Zielfoto & das eintausendfünfhundertste Gedicht

Festung Ehrenbreitstein in Koblenz

Nummer 1.500

Nummer Tausendfünfhundert
In 2020 -
Von Muttern bewundert,
Der Rest ruft: "Er kann's nich!"

Vorletzter Tag & das eintausendvierhundertneunundneunzigste Gedicht

Flora auf dem Rheinsteig

Der alte Schankraum

Dass der Tisch und die Stühle da immer noch steh'n,
Wie wir sie - bald sterbend - verließen.
Als plane die Tür noch uns wiederzuseh'n,
Als wüsste sie noch, wie wir hießen.

Man sieht's an dem Alter der Photographien:
Die haben ihr Trinkgeld gegeben.
Der Thrill vom am Stammtisch geschlag'nen Partien
Dräut dunstig in anderen Eben-en.

(Was haben wir die einst mit allem gefüllt,
Was wir für erachtenswert hielten,
Was haben wir wie unter Schmerzen gebrüllt,
Wenn andre zu nachlässig zielten!)

De-platziert von der Zeit stehen unverrückt da:
Die Stühle, der Tisch und der Tod.
Kein spät'res Int'resse kommt uns jemals nah -
Jede Zeit hat ihr eigenes Lot.

Entgegenkommen & das eintausendvierhundertachtundneunzigste Gedicht

Blick vom Rheinsteig

Ins Ehebett

Das Po-an-Po im Ehebett
Ist mein nächtliches Akku-Aufladen.
Dies Pol-und-Gegenpol-Duett
In traulichen Gestaden
Erfüllt mit Lebensenergie
Die Lauge meiner Lethargie.

Dann gluckst man mit 'nem Koma-Hauch:
Was kümmert uns der Stromverbrauch!?

Rosengarten & das eintausendvierhundertsiebenundneunzigste Gedicht

Wegweiser am Rheinsteig

Die eigene Meinung

... sieht nie genug Verschulden
Fürs Widerspruch Erdulden.

Frst. Flaschenhals & das eintausendvierhundertsechsundneunzigste Gedicht

Blücherdenkmal in Kaub

In Kaub

Irgendwo im Flaschenhals,
Im Würgegriff von Bahn & Car,
Schmiegt sich an vages Andernfalls
Ein gut durchmischtes Inventar
Aus Fachwerk, Baumarkt und Egal!,
Noch trunken von dem Weine,
Der rund sich aus dem Gestern stahl,
Umsprudelnd das Gegreine
Vom nie gewählten Außenvor -
Als talversenktes Häusermoor.

Riesling & das eintausendvierhundertfünfundneunzigste Gedicht

Weinanbau am Rheinsteig

Z.B. Gedichte mit töfte (bzw. dessen Superlativ)

Töftestens, fänd ich's, mein Seemann,
Öffnetest du mir den Sesam!
Zwischen Scham und Damenbeen'n
Magste Seemannssamen säen!

Rheintal & das eintausendvierhundertvierundneunzigste Gedicht

Blick vom Rheinsteig

Noch 'n Loreleigedicht

Hier fiept der Sang der Lorelei
Dein klangverliebtes Ohr zu Brei.

Niederwaldreben & das eintausendvierhundertdreiundneunzigste Gedicht

Niederwalddenkmal und Weinbau in Rüdesheim

Held Jung

Ich bin schon sooo lang jugendlich -
Es sind sehr alte Menschen längst jünger als ich.

Wanderwetter & das eintausendvierhundertzweiundneunzigste Gedicht

Feld auf dem Rheinsteig

Brise im Stoppelfeld

Der Wind weht die trockenen Halme in Wut
Und schürt letztmalig warme Aromen -
Als letzte Chronisten bewältigter Glut
Mit sonnengebleichten Genomen.

Wir klonen damit vielleicht noch eine Hitze,
Ein vom Furienrest kündendes Feurio! -
Dann belegt jener Wind eine kühlere Zitze
Und wühlt durchs nächste Irgendwo.

Pfalzgrafenstein & das eintausendvierhunderteinundneunzigste Gedicht

Burg Pfalzgrafenstein bei Kaub

Äußerstes Erinnern

Es schrumpfte die Zeit deine Kindheit zusammen
Auf ein Dutzend probater Momente,
Die je einem großen Erlebnis entstammen,
Das sich jäh aus dem trägen Fluss trennte.

Deine frühe Erzählung ist längst schon beschränkt
Auf ein paar ausgerissene Seiten.
Deren Restauration wird beharrlich bedrängt
Von den Windstößen rasender Zeiten.

Seiten

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