halmhöh‘, die Ähren vor Kopf
    Nur die kreisende Saatkräh’ späht den flachsblonden Schopf
    So kennt und erkennt man den Skandinavi-er
    Blondschopf, Kopf, Hals, Leib und dran die zwa Skier
    Drauf pirscht er nächtens und raschelnd durchs Feld
    Baut Möbel und Handys und lauert auf Geld

    Wenn ich das Korn mäh‘, dann mäh‘ ich es vorn
    Weil hinten im Korn – da mäh‘ ich nicht gern
    Drum mäh‘ ich nur vorn, wenn ich mähe im Korn
    Mir reicht ja ein Brot, denn die Liebsten sind tot
    Ich hab sie verlor’n
    Hinten im Feld

    Er weiß der langen Winter wegen
    In Dunkelheit sich zu bewegen
    Und aus Halmen hervor preschen in hehrer Zahl sie
    Schneepflugstracks durchs Feld und belasten den Talski
    Nacht für Nacht quellt von hier aus der Wikingerzug
    Und die krieg’n und die krieg’n und die krieg’n nie genug

    Langfinger vom Holmenkollen
    Die die Schanze nutzen wollen
    Zu plündern, rauben und stibitzen
    Nasenhaar aus Burkaschlitzen
    Stoppel von Bikinizonen
    Büschel, die auf Warzen thronen
    Abgezupft und rausgerupft
    Der Imame Bart gelupft
    „Schnippschnappschnuck“, schnurrt’s Scherchen munter
    Rapunzel lässt ihr Haar herunter
    Bullerbü macht Mullah Müh‘ – und Erwachsene ebensü

    Doch Edvard Grieg mit Scherenhänden
    Lässt es dabei nicht bewenden
    Munchhaus’ner Prophetennecker
    Øresmøre Knåckebåcker
    Ibsentippsen und Roxette
    Schleichen sich bis an dein Bett!

    Poetenbrill’n, Doktorenlinsen
    Verschwuppsentwunden – „Och, wo sin’s’en?“
    Von Pädagogennachtkonsolen werd’n Augengläser weggestohlen
    Aufs grad geraubte Haar gebettet, das sich unterm Glase glättet
    Die Gürteltasche zugemacht – des Nordmanns Raubzug ist vollbracht
    Er schleicht zurück auf seinen Stelzen
    Um nun die Beute einzuschmelzen
    Das Glas auf Temp’ratur gebracht
    Das Haar zu einer Schnur gemacht
    Das hat mich auf die Spur gebracht
    Auf einmal hab ich nur gedacht:
    Glasfaserkabel!

    Dämmert’s jetzt?
    Wir sind hier doch längst skandinavisch vernetzt
    Strom, Internet und SMS
    Der Skandinavier managed des
    Denkt Mensch, er sei als User startklar
    Used ihn bereits: der Skandinavier

    Vattenfall und wat’n Aufstieg
    Der Pisastreber kurz vorm Endsieg?
    Nicht mit mir hier, ab nach Haus
    Ich reiß‘ die ganze Scheiße raus
    Die Kabellage aus den Wänden
    Die Spionage wird heut enden!
    Von wegen Norwegen! Ich halte dagegen
    Geb‘ keene Mark für Dänemark
    Von Schweden wird man fortan schweigen
    Und Schluss ist mit finish – das wird sich zeigen

    Wenn ich das Korn mäh‘, dann mäh‘ ich das Korn
    ich mähe und mähe, fang‘ vorn an und drehe
    Kehrt marsch mit dem Drescher, geh‘ nochmal längs drüber
    Mir reicht ja ein Brot, bleibt der Rest eben über
    Und in dem Getöse erkenn‘ ich Geschrei
    Das Weib und der Bub, war’n die auch mit dabei?
    Herrgott, wie auch immer – nun wär’s eh zu spät
    Was war und sein könnte wird niedergemäht
    Und ins schlachtreife Feld ramm‘ ich nochmals den Pflug
    Denn ich krieg‘ und ich krieg‘ und ich krieg‘ nicht …

    Wenn ich das Korn sä‘, dann sä‘ ich es vorn
    Weil hinten im Korn – hat kein Arsch was verlor’n
    Drum sä‘ ich nur vorn, wenn ich gehe im Korn
    Ich säe nur vorn und selbst da: Fault das Korn
    Wir haben verlor’n
    Hinten im Feld

    Alle Rechte bei Katja Reichert-Bloch, der das Gedicht am 1. Juli 2026 zu ihrem Geburtstag geschenkt wurde.


