Nara Rehkekse, 10 Yen
Eine Großstadt voller Rehe
In sehr ungewohnter Nähe.
Ihre Art stand da als Standard,
Dem man dann zu Fressen anbat.
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten
Verse für die Phlegmatiker, denen man Wasser, Winter, Nacht, Baby- und Greisenalter zuordnet.
Die beschreibenden und erzählenden Gedichte.
Von der Naturlyrik bis zu allen Längenvarianten der Ballade.
Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!

Nara Rehkekse, 10 Yen
Eine Großstadt voller Rehe
In sehr ungewohnter Nähe.
Ihre Art stand da als Standard,
Dem man dann zu Fressen anbat.

Asiatische Schweiz
Die Schweiz Asiens hat Küstenstrand Und spreizt sich als ein flüsternd Band Von Insel zu Eiland zu Insel.
Sie brät und bretzelt wildes Zeug, Vor dem ich rätselnd mich verbeug Von Insel zu Eiland zu Insel.
Sie lichtet sich durch Heiligtum Und schichtet auf vergang’nen Ruhm Von Eiland zu Insel zu Eiland.
Im Land ein Jubel von Idyll
Und stadtwärts Trubel sans Gebrüll –
Und ich der Reise-Heiland.

Japan
Die Lichtreklamennachglanzfasern Kämmen mich ins Bett, Jed Sinneseindruck fährt Shinkhansen Durchs Menschenstromballett.
Auf religiösen Ödnisinseln Bewahrt sich die Folklore Und prahlt: Kalligraphien zu pinseln Erhellt mir jede Pore!
Man meistert fraglos die Balance,
Doch nicht im Gleichgewicht.
Ich dauerstutze durch das Ganze
Und es erschließt sich nicht.

Disziplin
Disziplin ist eine ewige Lehre, Die Tag um Tag neue Nuancen erklimmt, Dass niemand der Anderen Störung begehre, Sich im Schwinden der eigenen Sichtbarkeit trimmt.
Disziplin ist ein ewiger Kriegsschauplatz
In der Negation eigenen Willens,
Killt Exzess, Dekadenz, tillt Radau und Rabatz
Für den Herdentrieb sicheren Drillens.

Schwertransporter vorm Schlachthof
Ein sehr, sehr braver Tierkadaver Nimmt hier sein Schicksal lächelnd hin, Da ich vor Rechthabergelaber Fortwährend hechelnd friedlos bin.
Vor aufgezwung’nen Ruhezeiten Ließ ich mich gern schon jetzt geleiten Herauf zum Überschmunzeln.
Will auf der Farm vorm Blass-Erkalten
Enorm Gelassenheit entfalten –
Im Namen meiner Runzeln!

Augustalm
Die Sommersonne leiht sich Aus den Felsen die nötige Kraft. Ab Mitte Augustus vermeid ich Zu schätzen, wie lang sie’s noch schafft.
„Noch elend lang!“ könnt ich mir dichten – Doch manch Vers holpert über den Rand Hinab in verkühlte Geschichten.
Noch hält die Festung stand.

Die Affäre
In Klimaleugnerschurkenstaaten Obliegt’s gewählten Potentaten, Die Protokolle zu verraten, Der Welt Ressourcen zu verbraten, Dass Wind und Wetter wüst entarten, Saharaartig Sommer starten, Drauf Lüftchen zum Orkan geraten, Bis schluchzend wir durchs Ahrtal waten – Und rings herum verdorren Saaten Zum Blues verstrich’ner Ultimaten! Der Jetstream beamt fatale Daten Bereits enteilter Tilgungsraten Auf blanke Arktisansichtskarten. Und die im Permafrost erstarrten Gase werden Atmosphäre.
Und dann endet die Affäre!

Der Orniethologe
Ich hör, es sind sehr viele Vögel im Garten – Ein quirliges Mischmasch von fliegenden Arten, Allüberall flatterndes Huschen.
Sie müssen im Nirgendwo starten und landen? Forsch losgeschickt, all meine Blicke versanden – Spendiert mal ’n Anblick, ihr Luschen!
Rascheln, Piepser und Geflitze Nehm ich wahr, da ich hier sitze, Und sehr viel Gebüschtes.
Aber Äuglein, Federkleider
Seh trotz Warterei ich leider
Immer nur als Nüschtes!

Vorm Sommerzenit
Der Sommer hat das Blüh’n gelernt Und zögert noch zu brennen. Den Fakt, dass uns sein Glüh’n betrübt, Scheint er ganz gut zu kennen.
Noch ist dem Grün er zugeneigt,
Noch soll kein Hälmchen knicken.
Doch bald entfesselt sich sein Brand,
Bald wird die Zeituhr ticken …

Buddylotion
Es sind Lebensgefährten wie Bodylotion Kurz sehr prägend, um sich dann zu entleeren. Und dein bester Kumpan, sag, beginnt er nicht schon Sich einzuquartier’n ins Entbehren?
Es ging ja lang glatt und es roch auch so passend. Es erfolgte kein Bruch, kein Protestschrei „Genug!“ –
Im Tiegel versiegte erst matt, dann verblassend:
Der eine Epoche einst prägn’nde Geruch.
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