Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Wasser

Verse für die Phlegmatiker, denen man Wasser, Winter, Nacht, Baby- und Greisenalter zuordnet.
Die beschreibenden und erzählenden Gedichte.
Von der Naturlyrik bis zu allen Längenvarianten der Ballade.

Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!


  • Wasserspiel Aquaretum & das zweitausendneunhundertzweite Gedicht

    Wasserspiel Aquaretum beim Hafen Enge

    Unter Eidgenossen

    Auch dort, wo die Schweiz einfach Schweiz ist,
    Beginnt sich der Urlaub zu regen.
    Wem Berggipfelaussicht von Reiz ist,
    Komm’n Schweiz-Aufenthalte entgegen.

    Manchem ist es alleine die Sorglosigkeit,
    Die sich türmt in den Migros-Regalen.
    Andre maulen dagegen, man müsst für die Zeit
    Unter Schweizern doch sehr viel bezahlen.

    Doch das saftige Grün, die Türkiskraft der Seen –
    Sie lassen ein wohliges Prickeln entsteh’n
    Wie ein testend Beschnuppern der Sorglosigkeit.

    Ein Schälchen von Luxus, genösslich in Eid.


  • Sultensattel & das zweitausendachthundertzweiundachtzigste Gedicht

    Weg zum Sultensattel

    Humpeligen Schrittes (Ein Abstiegslied)

    Nun, humpeligen Schrittes
    Eine Bergtour zu beschließen …
    Bergab rutscht man taleinwärts,
    Neigt schon zum Vorabgenießen:
    Die Einkehr auf biergärtnerischen
    Kehraus’n’durchschnaufbänken.

    Der Brand der Fußsohl’n bändigt sich.
    Ob’s anstreng’nd war? „Pah, lächerlich!“,
    Lässt sich behend schon denken.


  • Zweiter Wintereinbruch & das zweitausendachthundertvierte Gedicht

    Schnee im Garten von Bredeney

    Vortauzeit

    Im Schnee ahnt sich nichts, dass er bald schon verschwindet,
    Dass ein Tauwetter kommt und den Tusch überwindet,
    Den er gewichtig angestimmt,
    Und aller Schicht die Deckkraft nimmt.

    Sein Intermezzo bleibt als Stück,
    Vom Schnellfall angespielt,
    Es variiert allein darin,
    Wie lang er dies Jahr hielt.


  • An den Auffahrtsalleen & das zweitausendsiebenhunderteinundneunzigste Gedicht

    Erstes Eis auf dem Nymphenburger Kanal

    In Deckung gehen

    Die erste Eisschicht blitzt und mahnt,
    Dass hier bereits der Winter zahnt
    Und erste Seelen pflückt.

    Und war da grade nicht ein Zischen:
    Vielleicht wird’s dies Jahr dich erwischen! – ?

    Du gehst fortan gebückt.


  • Tyssaer Wände & das zweitausendsiebenhundertneunundsechzigste Gedicht

    Auf den Tyssaer Wänden

    Herbstfarben

    Du bist der begnadetste Waldmaler, Herbst!
    Wenn du ihn schwungvoll golden färbst,
    Wird’s allen andren Jahreszeiten
    Unverwandt viel Neid bereiten.

    Dort tupft sich ein Laubdach,
    Da hupfen Kastanien –
    Ein Wort wird entstaubt, ach,
    Das klingt wie Arkadien.

    Im Wald, da geraten
    Frühling, Sommer wie Winter,
    Mit all ihren Taten
    Ins hinterste Hinter-
    treffen. Du pfefferst verlässlich mit Farben
    Aufs eigentlich grässliche Tor in das Darben.


  • Omikuji & das zweitausendsiebenhundertsechzigste Gedicht

    Omikuji am Tsurugaoka Hachiman-gū - der wichtigste Shintō-Schrein in der Stadt Kamakura

    Juli (Jahresrückblick 2025)

    Das erste halbe Jahr ist um
    Und mancherlei Konflikt ist dumm
    Bis – wir geb’n’s zu – unsäglich dämlich verlaufen.
    Nur, was kann sich da Brosius-Gersdorf von kaufen?

