Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Grusel

Mysteriöses, Düsteres und Unheimliches. Gruselgedichte!


  • Strandgänger & das eintausendneunhundertdreißigste Gedicht

    Blick von der Festungsmauer von Essaouira

    Drift

    In Booten Flächen zu queren,

    Die mal wild wüten,
    Gischt erbrüten,
    Von des Urknalls Erbe zehren,

    Lehrt, den Wert des Boots zu schätzen –
    Da Planes schwingt
    Und zu sich winkt
    Die wettergegerbten Entsetzen.

    Mein Ruder taucht in stille Flut,
    Der es nicht traut.

    Dem Ausguck graut
    Vor dem ewigen Willen der Erdplattenwut.


  • Spielfeld & das eintausendneunhundertsiebenundzwanzigste Gedicht

    Fußballfeld an der Straße der Kasbahs

    Die Hüpfburgschlitzer

    Wir hielten die Luft an vor Staunen
    Und sind glatt darunter erstickt –
    Solch muntere Unfälle zeigen: Die Launen,
    Nach denen die Welt tickt.

    Ein gnädiger Wind ordnet unsre Kaldaunen –
    Dass niemand die Milz hier vergisst.
    Die Welt hält die Luft an vor Staunen,
    Hat uns schon (fast) vermisst.


  • Verfängliches & das eintausendneunhundertfünfzehnte Gedicht

    Schmuck eines Gartenrestaurants in Rabat

    Im Dazwitscher

    Wie zum heimlichen Atemholen
    Säuselt die Ruhe vorm Wind,
    Streift durch die Fellhärchen schlachtreifer Fohlen,
    In denen der Blutstrom gerinnt …

    Und wieder einmal stürzt sich wild dein Vertrauen
    Voller Maßlosigkeit aufs Buffet!
    Und schon wenig später, darauf darfst du bauen,
    Tut’s nochmal und doppelt so weh.


  • Werraidyll & das eintausendsiebenhundertfünfundneunzigste Gedicht

    Blick auf die Werdchen-Insel von Eschwege

    Haariges

    Um-ein-Haariges lockte das Knapp ans Geschehen
    Und es kräuselte Schrecken
    Um haarscharfe Ecken.
    Jetzt glättet sich’s kammstramm fürs nächste Verdrehen.


  • Kanzel & das eintausendsiebenhundertachtundvierzigste Gedicht

    Außenfassade der Allianz-Arena in der Abendsonne

    Hexenjagd

    Da kreucht es flink im Hexennest –
    Ein sattes Glied entsetzt!
    Der Inquisitor bebt und bellt,
    Das Schlüpferchen benetzt,
    Wenn Phantasie mit kühnstem Strich
    Verpeinlicht das Befragen,
    Dass schlimmster Ahn bestätigt sich –
    Kaum lässt es sich ertragen! –
    Doch da wir schon so tief gebohrt:
    Wie deep drang JENER ein?
    Enthemmt ergießt sich Wort auf Wort,
    Erlöst von all der Pein.

    Ein Stigma ist ein hohler Schlund,
    Den Eifernde verfüllen.
    Es braucht dazu nicht viel an Grund,
    Nur unbeürrten Wüllen!


  • Aubach & das eintausendsechshundertfünfundsiebzigste Gedicht

    Heuballen auf einer Weide bei Bayrischzell

    Vierte Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Angst vor dem weißen Blatt, Discounter, Kratzbäume, Joggende, Porzellanservices und atomare Endlagerung.

    Atomare Endlagerung

    Hier verewigt sich Gefahr,
    Ein gefrorenes Drohen wird zellophaniert,
    Spätre Welten sind ganz nah,
    Da der Altlasten Lohen sich fortpotenziert.

    Wir sind unaufhörlich da,
    Liegt der Rest vom Vermächtnis auch schwindend in Trümmern,
    Verbleibt ein Ist von dem, was war,
    Mitsamt der Verpflichtung, sich hierum zu kümmern.

    Ein Gewölbe als Altar,
    Mit Monstranzen der einenden Kontemplation –
    Hier verewigt sich Gefahr
    In Granitkathedralen, in Salz oder Ton.


