Sehr irreleitend blüht doch die
Zartkerzende Kastanie!
Als ahnte sie nichts von der Stacheligkeit,
Vom harten Geschoss, das nach einiger Zeit
Sich dem igeliggrünen Gewande entschält,
Qua Gestalt andre Stories des Werdens erzählt.
Sind sich all die treuen Bestäuber im Klar’n
Über der Kastanie Plan?
Denn irreleitend blüht doch die
Zartkerzende Kastanie.
Es tilgt der harte Kärcherstrahl
Den Gilb vom Annodazumal,
Es rupft hervor der rüde Sprüher
Den neugebor‘nen Schlupf vom Früher.
Er schwemmt hinfort geballte Jahre
Und zerrt das Dämmern von der Bahre,
Er drillt den Neustart auf ein Jahr,
Da ich noch wilder Hoffnung war –
Eh mich des Alters Schlämme wuschen.
Will die Kirche im Dorf sich erneuern
Nach dem dreckigen Kolonialismus,
Muss sie den Wert unsres Kreuzzugs beteuern
Gegen Hexen-Kannibalismus.
Wer in Glaubensfragen Abstand wahrt
Gitscht im Bodensatz unserer Werte!
Die Kluft wird schnell ein schmaler Grat
Und die Gastfreundschaft schwindet in Härte.
Denn jeder, der nicht bei uns mitglaubt, der zahle
Mit dem schwär’nden Verdacht, er sei selbst Kannibale.
Entschuld’jen Se bitte ma, wat soll hier datt ’n?
Se steh’n da jrad feistfüßig uff meenen Schatten!
Mag sein, ditt is da, wo Se herkomm so üblich –
Vom Punkt Kultiviertheit fänd ick’s ja betrüblich –
In Kenia, je’nfallz, jilt: Respekt vor die andern!
Bedeutet: Person nebst Silwette umwandern!
Hier bremsen vom Anstand errichtete Ampeln
Den Frevel, auf andrerleuts Seele zu trampeln!
So, lernt ditt jefällichst ma, Fehltrittchaoten:
Im Schatten steht imma „Betreten vaboten“!
Mein Müßiggang macht Einkaufsstraßen
Zu auserwählten Boulevards,
Erst zweckgelöst macht Laufen Spaß, wenn
Im Jenseits aller Zeit-Etats
Auch der Gedanken Gang entspannt.
Und füllbereiten, leichten Schrittes
Gerät jed Weg ins Nichts verziert,
Zieht unbeschwerten Lichtsinn mit, es
Verrät ein Strauch, der mich passiert,
Er sei noch lyrisch unbenannt.
Denk es in Handschweiß, denk es in Plastik –
Weiß wohl, du denkst: Scheiß Gedankengymnastik!
Das gräuliche Vergilben
Der Computertastatur,
Der Chor der Hausstaubmilben
In Ritzen dort singt, nur
Es hapert an Verständlichkeit:
Auch digital herrscht Endlichkeit.
Denk’s in Accounts-, Clouds- und Updates-Verwalten –
Weiß wohl, du denkst: Das bleibt ewig erhalten!
Ein weiteres schönes Gedicht zum Preise Heidelbergs (Following Hölderlin)
Heil den Zwerg in Heidelberg!
Die Leud‘ da sind von Fach und Werk:
Schau, schaukelnde Stühle! Kuck, kuckende Uhren!
Vom Gemüt reinste Lichkeit für Winzkreaturen.
’ne Spur geeisten Banns entsteht,
Wenn man statt weg viel sophisch geht.
Hölderniedlichst wird’s Städtchen zur Miniatur –
Hier schicken wir Minni und Manni zur Kur!
Hei, del Berg und ei, der Daus!