    Die Verteilung der Gaza-Hilfe benötigt Struktur –
    Man überträgt sie dem GHF Israel, nur:
    Im geregelten Chaos der Hilfsgüterstellen
    Die Opferzahl’n nach oben schnellen
    Und Gaza wird offiziell Hungergebiet,
    Dass selbst Fritze Merz anmahnt, was dort geschieht.
    Wir stoßen an unsere Grenzen in Polen,
    Weil die uns nun nicht mehr hereinlassen wolen.
    Die verwaisten Grenzposten kommen wieder zu Ehren,
    Verstärkt durch stramme Bürgerwehren.

    Hulk Hogan stirbt und vererbt als Trump-Fan
    Demselben seine Wrestling-Kraft.
    Der presst drauf aus der Von der Leyen
    Beim Zoll-Deal noch den letzten Saft.
    Null zu Fünfzehn (%) lautet’s dann final
    Und Uschi findet’s optimal.
    Um bei idiotischen Scheißdeals zu bleiben,
    Denn der Trump hat uns da plötzlich voll an der Leine,
    Berlin kauft seine Patriots
    Teuer der USA ab, für die Ukraine.
    Die Staaten sparen grad selbst ihren Wetterdienst klein,
    Weil Meteorologen lügen!
    Prompt flutet’s in Texas ein Kindercamp ein –
    80 Tote und Mitschuld werd’n einfach verschwiegen.

    Derweil’s zwischen Kambodscha und Thailand rasselt,
    Dauerregen in hiesige Sommerzeit prasselt,
    Ganz Wacken versumpft in Schlamm und Moor.
    Und die Berliner Mohrenstraße kommt nun nicht mehr im Stadtplan vor.

    Welche Themen gab es noch
    Am Eingangstor zum Sommerloch?
    Das Oasis-Comeback und Ozzy Osbourne tritt ab,
    Laura Dahlmeyer findet am Laila Peak-Berg ihr Grab,
    Da beim Sommertrend Labubu das Angebot knapp is,
    Gibt’s viel zu viele Einser-Abis,
    In den Freibädern wird ab jetzt nicht mehr geschwommen,
    Weil immer mehr Boys nur zum Grapschen herkommen.
    Und ein EM-Aus gegen Spanien gilt mit einem Mal
    Im Fußball jetzt geschlechtsneutral.
    Beim ARD-Sommerinterview
    Wird das Muh’n der Weidel-Kuh
    Von schadenfrohem Gedröh’n übertönt –
    Auf dass man sich nicht an solch Fladen gewöhnt.

    Ein Killerwels im Brombachsee
    Das Regenbogenfahnen-“Nee!“,
    Weil der Bundestag einfach „Kein Zirkus“ sei –
    Nun, das war für uns wirklich neu!
    Von der Erkenntnis ähnlich mau
    War nach dem Juli der Au-Au-gust …


  • Atomic Bomb Dome & das zweitausendsiebenhundertachtundfünfzigste Gedicht

    Hiroshima-ken Sangyō Shōreikan - der Atomic Bomb Dome

    Die liebe Kriegstüchtigkeit

    Achtzig Jahre ist für’n Schrecken
    Ein sehr stolzes Alter.
    Was als Chance für sich entdecken:
    Aufrüstungsgestalter.


  • Nara & das zweitausendsiebenhundertfünfundfünfzigste Gedicht

    Sika-Hirsch in Nara am Kasuga-Taisha-Schrein

    Nara Rehkekse, 10 Yen

    Eine Großstadt voller Rehe
    In sehr ungewohnter Nähe.
    Ihre Art stand da als Standard,
    Dem man dann zu Fressen anbat.


  • Kou Beach Teshima & das zweitausendsiebenhundertzweiundfünfzigste Gedicht

    “Beyond the Border - Prayer” by Taiwan artist Lin Shuen Long on Kou Beach on the island of Teshima during the 2025 Setouchi Triennale Art Festival

    Asiatische Schweiz

    Die Schweiz Asiens hat Küstenstrand
    Und spreizt sich als ein flüsternd Band
    Von Insel zu Eiland zu Insel.

    Sie brät und bretzelt wildes Zeug,
    Vor dem ich rätselnd mich verbeug
    Von Insel zu Eiland zu Insel.

    Sie lichtet sich durch Heiligtum
    Und schichtet auf vergang’nen Ruhm
    Von Eiland zu Insel zu Eiland.

    Im Land ein Jubel von Idyll
    Und stadtwärts Trubel sans Gebrüll –
    Und ich der Reise-Heiland.


Die 272 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)


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