Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Feuer

Verse für die Choleriker, denen man Feuer, Sommer, Mittag und die Adoleszenz zuordnet.
Die appellativen und derben Gedichte.
Vom Schmägedicht bis zur Gossenlyrik. Auch mit einem Gedicht von Julia Engelmann, von mir selbst geschrieben.

Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Wasser entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!


  • Spätsommeridyll & das zweitausendneunhundertfünfzigste Gedicht

    Schloss Nymphenburg

    Juni 2026 (Jahresrückblick VI)

    So kurz vor der Pause komm’n wa noch
    Zu dem Verfüll’n vom Sommerloch!
    Und was wär das erfüllender als ’ne WM?
    Dies Jahr in XXL-Plemmplemm!
    Denn Trump plus Gianni Infantino –
    Bot infantiles Wahnsinnskino!
    Zwar begeistern wir uns für die tapfren Kapverden,
    An Norwegens rudernden Wikingerherden,
    Weil Fußballromantik viel FIFA-Schmu stemmt –
    Doch wütet Profitgier dann doch zu enthemmt:
    „Hier ist die FIFA, Sie sprechen mit der Red-Card-Hotline!
    Sie woll’n auch auf dem Foto mit Champions und Pott sein?
    Und bräuchten für die Endspiel-Sause
    ’ne doppelt lange Halbzeitpause? Ist notiert.
    Aber morgens und abends, wie nach jedem Essen
    Nicht die Trinkpause vergessen!“

    Und beim Redenschreib’n auch mal ’ne Thinkpause gönnen!
    Voigt und Wildberger zeig’n, was sie mit K.I. können;
    Auch Kathi Reiche promptet: „Letzte Rede – so geil!
    Ich bräucht da noch mehr so im Gas-Lobby-Style!“

    Braucht die Klimaerwärmung noch ’nen weit’ren Beweis?
    Es war Anfang Juni schon dermaßen heiß –
    Man konnte die Sonne schon nicht mehr genießen!
    Auch der deutsche Rekord im Elfmeterverschießen
    Kam nicht gut an. Wie die Deutsche Bahn.
    Bei der zwei Stunden lang keine Züge mehr fahr’n.
    Und da mancher erzürnt „Wie hier, Großstörung!?“ schreit,
    Ist’s für Bahnkunden übliche Unpünktlichkeit.

    Auch ’ne Großgestörtheit macht ja nix, denn
    Man feiert seinen Achtzigsten
    Gern mal mit Käfigkämpfen vorm Weißen Haus!
    Ja, mit sinnfreien Fights kennt der Donald sich aus …
    Er und Putin sind im Juni die China-Entdecker
    Und buckeln vor Xi rum als Speichellecker.
    Denn da jene in Egotrip-Kriegsgräben wühlen,
    Darf der Peking-King sich als der Mächtigste fühlen.
    Ja die Ordnung der Welt wird jetzt umarrangiert
    Und für allerhand Bündnisse vorselektiert:
    Mekka-Pakt, BRICS und E5 bis E3 –
    Für letztere gilt: Deutschland ist mit dabei!
    Allein mit ’nem UN-Sitz im Sicherheitsrat
    Läuft’s leider denkbar unapart:
    Die wähl’n Österreich und Portugaler –
    Nicht uns als höchste Beitragszahler!
    Demütigung schreibt man zurecht mit D –
    Ja, ditt kennwaja vom ESC …!

    Die Gelsenkirchner AFD
    Hat für Sinti und Roma ’ne saub’re Idee:
    Solang‘ die uns prä-re-migrantisch beehren,
    Soll’n die uns gefälligst den Bürgersteig kehren!
    Und laut Höcke sind westdeutsche Wendeabsahner
    Nur verdächtig gut Deutsch red’nde … Amerikaner.

    Nun, gab es außer geistig Schiefes
    Im Juni noch was Positives?
    Mette-Marit kriegt ’ne neue Lunge,
    Doch vor Gericht gerät ihr Junge.
    Man entdeckt ein neues Mozartstück
    Und auch Madonna kehrt zurück!
    Deren Album ’nen neuen Rekord einfahr’n kann:
    In vier Jahrzehnten ’ne Number One!

