Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Ljubljana

25.-28.04.2025 Städtetrip-Abstecher nach dem Auftritt in Klagenfurt


  • Hirtenjunge mit Flöte & das zweitausendneunhundertsechsunddreißigste Gedicht

    Statue des Flötenspielers (auch „Deček s piščalko“ oder Hirtenknabe) im Tivoli-Park in Ljubljana vom slowenischen Bildhauer Zdenko Kalin

    Ripostegedicht zum „Chanson einer (geistig minderbemittelten) Liebenden“ von Mascha Kaleko

    Präludium eines (hochbegabt umständlichen) Liebenden

    Der Kuckuck war’s, nicht die Nachtigall
    (die nimmt man sonst gern überall),
    Der mich wachrief, nach drei Tagen dränge es sehr –
    Da sei’s höchste Zeit, also bitte, der Herr,
    Meiner Minderbemittelten Nachricht zu geben!
    So: Ich misse sie sehr, äh, … und würd auch noch leben.
    Denn sie wartet und wartet, doch erwartet ja auch
    Und bei Erstkontaktanbahnung will es der Brauch,
    Dass Romeo vorm ersten Schritt steht –
    Den ideal auch Julia mitgeht …

    Die Nachricht selbst ist Standard, drum
    Geht’s um die Art vom Medium.
    Es darf nicht zu eklektisch sein, nicht zu banal –
    Was ist hier der passende Messagekanal?

    Erfrag ich’s mit ’ner Voice-Mail,
    Ob ich zu ihren Boys zähl?
    Dasselbe über Video-Reel
    Erscheint mir etwas unsubtil.
    Doch schicke ich’s per SMS,
    Fragt sie vielleicht: „Was war noch des?“
    Und erreich ich sie per Mobile Call,
    Ist das doch gleich wie’n Überfall!

    Ich könnte es ihr auch WhatsAppen –
    So ganz auf die Art all der Messenger-Deppen …
    Oder eröffn‘ ich’s ihr im Signal-Chat,
    Dass ich so gern ein Signal hätt‘?
    Oder E-Mail? Ruft sie die überhaupt noch ab –
    Verrott‘ ich dann im Spammer-Grab?
    Na, vom Retro-Wert wäre es phänomenal,
    Ich schick ihr was per Rauchsignal.

    Nur frage ich mich auch, versteht
    Die Frau das Morse-Alphabet?
    Noch weniger klug und ganz sicher zu spät,
    Käm ein Versuch per Fax-Gerät.
    Obschon etwas Nostalgie immer gefällt –
    Sie ist ja Frau der alten Welt!

    Doch bleibt’s beim Entschluss, der so lang in mir garte:
    Ich schreib ihr eine Ansichtskarte!
    Das scheint mir die stimmigste Lösung von allen
    Und ich bin mir ganz sicher – das wird ihr gefallen!


  • Ljubljanica-Nutrias & das zweitausendneunhundertfünfunddreißigste Gedicht

    Nutrias in der Ljubljanica

    Am Ufer (der Ljubljanica)

    In des Fluss Geschwapp glitzert sich das Vergnügen
    Von dem faustdicken Außen der Gastronomie.
    Seinem Spiegel zu lauschen, muss mir hier genügen –
    Mein Dosenbier flüstert: „Du änderst dich nie …!“

    „Hey, hey!“ ruf ich. „Fair bleib’n – ich schreib hier Gedichte!“
    Die Teilhabe geht. Aber niemals zunichte.


  • Tivoli & das zweitausendneunhundertvierunddreißigste Gedicht

    Im Tivoli in Ljubljana

    Ausgebremste Beschwerde

    Der Kehrtwendehops eines Spatzen
    Wurde nie in Gedichten beschrieben.
    Dennoch sind alle hopsenden Spatzen
    Bei dieser Methode geblieben.

    Auch widmete ihren Getippel
    Kein Schreiberling je ’nen Roman.
    Sie wissen trotz fehl’ndem Getippsel:
    „Beileibe – wir haben’s getan!“
    Und das schelmische Wiegen der Köpfchen –
    Nie Stoff für’n Theaterstück?!

    Upps, da hüpft grad eins aus seinen Schläppchen …!
    Dann nehm ich’s natürlich zurück!


  • Miklošičeva cesta Nr. 8 & das zweitausendneunhundertdreiunddreißigste Gedicht

    Die Fassade der Genossenschaftsbank in der Miklošičeva cesta Nr. 8

    Die simplen Dinge

    In einem Strudel der Beiläufigkeit
    Bin ich majestätisch versunken.
    Bin keiner der „Boah ey, wie geil’s hier ist!“ schreit,
    Doch ich habe dir kräftig gewunken.

    Die verstreichende Zeit gleicht dem ewigen Meer.
    Und ich ahne, zu zweit schaffen wir’s nicht mehr her.
    Doch wenn Moleküle sich richtig verbinden,
    Wirst du dich, ich fühle das, bei mir befinden.

    Der Rest unsrer Zeit ist wie jede und keine –
    Zwar nie mehr zu zweit. Und doch niemals alleine.