  • Salon de Embajadores & das zweitausendneunhundertachte Gedicht

    Die Decke vom Salon de Embajadores im Alcazar Sevilla

    Die Pocke
    (nach Motiven von Schillers „Lied von der Glocke“)

    Fest gewachsen im Gesichte
    Prangt das Horn in Talg gebannt
    Es blitzt hervor im Spiegellichte
    Und raubt der Maid den Restverstand
    In der Drüse heiß
    Brüht ein Seibersuppenscheiß
    Blüht auf zur Ausschlag-Show – ohne Entrinnen!
    Denn der Ekel kommt von innen!
    Wo die schwere Milch der Pubertät
    Die pockemon’sche Pustel bläht
    Dass sie erglüht zum säftesatten
    Facebuckel Entstellt-mir-Button

    Wehe, wenn der losgelassen!
    Wachsend ohne Widerstand
    Durch die vollgeklebten Gassen
    Wälzt ein ungeheurer Brand
    Und lodert auf – recht konkludent – zum
    Epidermien-Epizentrum

    Schwer erbärmlich grämt sich schon
    Ihr Leid lamentierend, lädiert und belämmert
    Nah ’ner Emo-Eruption
    Die Lady, der nunmehr ein Ungemach dämmert
    Ob der körpereignen Lava –
    Grad, da man dem Lover nah war!

    Wenn Mitesser den Tisch eindecken
    Heißt’s sich vorm Spiegelglas verstecken
    Drum prüfe, wer sich ähnlich windet
    Ob man nicht besser gleich erblindet!

    Doch was Clearasil nicht fortgeschafft
    Entleert agil der Finger Kraft:

    Jetzo mit dem Druck der Nägel
    Walk des Eiters grausig Gruft
    Dass der grützgeword’ne Egel
    Steige, in die Himmelsluft!
    Oh, Blut rinnt, wenn das Ödem aufknackt
    Es sprenkelt die geborst’ne Haut
    Wenn man jetzt stärker draufzwackt
    Seiht ein Süppchen aus der Braut
    Weiße Blasen seh ich springen
    Wohl, die Massen sind im Fluss
    Lass sie durch die Poren dringen
    Sporentief erzwing’n den Guss
    Dass die zähe Götterspeise
    Fließe nach der rechten Weise!
    Rauschend in des Henkels Bogen
    Schießt’s mit cremefarbenen Wogen

    Freude hat mir Gott gegeben!
    Sehet, wie ein güldner Zopf
    Aus der Hülse, blank und eben
    Schält sich ambern nun der Pfropf!
    Freude ist des Ausdrucks Beute
    Friede sei mit Euch, Ihr Häute!

    Leergebrannt scheint nun die Stätte
    Ruhe im Follikel-Bette
    Doch wo so’ne Säfte sinnlos wallen
    Da regt sich bald ein neues Leben
    Im einstmals prallen Pocke-Ballen
    Tja, mein Schatz – so ist das eben!

    Und verzeiht mir mein Mir-zu-erlauben
    Vom „Fest gemauert …“ abzustauben!
    Die Glocke wird an zähen Strängen
    Auch weiterhin ganz oben hängen
    Mich drängt’s nur auf die kleinen Rosse
    Als Schillerglockenhaifischflosse
    Und so verzeiht mir mein Exzempoem
    Frank Klötgen, Dichter – angenehm!

    Alle Rechte bei Martha, Anton und Frida Reichert, für die das Gedicht 2026 im Rahmen des Abschiedstour-II-Crowdfunds gekauft wurde.


  • Callejón de la Inquisición & das zweitausendneunhundertsechste Gedicht

    Callejón de la Inquisición im Viertel Triana

    Der Hummelfluch

    Hör‘ ich den Rimski-Korsakow
    Beginnt’s zu jucken und ich hoff‘
    Dass keine Hummeln in der Nähe sind
    Denn wenn schon duellieren
    Besser nicht mit kleinen Tieren
    Weil da Sympathien vorab vergeben sind
    Denn nur Allergikern und Blagen
    Zeiht man moralisch das Erschlagen
    Vom gelb und schwarzen Fluginsekt
    Na, selber schuld, wer das nicht checkt

    AKT I

    „Ich drück‘ zart der Zichte ihr’n glühenden Stummel
    Ins Rückgrat ’ner grade hier ruhenden Hummel
    So zermalmt nun den Korpus der Schwirrkreatur
    ’ne Kombi aus Druckkraft und Temperatur
    Und knisterig ascht das Flügelpaar
    Das Leben entbeugt sich dem Hummelabdomen
    Solch Endlichkeitszeugnisse gehen mir nah
    Leicht bedrückt blick‘ ich auf die Erdrückte, denk‘: „Yo, man
    Ey, sorry, ne – is‘ sons‘ echt nich‘ meine Art
    Allzu gern hätt‘ ich dir die Tortur wohl erspart
    Nur es war halt ’ne echt blöde Koinzidenz
    Auch wenn du – als Insekt – dieses Wort gar nich‘ kenns‘
    Aber das is‘ eb’n der Punkt: diese Sache mit Darwin
    Ich mein‘, für mich hier als Mensch, dich zu töten, das war wie’n
    Gruß an den Schöpfer, sich zu re-vergewissern
    Sein Ebenbild degeneriert nicht zu Schissern
    Die trotz Krönungsjuwelen der Evolution
    Schon bei etwaig’n Nachfrag’n sich selber entthron’n
    Anstatt eindrücklich ausdrücklich Ordnung zu schaffen
    Mit Nachdruck für die, die’s wohl ohne nicht raffen:
    Wir sind keine Fauna-Fans!
    Wir sind Homo Sapiens!“

