Im Widerstreben
Ich werde womöglich mich nie dran gewöhnen,
Dass man sich an alles gewöhnt.
Sollt‘ ich denn dem Pool der Gewohnheiten höhnen,
Wenn alles in mir klagend stöhnt?
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten
Gedichte und Fotos aus der Hauptstadt. Meine Heimstatt von 2002-2014 und danach einige Jahre noch mindestens einmal im Monat im Tourkalender. Mittlerweile viel zu selten.

Im Widerstreben
Ich werde womöglich mich nie dran gewöhnen,
Dass man sich an alles gewöhnt.
Sollt‘ ich denn dem Pool der Gewohnheiten höhnen,
Wenn alles in mir klagend stöhnt?

Otis Panoramaaufzug
Der Lift im Berliner Hauptbahnhof
Ist die lahmste Praline der Welt –
Man spürt auf der Fahrt: „Ich bin auch Philosoph“
Und bestaunt, wo der überall hält.
Das auf ewig verzögerte Öffnen der Türen
Will hier einen Maestro der Langsamkeit küren.
Das Schließen verschlingt sogleich ähnlich viel Zeit –
Und lang darauf ist man dann abfahrtbereit.
Ich weiß ganz bestimmt, dass Berlin viele hassen.
Wer den Aufzug nimmt, wird es sobald nicht verlassen.
Vorbereitung auf den Winter
Wo nichts mehr fährt, kann niemand heizen
Und muss dann auch beim Gas-Geb’n geizen.
Wir werden alle bald erkalten –
So woll’ns halt die Naturgewalten!
Also, … (Drei Erklärungen meiner vermeintlichen Uneindeutigkeit auf Slam-Bühnen)
– 1 –
Oftmals werd’n große Themen und Fakten besprochen,
Um sie dann bloß in Schemen ad acta zu lochen.
– 2 –
Klar, sind manche Essenzen unendlich verkeimt –
Aber zu Selbstverständliches wird nicht bereimt.
– 3 –
Effektiv reift nur Beahnendes
In tiefgreifend Gemahnendes.
Neues vom Zeilenschinder
Ein ungeringes Wagnis soll die erste Zeile sein,
Der zweiten fehlt es bereits an jeglicher Geschmeidigkeit,
Der dritten fehlt ein ….
Die vierte fragt irrend nach ihrem Bezug,
Der fünften ist’s gemeinhin gleich,
Die sechste war’s, die barsch erschlug:
Sieben Silb auf einen Streich!
Auf Folgendes gibt niemand acht –
Nur Zeile Eins hält noch die Wacht.
Wie sich ein Gedicht schreibt
Thema finden,
Verse binden,
Hehren Anspruch überwinden,
Schreibfluss lindert,
Unvermindert,
Und zu viel Zuviel behindert,
Plötzlich sind da:
Schöne Kinder –
Und du strahlst als vormals Blinder!
Das letzte Blatt (Herbst im Salon)
Die ausgeteilten Karten
Hat sie nicht mehr aufgenommen.
Daneben, längst verkommen:
Die mit Ehrfurcht aufbewahrten
Pralinés (und nicht Pralinen
Sagt – wer preisbewusst – zu ihnen)
Von der Firma mit dem Namen
Und dem Flair vergang’ner Zeit,
Da ein Bridgetisch steht bereit
Für Partien von großen Damen
(Die sich niemals Frauen nennen
Und an Pralinés erkennen)
Und stoisch wirbt dieses verdeckte Blatt,
Da die Fotos von ihr längst verblichen.
Nichts von einst gepflegtem Trott findet noch statt
Und der Glanz der Callets ist gewichen.
Pfingerübung
Wie pfiel an Nerd im Nilpferd steckt,
Erpfährt man, wenn dies Pfieh wer neckt!
Und noch ein schnelles Gedicht für das Programm der Lach- & Schießgesellschaft, das heute bei der Aufzeichnung Premiere feiert:
Zusammenhalt der Gesellschaft
Focus Locus Reisebus:
Es ist purer Hochgenuss
Was in ihm uns widerfährt –
Sei’s drum, dass er nie mehr fährt!
Wenn uns etwas nicht gefällt,
Trägt Schuld daran die Außenwelt.
Wir seh’n die Drinn’n-und-Draußen-Spaltung
Als Hauptgewinn der Stau-Erhaltung.
Auf einmal gibt es eine Pause im neuen Stück der Lach- & Schießgesellschaft, das morgen eine kleine Vorstellung zwecks Aufzeichnung gibt – und ein schnelles Gedicht musste her:
Aufgestaut Pausenrückblick
Da reagierte Maria grad doch etwas scharf!
Entsprechend besteht im Bus Reglungsbedarf
Und so zwingen im Cockpit nun Daniel und Jean
Die Lenkraddespotin zur Koalition.
Doch dass drei Parteien sich einigen –
Das können auch andre bescheinigen! –
Ist hart. Überall sich an- und abzugleichen –
Ein Fall für die Drei Fragezeichen!
Und so schuf unsre Taskforce aus Weh!, Ach! und Au!
Den Maßnahmenkatalog “Bus muss durch Stau”.
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