  • Ljubljanski grad & das zweitausendsechshunderteinundsechzigste Gedicht

    Ausichtsturm der Ljubljanski grad / Laibacher Burg

    Der Baedecker

    Ich stelle einer fremden Stadt
    Oft zu begierig nach
    Und schlürfe als ein Nimmersatt
    Vom Schaugassenbelag.

    Ich kenne, vorabinformiert,
    Den Frühling, Herbst und Winter.
    Doch flirrt im Hier ein Sommertag,
    Dann komm ich nicht dahinter.


  • Laibach & das zweitausendsechshundertsechzigste Gedicht

    Laibach Installation im Museum für zeitgenössische Kunst Metelkova

    Nach Verlassen der Ausstellung

    Unentwegt
    Angeregt
    Geisterte ich auf.
    Unersatt,
    Füße platt
    Wand ich mich hinauf.
    Und begann
    Irgendwann
    Größeres zu sehen.
    Leider nur:
    Keine Spur
    Blieb in mir bestehen.


  • Reutergasse & das zweitausendsechshundertsiebenundfünfzigste Gedicht

    Stilleben in der Reutergasse - Aufstieg zur Burg Ljubljana

    Dieser Songtext greift schon mal vor, da „Die letzten Nächte der Westend Bohème“ ab September 2025 nach Schwabing umziehen. Da braucht es einen neuen Einstiegssong …

    Die letzten Nächte der Bohème

    Wenn das Licht versinkt
    Und oben vom Monopteros
    Ein Kiffertross noch unentschlossen hin zur Freiheit zieht

    Dort, wo Schwabing trinkt,
    Klingt bald jeder Willkommenssong
    Beklommen an, als wär’s nicht lang mehr bis zum Abschiedslied

    Da grüßen wir noch eben
    Den Rest vom süßen Leben
    In jedem „Grüß di/Servus!“ weht ja auch ein …
    Hauch von Abschied

    Refr.: Denn was heut so gut beginnt, könnte morgen schon vorbei sein!
    Der DJ schwankt noch zwischen Sex Pistols und Wham
    Es ist vielleicht nicht die, aber sicherlich schon eine
    Der letzten Nächte … für … den Rest der Bohème

    Die letzte Runde steht
    Und ein verirrter Wies’n-Touri
    Trinkt mit dir am Tresen selig seinen dritten Schnitt

    Die Mietspirale dreht
    Statt Bremse heißt es Gaspedal
    Und Scheißegal, doch jeder fragt sich, komm’n wir da noch mit?

    Da grüßen wir noch eben
    Den Rest vom süßen Leben
    In jedem „Grüß di/Servus!“ weht ja auch ein …
    Hauch von Abschied


  • Metelkova & das zweitausendsechshundertsechsundfünfzigste Gedicht

    Installation in Ljubljanas Alternativ-Quartier Metelkova

    Ripostegedicht auf „Was es ist“ von Erich Fried

    Was is, hä?!

    Es ist überzogen
    sagt die Vernunft
    Es ist gefährlich
    sagt die Gesellschaft
    Es ist überflüssig
    sagt die Toleranz
    Ich diss, wen ich diss
    sagt der Hass

    Es ist unbedacht
    sagt die Besonnenheit
    Es ist unehrlich
    sagen die Argumente
    Es ist ungesund
    sagt dein Psychater
    Ich diss, wen ich diss
    sagt der Hass

    Es ist selbstgerecht
    sagt die Moral
    Es ist unreif
    sagt die Erziehung
    Es ist lächerlich
    sagt dir dein Spiegel
    Ich diss, wen ich diss
    sagt der Hass

    „Und ich piss dir ans Bein!“ sagt
    die Liebe


  • Ljubljana-Rand & das zweitausendsechshundertfünfundfünfzigste Gedicht

    Ausblick auf die Berge von Ljubljana

    Morgen des Aufbruchs

    Der Morgenwind am letzten Tag
    Ist unerfreulich frisch
    Und scheu betrachtet man den Sarg
    Als seinen Frühstückstisch.

    Wenn uns die Stadt den Abschied gibt,
    So woll’n wir Abschied nehmen

    Und widmen uns nun, unterliebt,
    Den nicht gewünschten Themen!


  • Outskirts & das zweitausendsechshundertvierundfünfzigste Gedicht

    Siedlung am Rand Ljubljanas

    Slowenien

    Ein Tüpfelchen von Sozialismus
    Konterkariert das Auenland.
    Der Industrieschlotkatechismus
    Hält gegen die Idylle stand.

    Fünf Häuschen aus Tomatengärtchen
    Purzeln durch die Täler.
    Und bunt umhupft von Backsteinpferdchen
    Winken Erbsenzähler.

    Fast scheint’s, als juchzten Kinderlieder
    Von redlichen Berufen
    Und hallten aus den Klämmen wider,
    Beswingt von Kälberhufen.

    Doch von irgendwo gilbt noch die Braunkohle ein
    In den Ehrgeiz, schon sehr viel moderner zu sein.

    Mal stockt’s, dann stoppt’s und stets zu slow –
    Darum, Slowenien, heißt du so!


– Die 272 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)


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