Internet & Technik

Machinengedichte und New Media in neuen Metren und alten Formen.

Loisach & das eintausendsechshundertneunzigste Gedicht

Blick auf den Lauf der Loisach vom Jochberg

Fünfte Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Corona-Plauze, Olivenschiffchen, Quetzal, Granteln, Gendersternchen, Wetten Dass und Reizarmut.

Wetten Dass

Früher war mehr Lagerfeuer
Und das Publikum war treuer.

Früher, da war eine Show noch verbindlich
Unter dem Motto "Wer nix kann, gewinnt nich'".

Früher gab's mehr echte Stars,
Deutlich wen'ger Kameras.

Früher, da wurde noch feist überzogen,
Früher, da hat man meist feiner gelogen.

Früher musst es samstags sein -
Und die Auswahl war beinahe auswahllos klein.

Früher sah'n's gleichzeitig zwanzig Millionen -
Früher schien sich das zu lohnen.

Früher war mehr Wetten Dass
Und Lametta. - Bitte? - Spaß!

Schwanseeschwan & das eintausendsechshundertsiebenundfünfzigste Gedicht

Startende Schwäne am winterlichen Schwansee im Schwangau

Dritte Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Steuererklärung, die Abstammung vom Affen, Wim Thoelke, das Grend Kulturzentrum, Rot-Weiss Essen, Bierbrauen, Steingärten, Mütter und Tanz/Gymnastik.

Der große Preis

Wenn Thoelke raunte "Risiko!",
Erlosch das Licht und es war so,
Als wenn das Wort gewitterte.
Das Quiz als Leistungsdisziplin -
Da mich ob Wum und Wendelin
Schon Vorfreude durchzitterte.

Es keimte eine Hoffnung zart:
Da werd ich auch mal Kandidat!
Nur was wär mein Spezialgebiet?
"Zum dritten Mal heut mit dabei: ..."
"Ich nehme Umschlag Nummer Zwei!"
" ... sein Thema: Miezekatzelied."

(Was ist wohl mit Eberhard Gläser gescheh'n?
Hat irgendwer Eberhard Gläser geseh'n?)

Walter Spahrbiers Uniformen
Trotzten Unterhaltungsnormen
Wie echter Klotz aus Eichenschrank.
Der Taxifahrer Fritze Flink
War - unverstanden - mehr mein Ding
Dank Spaßkanonenüberschwang.

Schier pausenlos verlas man dann:
"Einhunderttausend Mark geh'n an: ..." -
Als würd die ganze Welt beglückt
Mit mir und Wim in ihrer Mitte -
"A bis Z einhundert, bitte!" -
Da die Entscheidung nahgerückt.

(Nur findet die Kürung des Siegers nicht statt,
Wenn Eberhard Gläser noch Einwände hat.)

Die Kandidaten war'n bereit
Zu Runde Drei (fast Schlafenszeit).
Die Ratekapseln schlossen sich
Um Wissen, dass dann Fachexperten
Recht stumpf mit "Alles richtig!" ehrten -
Und den Triumph genoss auch ich!

Ein Aktenkoffer, prall gefüllt
Mit Kram, der Wissensdürste stillt
Fürs "Weiterhin viel Freude mit ..." -
So zog'n die Themenrecken los.
Das war ihr Preis. Und der war groß.
So wie mein Fernsehappetit.

Seidenreiher & das eintausendsechshundertachtunddreißigste Gedicht

Startender Seidenreiher bei den Nußberger Weihern

Zweite Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Heinzelmännchen, Zustand zwischen Schlaf und Wachsein, Carmina Burana, Glückspilze, Vampire, Energetische Gebäudesanierung, Gewissheit des Todes, Gutes Reimen, Frischluft, Griechenland und Vernichtung der Menschheit.

Vampire 2.0

Statt aus saugen wir unsre Opfer ganz ein,
Verdammt dazu, immerzu bei uns zu sein.
Die Zähne hab'n wir dezent Cookies genannt
Und seh'n den Protestruf "Genug is!" entspannt,
Denn die treuesten unserer Sklaven sind bald
Auch tagsüber nur Nachtgestalt.

Hast du vorm Reich der Finsternis,
Graf Dragoogla und Insta Schiss?

Es zeigt sich unser Herrschaftswandel
Als Untertanen schon'nder Handel:
So macht der Mut zum Datenfluss
Mit altem Blutdurchwaten Schluss!

Steilabfahrt & das eintausendsechshunderteinundzwanzigste Gedicht

Skiabfahrtspiste vom Luitpoldhügel

Erste Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Yoga, Serienbingen, Netflix, Geschwurbele, E-Mobilität, Marilyn's Army, Hochzeitsfotografen und Fanfiction.

