Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Tiere

Gedichte, in denen Tiere die Hauptpersonen sind.


  • Gärten des Königlichen Alkazar & das zweitausendneunhundertsiebte Gedicht

    In den Gärten des Königlichen Alkazar

    Und wieder macht GB das Rennen

    Ich möchte andern Losern raten
    In Andalusien sich zu braten –
    Die Sonne gleißt dort hot und heißer.

    Doch die find’n meistens Soho nicer.


  • Callejón de la Inquisición & das zweitausendneunhundertsechste Gedicht

    Callejón de la Inquisición im Viertel Triana

    Der Hummelfluch

    Hör‘ ich den Rimski-Korsakow
    Beginnt’s zu jucken und ich hoff‘
    Dass keine Hummeln in der Nähe sind
    Denn wenn schon duellieren
    Besser nicht mit kleinen Tieren
    Weil da Sympathien vorab vergeben sind
    Denn nur Allergikern und Blagen
    Zeiht man moralisch das Erschlagen
    Vom gelb und schwarzen Fluginsekt
    Na, selber schuld, wer das nicht checkt

    AKT I

    „Ich drück‘ zart der Zichte ihr’n glühenden Stummel
    Ins Rückgrat ’ner grade hier ruhenden Hummel
    So zermalmt nun den Korpus der Schwirrkreatur
    ’ne Kombi aus Druckkraft und Temperatur
    Und knisterig ascht das Flügelpaar
    Das Leben entbeugt sich dem Hummelabdomen
    Solch Endlichkeitszeugnisse gehen mir nah
    Leicht bedrückt blick‘ ich auf die Erdrückte, denk‘: „Yo, man
    Ey, sorry, ne – is‘ sons‘ echt nich‘ meine Art
    Allzu gern hätt‘ ich dir die Tortur wohl erspart
    Nur es war halt ’ne echt blöde Koinzidenz
    Auch wenn du – als Insekt – dieses Wort gar nich‘ kenns‘
    Aber das is‘ eb’n der Punkt: diese Sache mit Darwin
    Ich mein‘, für mich hier als Mensch, dich zu töten, das war wie’n
    Gruß an den Schöpfer, sich zu re-vergewissern
    Sein Ebenbild degeneriert nicht zu Schissern
    Die trotz Krönungsjuwelen der Evolution
    Schon bei etwaig’n Nachfrag’n sich selber entthron’n
    Anstatt eindrücklich ausdrücklich Ordnung zu schaffen
    Mit Nachdruck für die, die’s wohl ohne nicht raffen:
    Wir sind keine Fauna-Fans!
    Wir sind Homo Sapiens!“

    Nun kam es, dass der Hummelschwarm
    Vom Tod der Imme Wind bekam
    Der argumentativ sich nicht erschließt
    Die Nektar-Queen schlägt Vollalarm
    Steht eh nicht auf den Schöpferkram
    Der Gliedertier’n ihr Daseinsglück vermiest
    Erklärt’s zur ausgemachten Sache:
    Jetzt geht’s um Widerstand und Rache
    Und so vollzieht sich Zug um Zug
    Die Oper-Ration Hummelfluch

    AKT II

    „Hier wohnende Drohnen und Arbeiterinnen
    Wir Hummeln sind hammlos – und doch in mir drinnen
    Brennt unbändig endlosbittre Wut
    Denn ständig man uns Böses tut
    Wieder traf’s eine, die Brut unsrer Sippe
    Qualvoll verkohlt an der Glut einer Kippe
    Ja, der Typ, der da grad Rimski-Korsakow flötet
    Hat nur so aus Spaß unser Mädchen getötet
    Ich denk‘, wir sollten solchen Assen
    Nicht einen Abgang durchgeh’n lassen
    Ihr Mord darf nicht für umme sein
    Drum auf, ihr Immen, zeigt’s dem Schwein!“
    Und fünf of le grüpp, sie formieren un trüpp
    Der vom Auftrag beflügelt sich vorwärtsbewegt
    Rischtüng ex-zischtenrauchende, flötende Büb
    Dessen Willen zu chillen sich plötzlich erregt
    Doch kaum spreizt sich sein Maul, um „Haut ab hier!“ zu schrei’n
    Flieg’n ein, zwei, drei, fünf Hummeln rein