    Und da beim Erdbeben in Venezuela
    5.000 Menschen sterben,
    Schiebt Chile, Peru und Kolumbien
    Ein Rechtsruck ins Verderben.
    Ja, Südamerika schien kurz der Kontinent,
    Denn die linke Romantik als Vorbild benennt
    Nun sind die Mileis und „El Tigres“ dort Stars
    Als Statthalter Amerikas.

    In manchen Terrains fehl’n selbst Dichtern die Worte –
    Ende Juni wird Stade zu solch einem Orte:
    Eine Jugendeinrichtung, ein Vater, sechs Tote
    Und stumm klingt die „Wie kann das möglich sein?“-Note.

    Nein, es lässt sich noch immer kein Lichtblick vermelden –
    Es gilt mein Respekt an euch Durchhaltehelden! Wie -innen.


  • Bayrischzell & das zweitausendneunhundertachtundvierzigste Gedicht

    Auf einer Alm bei Bayrischzell

    Vor der Abreise

    Nachdem man’s arg gefeiert hat,
    Wird man das satte Bayern satt!
    „Hey, Wirt – i schnauf un sauf wian Tia!
    Mir ward nie fad das Mia san mia …“
    Doch meist seid ihr Idioten!

    Es sei den feisten Bayernleut die Bayerei verboten!

    Zurück genullt
    Richtung menschlich normal –
    Für der Offenheit Huld
    (neben Berg, Alm und Tal)!


  • TunelRi & das zweitausendneunhundertfünfundvierzigste Gedicht

    Im Rijeka Tunnel unter der Altstadt

    Wie Gott dich schuf

    Ich bin immer noch der Nackte von damals,
    Verkauf mich nur sehr schlecht.

    Die von Fluten genomm’ne Gard’robe des Ahrtals,
    Von Disputen beschuhtes Textiliengeflecht,
    Der Dresskot besinnlicher Instagram-Postings,
    Der Stoff eines „Das ist mal echt grandios!“-Dings
    Nebst „Was daraus noch werden kann!“ –
    Dies alles zieht mich manchmal an.

    Es kleidet mich leidlich und viel zu betont,
    Dabei war doch die Umwelt mein Nacktsein gewohnt –
    Das Überwinden meiner Scham,
    Den Blick hinein in meinen Darm.

    Bin noch immer das nackte Baby von früher –
    Nur aktuell ein Spätentblüher.


  • Umsturzversuche & das zweitausendneunhundertzweiundvierzigste Gedicht

    In der Parkanlage der Muttergottes von Trsat

    Die Kunst der tighten Stille

    Und plötzlich ist’s Gelassenheit,
    Mit der ich Unverfrorenheit -en
    All eurer Seiten grille.

    Ich röste endlich ohne Leid
    Die schwergewicht’gen Kleinigkeit -en
    Mit Kunst der tighten Stille.

    Aber nein, mein Wille ist nicht überwunden –
    Man kann ihn im Sessel der Gleichmut erkunden!
    Er atmet im hintersten Winkel der Lunge
    Mit übereindeutig euch schmähender Zunge.

    Und die verbleibt, wiewohl vergrämt,
    Im Kern, auf ewig: ungezähmt.


  • Rijeka & das zweitausendneunhundertachtunddreißigste Gedicht

    Blick von der Burg Trsat auf Rijeka

    Gipfelstürmer

    Auf, auf, hinauf
    Mit strammen Lauf –
    Schauen wir von oben drauf!

    Oben öffnet sich der Blick.
    Ausblick rein!
    Und aus.
    Zurück.


  • Rindenblüte & das zweitausendneunhunderteinunddreißigste Gedicht

    Baumpilz am Woerthersee

    Mai 2026 (Jahresrückblick V)

    365 Tage schon währet ihr Fight
    Für die Würde des Glaubens, für Glaubwürdigkeit:
    Kanzler Friederich Merz und der Friedenspapst Leo.
    Ihre Gläubiger-Schar singt „In excelsis Deo“ –
    Wiewohl nach einem Jahr im Amt
    Bisweilen eher sparentflammt.


