Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Grusel

Mysteriöses, Düsteres und Unheimliches. Gruselgedichte!


  • Galería de los doce sevillanos ilustres & das zweitausendneunhundertelfte Gedicht

    Galería de los doce sevillanos ilustres auf dem Palacio de San Telmo

    Hinten im Korn

    Wenn ich das Korn mäh‘, dann mäh‘ ich es vorn
    Weil hinten im Korn – da mäh‘ ich nicht gern
    Da hab‘ ich Frau und Kind verlor’n
    Hinten im Korn
    Drum mäh‘ ich nur vorn, wenn ich mähe im Korn
    Mir reicht ja ein Brot, denn die Liebsten sind tot
    Ich hab sie verlor’n
    Hinten im Feld

    Denkt Mensch, dass er als Erster da war
    Sitzt dort bereits der Skandinavier
    Er hockt stets auf Halmhöh‘, die Ähren vor Kopf
    Nur die kreisende Saatkräh’ späht den flachsblonden Schopf
    So kennt und erkennt man den Skandinavi-er
    Blondschopf, Kopf, Hals, Leib und dran die zwa Skier
    Drauf pirscht er nächtens und raschelnd durchs Feld
    Baut Möbel und Handys und lauert auf Geld

    Wenn ich das Korn mäh‘, dann mäh‘ ich es vorn
    Weil hinten im Korn – da mäh‘ ich nicht gern
    Drum mäh‘ ich nur vorn, wenn ich mähe im Korn
    Mir reicht ja ein Brot, denn die Liebsten sind tot
    Ich hab sie verlor’n
    Hinten im Feld

    Er weiß der langen Winter wegen
    In Dunkelheit sich zu bewegen
    Und aus Halmen hervor preschen in hehrer Zahl sie
    Schneepflugstracks durchs Feld und belasten den Talski
    Nacht für Nacht quellt von hier aus der Wikingerzug
    Und die krieg’n und die krieg’n und die krieg’n nie genug

    Langfinger vom Holmenkollen
    Die die Schanze nutzen wollen
    Zu plündern, rauben und stibitzen
    Nasenhaar aus Burkaschlitzen
    Stoppel von Bikinizonen
    Büschel, die auf Warzen thronen
    Abgezupft und rausgerupft
    Der Imame Bart gelupft
    „Schnippschnappschnuck“, schnurrt’s Scherchen munter
    Rapunzel lässt ihr Haar herunter
    Bullerbü macht Mullah Müh‘ – und Erwachsene ebensü

    Doch Edvard Grieg mit Scherenhänden
    Lässt es dabei nicht bewenden
    Munchhaus’ner Prophetennecker
    Øresmøre Knåckebåcker
    Ibsentippsen und Roxette
    Schleichen sich bis an dein Bett!

    Poetenbrill’n, Doktorenlinsen
    Verschwuppsentwunden – „Och, wo sin’s’en?“
    Von Pädagogennachtkonsolen werd’n Augengläser weggestohlen
    Aufs grad geraubte Haar gebettet, das sich unterm Glase glättet
    Die Gürteltasche zugemacht – des Nordmanns Raubzug ist vollbracht
    Er schleicht zurück auf seinen Stelzen
    Um nun die Beute einzuschmelzen
    Das Glas auf Temp’ratur gebracht
    Das Haar zu einer Schnur gemacht
    Das hat mich auf die Spur gebracht
    Auf einmal hab ich nur gedacht:
    Glasfaserkabel!

    Dämmert’s jetzt?
    Wir sind hier doch längst skandinavisch vernetzt
    Strom, Internet und SMS
    Der Skandinavier managed des
    Denkt Mensch, er sei als User startklar
    Used ihn bereits: der Skandinavier

    Vattenfall und wat’n Aufstieg
    Der Pisastreber kurz vorm Endsieg?
    Nicht mit mir hier, ab nach Haus
    Ich reiß‘ die ganze Scheiße raus
    Die Kabellage aus den Wänden
    Die Spionage wird heut enden!
    Von wegen Norwegen! Ich halte dagegen
    Geb‘ keene Mark für Dänemark
    Von Schweden wird man fortan schweigen
    Und Schluss ist mit finish – das wird sich zeigen

    Wenn ich das Korn mäh‘, dann mäh‘ ich das Korn
    ich mähe und mähe, fang‘ vorn an und drehe
    Kehrt marsch mit dem Drescher, geh‘ nochmal längs drüber
    Mir reicht ja ein Brot, bleibt der Rest eben über
    Und in dem Getöse erkenn‘ ich Geschrei
    Das Weib und der Bub, war’n die auch mit dabei?
    Herrgott, wie auch immer – nun wär’s eh zu spät
    Was war und sein könnte wird niedergemäht
    Und ins schlachtreife Feld ramm‘ ich nochmals den Pflug
    Denn ich krieg‘ und ich krieg‘ und ich krieg‘ nicht …

    Wenn ich das Korn sä‘, dann sä‘ ich es vorn
    Weil hinten im Korn – hat kein Arsch was verlor’n
    Drum sä‘ ich nur vorn, wenn ich gehe im Korn
    Ich säe nur vorn und selbst da: Fault das Korn
    Wir haben verlor’n
    Hinten im Feld

    Alle Rechte bei Katja Reichert-Bloch, der das Gedicht am 1. Juli 2026 zu ihrem Geburtstag geschenkt wurde.


  • Wintereinbruch & das zweitausendachthunderterste Gedicht

    Winter in NRW 2026

    Wind?