    Das macht sich toll als Rächers Traum:
    Voll stechbereit im Rachenraum
    Wo jeder Stich sich schädlich potenziert
    Denn ’s wird ja, wenn der Hals anschwillt
    Die Luftzufuhr mit abgestillt
    Des Lebens Rest in Bestzeit dezimiert
    Nun kann solch Hinterlassenschaften
    Zwar der Gestoch’ne auch verkraften
    Doch spricht’s aus seinem fahl’n Gesicht
    Zumindest diesmal schafft er’s nicht

    AKT III

    „Junge, Junge – wat schwillt mir die Zunge
    Krieg‘ fast keine Luft mehr!“ – Er kommt seiner Gruft näh’r
    Und bevor sich das Blatt hier nun doch noch mal wendet
    Ist unser gestochener Held – och – verendet
    Auch was vordem im Schlund gesummt
    Alsbald verhallt es und verstummt
    So bleiben die fünf Hummel-Märtyrerinnen
    Zwar sehr effektiv, aber leider auch: drinnen
    Und noch eh der Typ komplett abkackt
    Versumpft man im Verdauungstrakt
    Im Darm vom Leichnam überwintern
    Alle Hummeln kurz vorm Hintern

    Doch die Königin spricht: „Lob und Preis
    Den Fünfen, die ihr Leben gaben
    Und ihren Platz im Paradeis
    Nebst Drohnen-Harem sicher haben
    Denn unser hummlischer Vater sorgt bei der für Profit
    Die sein huldhaltig‘ Reich durch die Märtür betritt
    Mög’n diese Fünf uns Hummeln ein
    Auf ewig leuchtend Beispiel sein!“
    Und so beschließt sie den Hommage-Schwung
    Glatt als Immenstaatsverarschung
    Denn das Hummelfahrtskommando
    Steckt und bleibt grad in ’nem Land, wo
    Man vergärt in „Poah!“-Fäkalien
    Voll entehrt in Vor-Analien

    Ja, das verschweigen Heilsversprechen
    Sich und andre abzustechen
    Endet stets als Hammelflug
    Lasst euch nicht führ’n zum Versuch!
    Mögen Ungerechtigkeiten
    Sich auch fürderhin verbreiten
    Und man rät, von Opferseiten
    Da mal drastisch einzuschreiten
    Irgendwann gäb’s auch mal Lohn …
    So lass sie reden, Hummelsohn!

    Auch ohne Schein und Selbstbetrug
    bleibt Hummel sein noch Fluch genug

    Alle Rechte bei Markus Berg, der das Gedicht 2026 im Rahmen des Abschiedstour-II-Crowdfunds von mir gekauft hat.


  • Gipfelwipfel & das zweitausendachthundertvierundsiebzigste Gedicht

    An der Alpspitz
    Ripostegedicht auf „Bim Bam Bum“ von Christian Morgenstern

    Bimmel Bammel Bummel Himmel Hammel Hummel

    Hoch oben fliegt die Hummel mit dem Bammel am Himmel:
    Sieht der bummelnde Hammel von unten mein’n Bimmel?!“


  • Tutzinger Möwe & das zweitausendachthundertdreiundvierzigste Gedicht

    Möwe in Tutzing

    Möwe

    Du bettelst so geduldig
    Um die Krumen meiner Milde.
    Ich fühl mich reich wie schuldig,
    Doch bin schildmäßig im Bilde,
    Dass das Füttern der Vögel voll schädlich ist
    Und keinesfalls uns gnädlich misst.

