Ohne Kollisione
Torkelnde weichen den Korkeichen aus –
Wenn Flaschen verkorkt sind, kommt nichts aus ihn’n raus!
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten
Genussmittel in der Lyrik: Zigaretten, Alkohol und andere Drogen. Verse übers Saufen, Qualmen und Wegdriften.

Ohne Kollisione
Torkelnde weichen den Korkeichen aus –
Wenn Flaschen verkorkt sind, kommt nichts aus ihn’n raus!

Dieses eine Bier!
Ein kühl und warm mich küssendes Bier
Berinnsalt meine Kehle
Und jeder Schluck besinnt: „Bin dir
Ein Kleinjuwel der Seele!“
Göttlichkeit, die längst erlöst
Vom Religions-Gebete,
Dass jeder Sinn schmeckt eingemöst
Vom Sex mit Nofretete.
Ach, tretet Jesus, Mohammed, …
Genüsslich in die Tonne –
Hier kommt ein Heiland, doppelt fett,
Und rüstet mich mit Wonne!
Auch wenn mich die mähliche Ahnung umkurst:
Vielleicht hatt‘ ich einfach nur wirklich viel Durst.

Ripostegedicht auf „Verse zum Advent“ von Theodor Fontane unter Benutzung aller Endreime
Wär’se nich am End …!
Ich wollte mich noch grad entflohn,
Da warst du Weihnachtsengel schon
Zur Stube rausgeschritten.
Aus meiner unt’ren Mitten
Erklang ein pupsig Seufzer-Ton.
Die Abfuhr ging mir wirklich nah,
Grad als ich in den Kühlschrank sah,
Aus dem ich sonst abzweige,
Doch der war pure Neige –
Allein sechs Flaschen Schnaps noch da!
Der’n Spirits werd’n mich jetzt verheer’n
Und aus dem Kern der Welt entfern’n.
Man wird an meiner Fahnen
Mein letztes Mahl erahnen.
Und über allem schwebt dein Stern!

Der Kater
Ich habe grad sehr viel sehr Totes im Mund
(es lässt sich nicht runder beschreiben).
Es schmeckt nicht gemütlich, es schmeckt nicht gesund,
Doch verkündet: „Hier werd ich heut bleiben!“

Die Nämlichen (eine Beschwerde)
Ich bin überfordert in den Gassen von Städten, Den megalomanen, den altstädtisch-netten – Ich bin überfordert von Gassen.
Ich suche die Tür der Cafés in den Gassen Und finde sie nur, wenn sie andre verlassen – Mich irritieren Cafés.
Mein Blick irrt durch Karten von diesen Cafés, Es wankt meine Wahl, bis mein Blick schreit: „Ich seh’s!“ – Ich stürze ab in Karten.
Mich durchspül’n die Getränke aus all diesen Karten (ich würde mehr Ruhe von ihnen erwarten) – Mich stören fortwährend Getränke.
Mich quäl’n der Getränke unzählige Tropfen, Die immerzu an jene Stadttore klopfen!
Diese Stadtgassencafékartengetränktropfen.

Spätabendspaziergang
Noch ein kurzer Gang durch verlassene Gassen – Auf ein Gedicht und ein passendes Bier! Kann die Zwanghaftigkeit meines Ausritts kaum fassen … Doch irgendein Kurzrausch gehört noch ins Hier.
Dieser Tag könnte jetzt schon vorüber sein – Und er ist es, bei Lichte beseh’n! Da erhellt eines Dosenbiers trübender Schein Seiner letzten Minuten Vergeh’n,
Untergehakt von verhaltenen Zeilen –
Die später mit mir diesen Aufenthalt teilen.

Glockenspiel
Ich tauche Langsam Unter Eine Glocke Alkohol.
Ich grinse und frohlocke Und ich proste Auf mein Wohl.
Gleich kippelt es im Willen, Gleich wird er breiig sein. Gleich läuft es aus den Rillen, Und vielleicht spei ich mich ein.
Und ob ich auch beim Alkohol
Mich spielend leicht verzocke –
Wann hätt ich mich so wohl gefühlt
Wie unter
Dieser
Glocke?
Vorabendtreffenerinnerung
Ein. Die Biergespräche war’n lang,
Nun nötigt mich mein Harndrang
Spätnächtens aus dem Bett raus.
Ich denke: „Das war nett!“ Aus.
Höchste Eisenbahn
Wir war’n schon doof ob des Befeierns
Jener Bahnhofshoheit Bayerns …
Doch Hochmut währt nur kurz – wie wahr!
Stets gefährlich absturznah …
Vielleicht, dass Schmetterl …
Kaum, dass der Sommer dir versprach,
Du würdest nie mehr frieren,
Verfinstert sich der Rest vom Tag
In längst geleerten Bieren.
Die Brunnen sind noch in Betrieb –
Dann hab’n wir’s noch nicht Winter!
Du schwörst, es hätt‘ dich jemand lieb
und kommst auch noch dahinter …
Die Würfel sind im freien Fall –
Da ist noch nichts entschieden
Und alles ist jetzt überall.
Der Schlusspunkt ward vermieden.
Noch laufen vor allem die Brunnen vorm Tore –
Doch die schönen Geschichten sind alle erzählt.
Ich schwitze den Alkohol aus jeder Pore –
Vielleicht, dass aus mir sich ein Schmetterling schält …?
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