    Nun kam es, dass der Hummelschwarm
    Vom Tod der Imme Wind bekam
    Der argumentativ sich nicht erschließt
    Die Nektar-Queen schlägt Vollalarm
    Steht eh nicht auf den Schöpferkram
    Der Gliedertier’n ihr Daseinsglück vermiest
    Erklärt’s zur ausgemachten Sache:
    Jetzt geht’s um Widerstand und Rache
    Und so vollzieht sich Zug um Zug
    Die Oper-Ration Hummelfluch

    AKT II

    „Hier wohnende Drohnen und Arbeiterinnen
    Wir Hummeln sind hammlos – und doch in mir drinnen
    Brennt unbändig endlosbittre Wut
    Denn ständig man uns Böses tut
    Wieder traf’s eine, die Brut unsrer Sippe
    Qualvoll verkohlt an der Glut einer Kippe
    Ja, der Typ, der da grad Rimski-Korsakow flötet
    Hat nur so aus Spaß unser Mädchen getötet
    Ich denk‘, wir sollten solchen Assen
    Nicht einen Abgang durchgeh’n lassen
    Ihr Mord darf nicht für umme sein
    Drum auf, ihr Immen, zeigt’s dem Schwein!“
    Und fünf of le grüpp, sie formieren un trüpp
    Der vom Auftrag beflügelt sich vorwärtsbewegt
    Rischtüng ex-zischtenrauchende, flötende Büb
    Dessen Willen zu chillen sich plötzlich erregt
    Doch kaum spreizt sich sein Maul, um „Haut ab hier!“ zu schrei’n
    Flieg’n ein, zwei, drei, fünf Hummeln rein

    Das macht sich toll als Rächers Traum:
    Voll stechbereit im Rachenraum
    Wo jeder Stich sich schädlich potenziert
    Denn ’s wird ja, wenn der Hals anschwillt
    Die Luftzufuhr mit abgestillt
    Des Lebens Rest in Bestzeit dezimiert
    Nun kann solch Hinterlassenschaften
    Zwar der Gestoch’ne auch verkraften
    Doch spricht’s aus seinem fahl’n Gesicht
    Zumindest diesmal schafft er’s nicht

    AKT III

    „Junge, Junge – wat schwillt mir die Zunge
    Krieg‘ fast keine Luft mehr!“ – Er kommt seiner Gruft näh’r
    Und bevor sich das Blatt hier nun doch noch mal wendet
    Ist unser gestochener Held – och – verendet
    Auch was vordem im Schlund gesummt
    Alsbald verhallt es und verstummt
    So bleiben die fünf Hummel-Märtyrerinnen
    Zwar sehr effektiv, aber leider auch: drinnen
    Und noch eh der Typ komplett abkackt
    Versumpft man im Verdauungstrakt
    Im Darm vom Leichnam überwintern
    Alle Hummeln kurz vorm Hintern

    Doch die Königin spricht: „Lob und Preis
    Den Fünfen, die ihr Leben gaben
    Und ihren Platz im Paradeis
    Nebst Drohnen-Harem sicher haben
    Denn unser hummlischer Vater sorgt bei der für Profit
    Die sein huldhaltig‘ Reich durch die Märtür betritt
    Mög’n diese Fünf uns Hummeln ein
    Auf ewig leuchtend Beispiel sein!“
    Und so beschließt sie den Hommage-Schwung
    Glatt als Immenstaatsverarschung
    Denn das Hummelfahrtskommando
    Steckt und bleibt grad in ’nem Land, wo
    Man vergärt in „Poah!“-Fäkalien
    Voll entehrt in Vor-Analien

    Ja, das verschweigen Heilsversprechen
    Sich und andre abzustechen
    Endet stets als Hammelflug
    Lasst euch nicht führ’n zum Versuch!
    Mögen Ungerechtigkeiten
    Sich auch fürderhin verbreiten
    Und man rät, von Opferseiten
    Da mal drastisch einzuschreiten
    Irgendwann gäb’s auch mal Lohn …
    So lass sie reden, Hummelsohn!

    Auch ohne Schein und Selbstbetrug
    bleibt Hummel sein noch Fluch genug

    Alle Rechte bei Markus Berg, der das Gedicht 2026 im Rahmen des Abschiedstour-II-Crowdfunds von mir gekauft hat.


Die 272 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)


Gedichte/Fotos ausgewählter Tourstationen:

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* Indien
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* Marokko
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