Ripostegedichte

Antwortgedichte zu Werken der großen und kleineren Poesie. Inspiriert von den Federn der anderen, monatlich vorgetragen in der Rubrik "Parade und Riposte" der Lesebühne Poetry & Parade - an jedem ersten Montag in der Seidlvilla in Schwabing.

Camp Amoureux & das dreihundertdreiundfünfzigste Gedicht

Fyling Sifaka

Sifaka im Camp Amoureux. Ein Ripostegedicht zu Bert Brecht.s "Erinnerung an die Marie A.".

Marie A. frisst ihre Kinder

Die eine Wolke weiß ich noch ...
Die als Schäfchen vom Land auf das Meer rausgetrieben
Der Verkleinerung trotzend - um schließlich dann doch
Ihrer Auflösung nachgab, bis nichts mehr verblieben
Als weitere Wolken, die ich noch erinner'
Jenem Schicksale folgend, dass keine Gewinner
Am Himmel von mir zu melden waren ...
Nur Berichte von Helden und Wolkengefahren

Bis zum Abend vom Meer eine ungeheuer weiße Front
Eroberte den Horizont ...
So viel wolkige Allmacht, vom Himmel besessen!

Ach, könnt' ich doch all diese Wolken vergessen ...

Das Lied der Deutschen & das dreihundertfünfzehnte Gedicht

Lange Anna Helgoland

Anlässlich des 175sten Geburtstags des Liedtextes - entstanden auf Helgoland - habe ich alle Worte der für die Deutschlandhymne gestrichenen ersten zwei Strophen neu arrangiert. Wurden schließlich auch bezahlt und sollten nicht unnütz verkümmern.

Lied der Deutschen, Strophe 1-2, re-arranged

1) Der treue Deutsche hält die Maas von Wein - und be(l)lt:
Unser Frauen sollen stets ihren Alten begeistern - über den schönen Biss!
Von Deutscher an Deutsche zum Deutscher über Deutsche
Deutscher in Deutsche!
Lang' alles an, alles - bis der Frauen Memel übertrutze!
Und es zusammen KlangSangSang ...

2) Alles wein': "Der Leben behalten!"
Uns brüderlich: "In Deutschland!" - edler Tat!
Und alles Welt in Deutschland ...
Der Treue über - deutscher Schutz!
Wenn der ganzes Welt Deutschland:
Deutschland zu - Etsch, Welt!

Tegernsee revisited & das dreihundertundachte Gedicht

Tegernsee

Ripostegedicht zu "Überlass es der Zeit" von Theodor Fontane.

Übernimm es mal selbst

Ja, doch die Zeit ist auch irgendwann rum!
Dann stehste da, Theo, und denkst dir: "Tja, dumm ...

Hätt' ich beizeiten mal etwas gedrängt
Mich durch all die andern nach vorne gezwängt

So wäre auch ich mal zum Zuge gekommen!"
So haben sich alles die andern genommen

Denn leider hat all deine Zeit-vergeht!-Thesen
Von denen, scheint's, irgendwie keiner gelesen

Und kommt dir das Glück all der andern zu Ohren
Erscheint dir Entgang'nes gleich doppelt verloren

Kreuzberg & das dreihundertundvierte Gedicht

GSW-Hochhaus in der Rudi-Dutschke-Straße

Ripostegedicht auf Der römische Brunnen von Conrad Ferdinand Meyer.

Der römischere Brunnen

Es prasselt, es pläddert und plätschert und spritzt
Und sammelt sich erst auf der untersten Stufe
Sind Stile der Wasser kreativ bis gewitzt
Sprudelt es über und drüber! Ich rufe:
Ey, kennt keiner den Herrn Meyer mehr?!
Den Becken-Eins-bis-Drei-Verkehr?
Was soll sich hier an Sinn entfalten
Wenn keine Wasser innehalten
Und nicht ihr Fluss zur kurzen Rast
Von Marmorschalen wird gefasst?
Wenn alles nur strömt und gar nichts mehr ruht
Ist das für das Image des Brunnens nicht gut!
Dies hat sich seit Jahr'n als Metapher bewährt ...
Wie schon der Herr Meyer höchst trefflich erklärt

Rilke & das zweihunderteinundneunzigste Gedicht

Tegernsee

Neue Serie: Riposte-Gedichte. Heute zum Rilke-Gedicht Herbsttag

Herbst#

Zerr' her ein "-heit"! Unsre Zeit schreibt sich groß.
Weil ja jede Befindlichkeit Thema sein muss,
Und lass den Schreibfluss der Blogger drauf los.

Jedem Laut erlaub' laut Endung ein Vollwort zu sein;
Gib allen den Glauben an eigne Geschichten
Lass die Spuren zum öligen Ich sich verdichten
Und füll mit Geheule die Fässer für Wein.

Wer jetzt noch nicht drin ist, der kommt nicht mehr rein.
Muss allein mit den Eltern im Facebook-Chat bleiben,
Kann eh ma' zum Thema nur lamen Kram schreiben
Und wird App-umrauscht alleene sein
Nicht checkend, was die andern treiben.

Weimar & das zweihundertzweite Gedicht

Goethe & Schiller Denkmal Weimar

Die Klassiker und ihre Evergreens im Remix.

Heideglöcklein

Sah ein Knab ein Röslein stehn
Concordia soll ihr Name sein
"Willst, feiner Knab, du mit mir gehn
Die Stadt vom Tyrannen befrein?"

Halb zog sie ihn, halb sank er hin
"Gestehe, dass ich glücklich bin."
Seht, er läuft zum Ufer nieder
Alle Menschen werden Brüder

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