  • Altes Haus & das zweitausendneunhundertzweiundzwanzigste Gedicht

    Bei der Bernauer Ache

    Lowleveleinigkeit

    Bin ’ne Zu-wenig-Leistung-bei-zu-viel-Verbrauch-Show!
    Du findest das scheiße – und ich seh das auch so …


  • Dom zu Unserer Lieben Frau & das zweitausendneunhunderteinundzwanzigste Gedicht

    Dom zu Unserer Lieben Frau - Fraunekirch München im Sonnenuntergang

    APRIL 2026 (Jahresrückblick IV)

    Die Asia-Hornisse stürmt die Gliedertierwelt,
    Da in Hamburg ein Wolf ’ne Passantin anfällt –
    Doch noch biestiger, glaub mir,
    Ist das menschliche Raubtier …

    Es gab 2.600 Kriegsdienstverweigerung’n im ersten Quartal
    Und 350.000 Bewerbung’n bei Rheinmetall.
    Was zeigt, in welch Richtung der Wind heftig dreht,
    Der im Land der Reformstaus das Phlegma umweht.

    Zwar wird auf Schulstreiks strikt gegen die Wehrpflicht skandiert,
    Doch Verhandlungen boomen, nach den’n gar nichts passiert
    Und Friedensfürst Trump schießt sich jetzt auf den Papst ein.
    Er malt sich als Jesus – doch will nur ein Arzt sein.
    Was der Welt herzlich wenig Erlösung verspricht.
    Doch per Ablösung rückt etwas Hoffnung ins Licht:

    … auf ABBA „Thank you for the music“
    16 lange Jahre haben wir nach Ungarn ungern geschaut,
    Wie’ne Pest hat Budapest uns Bruder Victor Orban versaut.
    Er hat Europa gespalten, gegen Homos gehetzt,
    Er hat EU-Interna stets an Putin verpetzt –
    Autokraten sind – unter’nander geschätzt
    Mitunter doch sehr gut vernetzt.

    Stur hat er per Veto der Ukrainehilfen Geldfluss blockiert
    Von asozialer Geltungssucht und nationalem Ego borniert.
    Schien der ewige Sieger, dann versauten ihm’s ganz:
    Die Wahlkampfunterstützungen durch Trump und der Wanz‘!
    Autokraten sind – zumindestens ab jetzt
    Nicht per se als Sieger gesetzt. Wir sagen:

    Danke fürs Gemurkse – du kannst jetzt gehen,
    Wir sag’n Auf Niewiedersehen!
    Denn ein Victor wen’jer ist für die Demokratie
    Ein Victory!
    Weil wir jetzt merken, wir sind stärker als die,
    Sagen wir Danke fürs Gemurkse, für Gift und Bulimie!
    (… weil wir doch mehr sind als die, sagen wir)
    Danke fürs Gemurkse, für Gift und Bulimie!


  • Torfbahnhof & das zweitausendneunhundertneunzehnte Gedicht

    Das Museum Torfbahnhof am Rande der Kendlmühlfilzen

    MÄRZ 2026 (Jahresrückblick III)

    Festgemauert wird um 12 der Spritpreis auf das Schild gebrannt –
    Teurer wird’s heut nimmer werden – auf, den Zapfhahn in die Hand!
    Weh, der Straße namens Hormus fehlt es an Geschmeidigkeit,
    Da der Influencer-Himmel über Dubai „Helft uns!“ schreit …

    Der Weg durch die Meerenge wechselt im Nu:
    Ist auf – zu – auf und wieder zu.
    Doch wo Rohöls Kräfte sinnlos halten,
    Wird sich der freie Markt entfalten
    Und der Schmierstoff des Wohlstands wird unverschämt teuer!
    Es zähmt auch den Übergewinn keine Steuer …
    Teurer wird das Leben werden – doch die Regierung, die euch liebt,
    Verspricht nun allen 1.000 Euro (nun, die euch jemand and’res gibt!)
    Und nehmet hin ’nen Tankrabatt!

