Im US-Nationalarchiv
Und jeder prüft nun online nach, ob Opa bei den Nazis war –
Doch wer prüft mal das eigne Denken: Ist es der AFD schon nah?
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten
Meine Heimatstadt, obschon 1998 gen Hamburg verlassen, ist immer noch jedes Jahr für mindestens sechs Auftritte und unzählige Zwischenstopps gut.
Jede Menge Essen-Gedichte finden sich in meinem Buch „Büdchenzauber und Zechenverse“ (http://www.conbook-verlag.de/buecher/ruhrgebiet/)

Im US-Nationalarchiv
Und jeder prüft nun online nach, ob Opa bei den Nazis war –
Doch wer prüft mal das eigne Denken: Ist es der AFD schon nah?

Der Ginkgo: Recht- vs. Versschreibung
Was den Goethe bewegte zu einem Poem,
Bäumt sich auf zu ’nem handfesten Rechtschreibproblem!
Ich dachte erst, man schreibt das so:
Da stand ein Baum, der Ging k.o.
Doch ist das „G“ erst später dran –
(o. k., ein weitres steht vornan) –
Man stellt das zweite „G“ nach da,
Wo erstvermutet stand das „K“.
Dann, Schreiberling, saG: ink, go!
Für ’nen korrekten Ginkgo.

Die 7 Todsünden: Acedia. Die Trägheit
Tiefdämmrig und aufgedunsen
Räk’le ich mich, tonnenschwer,
Unter sonnenfernem Grunsen,
Träg wie ein K.o.labär –
Belle müd‘, doch unverhohlen:
„Scheißwelt, bleib‘ mir bloß gestohlen!“
Und dann dross’le ich jed‘ Schnurzsein –
Mag mich gar nicht echauffieren –
Klemm‘ den Wutausbruch als Furz ein,
Lass‘ ihn lautlos rausspazieren …
Ja, so schmiegt sich das Banale
Willig in das Scheißegale,
Staut sich als Gedankenmüll
Wirkungsfrei im Vestibül.
Nichts an mir wird sich bewegen
Und kein Muskel sich noch regen –
Ich lieg‘ im Leib so wie im Sarg,
Faul im Staate Gähnemark.
Oh, spotten wir dem Zwangssportiven
In seiner erbärmlichen Zwecklosigkeit
Und lehnen zurück uns im vegetativen
Nervengerüst, der Genüsse bereit!
Denn Schwelgen lässt sich am besten im Liegen,
Und nur Renitenz bremst der Hektik Intrigen.
Ich verklapp‘ all mein Zappelbedürfnis gelind
Im darmauswärts strömenden, würzigen Wind
Aus Flatulenz und Abstinenzler-Aroma,
Den Zwölffinger faltend, bet‘ ich mich ins Koma –
Und das soll doch, bitte, genug Tuung sein!
Schon fast wie erschöpft, reduzier ich mein Sein
Um mich gesättigt zu versenken
In das Reich Acedia –
Abgekappt von Stress und Denken,
Sanft zentriert im Wunderbar!
Wär‘ da nicht die Last des Atmens –
Das jahreinjahrausige Rein und Raus –
Jener ewige Zwang präasthmatischen Darbens
Des Lungen umschlungenen Lüfteverhaus!
Denn gleich, ob er wacht oder kauert im Schlaf,
Immerzu meldet mein Körper Bedarf
An Neuzufuhr von Sauerstoff –
Und nimmer kehrt da Ruhe ein!
Unentwegt möcht‘ ich „Enough!“
Oder Sinnverwandtes schrei’n.
Ach, dieses Atmen – es strengt mich so an!
Wer, der’s statt meiner erledigen kann?
Na, Beatmungsgeräte – ich mein‘, gibt’s die nich‘ auch
Für Menschen wie mich zum privaten Gebrauch?
Ich würde mir – nur, um nie wieder zu kau’n –
’ne Magensonde selbst einbau’n
Und denke, dass den Krankenkassen
Sicher wär‘ der Dank der Massen,
Bewilligten sie solch – von mir längst erflehte –
Chillige Lebensrelaxingpakete.
Ich will doch nur Ruhe, entschleunigte Gnad,
Möcht‘ elegisch erschlaffen, belastungsbefreit,
’nen jed‘ Hast entlastenden Heilsapparat –
Kurzum, Amnestie von der Körperlichkeit!
Denn soll dieser Wix mein Schicksal sein,
So will ich, Leben: Stelldichein!
Wiewohl doch die Ahnung mich stetig zerfrisst,
Dass Sterben ja auch eine Tätigkeit ist.
Und ich erblick‘ mit Unbehagen
Allseits Klippen um mich ragen –
Man scheint dem Reich Acedia
Auf ewig unerreichbar nah!
Und wie durchschreitet man solch Tal?
Davon mehr beim nächsten Mal …
Alle Rechte bei Oliver Resken, der das Gedicht 2026 im Rahmen des SLAMMED-II-Crowdfunds erstanden hat.