    Das letzte Wiegen deines Kopfes
    Hat mich dann doch noch umgestimmt:
    Dies Brez’nstück nun nimm und stopf es
    Hinein in dich Wesen, das so gut getrimmt
    Bestätigung erfahren sollte!

    Obschon ich das erst gar nicht wollte.


  • Glasperlenvorstufen & das zweitausendachthundertdreizehnte Gedicht

    Rohglas

    Of Mice and Men

    Wir sehen vom Run-Punkt der hektischen Maus
    Selbst voll unter Stress eher lahmarschig aus.
    Und steh’n wir mal ausgebremst hupend im Stau,
    Ist’s nur eine Szene der Zeitlupenshow,
    In der sich das Leben und Wirken slow abspielt,
    Auf die selbst ein Nagetier neidlos herabschielt:
    „Wie, das soll die Krönung der Erdschöpfung sein!?“,
    Piepst’s höhnend vom Mausbau. „Da schlaf ich ja ein!
    Soll’n wir die hier jetzt anschieben? Wie ist der Plan?
    Erlöst diese Sippschaft vom Größenwahn,
    Dass man sich an der Würde der Gralstempel misst,
    Ohne jedes Gespür, was Normaltempo ist!“


  • Vogelstation Moosmühle & das zweitausendsiebenhundertsechsundachtzigste Gedicht

    An der Vogelstation Moosmühle in Benediktbeuern

    Der Specht

    „Ab ins Gefecht!“,
    Denkt sich der Specht
    Und jettet hastig mit Gekrächz
    Ins nächstgeleg’ne Astgeflecht.
    Pocktock, Peckpeck, Tockpockgepecker
    Steh’n Spechtisch für „Oh Mann, wie lecker!“


  • Ilex & das zweitausendsiebenhundertachtzigste Gedicht

    Ilex-Beeren im winterlichen Botanischen Garten München

    Die feinen Unterschiede der Fastfood-Beobachtug

    So gleicht ein Vogelfutterhäuschen
    Auch einem Kettenschnellimbiss!
    Man macht ein kurzdosiertes Päuschen
    Und futtert ohne Hindernis.

    Die Sauberkeit ist niederränglich,
    Die Auswahl recht vorhersehbar,
    Die Tischgemeinschaft unverfänglich,
    Der Landeplatz bestechend nah.

    Ich sättige mich voyeuristisch:
    Seh Meisen, freu mich über sie!
    Dass ich aus Hektik so viel Glück fisch,
    Verspür ich vorm McDonald’s nie.


  • Weihnachtsmarkthimmel & das zweitausendsiebenhundertneunundsiebzigste Gedicht

    Weihnachtspyramide am Weihnachtsmarkt Essen

    Oktober (Jahresrückblick 2025)

    Hoch über den Stadtbildern, aus den’n unsre Töchterlein fliehn
    Sieht man nun südwärts die Zugvögel ziehn.
    Sie transportieren Grippeviren,
    Die Geflügelfarmen anvisieren
    Und Massenmasthofbauern keulen
    Gänse, Enten, Hühner, Eulen.
    Doch die Vögel sind ganz ohne Hintersinn hier –
    Sie sind auf dem Weg in ein Winterquartier.

    „Hey, ihr Vögel da oben, was ist euer Ziel?“
    „Naja, da gibt’s ja nicht mehr viel …
    In Darfur wütet der RSF grad mit Graus –
    Fast 500 Tote im Krankenhaus.
    In Rio sind 120 verendet,
    Ein Bürgerkrieg noch abgewendet,
    Nach Gemetzeln zwischen Cops und Favela-Familien.
    Naja, und is halt eh Brasilien …!
    Florida dämmert im Shutdown dahin,
    Argentinien macht unter Milei keinen Sinn
    Auch nach Syrien zurückzukehr’n, wär noch nicht cool,
    Bestätigte Herr Wadepfuhl.
    Nur noch Krieg und politische Vollkatastrophen –
    Da bekäm dies Gedicht ganz schnell zu viele Strophen!
    Ein Schwarm von uns ist, ungelogen,
    Drum grad gen Gaza abgebogen,
    Um sich dort zu bewerben als Friedenstauben.
    Wir dachten, die wollen ’n Scherz sich erlauben,
    Doch man hat sie tatsächlich als solche verbraten
    Im Fastfood-Menu der Vereinigten Staaten.“