Netflix (ein Gedicht über das Maxvorstädter Isabella-Studio)

Ging Netflix in die Insolvenz,
So würden nicht mal treue Fans
Dies tiefstgrämig bedauern
Und viele, die drauf lauern
(zum Beispiel ich),
Gäb'n lediglich
In Kürze zu verstehen,
Dass Fürze halt verwehen.

Doch müsste ab morgen mein Eckkino schließen,
Würd' das wohl wahrscheinlich ganz München verdrießen
Als Zeichen, dass unsre Gesellschaft sich windet
Und im desaströsesten Zustand befindet.
Man würde die fehlenden Arthouse-Filmstreifen
Als Stadtviertelödnisverschlimm'rung begreifen -
Fand auch selten mal was vor mehr Zuschauern statt
Als Netflix in Mio an Stammsehern hat.

Aber Netflix als fat Nix ist völlig entbehrlich
Und das Isabella so kuschelig ehrlich.

Wahrer Wert und Warenwert
Sehen hier einander an -
Und es ist recht fix erklärt,
Worauf man verzichten kann.

Fun Solo & das eintausendsechshundertzwanzigste Gedicht

Im winterlichen Luitpoldpark

Erste Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Yoga, Serienbingen, Netflix, Geschwurbele, E-Mobilität, Marilyn's Army, Hochzeitsfotografen und Fanfiction.

Serienbingen

Folgenlose Serienferien!
So viel Zeit und Geist ging'n drauf -
Eh die Binges uns entleer'n, zieh 'n
Straffen Staffelstopfen auf!

Lockdownausflug & das eintausendsechshundertelfte Gedicht

Am Chiemsee in Übersee

In Social Media

Wo jeder glitzbeseelter Juchzer
Nur Fokus-Küsse will,
Ist auch ein Social-Issue-Schluchzer
Nicht angemessen still.

Der "Ich! Ich!"-Dresscode scheint frivol?
Wir stylen uns fürs Monopol.

Fröttmaning & das eintausendfünfhundertfünfundneunzigste Gedicht

Blick gen Fröttmaning vom Olympiaberg

Meeting the Influencers

Sie setzten sich so, dass ich gar nichts mehr seh -
Sie halten sich wohl für 'ne Aussicht!?
Und mich für Ihr Instagram-Fangirl in spe?
So hör'n Sie: Das bin ich durchaus nicht!

Sie sind zwar von reiner Durchschaubarkeit beim
Notorischen Selfie-Posieren -
Doch fehlt meinem Blick nun ein brauchbares Heim
Im schambloßen Schlachtfeld der Ihren!

Riedlhütte & das eintausendvierhunderteinundachtzigste Gedicht

Am Kreuzotternpfad im Bayrischen Wald bei Riedlhütte

Der Influencer scheitert am Medienwechsel

Will ich wirklich viel zu viel?
Wieso ist's so TVzil? (engl. Aussprache von "TV" vonnöten)

Abmarschplatz & das eintausendvierhundertsiebenundvierzigste Gedicht

Das NS-Dokumentationszentrum am Königsplatz

Veteranen am Strand

Es war Krieg, den der Sommer Vergangenheit sein lässt -
Der Frühling verspricht zu gern schiefen Triumph,
Wenn Welt sich aus Angst vor Veränderung einnässt
Und Regengefahr zwickt das Leben im Sumpf.

Es war Krieg, weil für Frieden der Anlauf zu kurz war
Und viel zu viel Sehnsucht im Sang der Soldaten -
Schon strich der Verdacht über manches Geburtsjahr,
Doch alles schrie: Davon war nichts zu erwarten!

Es war Krieg, weil dies Selfie im Album noch fehlte -
Uns drohte ein Untergang in Langeweile!
Manch Schweigen schon Feedbackkanäle entseelte -
Das Bröseln der Neuigkeit zwang uns zur Eile!

Es war Krieg, den der Sommer Vergangenheit sein lässt -
Er bescheint unsre Hände als unschuldig rein.
Es war Krieg, dessen Schuldscheinbedruckung schnell einblässt -
Wenn Zeit die Geduld frisst, wird wieder Krieg sein.

Himmel in München & das eintausendvierhundertfünfundvierzigste Gedicht

Frühlingshimmel bei Schloss Nymphenburg

The medium is the message

Nun hat über Nacht sich die Sprache geändert
Und der Brief, den ich schrieb, schwatzt verwirrt.
Sein Sinn ist von toter Beschwingtheit gerändert
Und alles verstörungsumflirrt.

Heut spreche ich längst schon in gültigen Worten.
Eine App stellt die Orthographie.
Die Umrandung wähl ich aus fast zigtausend Sorten.
Es sind Schwung und Sinn glücklich wie nie.

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