Ich, angefüllt von Neid
Ich bin zu spät gekommen, um den Anschluss zu kriegen,
Denn ich musste zuvor noch Bedürfnisse wiegen,
Den Schweinehund in meinem Innern besiegen –
Doch nun wär ich bereit!
Ich habe zu lang mir die Lösung verschwiegen,
War viel zu beharrlich, gerade zu biegen,
Die Zeiger meiner Zeit.
Nun betrachtet die Champions der unteren Ligen:
Ich, angefüllt von Neid.

Sonnenfinsternis, partielle
Als hätte dem T wer den t-Strich geklaut,
Zuvor noch den i-Punkt nebst L-Eck verdaut.
Als wär das C-H komplett kehlloser Laut –
Das Wort insgesamt erst zur Hälfte erbaut …
Es fehlte manch Rinnsal vom üblichen Licht.
Naja, aber finster?! War’s eigentlich nicht.

Januar (Jahresrückblick 2026)
Kurz nach dem Korkenknallen war es –
Da lern’n wir die erste Vokabel des Jahres:
„Flashover“ in Crans-Montana, drauf „Blackout“ in Berlin –
Die Vulkan-Gruppe löscht da das Licht aus. Grad zu Kai Wegners Tennistermin!
Auch der Merzfritze prägt einen neuen Begriff,
Denn der Leistungsbereitschaft im Land fehlt’s an Schliff,
Und das prangert er an als „Lifestyle-Teilzeit“.
Weil alles „Thailand-Reise, geil!“ schreit.
Derweil bleib’n weitgeh’nd ohne Likes:
Die ÖPNV-Verdistreiks
Dann wird, was im Land an Verkehr sich noch regt
Vom Wintereinbruch abgesägt.
Eiskalt erwischt’s manch Fußballspiel –
Boah, mit dem Stillstand in Deutschland wird’s langsam zu viel!
Was noch läuft, ist ein Drohnenmegadeal
Mit der MAGA-Ratte Peter Thiel –
Ja, so sonderbar versandet das „Sondervermögen“ …
Gewählt zum Unwort des Jahres – wer fragt noch „Wöswögen?“
Nun, wenn’s dem Herrn Dichter hier nicht mehr gefällt –
So richt‘ er sein’n Blick auf den Rest dieser Welt!
In Cordoba entgleist ein Zug,
Was 46 tötet,
Da in Gaza der Plan für ’nen Friedensversuch
Zur zweiten Runde trötet;
In Aleppo werd’n Kurden zu Freiwild erklärt –
Was der Westen der neuen Regierung gewährt.
Nun, man muss im Klan der Chilligen
Gewisse Dinge billigen …!
Im Iran begehrt das Volk auf, protestiert unverdrossen.
Doch bevor dort was kippelt, wird alles zerschossen.
Und dann muss man für die Leichen von Töchtern und Söhnen
An die Mörder zunächst das „Patronengeld“ löhnen.
Ja, es kann unser Klan der Chilligen
Auch solche Dinge billigen!
(nunja, kurzer Spoiler – ich bin mal so frei,
Es folgt in dem Jahr noch ein Teil Nummer Zwei!)
Das EU-Abkommen mit Mercosur
Dräng’n Grüne und Rechte vereint aus der Spur –
So erntet man mal in der Landwirtschaft Wähler
Denn die woll’n keine Steaks hier aus … Venezuela.
Dort setzt jetzt Maduro Ausgehtrends
Für junge Jogginganzug-Fans:
„Die findisch im Flugzeug und Zug voll bequem!“
Sobald sowas trendet, muss niemand sich schäm’n.
Und überhaupt: Scham – is soo Zweitausendzehn,
26 bekomm’n wir Entgrenztes zu seh’n!
Musks „Grok“ erzeugt freizügig Bottomless Pix –
Die verbergen – konträr zu den Epstein-Files – nix!
Und ohne weit vorauszutraben:
Es war das Jahr der Großbuchstaben.
Und niemand schrieb größer und stilbefreiter
Und stetig aggressionsbereiter
Als Kampfschlumpf Trump auf Truth Social Truth –
Ein Mann noch schlechter als sein Ruf!
Voll ungebremster Headline-Gier
Und offenkundig geistig wirr.
Das Gernegroß macht in Davos
Die anderen Staatschefs ganz friedenratlos –
Mit dem „Board of Peace“ stellt Donald klar:
Die NATO ist dem Tode nah, UN – das steht für UNdankbar
Und auch der letzte Hort deutscher Glückseligkeit
Wird um seine Idylle betrogen:
Oh, Apokalypse, nun ist es soweit –
Bushido ist samt seiner Brut in Grünwald eingezogen!
Man glaubt schon ans „Schlimmer geht’s nimmer!“ – und doch
Es bleiben uns ganze elf Monate noch …

