Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Luft

Verse für die Sanguiniker, denen man Luft, Frühling, Morgen, Kindheit zuordnet.
Die unbeschwert lustigen, formverliebt selbstgenügsamen Gedichte.
Hort der Sprachspiele und Massenalliterationen.

Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Wasser oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!


  • Pollenfluglandebahn & das zweitausendachthundertneunundachtzigste Gedicht

    Traunsee bei Gmunden im Mai

    Legere Kegler (Coole Kelle, gell?)

    Im Kohlegebiet ein Kollegenabschied,
    Ein Cola-Getränk für die Collagen-Gang,
    Ein Kuli-Geschrieb von ’nem Likudblock-Leak,
    Ein Collie vorm Coli-Bakterium-Sieg.
    Ein im Kellergeschoss eingekugelter Igel,
    Im Ikea-Regal ein Gelenkkühlgel-Tiegel,
    Ein ob Kobrakotball’n sich beklagender Dieb,
    Ein Gokart, ein „Go, Alter!“-Killerprinzip,
    Ein kalligraphiertes „Ich hab dich so lieb!“

    Ein Kegelclub kellnert im Lege-Betrieb.


  • Seeschloss Ort & das zweitausendachthundertachtundachtzigste Gedicht

    Seeschloss Ort(h) -

    Gmunden im Mai

    Seh keine der Seel’n in den Traunsee sich trau’n,
    Da auf hier sich Trau’nde auch Trauernde schau’n.


  • Gmundner Kommunikation & das zweitausendachthundertsiebenundachtzigste Gedicht

    Gmundner Panorama und Kim Simonsson "La Communication"

    Ausprachehürden am Traunsee

    Es sprach das Gmundner Adjektiv:
    „Sprichst du mich aus, so liegst du schief!“
    Und fast war ich verlegen.
    Dann dacht‘ ich mir: „Weswegen?“
    Und sprach es einfach
    Aus.

    Ein
    Gschwandtner Rufer rief vom Uferl:
    „Das war doch nur ein Zungen-Zufall!
    Komm hierher, wann di traus!“


  • Sonneneinfall & das zweitausendachthundertfünfundachtzigste Gedicht

    Frühlingsblüte am Tegernse

    Schön war die Zeit (vor der nächsten Jeans)

    Und wieder riss mein Beinkleid ein
    Für eine Pimmelluke.
    Auch schwabbelte mein Oberbein
    Ins Forsch-Hinausgegucke.

    In München scheint mir solch Beleg
    Fürs lahme Outfitwechseln
    Ein doch zu pimmeliger Weg,
    Sein Image zu zerhäckseln.

    So neig ich dazu, mir deswegen
    ’ne neue Denim zuzulegen.
    Aber manch schönen Abends, da denk ich zurück
    An die Tage voll Gliedlukenhosenlochglück.


  • Tegernseedämmern & das zweitausendachthundertvierundachtzigste Gedicht

    Tegernsee in der Abenddämmerung

    Seerettungsnot

    Es dümpelt das kleine DLRG-Boot
    Übern Tegernseeer See.
    Es flüstert: „Hi, Leute – hier jemand in Seenot?“
    Und alle brüllen: „Nee!“


  • Kampenwand & das zweitausendachthundertachtzigste Gedicht

    Blick auf die Kampenwand

    Bersteigerweisheiten, Teil 123: Die Kampenwand

    Ob Kampenwand,
    Ob Wampen-Cunt –
    Wer aufi wui, braucht sich’ren Stand!


  • Gipfelwipfel & das zweitausendachthundertvierundsiebzigste Gedicht

    An der Alpspitz
    Ripostegedicht auf „Bim Bam Bum“ von Christian Morgenstern

    Bimmel Bammel Bummel Himmel Hammel Hummel

    Hoch oben fliegt die Hummel mit dem Bammel am Himmel:
    Sieht der bummelnde Hammel von unten mein’n Bimmel?!“


  • Orthodoxes in San Remo & das zweitausendachthundertsiebenundsechzigste Gedicht

    Orthodoxe Kirche in Sanremo

    Der Müde
    Mein drittes Ripostegedicht auf „Die Made“

    Tief in eines Traumes Sünde
    Schlief der Müde schön ’ne Stünde …
    Ja, endlich ist’s gemütlich leise,
    Denn der Müde ist jetzt Waise.
    Sieh, die Eltern, die er hatte,
    Hieb sein Unmut auf die Matte!

    Eines Abends sah’n die Alten
    (kurz vorm stumpfen Schädelspalten):
    „Drüben gibt es Alkohol – den wir hol’n, is eh gestohl’n –
    Zum Umtrunk auf des Bubens Wohl!