    Es bleib’n die Verbrecher beider Seiten in charge –
    Da wittert man abermals baldigen Knatsch:
    Kaum ist ’ne Seite genervt von dem Friedensvertragwisch,
    Serviert man wohl prompt einen tödlichen Nachtisch.
    Denn ’ne hochdosierte Schlacht-Entfaltung
    Dient beiderseits der Machterhaltung.
    Und die Hamas übt schon mal an den eigenen Leuten,
    Denn ein Widerwort muss Spionage bedeuten –
    Und die soll’n lern’n, wer hier wieder der Babo is
    Und schon bei ’ner Zwischenfallandeutung bombt jetzt die Is-
    raelische Luftkraft ’nen Vergeltungsschlag.
    Und dieser Ausnahmefall passiert fast jeden Tag!

    Hm, das mit der Waffenruhe hat anfangs mal besser geklungen …?
    Nun, auch Nicole hat von „Ein BISSCHEN Frieden“ gesungen –
    Und a bisserl was geht immer!
    Vorher war’s durchaus noch schlimmer …

    Hey, ihr Vögel da oben – um euer Ziel zu erreichen,
    Muss eure Route einem Zickzackkurs gleichen
    Und niemals lasst den Spaß euch nehmen,
    Zu segeln zwischen den Extremen!

    Mal mit Tomahawk-Versprechung’n Selensky stützen,
    Dann den Intressen Putins nützen,
    Mal wird beinhart von der Brüssler Rotte
    Das Sanktionspaket Nr. 19 verhängt,
    Derweil die Russ’sche Schattenflotte
    Wohl bald 2.000 Schiffe lenkt.
    Ja, ein Biomatsch darf jetzt nicht mehr Veggiewurst heißen,
    Aber sonst kann man uns gerne weiterbescheißen …

    In Berlin muss Steinmeier hinaus –
    Das Schloss Bellevue wird restauriert,
    Der Ostflügel vom Weißen Haus
    Dagegen restlos wegplaniert,
    Weil der Schlossherr verlangt, einen Ballsaal zu kriegen –
    Nun, das wisst ihr, mit einem Flügel kann man nicht sehr lang fliegen.
    Und vielleicht ist’s ja mit Trumps Höhenflug
    Im nächsten Jahr dann auch genug, liebe Vögel?


  • Unter Wölfen & das zweitausendsiebenhunderteinundsechzigste Gedicht

    Auf der Kunstinsel Naoshima

    Mit 60 (Unterm Wolfdutzend)

    Bin ganz ohne Arg unter die Wölfe gegangen,
    Von denen mich Zwölfe vom Sarg aus ansprangen.
    Gegen Vierenundzwanzig musst ich mich noch wehren,
    Mit Sechsenunddreißig mich schließlich vermehren.
    Von Achtenundvierzig hab ich’s Heulen gelernt
    Und mit Sechzig den Rest meines Menschseins verlernt.

    Wie Wölfe, kommt so viel Veränd’rung im Dutzend
    Und wird dich aus Angst und Bequemlichkeit catchen.
    Nur will ich, das niemals Bestellte doch nutzend,
    Zumindest meine Zähne fletschen …


  • Nara & das zweitausendsiebenhundertfünfundfünfzigste Gedicht

    Sika-Hirsch in Nara am Kasuga-Taisha-Schrein

    Nara Rehkekse, 10 Yen

    Eine Großstadt voller Rehe
    In sehr ungewohnter Nähe.
    Ihre Art stand da als Standard,
    Dem man dann zu Fressen anbat.


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