Frühling lässt sein blaues Band … (Mörike reloaded)
Knospen knistern, Knaben knuspern
Am Backfischgeschwärme vom letzten Jahr.
Flügel flüstern, Winde wispern:
Er ist’s! Er ist’s – wie wunderbar!
Frühling lässt nun Staub erblüh’n,
Leiber im Hormonstau glüh’n,
Ditt kleenste Fleuchzeuch Wachstum wittern,
Den tumbsten, dumpfsten Stumpf erzittern.
Frühling, Du bist’s! Wir haben Dich vernommen –
Bienvenue, welcome und herzlich willkommen!
Du tauchst in Tau und Birkengrün
Verdörrtes Land und fingerst kühn
Dem winterhart gestockten Boden
Am keimbereiten Sämlingshoden.
Da wölbt sich Mother Natures Bauch
Im erdigwarmen Frühlingshauch,
Da girrt und gurrt es, summt und surrt es,
sirrt und schwirrt es – ja, nun wird es
Frühling! Wieder wehen traulich
Deine Flatterbänder blau sich.
Erde weicht sich, Kälte schleicht sich
Und das Maienglöckchen zeigt sich.
Mörike, Dich hör’ ick trapsen!
Nachtigallen, Amseln, Spappsen!
Holder Dolden Blütenpracht –
’s hat er wieder schön gemacht!
Und in all dem Blüh’n, da: Welkst nur Du.
Schaust Dir selbst beim Altern zu,
Ahnst beim Anblick erster Falten:
Da is’ nix mehr aufzuhalten!
Dieser Bauch wird niemals Brett mehr,
Deine Haarpracht nicht komplett, sehr
Schade ist das, keine Frage –
Doch Du hattest Deine Tage!
Schlitterst nun mit letzter Klarheit
Von der Ist-Zeit in die War-Heit.
Ziehst und zerrst an Körperstellen,
Wo sich nun die Dellen wellen,
Denkst zurück an letztes Jahr,
Da das auch nicht anders war.
Doch dachtest Du: Na, das lässt sich richten!
Mit irgendwas, mit … Ja, mitnichten.
Blaukraut bleibt Blaukraut
Und White Stripes bleibt White Stripes –
Nur ich soll ergrau’n, wenn sich alles in Grün zeigt?
Mein lieber Lenz, Du, leck mich doch!
Wie lange war ich Dein Verfechter,
In Deinem Sinne Worteschlächter?
Nun frag ich mich: Kennst Du mich noch?
Wer wärst Du ohne Lyrikstütze
Und wem Dein Grün und Blüh’n zunütze?
Wir haben Dir Anmut angedichtet,
Manch Abart Dir per Vers gerichtet,
Das Beste aus Dir rausgefischt,
Dem Volk romantisch aufgetischt:
Dich, den Dichter-D’Artagnan! Du
Duselduttending der Dichtung,
Du dankst Dein Renommee den Dichtern,
Die Dich doch erst einst etablierten
Als zum Star empor geschriebenen
Refrain im Chor der Liebenden!
Dich, den gernegroßen, sambereiten
Vollprolet der Jahreszeiten!
Wärst ohne unsern Wahlbetrug
Nur Nieselreg’n und Pollenflug.
Ein Pickeljungspund, chronisch willig,
In allem absehbar und billig!
Du tauchst die Welt in Schwalbenkot,
Bringst Heuverschnupften Atemnot
Und Cortison keult rudelweise
Die Opfer Deiner Wucherpreise!
Nun ziehst Du wieder durch die Länder
Mit triebverpeiltem Dauerständer
und prahlst, dass es halt Dein Problem bleibt,
Wer sich das Glied heut wo in wem reibt.
Du pfeifst auf Deine alten Texter,
Grölst nur gen Nachwuchs „Wer ist Nächster?“
Okay, dann geh! Du kannst da bleiben –
Ich werd’ mich nun dem Herbst verschreiben!
Nenn’ Frühlingsverse ein Verseh’n,
Streb’ fortan nur noch nach Vergeh’n!
Werd’ Laub zu Lab und Lob verdichten,
Im Modern das Moderne sichten,
Dass jeder dem Verfall verfalle –
Nie vor November sich verknalle!
Wenn waldigfaulen Pheronömen
Die Boys and Girls entgegenströmen.
Aus dichten Quellen weiß man ja,
Der neue Jahreszeitenstar
Er ist’s! Er ist’s – wie wunderbar:
Der Herbst. Mach Dir ’n Reim drauf klar!
Denn Versmaß rules! Und wird noch regeln
Mit eingewachs’nen Zehennägeln,
Um runzligpunzlig anzuschau’n,
Den Herbst als Erbprinz aufzubau’n!
Und ohne Abers, ohne Wenns
Mach ich mir dann den wahren …
Alle Rechte bei Cora Cristofolini, die das Gedicht 2026 im Rahmen des Abschiedstour-II-Crowdfunds von mir gekauft hat.

