Nordteil & das eintausendfünfhundertvierundsechzigste Gedicht

Baumkronen im Nordteil des Englischen Gartens

Durch die Vorstädte

Mein Schritt durch die Vorstädte hallt mir zu schrill,
Womit er was klar- oder darstellen will.
Ich würde gern rufen: Das bin gar nicht ich -
Allein der Besuch hier ist wichtig für mich!

Ich ward deep im Grundrausch der Großstadt geboren,
Werd stetig durchzittert von Schallresonanz,
Das Flitterhaar brutzelt im Speck meiner Ohren,
Bin emsiger Nutzer des Fames oder Funs.

Noch klingt jeder Schritt hier mir schrill statt nur laut,
Noch sind mir der Maßstäbe Wogen vertraut.
Die Stille im Vorort berichtigt mein Ich -
Allein der Besuch dort ist wichtig für mich

Planegg & das eintausendfünfhundertdreiundsechzigste Gedicht

Brücke über die Würm bei Planegg

herbstleuchten

Dem Strahlen der Herbstsonne Aufprallfläche sein,
So aalen wir uns ins Shakern mit dem Tag.
Der begonnene Aufruhr scheint schmächtig und klein:
Aufgebäumt
Warm durchschäumt,
Von Düsternissen leer geräumt -
Der Park war noch nie so sehr Park.

Auffahrtsallee & das eintausendfünfhundertzweiundsechzigste Gedicht

Auffahrtsalleen und Kanal beim Schloss Nymphenburg in der Nacht

Saisonale Heimtextilien

Vor Schnupfen oder Fieber rett' euch
Unterschlupf im Biberbettzeug!

Glyptothek & das eintausendfünfhunderteinundsechzigste Gedicht

Bauarbeiten an der Glyptothek München

Papperlapapp - im Lockdown light

Wir wappnen nach rüde gekapptem Berappeln
Uns müde, schlapp und eingeschnappt
Fürs Abseits, in dem wir als abkömmlich zappeln,
Von Albträumen plappernd, wie lang das noch klappt.

Sckell-Monument & das eintausendfünfhundertsechzigste Gedicht

Das Sckell-Monument auf der Halbinsel vom Kleinhesseloher See im Englischen Garten

Mein Gendern (vor der Heimkehr)

Ich schminke mein Sprechen mit fleißigem Gendern,
Entsprechend gefordertem Formideal.
Fürs eigene Spiegelbild würd ich's nicht ändern -
Dem eigenen Ohr ist Kosmetik egal!

Doch eh ich berechtigte Anliegen schmähe,
Trag ich meiner Äußerei Glitzerstaub auf.
Auch wenn manch Wort ohne dies schöner aussähe,
Nehm ich das mir Läppische lässig in Kauf.

Galant und entspannt spende ich meinen Beitrag
Zu einer fairtrefflich sich bessernden Welt,
In der nach generisch-ästhetischem Einschlag
Der Wunsch nach jed äffischem Umweg entfällt.

Wauwaubau & das eintausendfünfhundertneunundfünfzigste Gedicht

Bunte Hundekottüten gesehen in Essen-Überruhr

Die Steiger und das Steigern

Ich weigere mich couragiert!
Wenn jeder Bürger Steiger wird
Rückt bald der Ruf, den dies einst hatte
Auf Stufe »Mir doch superlatte!«
Scheint auch ein Steig zuweilen klein
Du steigerst dich da in was rein!
Denn hat es je wen int’ressiert
Ob der Herr Ober Oberst wird?
Der Maier wär’ maist lieber Mai
Der Bayer beißt sich mit good bye
Die Praia preist den Hermann Prey
Der Geier Geist bleibt gerne gay
Oh nein, das Heil vom Trottoir
Liegt sicher nicht im Kompara-
Tiv, da liegste schief, mein Jung’!
Das kommt von der Versteigerung
Und zeigt, wie weit man abgeirrt
Wenn jeder Bürger Steiger wird!

Alte Wirkstätten & das eintausendfünfhundertachtundfünfzigste Gedicht

Überruhr Holthausen

Verblasste Chance (an der Heimlichen Liebe zu Heisingen)

Hei, singen wir heut' von der heimlichen Liebe
Der'n Unheimlichkeit ich einst schüchtern gescheut!
Doch wäre anheim ich gefall'n ihr – was bliebe?
Vielleicht hätt' ich's einfach nur gleich schon bereut

Friedhof Überruhr & das eintausendfünfhundertsiebenundfünfzigste Gedicht

Totenhalle am Überruhrer Kommunal Friedhof im Holthuser Tal

Die Haldendichtung nach Löhnmann Herms

Grün ist die Halde
Die Halde ist grün
Doch der Abraum darinnen
Kann bald wieder glüh'n

Holthuser Tal & das eintausendfünfhundertsechsundfünfzigste Gedicht

Laub am Überruhrer Kommunal Friedhof im Holthuser Tal

Zur Portionierung

Man sollte, klar, beim Neu-Erfinden
Sich nicht an zu viel Altes binden.

Und doch braucht's für den Unterschied
Das Hier, von dem man kam und schied,
Weil's des Alten genug sei und reiche:

Den Restgeruch der Weiche.

Baumblüte & das eintausendfünfhundertfünfundfünfzigste Gedicht

Baumpilz am Müggelsee

Im Spreewald, off season

Viel Spreekanäle, wohl auch Wald
Grünkohläcker, sehr, sehr kalt
Thermenwärme, wie schnell du entschwindes'!

Süße saure Gurkenzeit
Plinsenbinsenheiterkeit
weiß gefroren

Heiße Ohren
werden Tiefkühlkost des Windes

Nun wär's an der Zeit, dass auch ich was verzehre
wenn bloß nicht diese Leere wäre

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Frank Klötgen - Post Poetry Slam - immer frische Gedichte & Fotos RSS abonnieren