    Müde erinnert das Bübchen sich wieder
    Vom Bier geölt, grölt ruckzuck Lieder
    Sein genetisches Erzeugerpaar.
    Helene-Fischer-Repertoire
    Bracht schlaflos ihn durch manche Nacht –
    Drum gab’s Schlag Acht ’ne Schlagerschlacht!

    Und mit wütend rüder Attitüde
    Sucht der Müde nach ’nem Prügel …
    Gut gefüllte Biertrunkkrüge
    Stünd’n als Fundus zu Genüge
    Zur Verfügung
    Und mit Doom-Schwung
    Wummst der Bub mit Krug-Hub munter
    Rundum dumpf auf Stürnen ein –
    Kühn und ungezügelt brüllend
    Ungestüm den Blutdurst stüllend
    Rumms und Bumms ins Hürn hinein!
    Fürchterlich suppt’s auf die Stühle
    Künftig grüßt hier Corpus-Kühle,
    Schlusspunkt unter Pulsdruck-Schwund,
    Zuckt’s noch buttrig ungesund
    Kurzum: Im Wundenwunderland
    Ist Umzug in die Gruft geplant.
    Vaters Mund, zertrümmert, brüllt nich,
    Blutgelumpes Pfütze füllt sich,
    Mutters Pumpendurchfluss nullt sich –
    Urteilsspruch ohn‘ Ulk und Huld: Ich
    Find den Bub zu ungeduldig. Schuldig.

    Mum und Daddy soll man ehren –
    Oder gegen sie sich wehren!
    So sie nachtschlafraubend singen,
    Muss man sie zum Schweigen bringen.
    Wie’s hier geschah, dünkt hart, klar, bloß:
    Ihr Lieblingssong war Atemlos.


  • Coats d’Azur & das zweitausendachthundertfünfundsechzigste Gedicht

    Auf einem Balkon im Hafen von Nizza

    Die Mode
    Mein zweites Ripostegedicht auf „Die Made“

    Tief in eines Saumes Rande
    Sitzt die Mode im Gewande.
    Jahre sind ins Land gegangen,
    Aber die, die an ihr hangen,
    Kleiden sich noch immer so –
    Gurr’n gern um des Garnes Show.

    Der Designer sprach zum Model:
    „Trag du meine alten Zoddel!
    Sollt’s am Catwalk wer erkennen,
    Werden wir’s Upcycling nennen.
    Spiel derweil nicht grundlos dumm,
    Denn sonst holt dich Heidi Klum!“

    Schneiders Model aber strich
    Allen Fummel ab von sich –
    Und statt schummelnd, walkt die pride Deern
    In des Kaisers neuen Kleidern,
    Dass am New Chic Unbekleidet
    Sich manch Blick vorm Shitstorm weidet.

    Doch

    Der Modeshow-First-Row-Synode
    Entlockt’s verbockt ein „Oh, my God!“e,
    Denn voll devot und rot bekoppt golt dort in dem Dom der Mode
    Noch der orthodoxe Groll
    Oller Bloßer-Po-Verbote.
    Der Roben-Dresscode flowt gen Boden
    Oder ans Niveau der Hoden!
    Doch „No!“ der exponierten Fott –
    Selbst Ottos Mops motzt: „Gottohgott …“

    Droh’n solch verrohte Modelmoden,
    Gibt’s Gottlob Folterei-Methoden:
    Verdammt man Frau’n vernichtungsfroh,
    Entflammt man diese lichterloh!
    Und die Molotovcocktail-Bros jene Spots kennen,
    Wo lodenlos-wordene Showmodels brennen.
    En gros blowt so ein lodernd Brodem
    In Opfer-Bodys Todes-Odem! Show-Down.

    Es war, bevor jetzt jemand fragt,
    Der Nude Look halt nicht angesagt –
    Und kommt vielleicht auch nie in Mode.
    Nicht nur der Hubsi findet’s „Schode …!“


  • Erdbebensicherungen & das zweitausendachthundertvierundsechzigste Gedicht

    Altstadt von Dolceaqua

    Abgespritzt
    Pausen-Schreibaufgabe der Schwabinger Schaumschläger Show, bei der die vom Publikum geforderten Worte „Rauchalarm“, „Suppe“, „Schaufenster“ und „Löschfahrzeug“ in einem Text eingebunden werden mussten

    Erst lichterloh von Flamm’n erhitzt
    Und nu schaust finster, Puppe!
    Nach Rauchalarm hat dich bespritzt:
    Der Löschfahrzeuge Suppe.


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