Möbliert
Ich seh in manchen unsrer Möbelstücke
Noch den Wunsch nach ’nem stilvollen Leben.
Doch mangelte hierzu es zu oft am Glücke,
Galt’s das Kleinod in Großtrott zu weben.
Unser Glaube, wir könnten viel größer sein,
Ward von Opfern wie diesen gepflegt.
Sie ragen hervor, aber wir blieben klein –
Hab’n die Möbel dann nicht mehr bewegt.
Doch wie gern seh dich – nicht ganz ohne Stolz –
Vor dem edlen Designregal sitzen.
Wir werd’n aus betrübter Erinn’rung – was soll’s!? -,
Uns etwas Zufriedenheit schnitzen!

Rückzugsort für Unverdrossene
Den Kopf voll Versagen, die Haut voller Zecken,
Ein Garten, in dem sich Triumphe verstecken –
Das sind alles sehr zarte Pflänzchen!
Im Stolz, was zu wagen, sich selbst überschätzen.
Als Stammgast begrüßt auf den hinteren Plätzen.
Doch immer noch Bock auf ein Tänzchen …
Natürlich, da gäb es noch recht viel zu sagen –
Nur müssen wir das auf ein Später vertagen,
Da die Welt eh gefüllt ist von Zeilen!
Für bislang Erlebtes: poetische Faxen.
Doch erstmals kann ernsthaft aus Erde was wachsen,
Wenn Rentner in Gärten verweilen.

Ein weiterer (der letzte) Songtext fürs nächste Marilyn‘s Army Album „Gold“.
Geh mir weg mit Heimat!
Fein, du hast dich neu entdeckt, sprichst jetzt Dialekt – fein, fein!
Das klingt keck wie adrett, du machst es dir hier nett – fein, fein, fein!
Dein Insta-Konto misst, dass du jetzt witzig bist – fein, fein!
Man nennt dich aufgeweckt, du sprichst Dialekt – fein, fein, fein!
Wir werd’n uns nie verkaufen
Haben wir gedacht und es doch gemacht
Ja, is jetzt doof gelaufen
Nich mal’n Freispiel drin – aber immerhin
Du hast dich neu entdeckt, sprichst jetzt Dialekt
Ey, geh mir weg mit Heimat!
Es ist der alte Dreck, Du kommst hier nicht vom Fleck
Ey, geh mir weg mit Heimat!
Individuell sprichst du jetzt Massendialekt
Und du bist fett, fett, fett, fett, fett geworden!
Beheimat’st dich in dem bepissten Dialekt
Und du bist fett, fett, fett, fett, fett geworden!
Wir werd’n uns gut verkaufen
Hatten wir geplant, doch vorausgeahnt:
So viel kann niemand saufen
Dass man Paul vergisst – weil Paul jeder ist
Du hast dich neu entdeckt, sprichst jetzt Dialekt
Ey, geh mir weg mit Heimat!
Es ist der alte Dreck, Du kommst hier nicht vom Fleck
Ey, geh mir weg mit Heimat!
Individuell sprichst du jetzt Massendialekt
Und du bist fett, fett, fett, fett, fett geworden!
Beheimat’st dich in dem bepissten Dialekt
Und du bist fett, fett, fett, fett, fett geworden!
Geh mir weg mit Heimat!
Geh mir weg mit Heimat!
Ey, geh mir weg mit Heimat!
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