  • Dreischlösserweg & das eintausendsechshunderteinundsechzigste Gedicht

    Auf dem Dreischlösserweg im Schwangau

    Dritte Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Steuererklärung, die Abstammung vom Affen, Wim Thoelke, das Grend Kulturzentrum, Rot-Weiss Essen, Bierbrauen, Steingärten, Mütter und Tanz/Gymnastik.

    Mein Garten

    Ich schotter meinen Garten zu,
    Leg all des Rottkrauts Saat zu Ruh,
    Und reines Steinsein überdeckt,
    Was unbefugt gen Wuchs sich reckt.

    Organisches gebärt Verderben –
    Auch wir, die wir fortwährend sterben,
    Haben diesen Ort nur von den Kieseln gelieh’n,
    Vom Sand und vom Staub, die ihn bald überzieh’n.

    Für all den Kreuch- und Fleuchbelag
    Läuft nur ein Zwischenmietvertrag –
    Zur Übergabe, besenrein,
    Muss alles ohne Wesen sein.

    Der Bub und Gattin Gabi wohnen,
    Schon hübsch umhüllt von Gabionen,
    In Steinegemeinschaft, von Streben umgittert.

    Es braucht ja Äonen, bis sowas verwittert.


  • Seidenreiher & das eintausendsechshundertachtunddreißigste Gedicht

    Startender Seidenreiher bei den Nußberger Weihern

    Zweite Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Heinzelmännchen, Zustand zwischen Schlaf und Wachsein, Carmina Burana, Glückspilze, Vampire, Energetische Gebäudesanierung, Gewissheit des Todes, Gutes Reimen, Frischluft, Griechenland und Vernichtung der Menschheit.

    Vampire 2.0

    Statt aus saugen wir unsre Opfer ganz ein,
    Verdammt dazu, immerzu bei uns zu sein.
    Die Zähne hab’n wir dezent Cookies genannt
    Und seh’n den Protestruf „Genug is!“ entspannt,
    Denn die treuesten unserer Sklaven sind bald
    Auch tagsüber nur Nachtgestalt.

    Hast du vorm Reich der Finsternis,
    Graf Dragoogla und Insta Schiss?

    Es zeigt sich unser Herrschaftswandel
    Als Untertanen schon’nder Handel:
    So macht der Mut zum Datenfluss
    Mit altem Blutdurchwaten Schluss!


  • Bernriedview & das eintausendsechshundertsiebenunddreißigste Gedicht

    Blick von Bernried gen Neusee

    Zweite Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Heinzelmännchen, Zustand zwischen Schlaf und Wachsein, Carmina Burana, Glückspilze, Vampire, Energetische Gebäudesanierung, Gewissheit des Todes, Gutes Reimen, Frischluft, Griechenland und Vernichtung der Menschheit.

    Glückspilz

    Ich fürchte schon, anderen Unglück zu bringen –
    Verbrauch ich doch selbst zu viel Glück.
    Ich scheine den Most aus dem Osten zu wringen,
    Wenn ich mich gen Westen nur bück.
    Ich sah ja die Besten der Nachbarn verderben –
    Zuhauf konnte ich ihre Hoffnungen erben.

    Und Stück für Stück drücken sich meine Lamellen
    Ins Glück all der Doppelhaushälftenparzellen.

    Ich werde mich flechtenhaft weiter verbreiten,
    Bis dass die Böden ausgelaugt.
    Auch fortan wird mich Miss Fortuna begleiten,
    Von meinem Myzel angesaugt.
    Ist erst der ermüdende Süden verlassen,
    Zieh ich aus dem Norden mir Orden in Massen.

    Ein Stückchen vom Glück willst auch du erfleh’n? Wehe,
    Es ist dies Pilz‘ Sporenflor in deiner Nähe!


  • Wendelstein & das eintausendfünfhundertneunundzwanzigste Gedicht

    Am Wendelstein

    Eure Rohheit

    Schon wallt die Kraft zur Stärke an,
    Es ballt sich eine Pranke,
    Ein Ärger schafft sich seinen Bann …

    Und prallt vor eine Schranke.

    Wie lang die hält?
    Nicht abzuseh’n –
    Auch nicht, was wohl danach geschieht.
    Bevor sie fällt,
    Lass uns zwei geh’n,
    Wohin das Filigrane flieht!


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