    „Was,“ fragst du verängstigt, „sind das für Geräusche?“
    Besänftigend sag ich: „Wenn ich mich nicht täusche,
    War das grade das hohle und höhnende Gähnen
    Von Fleischfetzen schnetzelnden Wolfszombiezähnen.
    Das andre der schrille Pfiff vor dem Gesinge
    Einer auf dein Genick ziel’nden Blitzfallbeilklinge.
    Und schließlich die Hex, die ans Fensterchen drückt
    Und schon die Zerstückelungsrostmesser zückt.
    Vor den’n sind wir drinnen hier sicher, mein Kind!
    Aber fürchte den nie zu berechnenden Wind …!


  • An den Auffahrtsalleen & das zweitausendsiebenhunderteinundneunzigste Gedicht

    Erstes Eis auf dem Nymphenburger Kanal

    In Deckung gehen

    Die erste Eisschicht blitzt und mahnt,
    Dass hier bereits der Winter zahnt
    Und erste Seelen pflückt.

    Und war da grade nicht ein Zischen:
    Vielleicht wird’s dies Jahr dich erwischen! – ?

    Du gehst fortan gebückt.


  • Grenzwertig & das zweitausendsiebenhundertzweiunddreißigste Gedicht

    Brenner Grenzübergang Bahnhof

    Wie du mir

    Ich kann des Nachts, bevor es tagt,
    Bereits den Abend sehen,
    Und wenn mir dieser missbehagt,
    Vielleicht noch etwas drehen …

    Schon murrt sein Motto …so ich dir!:
    „Denk dran, ich seh dich auch!“
    Und zieht mir täglich kurz vor Vier
    ’ne Säge durch den Bauch.


  • Alphorncombo & das zweitausendsiebenhundertsechzehnte Gedicht

    Alphörner beim Bernauer Dorffest

    Dorfpest at its Fest

    Immer nach dem Dorffest
    Mach ich einen Schorf-Test.

    Da schwärt ein Harz und nässt den Schorf …
    Es herrscht, laut Arzt, die Pest im Dorf.


  • Isarzulauf & das zweitausendsechshundertneunundachtzigste Gedicht

    Isarzulauf bei Unterföhring

    Burschen mit Grill

    Es sind grillende Burschen mir überunheimlich –
    Mir scheint ja, die mögen das Menschenzerschlagen!
    Sie frönen dem Bierdurst, den gerne bereim‘ ich –
    Und trotzdem: Mir schwant, dass wir uns nicht vertragen …

    Es ist auch die Musik, die den Abstandswall gräbt –
    Technoide Boliden, die hart überdreht
    Mir einhämmern: „Du kriegst gleich eine geklebt!“
    Ein Rost voller Masku/Muskelinität.

    Ja, vielleicht habt ihr recht „Die woll’n einfach nur feiern!?“,
    Doch stiekum versuch‘ ich vorüberzueiern …


  • Vorboten & das zweitausendsechshundertfünfundachtzigste Gedicht

    Idyll am Fohnsee

    Schatten

    Wie weit neigt sich die Dunkelheit
    Noch in die Kinderzimmer?
    Wie lang noch weitet sich die Zeit
    Vorm bindend gelt’nden „Nimmer“?

    Den Schatten scheint jeglicher Raum reserviert.
    „Da gewöhn ich mich später dran …“, denkste.
    Doch sie kümmert es nicht, wer hier wie reagiert –
    Schon exakte Portraits deiner Ängste.

    Wie nah sind wir schon einem Treck
    Von dauernden Verlusten?
    Wie kurz greift unser Privileg,
    Dass wir davon nichts wussten?


  • Feldmochinger Mühlbach & das zweitausendsechshundertachte Gedicht

    Feldmochinger Mühlbach am Feldmochinger See

    Schaudershowvers

    Schau da! Wen schaudert’s da wohl nicht,
    Wenn in ’nem schaurigen Gedicht
    Die Schaufelbaggerschaufeln schaukeln,
    Ein Stillleben uns vorzugaukeln,
    Da lauthals alle falsch verschraubten
    Schaufelbaggerschrauben shouten:
    „Wir halten nicht mehr lange!“ – ?

    Und dementsprechend bange
    Verfasst im Schaufelbaggerschatten ein schnaufend‘ Autor dies Gedicht.

    Schau da, wen schaudert’s da wohl nicht!?


  • Kienbachsenke & das zweitausendfünfhundertsiebenundneunzigste Gedicht

    Der Kienbach bim Kloster Andechs

    Einschlafgedicht für hartgesottene Kinder

    Nächtens nächtlich‘ Dunkelheiten
    Gruseligen Gruß bereiten,
    Undurchschaubar Schauer hauchen,
    Aufgeschreckte Schrecken fauchen …

    Un- und heimlich formt ein Spuken
    Das, was vordem Heim dir war,
    Spuckt in alle Lücken Luken
    Für den Eintritt von Gefahr.


  • Potsdamer Drache & das zweitausendfünfhundertdreizehnte Gedicht

    Am Drachenhaus auf dem Bornstedter Höhenzug, am Nordrand der Potsdamer Parkanlage Sanssouci,

    Rast (Am Drachenhaus)

    Ich schlürfe unterm Drachen aus:
    Mein Tassenglück Kaffee.
    All die Entspannung gibt’s frei Haus,
    Der Kuchen schmeckt juchhe!

    Die Ungeheuer picken starr
    Mir unbemerkt im Nacken.
    Ich weiß es wohl, doch nimm’s nicht wahr,
    Will nur verstärkt entschlacken.


Die 272 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)


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