    Gott, hamwa dat Gezanke satt,
    Wenn man für Sprit mal mehr berappt!
    Da Zuversicht sich arg verknappt,
    Frau Bas in fette Näpfchen tappt
    Und Timmy auf ’ne Sandbank schwappt,
    Mault alles, dass schier nichts hier klappt!
    Ja, dies Land, wo Epstein Ulmen heißt,
    Ist sooo lang schon erfolgsverwaist –
    Man vermisst das alte Wachstums-Plus,
    Es mangelt auch an Gas vom Russ‘ –
    Nur an Unmut, Wut, Frust und Verdruss
    Herrscht hier im Lande Überfluss.

    Immerhin: BaWü bleibt grün – dank rehbrauner Augen,
    Die dem Sieg der Union die Prozente aussaugen.
    Und zeitgleich verläuft dann in München die Wahl
    Für Hochross und Reiter eh’r suboptimal.
    Sehet: tatsächlich gleich zwei grüne Sieger!
    Doch drängt’s jetzt auf die Bühne Krieger,
    Die aus der Höcke heraus, unter Pöpler-Applaus
    Als Alternative erstmals Umfragen toppen.
    Ist die Demokratie, unsre Schutzglocke, hie?
    Wie lässt sich nun noch rechter Höhenflug stoppen?
    Nun, die Prüf-Demos besucht, wer findet,
    Dass das nicht mehr von selbst verschwindet …

    Unsre Koalition ist – und das sagt nicht nur sie –
    Die letzte Patrone der Demokratie.
    Und wird diese im Machtpoker sinnlos verschossen,
    Wird uns keine Schutzglocke nochmals gegossen!
    Oder nach Schiller:
    „Nichts Heiliges ist mehr, es lösen
    Sich alle Bande frommer Scheu,
    Der Gute räumt den Platz dem Bösen,
    Und alle Laster walten frei.
    Gefährlich ist’s, den Leu zu wecken,
    Und grimmig ist des Tigers Zahn,
    Jedoch der schrecklichste der Schrecken
    Das ist der Mensch in seinem Wahn.“

    Drum auf, zur Mitte, herein! Herein!
    Lasst uns die alte Glocke weih’n
    Zu übertön’n der Ränder Schrei’n:
    „Alarmglocke“ soll ihr Name sein.


  • Ricklinger Kiesteiche & das zweitausendneunhundertsiebzehnte Gedicht

    An den Ricklinger Kiesteichen

    Februar 2026 (Jahresrückblick II, 2)

    Halb elegant frag ich, was war
    Noch relevant im Februar?

    Olympia startet und Lindsey Vonn stürzt,
    Bei der Integration werd’n die Kurse gekürzt,
    Bad Bunny würzt den Super Bowl,
    Gil Ofarim siegt superhohl
    Im Dschungel, auf dass von euch niemand vergisst,
    Wie höchst telegen eine Abbitte ist,
    Weil’s wie’n Pavian-Waise die Herzen rührt,
    Wenn’s zu seinen Best Buddy ’nen Stoffaffen kürt.
    Voll niedlich, so Affen! Wer rafft da das Drama
    Um Affenbilder von Obama?!
    Die Sagrada Familia wird vollendet, Anke Engelkes Bahnwerbung eingestellt,
    Da Saviour Xavier Naidoos Wahn ’ne klare 10 von 10 erhält.
    Pakistan und Taliban sind kriegsbereit seit Tagen,
    Bei uns wird in der Deutschen Bahn ein Kontrolleur erschlagen,
    El Menchos Tod schürt einen Banden-Furor
    Und Deutschland bangt vorm Schufa-Score.
    Es gibt Rücktritte wegen der Epstein-Affaire,
    Die Artemis-Mission missioniert uns, es wäre
    Unser Planet wieder doppelt so schön,
    Wenn wir uns ans Hinter-dem-Mond-Leb’n gewöh’n.


– Die 272 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)


– Gedichte/Fotos ausgewählter Tourstationen:

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