Berlin

Gedichte und Fotos aus der Hauptstadt. Meine Heimstatt von 2002-2014 und schon von daher immer noch mindestens einmal im Monat im Tourkalender.

Im Stammrestaurant zu F'hain & das fünfhundertachtundzwanzigste Gedicht

Kültürzeit in der Simon-Dach-Straße

(Über-)Kreuzreim? Paarreim? Weder noch?

Friedrichshain in Berlin

Ersma wollten alle herzieh'n
Nu woll'n alle drüber herzieh'n ...?
Hab dein Toll-Sein dir verzieh'n
Soll'n die ander'n sich verzieh'n!

Museumsinsel & das fünfhundertsiebzehnte Gedicht

Museumsinsel

Heilige Stadt

Bleib du noch Idylle
Für einen Moment
Der mich vom Gebrülle
Des Nahenden trennt
Bleib du jene Stille
Vorm vorletzten Schritt
Mich kräftigt kein Wille
Ich bitt' nur, ich bitt'

Berlinale & das fünfhundertsechzehnte Gedicht

Berlinale 2017, Potsdamer Platz Arkaden

Der Start in in dritte Woche nach Re-Aktivierung dieses Blogs. Wie versprochen, soll es 2017 fünf Gedichte pro Woche geben. Eigentlich an jedem Werktag. Aber manchmal bin ich als mobiler Offliner etwas spät dran ... Geduld - am Ende werden es spätestens zum Sonntag fünf Gedichte sein!

Bärenhunger

Ein paar Tage vor dem Fasten
Hasten all die Cineasten
Nach Berlin - zur Berlinale
Und verteilen zum Finale
Fast erlegt - das Fell der Bären
Unter den'n, die fällig wären

Den'n hingegen nichts verlieh'n
Die da hungern statt zu fasten -
Sie dreh'n sich nochmal gen Berlin
So wie fast alle Cineasten

Schwermut/Leergut & das fünfhundertdreizehnte Gedicht

Deutsches Historisches Museum Berlin

Pfand der Helden

Ich leerte auf der Autofahrt
Mit Zielpunkt "Leergutautomat"
Vier Flaschen Wermut - ohne Pfand
So nahm denn wahr das halbe Land:
"Seht her, er trinkt nicht nur für's Geld ...!
Man ehre dich, du Leergutheld!"

Holzmarkt & das fünfhundertzehnte Gedicht

Holzmarktstraße

Ein Korallenriff aus Baukränen gibt mir zu verstehen: Auch meine alte Hood of F'Hain bekommt jetzt eine Mall! Aber anderswo bleibt die Zeit stehen. Seit immer.

Krankram

Ey, Berlin, wat wird'n ditte -
Bauste dir 'ne neue Mitte?
Nochma eene Innenstadt
Klotzte uns hier hin? Sach, wat
Wird'n ditte, jetzma echt?!
Ach, 'ne Mall? Okay. Nich schlecht ...
Halt zum x-ten mal 'ne Mall
X-beliebt bei Jung und Aal
Nix für unjut - der Passion
Frönste ja seit Jahren schon

Mag sein, Berlin wird sich aus Freude am Bauen
In eenem Jebäude mal selber verstauen

Pläne & das dreihunderteinundachtzigste Gedicht

Ritter Butzke Kreuzberg

Das zweite Mal in diesem Monat in der Stadt der Projekte. Das x-te Mal in diesem Jahr. In Berlin.

Der Traumtänzer

Für deine Pläne bräucht' es drei weitere Welten
Doch die Götter - sie halten sich grade zurück
Wie oft fehlte dir nur der Platz, um zu gelten?
Du hast mit den Schöpfern von Rahmen kein Glück!

Wenn die Welt erst beginnt, dich Versager zu nennen
Wappnest du dich schon längst mit 'nem neuen Projekt
Du bist und du bleibst einfach ewig im Rennen
Und hältst dich in puncto Erreichtes bedeckt

Kostümierst dich so gerne mit Excel-Tabellen
Und negierst deine Neigung zum Festangestellten
Du würdest dich ja deinen Aufgaben stellen
Doch bräuchte es dafür: drei weitere Welten

Kreuzberg & das dreihundertundvierte Gedicht

GSW-Hochhaus in der Rudi-Dutschke-Straße

Ripostegedicht auf Der römische Brunnen von Conrad Ferdinand Meyer.

Der römischere Brunnen

Es prasselt, es pläddert und plätschert und spritzt
Und sammelt sich erst auf der untersten Stufe
Sind Stile der Wasser kreativ bis gewitzt
Sprudelt es über und drüber! Ich rufe:
Ey, kennt keiner den Herrn Meyer mehr?!
Den Becken-Eins-bis-Drei-Verkehr?
Was soll sich hier an Sinn entfalten
Wenn keine Wasser innehalten
Und nicht ihr Fluss zur kurzen Rast
Von Marmorschalen wird gefasst?
Wenn alles nur strömt und gar nichts mehr ruht
Ist das für das Image des Brunnens nicht gut!
Dies hat sich seit Jahr'n als Metapher bewährt ...
Wie schon der Herr Meyer höchst trefflich erklärt

Berlinische Galerie & das dreihundertunddritte Gedicht

Eingang Berlinische Galerie

Museale Sehnsüchte.

Das Mus der Dinge

Was hab'n wir nicht alles schon tot hier begraben?
Und nichts hallt noch nach, bist du, Freund, nicht Museum
Doch du bist nicht Museum - Museum? Du nicht
Wir zwäng'n uns in engste Erinnerungswaben
Und all unsre Bilder und Schilder, die Wildheit
Fall'n eine Welt später nicht mehr ins Gewicht

Blaue/rosa Bauröhren & das dreihundertundzweite Gedicht

Baustelle Unter den Linden

Das Dutzend ist voll: zwölfte Berlin-Reise in diesem Jahr.

Berlin ist das

Berlin ist Spatz
Blaue Baugrubenröhren (oder in rosa)
Ist "Gab mal viel Platz ..."
Und gluckst: "Nachtruhe stören!" (als Allzweckbühne für die Poser)
Ist seit Jahr'n auf der Kippe
Und immer noch Punk
Historiengerippe
Seziert für das Hippe
Riskiert als Xanthippe die ganz dicke Lippe
Mit stets einer Brise Kloakengestank

Wenn du willst, stillst du hier noch den irrigsten Durst
Wenn du still bist, ist vieles ein Irrtum und Wurst

Bahnhof Friedrichstraße & das zweihundertachtundneunzigste Gedicht

Bahnhof Friedrichstraße

Wo einem Berlin noch wie Berlin vorkommt. Nach einem Schwarzbier mit Bauernfrühstück.

Unter den S-Bahnbögen

Unter den wummernden S-Bahnbögen
Gestanden sie stumm sich einander zu mögen
Befreit, beseelt sah'n sie sich an
Derweil die Bahn verschwand und dann
Enteilten auch sie, ohne weitere Worte
Doch fortan verbanden die zwei mit dem Orte
Wie nah man dort einander war
Obschon ja wirklich nichts geschah

Nachtrag:

Nun, wer den beiden zugeschaut
Schiebt dies auf im Lärm noch gefallene Worte
Doch dafür war's dann echt zu laut
Und wer mehr versteh'n will - der lausche dem Orte!

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